freventlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungfre-vent-lich (computergeneriert)
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben in frevelhafter Art
Beispiele:
ein freventliches Tun
ein freventliches Spiel mit jmdm. treiben
das Recht freventlich verletzen
sich freventlich erkühnen
Albrecht schüttelte den Kopf zu Bilmes' freventlichen Reden [KlugeKortüm710]
Ich habe mich nicht freventlich (= leichtsinnig) vermessen [GoetheFaustI 1709]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Frevel · frevel · frevelhaft · freventlich · freveln · Frevler · Frevelmut · Freveltat
Frevel m. ‘bewußter schwerer Verstoß gegen eine Ordnung, ein Gesetz, Missetat’, ahd. frevil m. (9. Jh.; auch fravalī f., um 800) ‘Verwegenheit, Frechheit, Übeltat, Vergehen’, mhd. vrevel(e) m. f. ‘Mut, Unerschrockenheit, Verwegenheit’, rechtssprachlich ‘Vergehen, Geldstrafe’, frühnhd. frefel m. ‘geringeres Vergehen, Geldstrafe’, aengl. fræfel (n.?) ‘Arglist, Schlauheit’ (germ. *frafla-, *fraflja-). Zur Konkurrenz mit Strafe, Buße, Pön im 15. bis 18. Jh. vgl. U. Schröter in: Zur Ausbildung d. Norm d. dt. Literaturspr. 2 (1976) 224 ff. Das in der Gegenwart nur noch in gehobener Sprache, sonst im Forstwesen im Sinne von ‘Vergehen’ (vgl. Baum-, Holz-, Jagdfrevel) gebräuchliche Substantiv ist eine Abstraktbildung zu dem im 19. Jh. untergehenden frevel Adj. ‘verwerflich, schändlich’, ahd. fravali ‘böse, vermessen, stolz’ (9. Jh.), mhd. vrevel(e) ‘mutig, kühn, mutwillig, frech’, asächs. fraƀol ‘trotzig, hartnäckig’, aengl. fræfel ‘schlau, frech’. Man sieht darin eine alte Präfixbildung (germ. *fra-, s. ↗ver-) zu einem Nomen (germ. *afla-), das in aengl. afol, anord. afl ‘Kraft’ erhalten ist und dem abgeleiteten Verb ahd. avalōn ‘auf dem Acker arbeiten, mit Eifer etw. bewerkstelligen’ (8. Jh.) zugrunde liegt. Die germ. Wörter werden entweder zusammen mit griech. Komposita wie oligēpelḗs (ὀλιγηπελής) ‘schwach, ohne Kraft’ und griech. illyr. gall. Eigennamen auf einen Ansatz ie. *apelo- ‘Kraft’ (Pokorny 1, 52) oder mit aind. ápaḥ ‘Werk, Handlung’, lat. opus ‘Arbeit, Werk’, ops ‘Reichtum’ auf die Wurzel ie. *op- ‘arbeiten, zustande bringen; Ertrag der Arbeit, Reichtum’ (wozu auch ↗üben, s. d.) zurückgeführt. frevelhaft Adj. ‘verwerflich, schändlich’, mhd. vrevelhaft ‘vermessen, verwegen, kühn’, allmählich das Adjektiv frevel (s. oben) verdrängend. freventlich Adj. spätmhd. vrevenlich, durch Dissimilation aus mhd. vrevellich ‘mutig, verwegen, rücksichtslos’ (vgl. ahd. fravallīhho Adv. ‘unverschämt, widerspenstig, hartnäckig’, 9. Jh.) entstanden und im 16. Jh. mit Gleitlaut -t- zwischen n und l versehen. freveln Vb. ‘Frevel begehen’, ahd. fravalen ‘entweihen’ (Hs. 12. Jh.), mhd. vrevelen ‘vermessen sein, gewalttätig, gegen das Gesetz handeln’. Frevler m. ‘wer gegen eine Ordnung, ein Gesetz bewußt verstößt, Missetäter’, mhd. vreveler. Frevelmut m. ‘frevelhafte Gesinnung’ (16. Jh.). Freveltat f. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
frevelhaft · ↗frevlerisch · ↗gottlos · wider Gott  ●  freventlich  veraltend · ↗gotteslästerlich  religiös · ↗sakrilegisch  religiös · ↗sündig  religiös · ↗blasphemisch  geh., religiös
Oberbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nein, ich mußte mich noch weiter wagen auf dem freventlichen Pfad.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 160
Auch sollte er nicht freventlich in das Roß der Dame hineinreiten und sie damit erschrecken.
Die Zeit, 08.02.1954, Nr. 06
Hier war ganz offenbar der Sinn der Ordnung freventlich gestört.
Die Zeit, 20.11.1959, Nr. 47
Was uf einer Kilby hat sin Usgang genommen, das ist freventlich.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1917], S. 245
Zitationshilfe
„freventlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/freventlich>, abgerufen am 14.12.2019.

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