freiwillig

GrammatikAdjektiv
Worttrennungfrei-wil-lig
Wortzerlegungfrei-willig
Wortbildung mit ›freiwillig‹ als Erstglied: ↗Freiwilligkeit  ·  mit ›freiwillig‹ als Letztglied: ↗unfreiwillig  ·  mit ›freiwillig‹ als Grundform: ↗Freiwillige
eWDG, 1967

Bedeutung

aus freiem Willen, Antrieb, nicht gezwungen
Beispiele:
etw. freiwillig tun
freiwillig abtreten, zurücktreten, verzichten
gehoben freiwillig aus dem Leben scheiden
freiwillig etw. geben, stiften
freiwillig helfen
er erklärte, gelobte freiwillig, dass ...
freiwillig etw. aussagen
sich freiwillig (zum Militär, an die Front) melden
er meldete sich freiwillig zum Arbeitseinsatz
freiwillige Mitarbeit
freiwillige (Ernte)helfer
Jonas ... fragte, ob man nur an freiwillige oder auch an erzwungene Auswanderung denke [A. ZweigJunge Frau282]
auf jmds. freiem Willen, Antrieb beruhend
Beispiele:
ein freiwilliger Entschluss, ein freiwilliges Geständnis
freiwillige Spenden
freiwillige Arbeitsstunden, Aufbaustunden
ein freiwilliger (Arbeits)einsatz, Ernteeinsatz
freiwilliger Militärdienst
sein freiwilliger Tod
etw. geschieht auf freiwilliger Basis
die freiwillige Feuerwehr (= Feuerwehr, die aus freiwilligen Mitgliedern besteht)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

frei · Freiheit · befreien · Befreiung · freilich · Freibank · Freibeuter · Freibrief · Freidenker · Freigeist · Freihafen · Freihandel · Freiherr · Freifrau · Freimaurer · freimütig · Freimütigkeit · Freimut · Freistaat · Freistatt · Freistätte · Freitod · freiwillig · Freiwilligkeit · Freizeit
frei Adj. ‘unabhängig, unbeschränkt’, ahd. frī (um 800), mhd. mnd. mnl. vrī, nl. vrij, asächs. frī- in frīlīk ‘frei’, aengl. frēo, engl. free, got. freis gehören mit kymr. rhydd ‘frei’ zur Wurzel ie. *prāi-, *prī- ‘gern haben, schonen, friedlich-frohe Gesinnung’ wie auch aind. priyáḥ ‘eigen, lieb’, prīṇā́ti ‘erfreut, ergötzt, ermuntert, findet Gefallen an etw., genießt’, (vielleicht) griech. prāÿ́s (πραΰς, aus *πραι̯υ-?) ‘sanft, gelinde, zahm’, aslaw. prịjati ‘hold sein, beistehen’, mruss. prijat’ (npuяmь) ‘begünstigen, wohlgesinnt sein’, aslaw. prịjatelь, russ. prijátel’ (приятель) ‘Freund’ sowie ↗freien, ↗Freitag, ↗Freund, ↗Friede, ↗Friedhof (s. d.). Vgl. dazu ahd. frīhelsī, aengl. frēols, got. freihals ‘Freiheit’, anord. frjāls ‘frei’, die wohl von der ‘Unantastbarkeit des Halses’ (eines freien Mannes im Gegensatz zum Unfreien) ausgehen. Die sich nur im Germ. und Kelt. vollziehende Entwicklung von ‘lieb’ zu ‘frei, unabhängig’ erklärt sich aus einer Vorstellung ‘zu denen gehörig, die man gern hat und schont’, also den Freunden, den Stammesgenossen (im Gegensatz zu den stammesfremden Unfreien und Kriegsgefangenen). Freiheit f. ‘Unabhängigkeit’, ahd. frīheit (um 1000, Notker), mhd. vrīheit, auch ‘Privileg, privilegierter Bezirk’, vgl. nhd. Schloß-, Baufreiheit. befreien Vb. ‘unabhängig machen, erlösen’, mhd. bevrīen; vgl. mhd. vrīen, nhd. (älter) freien ‘frei machen’ (s. ↗Gefreiter). Befreiung f. ‘Entledigung (von Verbindlichkeiten), Erlösung’ (15. Jh.). freilich Adv. ‘gewiß, bestimmt, allerdings’, mhd. vrīlīche(n) ‘unbehindert, freimütig, offenbar, unbekümmert, frischweg, ohne Zaudern’; vgl. ahd. frīlīh Adj. (9. Jh.), mhd. vrīlich ‘frei, schrankenlos, unbefangen’. Freibank f. ‘Verkaufsstand für wertgemindertes Fleisch’ (19. Jh.), älter ‘für alle Fleischer zur freien Benutzung stehender Verkaufsstand’ (16. Jh.). Freibeuter m. ‘Pirat, Seeräuber’ (16. Jh.), mnd. vrībǖter ‘mit Vollmacht zum Kapern feindlicher Schiffe ausgerüsteter Schiffsführer oder Seemann, Seeräuber’, nl. vrijbuiter. Freibrief m. ‘verbrieftes Privileg, Anrechtsurkunde’ (15. Jh.), heute meist übertragen ‘Erlaubnis’ (für sonst Unstatthaftes), älter ‘Freilassungsurkunde’ (für einen Unfreien). Freidenker m. ‘von Religion Unabhängiger, nur der Vernunft, den eigenen Anschauungen Verpflichteter’ (18. Jh.), Übersetzung von engl. freethinker, nach einer gleichnamigen englischen Wochenschrift; dazu Freidenkerei, freidenkerisch (18. Jh.). Freigeist m. ‘geistig unabhängiger Mensch’, zunächst ‘Ketzer, Religionsverächter’ (17. Jh.); früher bezeugt ist freier Geist ‘Ketzer, Sektierer’ (seit 14. Jh.); dazu Freigeisterei (18. Jh.). Freihafen m. ‘Hafen außerhalb des Zollgebietes’ (18. Jh.). Freihandel m. ‘von Zollschranken und anderen einzelstaatlichen Beschränkungen unbehinderter Handel’ (19. Jh.), Übersetzung von engl. free trade. Freiherr m. Freifrau f. dem Baron entsprechender Adelstitel, spätmhd. vrīherre ‘freier Edelmann’, vrīvrouwe. Freimaurer m. Angehöriger einer übernationalen Gemeinschaft mit humanitärer Zielstellung (18. Jh.). Der in England gegründete Geheimbund bedient sich der Symbole und Bräuche mittelalterlicher Bauhütten, aus denen sich der Name herleitet, engl. freemason, frz. franc-mac̦on (s. ↗Steinmetz); Freimaurerei f. (18. Jh.). freimütig Adj. ‘offen, unerschrocken’, mhd. vrīmüetic; Freimütigkeit f. ‘Unerschrockenheit’ (16. Jh.), auch Freimut m. (17. Jh.), vereinzelt bereits mhd. vrīmuot. Freistaat m. ‘Republik’ (1768 von der Schweizer Eidgenossenschaft; nach Abschaffung der Monarchie 1918 nennen sich die meisten deutschen Länder Freistaat, heute noch die ehemaligen Königreiche Sachsen und Bayern). Freistatt, Freistätte f. ‘Zufluchtsort, Asyl’, im 14. Jh. bereits als Flurname, allgemein gebräuchlich seit dem 17. Jh. Freitod m. euphemistisch für ‘Selbstmord’ (Ende 19. Jh.), nach Vom freien Tod (Nietzsche, Zarathustra, 1883). freiwillig Adj. ‘aus eigenem Antrieb’ (16. Jh.), älter Freiwilligkeit f. ‘eigener innerer Antrieb’ (15. Jh.). Freizeit f. ‘arbeitsfreie Zeit, Zeit der Erholung’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aus eigenem Antrieb · aus freiem Entschluss · aus freiem Willen · aus freien Stücken · aus sich heraus · freiwillig · ohne dass man erst darum bitten muss · ↗unaufgefordert · ungebetenerweise · von (ganz) allein · von selber · von selbst  ●  einfach so  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
aus (christlicher) Nächstenliebe · aus reiner Menschenfreundlichkeit · ↗ehrenamtlich · freiwillig · ↗karitativ · ohne Bezahlung · ↗unentgeltlich  ●  einfach so  ugs., salopp · für Gotteslohn  geh. · um Gotteslohn  geh.
Assoziationen
  • für geringen Lohn · gegen ein geringes Entgelt
  • gebührenfrei · ↗gratis · ↗kostenfrei · ↗kostenlos · nicht berechnet werden · ↗unentgeltlich · ↗vergütungsfrei · zum Nulltarif  ●  für Gottes Lohn  ironisch · ↗umsonst  Hauptform · für Nüsse  ugs. · für lau  ugs. · für noppes  ugs. · für umme  ugs. · für umsonst  ugs. · umme  ugs.
  • ohne Bezahlung · ↗unbezahlt · undotiert
  • Dumping-Lohn · ↗Dumpinglohn · ↗Niedriglohn · extrem niedriger Lohn · schlechte Bezahlung · sehr geringes Gehalt  ●  ↗Hungerlohn  ugs. · miese Bezahlung  ugs.
  • der Allgemeinheit dienend · pro bono · zum Wohle der Öffentlichkeit

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeitsdienst Ausreise Ausscheiden Basis Beitrag Feuerwehr Gerichtsbarkeit Helfer Leistung Polizeidienst Polizeireserve Rückkehr Rücktritt Rückzug Selbstbeschränkung Selbstkontrolle Selbstverpflichtung Sozialleistung Spende Teilnahme Titelverteidigung Vereinbarung Verzicht Wehrdienst Zusammenschluß begeben melden unfreiwillig versichert verzichten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›freiwillig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch in jedem Fall geht es letztlich um eine freiwillige Überwachung.
Die Zeit, 19.11.2012, Nr. 47
Denn wenn man es recht bedenkt, habe ich den weitaus größten Teil meines Lebens damit verbracht, deutsche Bücher zu lesen, allerdings nicht immer freiwillig.
Reich-Ranicki, Marcel: Mein Leben, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1999, S. 23
Nicht zuletzt ist die Einrichtung der Fonds eine »freiwillige« Leistung.
konkret, 2000 [1998]
Neu fängt hier in der Hütte keiner freiwillig mehr an zu arbeiten.
Scherzer, Landolf: Der Erste, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1988], S. 70
Der Mann ging zusammen mit seiner verstorbenen Frau freiwillig ins Grab.
Wölfl, Norbert: Die wiedergefundene Zärtlichkeit, Genf u. a.: Ariston 1995 [1983], S. 22
Zitationshilfe
„freiwillig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/freiwillig>, abgerufen am 25.06.2019.

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