freiwillig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung frei-wil-lig
Wortzerlegung frei Wille -ig
Wortbildung  mit ›freiwillig‹ als Erstglied: Freiwilligkeit  ·  mit ›freiwillig‹ als Letztglied: unfreiwillig  ·  mit ›freiwillig‹ als Grundform: Freiwillige
eWDG

Bedeutung

aus freiem Willen, Antrieb, nicht gezwungen
Beispiele:
etw. freiwillig tun
freiwillig abtreten, zurücktreten, verzichten
gehoben freiwillig aus dem Leben scheiden
freiwillig etw. geben, stiften
freiwillig helfen
er erklärte, gelobte freiwillig, dass …
freiwillig etw. aussagen
sich freiwillig (zum Militär, an die Front) melden
er meldete sich freiwillig zum Arbeitseinsatz
freiwillige Mitarbeit
freiwillige (Ernte)helfer
Jonas … fragte, ob man nur an freiwillige oder auch an erzwungene Auswanderung denke [ A. ZweigJunge Frau282]
auf jmds. freiem Willen, Antrieb beruhend
Beispiele:
ein freiwilliger Entschluss, ein freiwilliges Geständnis
freiwillige Spenden
freiwillige Arbeitsstunden, Aufbaustunden
ein freiwilliger (Arbeits)einsatz, Ernteeinsatz
freiwilliger Militärdienst
sein freiwilliger Tod
etw. geschieht auf freiwilliger Basis
die freiwillige Feuerwehr (= Feuerwehr, die aus freiwilligen Mitgliedern besteht)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

frei · Freiheit · befreien · Befreiung · freilich · Freibank · Freibeuter · Freibrief · Freidenker · Freigeist · Freihafen · Freihandel · Freiherr · Freifrau · Freimaurer · freimütig · Freimütigkeit · Freimut · Freistaat · Freistatt · Freistätte · Freitod · freiwillig · Freiwilligkeit · Freizeit
frei Adj. ‘unabhängig, unbeschränkt’, ahd. frī (um 800), mhd. mnd. mnl. vrī, nl. vrij, asächs. frī- in frīlīk ‘frei’, aengl. frēo, engl. free, got. freis gehören mit kymr. rhydd ‘frei’ zur Wurzel ie. *prāi-, *prī- ‘gern haben, schonen, friedlich-frohe Gesinnung’ wie auch aind. priyáḥ ‘eigen, lieb’, prīṇā́ti ‘erfreut, ergötzt, ermuntert, findet Gefallen an etw., genießt’, (vielleicht) griech. prāÿ́s (πραΰς, aus *πραι̯υ-?) ‘sanft, gelinde, zahm’, aslaw. prịjati ‘hold sein, beistehen’, mruss. prijat’ (npuяmь) ‘begünstigen, wohlgesinnt sein’, aslaw. prịjatelь, russ. prijátel’ (приятель) ‘Freund’ sowie freien, Freitag, Freund, Friede, Friedhof (s. d.). Vgl. dazu ahd. frīhelsī, aengl. frēols, got. freihals ‘Freiheit’, anord. frjāls ‘frei’, die wohl von der ‘Unantastbarkeit des Halses’ (eines freien Mannes im Gegensatz zum Unfreien) ausgehen. Die sich nur im Germ. und Kelt. vollziehende Entwicklung von ‘lieb’ zu ‘frei, unabhängig’ erklärt sich aus einer Vorstellung ‘zu denen gehörig, die man gern hat und schont’, also den Freunden, den Stammesgenossen (im Gegensatz zu den stammesfremden Unfreien und Kriegsgefangenen). Freiheit f. ‘Unabhängigkeit’, ahd. frīheit (um 1000, Notker), mhd. vrīheit, auch ‘Privileg, privilegierter Bezirk’, vgl. nhd. Schloß-, Baufreiheit. befreien Vb. ‘unabhängig machen, erlösen’, mhd. bevrīen; vgl. mhd. vrīen, nhd. (älter) freien ‘frei machen’ (s. Gefreiter). Befreiung f. ‘Entledigung (von Verbindlichkeiten), Erlösung’ (15. Jh.). freilich Adv. ‘gewiß, bestimmt, allerdings’, mhd. vrīlīche(n) ‘unbehindert, freimütig, offenbar, unbekümmert, frischweg, ohne Zaudern’; vgl. ahd. frīlīh Adj. (9. Jh.), mhd. vrīlich ‘frei, schrankenlos, unbefangen’. Freibank f. ‘Verkaufsstand für wertgemindertes Fleisch’ (19. Jh.), älter ‘für alle Fleischer zur freien Benutzung stehender Verkaufsstand’ (16. Jh.). Freibeuter m. ‘Pirat, Seeräuber’ (16. Jh.), mnd. vrībǖter ‘mit Vollmacht zum Kapern feindlicher Schiffe ausgerüsteter Schiffsführer oder Seemann, Seeräuber’, nl. vrijbuiter. Freibrief m. ‘verbrieftes Privileg, Anrechtsurkunde’ (15. Jh.), heute meist übertragen ‘Erlaubnis’ (für sonst Unstatthaftes), älter ‘Freilassungsurkunde’ (für einen Unfreien). Freidenker m. ‘von Religion Unabhängiger, nur der Vernunft, den eigenen Anschauungen Verpflichteter’ (18. Jh.), Übersetzung von engl. freethinker, nach einer gleichnamigen englischen Wochenschrift; dazu Freidenkerei, freidenkerisch (18. Jh.). Freigeist m. ‘geistig unabhängiger Mensch’, zunächst ‘Ketzer, Religionsverächter’ (17. Jh.); früher bezeugt ist freier Geist ‘Ketzer, Sektierer’ (seit 14. Jh.); dazu Freigeisterei (18. Jh.). Freihafen m. ‘Hafen außerhalb des Zollgebietes’ (18. Jh.). Freihandel m. ‘von Zollschranken und anderen einzelstaatlichen Beschränkungen unbehinderter Handel’ (19. Jh.), Übersetzung von engl. free trade. Freiherr m. Freifrau f. dem Baron entsprechender Adelstitel, spätmhd. vrīherre ‘freier Edelmann’, vrīvrouwe. Freimaurer m. Angehöriger einer übernationalen Gemeinschaft mit humanitärer Zielstellung (18. Jh.). Der in England gegründete Geheimbund bedient sich der Symbole und Bräuche mittelalterlicher Bauhütten, aus denen sich der Name herleitet, engl. freemason, frz. franc-mac̦on (s. Steinmetz); Freimaurerei f. (18. Jh.). freimütig Adj. ‘offen, unerschrocken’, mhd. vrīmüetic; Freimütigkeit f. ‘Unerschrockenheit’ (16. Jh.), auch Freimut m. (17. Jh.), vereinzelt bereits mhd. vrīmuot. Freistaat m. ‘Republik’ (1768 von der Schweizer Eidgenossenschaft; nach Abschaffung der Monarchie 1918 nennen sich die meisten deutschen Länder Freistaat, heute noch die ehemaligen Königreiche Sachsen und Bayern). Freistatt, Freistätte f. ‘Zufluchtsort, Asyl’, im 14. Jh. bereits als Flurname, allgemein gebräuchlich seit dem 17. Jh. Freitod m. euphemistisch für ‘Selbstmord’ (Ende 19. Jh.), nach Vom freien Tod (Nietzsche, Zarathustra, 1883). freiwillig Adj. ‘aus eigenem Antrieb’ (16. Jh.), älter Freiwilligkeit f. ‘eigener innerer Antrieb’ (15. Jh.). Freizeit f. ‘arbeitsfreie Zeit, Zeit der Erholung’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aus eigenem Antrieb · aus freiem Entschluss · aus freiem Willen · aus freien Stücken · aus sich heraus · freiwillig · ohne dass man erst darum bitten muss · selbstbestimmt · unaufgefordert · ungezwungen · von (ganz) allein · von selber · von selbst · von sich aus  ●  einfach so  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
aus (christlicher) Nächstenliebe · aus reiner Menschenfreundlichkeit · ehrenamtlich · freiwillig · karitativ · ohne Bezahlung · unentgeltlich  ●  einfach so  ugs., salopp · für Gotteslohn  geh. · um Gotteslohn  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›freiwillig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›freiwillig‹.

Verwendungsbeispiele für ›freiwillig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Mann ging zusammen mit seiner verstorbenen Frau freiwillig ins Grab. [Wölfl, Norbert: Die wiedergefundene Zärtlichkeit, Genf u. a.: Ariston 1995 [1983], S. 22]
Denn wenn man es recht bedenkt, habe ich den weitaus größten Teil meines Lebens damit verbracht, deutsche Bücher zu lesen, allerdings nicht immer freiwillig. [Reich-Ranicki, Marcel: Mein Leben, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1999, S. 23]
So steht es der roten Farbe nirgends an, freiwillig schüchtern zu sein. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 1, Berlin: Aufbau-Verl. 1954, S. 475]
Es wächst die Zahl freiwilliger Helfer, besonders in den kleinen Initiativen. [Die Zeit, 16.03.2000, Nr. 12]
Im Namen der Gleichheit dürfen Frauen nun freiwillig zum Militär. [Die Zeit, 27.01.2000, Nr. 5]
Zitationshilfe
„freiwillig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/freiwillig>.

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