gähnen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunggäh-nen
Wortbildung mit ›gähnen‹ als Erstglied: ↗Gähnerei  ·  mit ›gähnen‹ als Letztglied: ↗angähnen · ↗aufgähnen · ↗ausgähnen · ↗herumgähnen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
vor Müdigkeit oder Langeweile den Mund unwillkürlich weit öffnen und einmal tief ein- und ausatmen
Beispiele:
herzhaft, wohlig, heimlich gähnen
er gähnte unverhohlen, laut
Gähnen steckt an, ist, wirkt ansteckend
das Gähnen unterdrücken
umgangssprachlich sich das Gähnen verkneifen
2.
übertragen etw. gähnt (vor jmdm.)etw. klafft, liegt weit und tief offen (vor jmdm.)
Beispiele:
vor uns gähnte ein tiefer Abgrund, ein schwarzes Loch
ein großes Leck gähnte an der Backbordseite des Schiffes
etw. erstreckt sich weithin
Beispiele:
sie schauderte zurück vor der gähnenden Tiefe
im Saal war gähnende Leere (= der Saal war sehr leer)
Ringsum gähnte das Nichts, das die ... Zurückgestoßenen aufnahm [WerfelJeremias233]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gähnen Vb. ‘(vor Müdigkeit oder aus Langeweile) den Mund unwillkürlich weit öffnen und tief ein- und ausatmen, klaffen, weit offen liegen’, ahd. ginēn (8. Jh.), ginōn (um 900) ‘den Mund aufsperren, gähnen’, mhd. ginen, genen, asächs. ginon, mnd. gēnen, mnl. ghēnen, aengl. ginian, geonian, anord. gina, ablautend ahd. geinōn ‘gähnen, den Mund öffnen’ (9. Jh.), aengl. gīnan ‘klaffen, gähnen’, engl. to yawn, anord. gīna gehören mit griech. cháskein (χάσκειν), chá͞inein (χαίνειν) ‘gähnen, klaffen’, chásma (χάσμα) ‘klaffende Öffnung’, cháos (χάος) ‘leerer Raum, Luftraum’, lat. hiāre und hīscere ‘gähnen, klaffen, aufgesperrt sein’, lit. žióti ‘gähnen, den Mund aufsperren’, aslaw. zinǫti ‘gähnen, klaffen, den Mund öffnen’ und zịjati ‘den Mund aufreißen’, russ. zínut’ (зинуть) und ziját’ (зиять) ‘den Mund aufsperren, gähnen’ zu der den Gähnlaut nachahmenden Wurzel ie. *g̑hēi-, *g̑hē- ‘gähnen, klaffen, offenstehen’; verwandt sind ↗Geest, ↗Geifer, ↗Gaumen (s. d.), vermutlich auch ↗gaffen (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
gähnen  ●  gienen  ugs., süddt.
Synonymgruppe
(weit) offen stehen · ↗aufstehen · gähnen · ↗klaffen · offen sein
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgrund Baugrube Brache Fensterhöhle Kluft Krater Langeweile Leere Loch Nichts Schlucht Schlund Sommerloch angähnen blinzeln dahinter dazwischen demonstrativ drinnen entgegengähnen gelangweilt gähnen herzhaft niesen recken rekeln räkeln strecken ungeniert verstohlen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gähnen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dazwischen gähnt ein nach oben offener leerer Raum, der als Eingang nie genutzt wurde.
Der Tagesspiegel, 03.11.2002
Zwar gähnte der Coach einmal kurz, aber sonst war er hellwach.
Bild, 06.01.2000
Er rieb sich die Augen, er gähnte, er blickte umher.
Preußler, Otfried: Krabat, Stuttgart: Thienemann o.J. [1995] [1971], S. 28
Was man früher frei diskutiert habe, darüber dürfe man nun nicht einmal mehr gähnen.
Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 6966
Waren einige Stunden angefüllter, so gähnten die Pausen zwischen ihnen um so leerer.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1941. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1941], S. 129
Zitationshilfe
„gähnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gähnen>, abgerufen am 24.10.2019.

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