gären

GrammatikVerb · gärte, hat/ist gegärt
GrammatikVerb · gor, hat/ist gegoren
Aussprache
Worttrennunggä-ren
Wortbildung mit ›gären‹ als Erstglied: ↗Gärfutter · ↗Gärkeller · ↗Gärprozess · ↗Gärtemperatur · ↗gärig
 ·  mit ›gären‹ als Letztglied: ↗abgären · ↗angären · ↗aufgären · ↗ausgären · ↗durchgären · ↗nachgären · ↗übergären
 ·  mit ›gären‹ als Grundform: ↗vergären
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹, mit Hilfsverb ›ist‹
sich aus höheren organischen Verbindungen in niedere zersetzen
Beispiele:
der Most, das Bier gärt
der Teig gärte
der Wein hat gegärt
der Wein ist (klar) gegoren, zu Essig gegoren
gegorenes Apfelmus
2.
gärte, ›hat‹, ›ist‹, gegärt
übertragen
in jmdm., etw. gärt esin jmdm., etw. kommt heimlich Unfrieden auf, brodelt, wühlt es
Beispiele:
in der Masse, Menge gärt es
unter der Bevölkerung hat es gegärt
Franz ist mit Haß und Wut aus dem Saal gestiegen, es gärt in ihm [DöblinAlexanderpl.287]
etw. gärt
Beispiele:
im Lande gärte ein Aufruhr
gärende Konflikte, Unzufriedenheit
unterirdisch gor die langsame Pein der ungenutzten Kräfte [FusseneggerAntlitz27]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gären · Gur · Kieselgur · Gärfutter
gären Vb. ‘sich aus höheren organischen Verbindungen in niedere zersetzen, schäumend aufbrausen’, übertragen ‘bedrohlich, unruhig werden’. Das starke Verb ahd. jesan (9. Jh.; vgl. gijesan, 8. Jh.), mhd. jesen, gesen, ger(e)n, jern ‘in Gärung geraten, gären, schäumen’ sowie das Kausativum ahd. jerien ‘in Gärung versetzen’ (9. Jh.) führen mit den unter ↗Gischt (s. d.) genannten Wörtern germ. Herkunft und den außergerm. Verwandten aind. yásyati ‘siedet, wird heiß, ist wütend, schäumt über’, griech. zé͞in (ζεῑν) ‘kochen, wallen, sieden’, zóē (ζόη) ‘Gischt, Schaum’, kymr. ias ‘Sieden, Schäumen, Kochen’, bret. gòell ‘Hefe’ auf die Wurzel ie. *i̯es- ‘wallen, schäumen’. Das Verb, ursprünglich das Kochen des Wassers bezeichnend, wird im Germ. und Kelt. auf den Vorgang des Gärens übertragen. Mhd. und nhd. Formen mit r stammen aus den durch grammatischen Wechsel von s und r gekennzeichneten Präteritalformen (vgl. Prät. Plur. mhd. jāren); der Anlaut g für j (im Mhd. nur vor folgendem i wie in der 3. Pers. Sing. Präs. giset) hat sich unter dem Einfluß von gar in allen Formen durchgesetzt. Gur f. ‘durch Zersetzung von Organismen oder Gesteinen entstandener Schlamm’, eigentlich ‘feuchte, aus dem Gestein ausgärende Masse’ (16. Jh.), ablautendes Abstraktum zum Verb; dazu Kieselgur f. ‘mehlartige Masse aus den Panzern abgestorbener Kieselalgen, Infusorienerde’ (19. Jh.). Gärfutter n. ‘durch Gärung von Grünfutter konserviertes Viehfutter’ (um 1900).

Thesaurus

Synonymgruppe
brauen · ↗brennen · ↗destillieren · gären · ↗keltern
Synonymgruppe
(sich) zusammenbrauen  fig. · ↗(weiter) schwelen  fig. · ↗brodeln  fig. · gären  fig. · ↗schwären  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fassade Faß Frust Hefe Keller Kulisse Mage Maisch Most Oberfläche Saft Tank Unmut Untergrund Unzufriedenheit Wein allenthalben brodeln derweil faulen gewaltig hin lange nachgären rumoren seither unterschwellig weiter weitergären überall

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gären‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch die Probleme sind nicht plötzlich entstanden, sondern es gärt seit drei bis vier Jahren.
Bild, 19.05.2005
Stattdessen gärt es wie beim Nachbarn Deutsche Bank in den schlimmsten Zeiten.
Die Welt, 06.09.2002
Es gärt, obgleich Leibrecht seine grazile Hand auf seine hundertachtzig Männer gelegt hat, in einem kleinen Winkel.
Bauer, Josef Martin: So weit die Füße tragen, Frankfurt a.M: Fischer 1960 [1955], S. 96
Er habe viel mit Arbeitern zu tun, unter ihnen gäre es.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1935. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1935], S. 36
Die Idee zu diesem Bild gärte seit einer Woche in mir.
Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen, Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980 [1980], S. 192
Zitationshilfe
„gären“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gären>, abgerufen am 17.10.2019.

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