freie Bahn

Grammatik Mehrwortausdruck, ohne Artikel · wird meist im Singular verwendet
Bestandteile freiBahn
Rechtschreibregeln § 63 (1.2)
ZDL-Vollartikel, 2020

Bedeutung

umgangssprachlich uneingeschränkte Handlungsfreiheit; ungehinderte Möglichkeit zur Entfaltung, Verbreitung
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: freie Bahn haben; jmdm., einer Sache freie Bahn lassen; (jmdm., einer Sache, sich) freie Bahn schaffen, verschaffen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: für jmdn., etw. freie Bahn schaffen
Beispiele:
Und Liberalität und Offenheit sind keine Ausrede dafür, dem Hass und der Hetze uneingeschränkt freie Bahn zu lassen. [Süddeutsche Zeitung, 21.01.2017]
Wer sich […] gern in sozialen Netzwerken betätigt, sollte tunlichst vermeiden, dort mit genaueren Informationen zu seinem Urlaub zu prahlen. Viele Einbrecher durchforsten das Internet genau noch solchen Daten, um freie Bahn zu haben. [Welt am Sonntag, 29.11.2015, Nr. 48]
Die lizenzierte Jagd sei besser, als Wilderern freie Bahn zu lassen, meinen Befürworter. [Spiegel, 19.10.2015 (online)]
Es schien so, als habe die Kanzlerin einen weiteren Konkurrenten weggeräumt und sich freie Bahn geschaffen. [linkepower, 18.04.2013, aufgerufen am 28.04.2016]
Das Verschwinden der Polizei aus den Strassen hat Schlägern und Plünderern freie Bahn gelassen. [Neue Zürcher Zeitung, 31.01.2011]
Von Menschen angerichtete Umweltzerstörung habe Steppen und natürliche Hindernisse zerstört und Sandstürmen freie Bahn geschaffen[…]. [Der Standard, 04.03.2007]
[…] alle Hindernisse waren aus dem Weg geräumt, wir hatten freie Bahn, und die Freiheit der Sixties lag vor uns. [Der Tagesspiegel, 30.07.1998]
Ranger bekamen ihr Gehalt nicht mehr, es fehlte an Benzin und an Ersatzteilen für die Geländewagen, Wilderer hatten freiere Bahn denn je, und die Elefanten schwanden noch schneller als in den 1980er-Jahren. [Süddeutsche Zeitung, 14.08.2015] ungewöhnl.
Sie sehen, dass ein kleiner Anlass genügt, um schlummerndem Massenfrust freie Bahnen zu lassen. [Welt am Sonntag, 11.05.2003] ungewöhnl. Pl.
Phrasem:
Freie Bahn dem, den Tüchtigen(!) (= jmd., der etwas leistet, soll in seinem Streben nicht behindert werden)
Beispiele:
Meritokratie, Herrschaft nach Verdienst ist eine schöne Vorstellung, »Freie Bahn dem Tüchtigen!« war eine Forderung der Sozialdemokratie gegen die Privilegien des Adels. [Süddeutsche Zeitung, 27.04.2015]
Das amerikanische Bürgertum ist demokratisch gewesen, und wenn es ihm gelungen ist, die breiten Massen der Arbeiterschaft in seinen Weg mit hinüberzuführen, so nur deswegen, weil es von Anfang an von einer starken sozialen Einstellung durchdrungen war, Freie Bahn dem Tüchtigen hieß der Grundsatz, der nur in der eigenen Leistung, nicht im überkommenen Erbe die Berechtigung für den materiellen Aufstieg sah. [Die Zeit, 04.07.1946, Nr. 20]
Die Freiheit muß nicht nur gegen den Staat, sondern auch gegen extreme Marktmacht und Abhängigkeitsverhältnisse verteidigt werden. Von dieser »Drittwirkung« der Grundrechte will die FDP aber offenbar nichts mehr wissen, weil, wie sie meint, solche Fürsorge für den Schwächeren nur ein Hindernis in der freien Bahn des Tüchtigen bildet. [Süddeutsche Zeitung, 07.06.1996] ungewöhnl.
Ronald Reagan und die Seinen betreiben eben entschlossen Politik nach dem Motto: freie Bahn den Tüchtigen. [Die Zeit, 07.08.1981, Nr. 33] ungewöhnl. Pl.

Thesaurus

Synonymgruppe
frei · ohne Beschränkung · ohne Limit · ↗uneingeschränkt · ↗ungehindert  ●  freie Bahn  fig.
Zitationshilfe
„freie Bahn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/freie%20Bahn>, abgerufen am 01.06.2020.

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