fromm

GrammatikAdjektiv · Komparativ: frömmer · Superlativ: am frömmsten
GrammatikAdjektiv · Komparativ: frommer · Superlativ: am frommsten
Aussprache
Wortbildung mit ›fromm‹ als Erstglied: ↗Frömmigkeit  ·  mit ›fromm‹ als Letztglied: ↗geflügelfromm · ↗lammfromm · ↗scheinfromm · ↗unfromm · ↗überfromm
 ·  mit ›fromm‹ als Grundform: ↗Fromme2
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Gott ganz ergeben, gottesfürchtig
Beispiele:
ein frommer Mensch, Christ, Pilger
ein frommer Bruder (= Mönch)
fromm werden, leben
eine fromme Einfalt
ein frommes Lied, ein frommer Spruch
einen frommen Lebenswandel, fromme Reden führen
mit frommer Gebärde
es lösen / Sich alle Bande frommer Scheu [SchillerGlocke]
[ein Mädchen] das / Ihn wieder mit der frömmsten Liebe liebe [LessingNathanIV 2]
übertrieben gläubig, bigott
Beispiele:
ein frommer Eifer, Trotz
Diesen frommen Starrsinn finden wir nicht selten [CarossaKindheit256]
scheinheilig
Beispiel:
ein frommes Getue
2.
gutherzig
Beispiele:
ein frommes Bedauern
fromme Augen machen
das Herz voll großen und frommen Gelächters [Th. MannJoseph3,155]
von Tieren   treuherzig, gutmütig
Beispiele:
ein frommer Hund
der Rappe ist fromm
der Bulle ist fromm wie ein Lamm
der Gaul ... stand friedlich und fromm daneben [RaabeII 1,61]
in guter Absicht gewollt
Beispiele:
ein frommer Betrug
eine fromme Täuschung
das waren nur fromme Wünsche
Eine fromme Lüge hätte vielleicht für den Augenblick Erleichterung geschafft [WerfelMusa Dagh616]
in gärend Drachengift hast du / Die Milch der frommen Denkart (= die friedliche Gesinnung) mir verwandelt [SchillerTellIV 3]
3.
veraltet rechtschaffen, tüchtig
Beispiele:
ein frommer Bürger, Bergmann
Religion der fromme (= gerechte) Gott
historisch ein frommer (= tapferer) Landsknecht
Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, / Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt [SchillerTellIV 3]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fromm · frommen · Frömmigkeit
fromm Adj. ‘von einer religiösen Überzeugung durchdrungen, gottergeben, sanftmütig’ (vgl. ↗lammfromm). Das Adjektiv entsteht in mhd. Zeit, ausgehend vom prädikativen Gebrauch eines Substantivs ahd. fruma ‘Nutzen, Wohl, Hilfsmittel’ (8. Jh.), mhd. vrum(e), vrome (heute nur noch in der als altertümlich empfundenen Formel zu Nutz und Frommen). Wie die verwandten, aber anders gebildeten Adjektive mnd. vrōme, vrāme, vrō̌m, vrām, mnl. vroom, vrōme (nl. vroom ‘fromm’), aengl. fram, anord. framr hat mhd. vrum, vrom die Bedeutung ‘tüchtig, tapfer, rechtschaffen’ (so noch bei Luther; eigentlich ‘nützlich’) und nimmt allmählich (ab 15. Jh.) den spezifisch religiösen Inhalt an; heute auch mit einer pejorativen Tendenz, besonders in den Ableitungen frömmeln, Frömmler, Frömmelei (18. Jh.), die auf übertriebene, zur Schau getragene Frömmigkeit abzielen. Mit griech. prómos (πρόμος) ‘Vorkämpfer, Führer’, umbr. promom ‘zuerst’, lit. pìrmas ‘der erste’ stellen sich die germ. Formen mit mo-Suffix zu ie. *prō̌ (bzw. seiner schwundstufigen Form *pṛ-) ‘vorwärts, vorn, voran’, zu ie. *per ‘das Hinausführen über’ (s. ↗für, ↗vor). frommen Vb. ‘nützen’, heute nur noch unpersönlich es frommt ‘nutzt, kommt zugute’, ahd. frummen ‘ausüben, vollbringen’ (8. Jh.), mhd. vrumen, vromen ‘vorwärtskommen, nützen’. Frömmigkeit f. ‘Gottergebenheit’, mhd. vrümecheit, vrümekeit ‘Bravheit, Tapferkeit’, abgeleitet von mhd. vrümec ‘gut, brav, tüchtig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
fromm · ↗frömmlerisch · ↗gottergeben · ↗gottesfürchtig · ↗gottgefällig
Assoziationen
Synonymgruppe
fromm · ↗gläubig · ↗religiös · vom Glauben erfüllt
Assoziationen
  • (Person) christlichen Glaubens · Anhänger des Christentums · ↗Christ · ↗Christenmensch · Kind Gottes · in der Nachfolge Jesu Lebender
  • orthodox · ↗rechtgläubig · streng religiös · ↗strenggläubig  ●  allein im Besitz der wahren Lehre  variabel
  • Religiot · religiöser Idiot
Synonymgruppe
arglos · fromm (Wunsch) · ↗gutgläubig · ↗harmlos · in gutem Glauben · ↗kindsköpfig · ↗leichtgläubig · ↗naiv · nimmt alles für bare Münze · ↗treuherzig · undistanziert · ↗vertrauensselig
Assoziationen
Synonymgruppe
anständig · ↗artig · ↗brav · ↗folgsam · ↗fügsam · ↗gefügig · ↗gehorsam · konditioniert  ●  fromm (Pferd)  veraltend · ↗lieb  Kindersprache
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Andacht Augenaufschlag Beter Brauch Buddhist Christ Denkart Denkungsart Eiferer Einfalt Einsiedler Gemüt Gesang Hindu Jude Katholik Katholikin Legende Lüge Moslem Muslim Muslime Mönch Pilger Scheu Selbstbetrug Spruch Wunsch Wunschdenken gottesfürchtig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fromm‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber sie sind doch fromm, da muss es ja gutgehen.
Der Tagesspiegel, 23.09.1999
Auch hatten sie ihn so fromm eigentlich gar nicht eingeschätzt.
Süddeutsche Zeitung, 05.09.1997
Auch das war bestenfalls eine fromme Lüge und nicht einmal besonders überzeugend.
Hohlbein, Wolfgang: Das Druidentor, Stuttgart: Weitbrecht 1993, S. 287
Es gehörte beinahe zur Religion und wir waren sehr fromm.
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 56
Zwar die Masse war fromm genug; aber es ging ihr gar zu schlecht, und schließlich mußte sie doch zunächst leben.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. IV,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 18707
Zitationshilfe
„fromm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fromm>, abgerufen am 18.10.2019.

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