gängeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunggän-geln (computergeneriert)
Wortbildung mit ›gängeln‹ als Erstglied: ↗Gängelband · ↗Gängelung  ·  mit ›gängeln‹ als Grundform: ↗Gängelei
eWDG, 1967

Bedeutung

umgangssprachlich jmdm. dauernd Vorschriften machen, jmdn. bevormunden
Beispiele:
jmdn. ständig, in unangenehmer Weise gängeln
er wollte sich nicht wie ein Schuljunge gängeln lassen
vielleicht hatte sie ihn mit ihren Ratschlägen zu viel gegängelt
jmds. Initiative durch Gängeln untergraben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gang1 · gängeln · Gängelband · gang · gangbar · gängig
Gang1 m. ‘das Gehen, Bewegung, Verlauf, Weg zu einem bestimmten Zweck, abgegrenzter (überdachter) Weg, Flur, mit Gestein oder Mineralen ausgefüllte Spalte der Erdrinde, Gericht einer Speisenfolge, Übersetzungsstufe des Schaltgetriebes bei Kraftfahrzeugen’, ahd. (8. Jh.), asächs. gang, mhd. mnd. mnl. ganc, nl. aengl. gang (mengl. gang wohl aus dem Anord.), anord. gangr, schwed. gång, got. gagg sind Verbalabstrakta (germ. *ganga-) zu dem gemeingerm. Verb, das in ahd. gangan (8. Jh.) vertreten ist (s. ↗gehen). Sie bezeichnen in vielfältiger Ausprägung sowohl den Vorgang des Gehens, Sich-Fortbewegens wie die Erstreckung (Erzgang) als auch (im Got. ausschließlich) den Ort des Gehens. gängeln Vb. ‘bevormunden’, frühnhd. gengeln ‘beim Gehen führen’, eigentlich ‘wiederholt gehen lassen’, Iterativbildung zum jan-Verb mhd. gengen (s. ↗gehen); Gängelband n. eigentlich ‘Leine, an der man Kinder hält, die noch nicht richtig laufen können’ (Anfang 18. Jh.), heute nur in der Wendung am Gängelband führen, halten, ‘bevormunden’ gebräuchlich. gang Adj. älter gäng(e), nur in der festen Verbindung gang und gäbe ‘üblich, geläufig’, mhd. genge und gæbe; mhd. genge ‘unter den Leuten umlaufend, verbreitet, gewöhnlich, leicht gehend, rüstig’, ahd. gengi ‘gangbar, gebräuchlich, gewöhnlich’ (um 1000), Verbaladjektiv (germ. *gangja-) zu ahd. gangan ‘gehen’, daher eigentlich ‘fähig zu gehen’, entsprechend mhd. gæbe ‘annehmbar, willkommen, lieb, gut’, Verbaladjektiv zu ↗geben (s. d.), daher eigentlich ‘was gegeben werden kann, was sich leicht geben läßt’, ursprünglich von Münzen und Waren im Sinne von ‘im Umlauf befindlich’. gangbar Adj. ‘begehbar, gängig, üblich, gültig’ (16. Jh.); vgl. mhd. ungancbære. gängig Adj. ‘gangbar, gebräuchlich, verbreitet, gut gehend (von Waren)’, mhd. gengec, für älteres gleichbed. mhd. genge (s. oben); vgl. ahd. missigengīg ‘fehltretend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
am Gängelband führen · am Gängelband halten · ↗bevormunden · gängeln  ●  ↗infantilisieren  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Autofahrer Belieben Bürger Bürokratie Hochschule Justiz Leser Medium Phantasie Presse Vorschrift bedrohen beherrschen behindern bestrafen bevormunden einschränken entmündigen kontrollieren schikanieren unterdrücken zensieren Überwachung überwachen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gängeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Von dem System der Kassenärztlichen Vereinigungen fühlen sich die Ärzte gegängelt.
Die Zeit, 22.12.2010 (online)
Wer hier arbeitet, könnte sich von der Technik gegängelt fühlen.
o. A.: Fosters Finger. In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1997 [1996]
Die Untertanen waren es satt, von einem greisen Menschenhasser gegängelt zu werden.
Pflaum, Hans-Georg: Das römische Kaiserreich. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 20702
Sie bestanden auf ihrem Anspruch, endlich als Bürger ernstgenommen und nicht mehr gegängelt zu werden.
Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 445
Er sei behütet, von vielen Seiten belehrt und angeleitet und nicht zuletzt von der besorgten Mutter ungewollt gegängelt worden.
Werner, Reiner: Das verhaltensgestörte Kind, Berlin: Dt. Verl. d. Wiss. 1973 [1967], S. 68
Zitationshilfe
„gängeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gängeln>, abgerufen am 13.11.2018.

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