frech

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›frech‹ als Erstglied: ↗Frechdachs · ↗Frechling  ·  mit ›frech‹ als Letztglied: ↗rotzfrech
eWDG, 1967

Bedeutung

es jmdm. gegenüber in herausfordernder Weise an der nötigen Achtung fehlen lassend, (ein wenig) respektlos
Beispiele:
er ist immer so frech (zu mir)
salopp frech wie Oskar (= sehr frech)
umgangssprachlich frech wie ein Rohrspatz (= sehr frech)
er ist der Frechste von allen
umgangssprachlich ein frecher Bengel, Kerl, Bursche, ein freches Ding
umgangssprachlich freche Gören
umgangssprachlich, scherzhaft du freche Kröte, Krabbe!
salopp, scherzhaft so eine freche Blase, Rübe!
salopp, derb ein freches Luder
er wurde sogar noch frech, als ich ihn darauf hinwies
er hat mir frech ins Gesicht gesagt, dass ...
jmdm. frech ins Gesicht lachen
salopp, abwertend frech feixen
freche Blicke
freche Anspielungen, Äußerungen, Bemerkungen machen
freche Streiche
eine freche Antwort
ein frecher Witz
das war wirklich zu frech
salopp halt deinen frechen Mund
derb halt dein freches Maul
salopp ein freches Mundwerk haben
Aber der Bauer war auch frech (= zudringlich) zu ihr [BrechtFurcht u. Elend11]
derb Hat ein paar in seine freche Schnauze gekriegt [RemarqueSchwarzer Obelisk143]
umgangssprachlich jmdm. frech kommenjmdm. ungehörig begegnen
Beispiel:
Er sei ihr frech gekommen. Das Scheusal habe ihr ins Gesicht gesagt, sie betrüge ihn um seine Einnahme [BredelSöhne406]
dreist, unverschämt, schamlos
Beispiele:
etw. frech leugnen
jmdn. frech anlügen
frech auf etw. beharren
eine freche Lüge, Herausforderung, Forderung
ein frecher Betrug, ein freches Ansinnen
freche Willkür
freche Vertraulichkeit, frecher Hohn
etw. mit frecher Stirn behaupten (= etw. dreist behaupten)
salopp ich würde ihm am liebsten eine in sein freches Gesicht reinhauen
Frankreich wird die frechen Räuber aufs Haupt schlagen [Feuchtw.Narrenweisheit328]
kess, lustig-herausfordernd
Beispiele:
eine freche Zeichnung, Karikatur, Melodie
hing sie [die Krawatte] ihm rot und frech um den Hals [BrechtDreigroschenroman70]
Frech frisierte Mädchen [KischRasender Reporter104]
mit ihrer schwarzen Ponyfrisur und ihrer frechen Nase [RemarqueSchwarzer Obelisk9]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

frech · Frechheit
frech Adj. ‘dreist, unverschämt, übermütig, draufgängerisch’, ahd. freh ‘habsüchtig, gierig, ehrgeizig’ (8. Jh.), mhd. vrech ‘mutig, tapfer, dreist’, mnl. vrec ‘habsüchtig, gierig, hartherzig’ (vgl. nl. vrek ‘Geizhalz’), aengl. frec ‘gierig, keck, kühn’, anord. frekr ‘gierig, hart, streng’, got. -friks ‘gierig’ in faíhufriks ‘geldgierig’ (germ. *freka-) sowie die ablautenden Bildungen mnd. vrak, mnl. vrac ‘gierig’, schwed. (mundartlich) fräk ‘schnell, mutig’ und die n-Ableitungen asächs. frōkan ‘kühn, mutig’, anord. frœkn ‘kühn’ sind ihrer Herkunft nach ungeklärt. Nimmt man Verwandtschaft mit griech. spargā́n (σπαργάν) ‘schwellen, strotzen (von Milch), voll Begierde und Wollust sein, heftig begehren’ an, so können die germ. Formen als Varianten ohne anlautendes s- (über ie. *preg- ‘gierig, heftig’) vielleicht zu ie. *(s)p(h)ereg-, einer Gutturalerweiterung der unter ↗Sporn (s. d.) genannten Wurzel ie. *sp(h)er(ə)- ‘zucken, zappeln, schnellen’, gestellt werden (s. auch ↗frank). Die Ausgangsbedeutung ‘gierig, heftig’ entwickelt sich über ‘mutig, kühn, keck, dreist’ im Nhd. bis zu ‘übermütig, unverschämt, schamlos’. Frechheit f. ‘unverschämtes Verhalten’, mhd. vrechheit, vrecheit ‘Kühnheit, Verwegenheit’.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufreizend · ↗flott · frech · ↗herausfordernd · ↗keck · ↗kess · ↗kokett · ↗neckisch  ●  ↗fesch  ugs., süddt.
Assoziationen
Synonymgruppe
anmaßend · ↗dreist · ↗flapsig · ↗respektlos · ↗rücksichtslos · ↗salopp · schlecht erzogen · ↗unangemessen · ↗unanständig · ↗unartig · ↗unflätig · ↗ungebührend · ↗ungebührlich · ↗ungehobelt · ↗ungehörig · ↗ungeschliffen · ↗ungesittet · ↗ungezogen · ↗unhöflich · ↗unmanierlich · ↗unverfroren · ↗unverschämt  ●  frech  Hauptform · ↗präpotent  österr. · ↗dreibastig  ugs., regional · einen Ton am Leib (haben)!  ugs. · frech wie Dreck  ugs. · ↗impertinent  geh. · ↗kodderig  ugs. · ↗koddrig  ugs. · kotzbrockig  derb · ↗nassforsch  ugs. · ↗nickelig  ugs. · ↗pampig  ugs. · ↗patzig  ugs. · ↗rotzfrech  ugs. · ↗rotzig  ugs. · ↗rotznäsig  ugs. · ↗schnodderig  ugs. · ↗unbotmäßig  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
frech · ↗keck · ↗kess · locker-flockig · ohne falsche Scham · ↗unbekümmert · ↗ungeniert · ↗ungezwungen · ↗vorlaut · ↗vorwitzig · ↗zwanglos  ●  ↗schamlos  fig. · locker vom Hocker  ugs. · ↗schmerzfrei  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
chic · ↗elegant · ↗fesch · ↗flott · ↗kleidsam · ↗modisch · ↗schick · ↗schmissig · ↗schmuck · ↗schnittig  ●  frech  fig. · ↗cool  ugs. · ↗geil  ugs. · ↗schnatz  ugs., regional · ↗schnieke  ugs., berlinerisch · ↗stylish  fachspr., werbesprachlich · ↗todchic (Verstärkung)  ugs. · ↗todschick (Verstärkung)  ugs.
Assoziationen
  • (perfekt) gestylt · durchgestylt · herausgeputzt · ↗piekfein  ●  (schwer) in Schale  ugs. · aufgebrezelt  ugs. · aufgedonnert  ugs. · aufgetakelt  ugs. · ↗geschniegelt  ugs. · geschniegelt und gebügelt  ugs. · geschniegelt und gestriegelt  ugs. · in Kluft  ugs. · wie ein Pfingstochse  ugs. · wie ein Zirkuspferd  ugs.
  • (die) Mode sein · Konjunktur haben(d) · Szene... · ↗aktuell · dem Zeitgeist entsprechend · ↗gefragt · im Trend liegen(d)  ●  (...) ist das neue (...; ist der / die neue ...)  Jargon, floskelhaft · zum guten Ton gehören(d)  fig. · (voll) im Trend  ugs. · ↗Kult  ugs. · ↗angesagt  ugs. · ↗en vogue  geh., franz. · ↗hip  ugs. · hoch im Kurs stehen  ugs. · im Schwange (sein)  geh. · ↗in (betont, Emphase)  ugs., engl. · in Mode  ugs., Hauptform · ↗kultig  ugs. · ↗sexy  ugs., fig. · ↗trendig  ugs. · ↗trendy  ugs.
  • ausgehfertig · ↗stadtfein
Synonymgruppe
dreist · frech · frechweg · ↗glatt · ↗kaltschnäuzig · unverfrorenerweise · ↗unverschämterweise
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufsteiger Bengel Früchtchen Grinsen Gör Göre Kerl Kurzhaarschnitt Lüge Mundwerk Radio-Frau Schnauz Schnauze Spatz Spruch aufspielen dreist dumm erfrischend forsch frisch frivol grinsen mutig respektlos selbstbewußt spritzig unbekümmert unverschämt witzig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›frech‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diesmal wollte sie es besonders frech angehen, dabei verlor sie die rechte Linie.
Süddeutsche Zeitung, 20.12.2000
Der übrigen Welt traten Sie ja wenig verehrend gegenüber, Sie galten als frech.
Der Tagesspiegel, 05.11.1999
Auf der Straße beginnt er, eine kleine freche Melodie vor sich hinzusummen.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 104
Es ist doch immer einer so frech wie der andere, meinte sie.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 09.05.1938, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Er war sicher ein frecher Hund, aber hierfür langte es nicht.
Spoerl, Heinrich: Die Feuerzangenbowle, München: Piper o.J. [1933], S. 199
Zitationshilfe
„frech“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/frech>, abgerufen am 19.12.2018.

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