friedlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungfried-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›friedlich‹ als Erstglied: ↗Friedlichkeit  ·  mit ›friedlich‹ als Letztglied: ↗unfriedlich
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
dem Frieden dienend, unkriegerisch
Beispiele:
eine friedliche Gesinnung, Nation
die friedliche Aufbauarbeit, Atomforschung
die friedliche Entwicklung Deutschlands
die friedliche Koexistenz zweier Staaten
die friedliche Lösung eines internationalen Konflikts
das Ergebnis, der Schutz unserer friedlichen Arbeit
die friedliche Anwendung, Nutzung der Atomenergie
es sind friedliche Zeiten
einen friedlichen Weg einschlagen
die Atomkraft friedlichen Zwecken dienstbar machen
einen diplomatischen Zwischenfall auf friedlichem Wege beilegen
die Zukunft der Welt mit friedlichen Mitteln regeln
friedlich gesinnt sein
in einem Kriegsgebiet gelten für eine Autofahrt ganz andere Vorschriften als ... bei friedlichem Verkehr [SeghersDie Toten6,220]
ohne Anwendung gewaltsamer Mittel
Beispiele:
eine friedliche Demonstration
einem friedlichen Erwerb nachgehen
im friedlichen Wettstreit seine Kräfte messen
wir haben im Geschäftsleben für gewöhnlich andere, friedliche Methoden [BrechtDreigroschenroman373]
ohne Zank
Beispiele:
friedliche Worte, Reden
eine friedliche Unterhaltung führen
einen Streit friedlich schlichten, beilegen
umgangssprachlich sei, bleibe doch friedlich! (= beruhige dich doch, rege dich doch nicht auf!)
sie ... fing einen friedlichen Plausch mit ihr an [BöllHaus101]
einträchtig
Beispiele:
ein friedliches Zusammenleben
eine friedliche Zusammenarbeit
friedlich miteinander arbeiten
daß 1848 im böhmischen Nationalausschuß Tschechen und Deutsche friedlich und freundschaftlich nebeneinandersaßen [Weiskopf8,323]
2.
von Frieden erfüllt, ruhig, still
Beispiele:
ein friedlicher Mensch, Anblick, Morgen, ein friedliches Tal, Gesicht
eine friedliche Seele, Atmosphäre, Stille, Gegend
die Geborgenheit seines friedlichen Heimes
der schweigende Wald bietet ein Bild friedlicher Ruhe
ein friedliches Wesen haben
sie lebten friedlich dahin
friedlich aussehen, schlafen
verhüllend friedlich einschlafen, hinüberschlummern (= in Frieden sterben)
das Ganze [die Landschaft] hatte einen friedlichen Charakter [GoetheWahlverwandtsch.6,434]
leise kichernd, entschlummerte der alte Mann friedlich [A. ZweigGrischa112]
geruhsam
Beispiele:
das Wild äst friedlich
wir lagen friedlich am Strand
die Frau dort hängt so friedlich Wäsche auf [I. SeidelLabyrinth336]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Friede · Frieden · befrieden · befriedigen · umfrieden · einfriedigen · friedlich · friedfertig · zufrieden · Zufriedenheit · Unzufriedenheit · unzufrieden
Friede, Frieden m. ‘Zustand der Ruhe, Harmonie, Beilegung einer (kriegerischen) Auseinandersetzung’, älter auch ‘geschütztes, umzäuntes Gebiet’. Ahd. fridu (8. Jh.), mhd. vride, vrit, asächs. friðu, mnd. mnl. vrēde, nl. vrede, aengl. friþu, friþ, anord. friðr, schwed. frid (germ. *friþu-) ist ein mit ie. tu-Suffix gebildetes Verbalabstraktum im Sinne von ‘Zustand der Schonung, des Wohlwollens’ zu der unter ↗frei (s. d.) angegebenen Wurzel. Der ehemalige stark flektierende u-Stamm tritt im Mhd. teilweise zur konsonantischen Flexion über, so daß Doppelformen entstehen, z. B. Genitiv Friedes und Friedens (noch bei Adelung), Dativ und Akkusativ Friede und Frieden (bis heute); auslautendes -n der schwachen obliquen Kasus dringt seit dem 18. Jh. in den Nominativ und ergibt auch hier die Doppelform Friede und Frieden. befrieden Vb. ‘beruhigen, friedlich stimmen, den Friedenszustand herbeiführen’, mhd. bevriden ‘Friede, Schutz verschaffen, einzäunen’; vgl. ahd. fridōn ‘schützen, schonen’ (9. Jh.), gifridōn (um 1000), mhd. vriden ‘Frieden bringen, friedlich beilegen, schützen, erhalten, einen Zaun machen’. befriedigen Vb. ‘beschützen’ (15. Jh.), ‘versöhnen, begütigen, zufriedenstellen’ (16. Jh.). umfrieden Vb. ‘umgeben, einzäunen’, mhd. umbevriden; dann umfriedigen (16. Jh.). einfriedigen Vb. (17. Jh.). friedlich Adj. ‘ruhig, um Frieden bemüht’, mhd. vridelich, auch ‘Schutz gewährend’; vgl. ahd. fridulīhho Adv. (11. Jh.). friedfertig Adj. ‘friedliebend, friedlich’ (16. Jh.). zufrieden Adj. ‘mit sich und der Welt in Einklang, einverstanden’, zusammengezogen aus der präpositionalen Fügung zu Frieden, zunächst in Verbindung mit Verben der Richtung (z. B. setzen, stellen, kommen), seit dem 16. Jh. als Adverb (vgl. noch zufriedengeben, zufriedenlassen), seit dem 17. Jh. auch als Adjektiv gebraucht und flektiert. Zufriedenheit f. Unzufriedenheit f. (17. Jh.), unzufrieden Adj. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
friedlich · ↗glimpflich · ↗harmlos · ↗mild · ↗sanft · ↗weich
Synonymgruppe
friedlich · ↗gutmütig (z.B. Pferd) · ↗mild · ↗sanft · ↗seelenruhig · ↗zahm
Assoziationen
Synonymgruppe
friedfertig · friedlich · ↗gutmütig · ↗herzensgut · ↗pazifistisch · ↗versöhnlich
Assoziationen
Synonymgruppe
brüderlich · ↗einhellig · ↗einig · ↗einmütig · ↗einstimmig · ↗einträchtig · ↗einvernehmlich · ↗einverständlich · friedlich · ↗geschlossen · ↗gleichgesinnt · ↗harmonisch · im Einklang · im Gleichklang
Assoziationen
  • einvernehmlich · im Konsens · in gegenseitigem Einvernehmen · in gegenseitigem Einverständnis · ↗konsensual · übereinstimmend
Synonymgruppe
amikal · ↗friedfertig · friedlich · ↗friedliebend · ↗geruhsam · ↗gewaltfrei · ↗gewaltlos · ↗gütig · ↗gütlich · ↗herzensgut · ohne Gewalt · ↗sanft · ↗verträglich
Assoziationen
Synonymgruppe
einträchtig · friedlich · ↗harmonisch  ●  in holder Eintracht  ironisch
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absicht Beilegung Demonstrant Demonstration Koexistenz Konfliktlösung Lösung Machtwechsel Miteinander Mittel Nebeneinander Nutzung Protest Regelung Revolution Verlauf Wandel Wettstreit Wiedervereinigung Zusammenleben Zweck Zwecke ausschließlich beilegen demokratisch gerecht verlaufen zugehen zusammenleben Übergang

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›friedlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zudem zeichne sich das Festival durch seine friedliche Atmosphäre aus.
Die Zeit, 04.08.2012 (online)
Es kommt nun darauf an, die »bisher friedlichste Revolution unserer Geschichte« in geordnete Bahnen zu lenken.
Küsters, Hans Jürgen: Entscheidung für die deutsche Einheit. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1998], S. 237
Dagegen leben verschiedene Arten, ohne sich zu stören, meistens friedlich nebeneinander.
Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 76
Wenn man diese Politik verfolge, werde man bestimmt zu einer friedlichen Zusammenarbeit aller Nationen gelangen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1938]
Denn der Tausch ist die spezifisch friedliche Form der Gewinnung ökonomischer Macht.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 358
Zitationshilfe
„friedlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/friedlich>, abgerufen am 20.06.2019.

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