frevelhaft

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungfre-vel-haft (computergeneriert)
WortzerlegungFrevel-haft
Wortbildung mit ›frevelhaft‹ als Erstglied: ↗Frevelhaftigkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben verwerflich, schlecht
Beispiele:
ein frevelhaftes Beginnen, frevelhafter Übermut, ein frevelhaftes Wort
ein frevelhaftes (= verbrecherisches) Attentat
eine frevelhafte Tat begehen
gehoben eine frevelhafte Tat ahnden
etw. mit frevelhafter Hand, mit frevelhaftem Leichtsinn tun
die Mordbrenner hatten das Land frevelhaft verwüstet
Der Kaiser forderte ihn auf, von seiner unerhörten, frevelhaften Empörung abzulassen [Th. Mann11, 115]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Frevel · frevel · frevelhaft · freventlich · freveln · Frevler · Frevelmut · Freveltat
Frevel m. ‘bewußter schwerer Verstoß gegen eine Ordnung, ein Gesetz, Missetat’, ahd. frevil m. (9. Jh.; auch fravalī f., um 800) ‘Verwegenheit, Frechheit, Übeltat, Vergehen’, mhd. vrevel(e) m. f. ‘Mut, Unerschrockenheit, Verwegenheit’, rechtssprachlich ‘Vergehen, Geldstrafe’, frühnhd. frefel m. ‘geringeres Vergehen, Geldstrafe’, aengl. fræfel (n.?) ‘Arglist, Schlauheit’ (germ. *frafla-, *fraflja-). Zur Konkurrenz mit Strafe, Buße, Pön im 15. bis 18. Jh. vgl. U. Schröter in: Zur Ausbildung d. Norm d. dt. Literaturspr. 2 (1976) 224 ff. Das in der Gegenwart nur noch in gehobener Sprache, sonst im Forstwesen im Sinne von ‘Vergehen’ (vgl. Baum-, Holz-, Jagdfrevel) gebräuchliche Substantiv ist eine Abstraktbildung zu dem im 19. Jh. untergehenden frevel Adj. ‘verwerflich, schändlich’, ahd. fravali ‘böse, vermessen, stolz’ (9. Jh.), mhd. vrevel(e) ‘mutig, kühn, mutwillig, frech’, asächs. fraƀol ‘trotzig, hartnäckig’, aengl. fræfel ‘schlau, frech’. Man sieht darin eine alte Präfixbildung (germ. *fra-, s. ↗ver-) zu einem Nomen (germ. *afla-), das in aengl. afol, anord. afl ‘Kraft’ erhalten ist und dem abgeleiteten Verb ahd. avalōn ‘auf dem Acker arbeiten, mit Eifer etw. bewerkstelligen’ (8. Jh.) zugrunde liegt. Die germ. Wörter werden entweder zusammen mit griech. Komposita wie oligēpelḗs (ὀλιγηπελής) ‘schwach, ohne Kraft’ und griech. illyr. gall. Eigennamen auf einen Ansatz ie. *apelo- ‘Kraft’ (Pokorny 1, 52) oder mit aind. ápaḥ ‘Werk, Handlung’, lat. opus ‘Arbeit, Werk’, ops ‘Reichtum’ auf die Wurzel ie. *op- ‘arbeiten, zustande bringen; Ertrag der Arbeit, Reichtum’ (wozu auch ↗üben, s. d.) zurückgeführt. frevelhaft Adj. ‘verwerflich, schändlich’, mhd. vrevelhaft ‘vermessen, verwegen, kühn’, allmählich das Adjektiv frevel (s. oben) verdrängend. freventlich Adj. spätmhd. vrevenlich, durch Dissimilation aus mhd. vrevellich ‘mutig, verwegen, rücksichtslos’ (vgl. ahd. fravallīhho Adv. ‘unverschämt, widerspenstig, hartnäckig’, 9. Jh.) entstanden und im 16. Jh. mit Gleitlaut -t- zwischen n und l versehen. freveln Vb. ‘Frevel begehen’, ahd. fravalen ‘entweihen’ (Hs. 12. Jh.), mhd. vrevelen ‘vermessen sein, gewalttätig, gegen das Gesetz handeln’. Frevler m. ‘wer gegen eine Ordnung, ein Gesetz bewußt verstößt, Missetäter’, mhd. vreveler. Frevelmut m. ‘frevelhafte Gesinnung’ (16. Jh.). Freveltat f. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
frevelhaft · ↗frevlerisch · ↗gottlos · wider Gott  ●  ↗freventlich  veraltend · ↗gotteslästerlich  religiös · ↗sakrilegisch  religiös · ↗sündig  religiös · ↗blasphemisch  geh., religiös
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beginnen Eingriff Leichtsinn Tat Treiben Tun Verbrechen Zerstörung Übermut

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›frevelhaft‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ist es frevelhaft, ein Buch allein aufgrund seiner Farben zu empfehlen?
Die Zeit, 13.12.2010, Nr. 50
Ihm lastet die örtliche Bürgerinitiative ein gar frevelhaftes Verhalten an.
Der Tagesspiegel, 27.06.1999
Die Vorstellung, als ihr Besitzer darin auf und ab zu gehen, erschien ihm damals frevelhaft.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 8
Die kurzen Jahre unserer Ehe waren ebenso von Qual wie von einem kaum erträglichen, frevelhaften Glück erfüllt.
Seidel, Ina: Das Wunschkind, Frankfurt a. M. u. a.: Ullstein 1987 [1930], S. 121
Es ist ein Werwolf: er ist unheimlich und gefährlich, er benimmt sich unmenschlich roh und frevelhaft.
Röhrich, Lutz: Werwolf. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 21696
Zitationshilfe
„frevelhaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/frevelhaft>, abgerufen am 26.03.2019.

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