fronen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungfro-nen (computergeneriert)
eWDG, 1967

Bedeutung

historisch dem Feudalherrn als Leibeigener dienen, für jmdn. Frondienst leisten
Beispiele:
für den Herzog, Gutsherrn fronen
das bittere Los der schwer fronenden Bauern
Nun front Potiphars gestürzter Günstling als Sträfling in einer Nilfestung [Th. Mann12,455]
übertragen unter Zwang schwer arbeiten, Zwangsarbeit leisten
Beispiele:
für seine Familie, bei der Arbeit hart, schwer fronen
er fronte jahrelang in einer Fabrik
wenn er arbeitet, front er wie ein Galeerensträfling [St. ZweigBalzac200]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fron · Frone · Fronleichnam · Frondienst · fronen · frönen
Fron, Frone f. ‘unentgeltliche Arbeit leibeigener und höriger Bauern für den Grund- oder Gutsherrn im Feudalismus’, in neuerer Zeit (19. Jh.) übertragen ‘unliebsame, erzwungene, harte, mühsame Arbeit, Plackerei’. Mhd. vrōn(e) ‘Gewaltherrschaft, Herrendienst, Zwingburg, Gefängnis’, neben der ursprünglichen Bedeutung ‘Herrschaft, Herrschaftlichkeit, Herrlichkeit, Heiligkeit’, ist eine Substantivierung des Adjektivs mhd. vrōn ‘was den (geistlichen oder weltlichen) Herrn betrifft, ihm gehört, heilig (von Gott, Christus), herrschaftlich, öffentlich’, ahd. frōno (indeklinabel und nachgestellt) ‘dem Herrn (Gott, Christus) gehörig, heilig, herrlich’ (vgl. krūzi frōno ‘heiliges Kreuz’), dann ‘öffentlich, dem Staate gehörig’ (9. Jh.). Dies ist eigentlich ein erstarrter Genitiv Plur. (‘der Götter’) von ahd. frō ‘Herr’ (9. Jh.), Anrede für heidnische Götter, dann für den christlichen Gott (später von ↗Herr, s. d., verdrängt); dazu ahd. frouwa f. (s. ↗Frau). Der n-Stamm germ. *frawan- in ahd. frō, asächs. frō in der Anrede, sonst frāho, frōho, aengl. frēa ‘Herrscher, Herr, König, Gott, Christus, Ehemann’ und der jan-Stamm germ. *fraujan- in asächs. frōio, aengl. frīgea, got. frauja ‘Herr’ lassen sich vergleichen mit aind. pravaṇáḥ ‘vorwärts geneigt, abschüssig’, pravaṇá- ‘Abhang, Halde’, griech. prēnḗs (πρηνής), prānḗs (πρανής) ‘vorwärts geneigt, kopfüber, abschüssig, steil’ und führen als Ableitung mit ie. -u̯o- auf ie. *prō̌ ‘vorwärts, vorn, voran’, wozu auch griech. prṓra (πρῷρα) ‘Schiffsvorderteil’, aslaw. pravъ, russ. právyj (правый) ‘recht, gerecht, richtig’, eigentlich ‘geradeaus’, gehören. Mit gleichem Suffix, aber von anderer Ablautstufe sind gebildet aind. pū́rvaḥ ‘der vordere, erste’, aslaw. prьvъ, russ. pérvyj (первый) ‘der erste’. Alle Formen führen auf ein vornehmlich Präpositionen und Adverbien bildendes ie. *per ‘das Hinausführen über’ (s. ↗für, ↗vor, ↗ver-, auch ↗fern, ↗fremd, ↗fromm). Der religiös-christliche Gebrauch des Adjektivs ist erhalten in Fronleichnam m. der Bezeichnung für das seit 1246 gefeierte Kirchenfest am 2. Donnerstag nach Pfingsten, eigentlich ‘der Leib des Herrn, der Leib Jesu Christi’, mhd. vrōnlīcham, vrōnlīchname, nach mhd. der vrōne līcham (s. ↗Leichnam). Zahlreichersind Komposita zur weltlichen Bedeutung des Adjektivs ‘den Herrn betreffend, ihm gehörend, herrschaftlich’, vgl. ahd. frōnohof ‘Herrenhof, Staatskasse’ (10. Jh.), mhd. vrōn(e)hof, auch ‘Kirchhof’; mhd. vrōn(e)bote ‘Amts-, Gerichtsbote, Büttel’; spätmhd. vrōnwalt ‘herrschaftlicher Wald’. Frondienst m. ‘erzwungene Dienstleistung für den Grundherrn’, mhd. vrōndienest. fronen Vb. ‘Frondienste, harte Arbeit leisten’, ahd. frōnen ‘(für den Herrn) in Beschlag nehmen’ (10. Jh.), mhd. vrōnen, vrœnen ‘als Abgabe überreichen, (für den Herrn) in Beschlag nehmen, pfänden, dienen, Frondienst leisten, zum Herrn erhöhen, heiligen, verherrlichen, schmücken’; daneben die umlautende Variante frönen Vb. (einem Laster, einer Leidenschaft) ‘sich rückhaltlos hingeben’, eigentlich ‘einem Laster, einer Leidenschaft wie einem Herrn dienen’ (1. Hälfte 18. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Befreiung Wiedergeburt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fronen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Pflicht für die Sowjets zu fronen und Uran zu schürfen.
Die Zeit, 12.06.1952, Nr. 24
Das stufige Heck stünde manch anderen Autos als gelungene Front gut zu Gesicht.
Die Welt, 30.06.2001
Die meisten Gottshausfrauen, die unter ihrer Aufsicht gefront hatten, waren entlassen worden.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1917], S. 78
Sofern sie machtgierig war und Unterdrückungsgelüsten fronte, sparte sie solche Neigungen für den kolonialen Herrschaftsbereich auf.
Gurland, A. R. L.: Wirtschaft und Gesellschaft im Übergang zum Zeitalter der Industrie. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 16679
In den fürstlichen Geschlechtern war durch Beuteanteil, Tribute, Geschenke, Kriegsgefangene, die ihnen fronten, vornehme Heiraten ein in den Augen der Germanen großer Reichtum angesammelt.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Zweiter Teil: Die Germanen, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1921], S. 6437
Zitationshilfe
„fronen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fronen>, abgerufen am 22.07.2019.

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