Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

freilich

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GrammatikAdverb
Aussprache 
Worttrennung frei-lich
eWDG

Bedeutungen

1.
bezeichnet eine Einschränkung   allerdings
Beispiele:
der Schüler ist begabt, freilich fehlt es ihm an Fleiß, es fehlt ihm freilich an Fleiß
freilich ist dazu gleich eine wichtige Einschränkung zu machen
ich habe alles, was ich brauche. Freilich, eins fehlt mir doch noch: …
viel Zeit habe ich freilich nicht
morgen kommen sie, nicht alle freilich, aber doch viele
damit freilich hatte er nicht gerechnet
[der junge Mann] der von seinem Vater die männliche Schönheit … freilich nicht seine robuste Gesundheit geerbt hat [ St. ZweigBalzac202]
bezeichnet eine Einräumung   wie man zugeben muss
Beispiele:
in der Regel ist das so, aber freilich gibt es Ausnahmefälle
diese Tatsache freilich spricht dagegen
er hatte sich sehr geärgert, wozu freilich auch Anlass war
wenn das so ist, dann freilich kannst du nichts dafür
ein freilich sehr schönes Stück, aber …
vier Wochen … während deren ein freilich heftiger Katarrh ihn plagte [ Th. MannLotte7,593]
2.
landschaftlich, umgangssprachlich verstärkt eine Bejahung
Beispiele:
kommst du morgen? Freilich!
ja, freilich ist es ihr Sohn
Es läßt sich verstehen, ja, freilich [ KästnerLottchen124]
»Ihr trinkt doch ein Schnäpschen« … »Ei freilich, gern« [ DodererLederbeutelchen48]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
frei · Freiheit · befreien · Befreiung · freilich · Freibank · Freibeuter · Freibrief · Freidenker · Freigeist · Freihafen · Freihandel · Freiherr · Freifrau · Freimaurer · freimütig · Freimütigkeit · Freimut · Freistaat · Freistatt · Freistätte · Freitod · freiwillig · Freiwilligkeit · Freizeit
frei Adj. ‘unabhängig, unbeschränkt’, ahd. frī (um 800), mhd. mnd. mnl. vrī, nl. vrij, asächs. frī- in frīlīk ‘frei’, aengl. frēo, engl. free, got. freis gehören mit kymr. rhydd ‘frei’ zur Wurzel ie. *prāi-, *prī- ‘gern haben, schonen, friedlich-frohe Gesinnung’ wie auch aind. priyáḥ ‘eigen, lieb’, prīṇā́ti ‘erfreut, ergötzt, ermuntert, findet Gefallen an etw., genießt’, (vielleicht) griech. prāÿ́s (πραΰς, aus *πραι̯υ-?) ‘sanft, gelinde, zahm’, aslaw. prịjati ‘hold sein, beistehen’, mruss. prijat’ (npuяmь) ‘begünstigen, wohlgesinnt sein’, aslaw. prịjatelь, russ. prijátel’ (приятель) ‘Freund’ sowie freien, Freitag, Freund, Friede, Friedhof (s. d.). Vgl. dazu ahd. frīhelsī, aengl. frēols, got. freihals ‘Freiheit’, anord. frjāls ‘frei’, die wohl von der ‘Unantastbarkeit des Halses’ (eines freien Mannes im Gegensatz zum Unfreien) ausgehen. Die sich nur im Germ. und Kelt. vollziehende Entwicklung von ‘lieb’ zu ‘frei, unabhängig’ erklärt sich aus einer Vorstellung ‘zu denen gehörig, die man gern hat und schont’, also den Freunden, den Stammesgenossen (im Gegensatz zu den stammesfremden Unfreien und Kriegsgefangenen). – Freiheit f. ‘Unabhängigkeit’, ahd. frīheit (um 1000, Notker), mhd. vrīheit, auch ‘Privileg, privilegierter Bezirk’, vgl. nhd. Schloß-, Baufreiheit. befreien Vb. ‘unabhängig machen, erlösen’, mhd. bevrīen; vgl. mhd. vrīen, nhd. (älter) freien ‘frei machen’ (s. Gefreiter). Befreiung f. ‘Entledigung (von Verbindlichkeiten), Erlösung’ (15. Jh.). freilich Adv. ‘gewiß, bestimmt, allerdings’, mhd. vrīlīche(n) ‘unbehindert, freimütig, offenbar, unbekümmert, frischweg, ohne Zaudern’; vgl. ahd. frīlīh Adj. (9. Jh.), mhd. vrīlich ‘frei, schrankenlos, unbefangen’. Freibank f. ‘Verkaufsstand für wertgemindertes Fleisch’ (19. Jh.), älter ‘für alle Fleischer zur freien Benutzung stehender Verkaufsstand’ (16. Jh.). Freibeuter m. ‘Pirat, Seeräuber’ (16. Jh.), mnd. vrībǖter ‘mit Vollmacht zum Kapern feindlicher Schiffe ausgerüsteter Schiffsführer oder Seemann, Seeräuber’, nl. vrijbuiter. Freibrief m. ‘verbrieftes Privileg, Anrechtsurkunde’ (15. Jh.), heute meist übertragen ‘Erlaubnis’ (für sonst Unstatthaftes), älter ‘Freilassungsurkunde’ (für einen Unfreien). Freidenker m. ‘von Religion Unabhängiger, nur der Vernunft, den eigenen Anschauungen Verpflichteter’ (18. Jh.), Übersetzung von engl. freethinker, nach einer gleichnamigen englischen Wochenschrift; dazu Freidenkerei, freidenkerisch (18. Jh.). Freigeist m. ‘geistig unabhängiger Mensch’, zunächst ‘Ketzer, Religionsverächter’ (17. Jh.); früher bezeugt ist freier Geist ‘Ketzer, Sektierer’ (seit 14. Jh.); dazu Freigeisterei (18. Jh.). Freihafen m. ‘Hafen außerhalb des Zollgebietes’ (18. Jh.). Freihandel m. ‘von Zollschranken und anderen einzelstaatlichen Beschränkungen unbehinderter Handel’ (19. Jh.), Übersetzung von engl. free trade. Freiherr m. Freifrau f. dem Baron entsprechender Adelstitel, spätmhd. vrīherre ‘freier Edelmann’, vrīvrouwe. Freimaurer m. Angehöriger einer übernationalen Gemeinschaft mit humanitärer Zielstellung (18. Jh.). Der in England gegründete Geheimbund bedient sich der Symbole und Bräuche mittelalterlicher Bauhütten, aus denen sich der Name herleitet, engl. freemason, frz. franc-mac̦on (s. Steinmetz); Freimaurerei f. (18. Jh.). freimütig Adj. ‘offen, unerschrocken’, mhd. vrīmüetic; Freimütigkeit f. ‘Unerschrockenheit’ (16. Jh.), auch Freimut m. (17. Jh.), vereinzelt bereits mhd. vrīmuot. Freistaat m. ‘Republik’ (1768 von der Schweizer Eidgenossenschaft; nach Abschaffung der Monarchie 1918 nennen sich die meisten deutschen Länder Freistaat, heute noch die ehemaligen Königreiche Sachsen und Bayern). Freistatt, Freistätte f. ‘Zufluchtsort, Asyl’, im 14. Jh. bereits als Flurname, allgemein gebräuchlich seit dem 17. Jh. Freitod m. euphemistisch für ‘Selbstmord’ (Ende 19. Jh.), nach Vom freien Tod (Nietzsche, Zarathustra, 1883). freiwillig Adj. ‘aus eigenem Antrieb’ (16. Jh.), älter Freiwilligkeit f. ‘eigener innerer Antrieb’ (15. Jh.). Freizeit f. ‘arbeitsfreie Zeit, Zeit der Erholung’ (19. Jh.).

Bedeutungsverwandte Ausdrücke

freilich · schon · wohl · zwar (... aber)
Assoziationen

aber · abgesehen davon · allerdings · dessen ungeachtet · freilich · gewiss · gleichwohl · immerhin · indessen · jedenfalls · jedoch · nichtsdestominder · nichtsdestotrotz · nichtsdestoweniger · schließlich · sicher · sicherlich · trotz alledem · trotz und allem · trotzdem · wenigstens · wie auch immer · zugegeben · zugegebenermaßen · zumindest  ●  (aber) was soll ich sagen, ... ugs., floskelhaft · abseits dessen geh. · allein geh. · davon ab ugs. · dies sei zugestanden geh. · indes geh. · unbeschadet dessen fachspr., Amtsdeutsch · ungeachtet dessen geh., juristisch, Jargon
Assoziationen

direkt · durchaus · einfach · gerade · geradewegs · geradezu · glatt · glattweg · glattwegs · platterdings · reinewegs · reinweg · reinwegs · rundheraus · rundweg · schlankwegs · schlechtweg · schlechtwegs · schlicht · schlicht und einfach · schlichtweg · schlichtwegs  ●  direktemang ugs., berlinerisch, norddeutsch · freilich ugs., süddt. · geradezus ugs., regional · gradweg ugs. · nachgerade geh. · praktisch ugs. · rein ugs. · schier geh. · schlankweg ugs. · schlechterdings geh., veraltend · schlechthin geh.
Assoziationen

(ja / aber) selbstverständlich! · (ja) sicher! · Logisch! · aber sicher! · absolut! · allerdings! · auf jeden Fall! · ja klar! · selbstredend!  ●  No na! österr. · (Ja / Aber) natürlich! ugs. · (Ja) freilich! ugs., süddt. · (Ja) was denn sonst! ugs. · (Ja) was glaubst du denn! ugs. · (aber) klar doch! ugs. · (ja) na klar! ugs. · (na) und ob! ugs. · Das ist doch gar keine Frage! geh. · Was dachtest du denn! ugs. · aber hallo! ugs. · aber immer! ugs. · ja watt'denn! ugs., ruhrdt. · klaro! ugs. · logo! ugs. · na sicher! ugs. · sischer dat! ugs., kölsch · yeah! ugs., engl.
Oberbegriffe
  • Aber sicher! · Definitiv! · Du sagst es! · Genau! · Ich stimme Ihnen zu. · Ich stimme dir zu. · Ja genau! · Sie sagen es! · Stimmt genau! · Stimmt! · Wem sagst du das! · ja  ●  Korrekt! szenesprachlich · Positiv! Jargon · Yep! jugendsprachlich · Aber ja! ugs. · Absolut! ugs. · Da sagst du was! ugs., Spruch · Exakt! ugs., szenesprachlich · Word! ugs., jugendsprachlich
Assoziationen
  • absolut · bestimmt · definitiv · fraglos · ganz bestimmt · gewiss · hundertprozentig · in jedem Fall · komme was (da) wolle · mit Bestimmtheit · mit Sicherheit · ohne Frage · ohne Zweifel · sicher · so gut wie sicher · unzweifelhaft · zweifellos · zweifelsohne  ●  (so) sicher wie das Amen in der Kirche Redensart · allemal ugs. · auf jeden Fall ugs. · außer Zweifel geh., veraltet · es sei Ihnen versichert (dass) geh. · garantiert ugs., fig. · hundertpro ugs. · jedenfalls ugs. · partout ugs. · safe ugs., jugendsprachlich · sei versichert (dass) geh. · seien Sie versichert (dass) geh. · todsicher ugs. · unbestritten geh. · unter Garantie ugs. · worauf du dich verlassen kannst! ugs., Redensart · worauf du einen lassen kannst derb
  • darauf kannst du wetten! · das kannst du mir glauben!  ●  da kannst du aber drauf an! ugs., ruhrdt. · da kannst du einen drauf lassen! derb · darauf kannst du Gift nehmen ugs. · darauf kannst du deinen Arsch verwetten ugs., salopp, Spruch · das glaub aber mal! ugs., ruhrdt. · das glaubst du doch wohl! ugs. · verlass dich darauf ugs. · verlass dich drauf ugs.
  • Ja, Oma. · Ja, Opa.  ●  Ja nee, is(t) klar. ugs., ironisch · Ok, Boomer. ugs., abwertend
  • Aha! · Ich verstehe.  ●  Ach so! ugs. · Schon klar. ugs. · Verstehe. ugs.
  • (Das) ist mir klar. ugs. · (Das) weiß ich doch! ugs. · Schon klar. ugs. · naja klar! ugs.
  • absolut! · definitiv! · unbedingt! (Antwortpartikel)  ●  auf jeden Fall! ugs. · keine Frage! ugs.
  • da geh(e) ich jede Wette ein · davon bin ich überzeugt  ●  jede Wette! ugs.
  • logischerweise · natürlich · selbstverständlich · versteht sich (Einschub)  ●  wie könnte es anders sein Einschub · selbstredend geh. · selbstverfreilich ugs., scherzhaft
  • (ja) was denken Sie (denn)! · (ja) was denkst du denn! · (ja) was denn sonst!? · (oder) etwa nicht? · dachten Sie etwa (...)? · was dachten Sie denn!  ●  wo leben Sie denn! Spruch · ja watt'denn! ugs., rheinisch
  • (auch) meine Meinung (sein) · (da) bin ich (ganz) bei Ihnen · (da) bin ich (ganz) bei dir · (das) sehe ich auch so · (das) sehe ich ganz genau so · absolut richtig · ganz richtig · genau richtig · richtig so · sehr richtig · stimmt genau · vollkommen richtig · völlig richtig  ●  (ich bin) ganz deiner Meinung variabel · Du sprichst ein großes Wort gelassen aus. geh., Zitat · Wo er recht hat, hat er recht! ugs., Spruch · absolut! ugs. · das kann man wohl sagen! ugs. · das walte Hugo! ugs., veraltet, ruhrdt., berlinerisch, Spruch · und ob das so ist! ugs. · wie wahr! geh.
  • ja genau! · ja!  ●  jau! ugs., ruhrdt. · yeah! ugs., engl.
  • Allerdings! (bekräftigende Antwort) · In der Tat!  ●  Fürwahr! geh., altertümelnd · Gewiss! geh. · Und ob! ugs. · Wohl wahr! geh.

durchaus · freilich  ●  eingestandenermaßen geh. · schon ugs. · zugegebenermaßen geh. · zugestandenermaßen geh.
Assoziationen


(ja) freilich! (Antwortpartikel) · Allerdings! (Antwortpartikel) · Durchaus. (Antwortpartikel) · Schon. (Antwortpartikel)  ●  Naja. (Antwortpartikel) ugs.
Assoziationen
  • durchaus · freilich  ●  eingestandenermaßen geh. · schon ugs. · zugegebenermaßen geh. · zugestandenermaßen geh.
  • Aber sicher! · Definitiv! · Du sagst es! · Genau! · Ich stimme Ihnen zu. · Ich stimme dir zu. · Ja genau! · Sie sagen es! · Stimmt genau! · Stimmt! · Wem sagst du das! · ja  ●  Korrekt! szenesprachlich · Positiv! Jargon · Yep! jugendsprachlich · Aber ja! ugs. · Absolut! ugs. · Da sagst du was! ugs., Spruch · Exakt! ugs., szenesprachlich · Word! ugs., jugendsprachlich

Verwendungsbeispiele für ›freilich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zu solch sachlichen Einwänden freilich gesellen sich mitunter persönliche Angriffe. [Der Tagesspiegel, 17.02.2004]
Bei einer solch spielerischen Herangehensweise ist freilich wenig Raum für Brüche. [Süddeutsche Zeitung, 21.03.1998]
Von solch simplen Dingen ist in Wien freilich nie die Rede. [Süddeutsche Zeitung, 02.08.1996]
Solch olympische Ruhe ist uns Sterblichen in gleicher Situation freilich nicht gegeben. [Süddeutsche Zeitung, 08.07.1995]
Solch Wissen freilich ist eitel wie Haschen nach Wind; die Aussicht, es anzuwenden, bleibt theoretisch. [Süddeutsche Zeitung, 30.07.1994]
Zitationshilfe
„freilich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/freilich>.

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