gürten

GrammatikVerb · gürtete, hat gegürtet
Aussprache
Worttrennunggür-ten
Wortbildung mit ›gürten‹ als Letztglied: ↗abgürten · ↗umgürten
eWDG, 1969

Bedeutung

einen Gürtel umlegen, anlegen
Beispiele:
jmdm., sich [Dativ] einen Gürtel, Strick um den Leib, die Hüfte gürten
jmdn., sich (mit einem Riemen, Schurz, Tuch) gürten
ein Riemen, Schurz gürtete ihn, seine Lenden (= ein Riemen, Schurz lag um seine Hüften)
Schneiderei ein gegürteter Rock, gegürtetes Sportkostüm
historisch er gürtete sich mit dem Schwert, Wehrgehänge
historisch die Ritter gürteten sich zum Kampf
Pförtner gürtet seinen Kimono ordentlicher [G. KaiserTanakaII]
die ... Hose war ihm unter dem Bauche gegürtet, so daß dieser kuglig vortrat [Erh. KästnerZeltbuch118]
historisch Ich sehe dich gegürtet und gerüstet [SchillerTellII 1]
bildlich
Beispiele:
sich mit Kraft, Energie gürten (= Kräfte sammeln)
(sich) [Dativ] seine, die Lenden gürten, um etw. zu tun (= sich anschicken, vorbereiten, um etw. zu tun)
Obgleich ... das deutsche Bürgertum seine Lenden zu gürten schien, um auf politischem Gebiete nachzuholen, was seine großen Denker und Dichter auf geistigem Gebiete längst vollbracht hatten [MehringLessing-Legende62]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gürten · Gürtel · Gurt · Gürtler · Gürtelrose
gürten Vb. ‘einen Gurt, Gürtel umlegen, umschnallen’, ahd. gurten (9. Jh.), mhd. gürten, gurten, mnd. görden, mnl. nl. gorden, aengl. gyrdan, engl. to gird, anord. gyrða (germ. *gurdjan) stehen ablautend zum starken (sekundär?) Verb got. bigaírdan ‘umgürten’ (germ. *gerdan) und gehören zu einer Dentalerweiterung ie. *g̑herdh- bzw. *gherdh- ‘umfassen, umzäunen, umgürten’ der unter ↗Garten (s. d. weitere Verwandte) angegebenen Wurzel ie. *g̑her-, *gher- ‘greifen, fassen, um-, einfassen, einzäunen’. Gürtel m. ‘um Taille oder Hüfte getragenes Band zum Festhalten der Kleidung’, ahd. gurtil (8. Jh.), gurtila (11. Jh.), mhd. gürtel, mnd. gördel, gordel, mnl. gordel, gurdel, nl. gordel, aengl. gyrdel, engl. girdle, anord. gyrðill, schwed. gördel, gebildet mit dem mask. Suffix für Gerätebezeichnungen germ. -ila-. Vgl. daneben (mit anderer Bildungsweise) got. gaírda, anord. gjǫrð ‘Gürtel’. Gurt m. ‘Band aus festem Gewebe oder Leder zum Halten, Tragen, Ziehen, Gürtel’, mhd. gurt, aus dem Verb rückgebildet. Gürtler m. ‘Hersteller von Gürteln und Gürtelschnallen’, mhd. gürtelære. Gürtelrose f. ‘sich wie ein Gürtel um die Leibesmitte herum ausdehnende infektiöse Entzündung der Haut’ (19. Jh.); s. ↗Rose.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Hüfte Lende Schwert Taille umgürten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gürten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hier kam kein Bewerber um die Macht, niemand, der sich für den Kampf gegürtet hatte.
Die Zeit, 18.07.1980, Nr. 30
Mit hochgeschlagenem Kragen, den Schlafrock um den weiten Leib gegürtet, kopfschüttelnd, blickte er hinab.
Kafka, Franz: Ein Brudermord. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1917], S. 10473
Meine Lieblingsgestalten sind die Damen; die sind alle entzückend - gegürtet und in Silber gehüllt, hinreißend beschrieben.
Süddeutsche Zeitung, 12.07.1996
Zwei Männer hatten die Lenden gegürtet, die Säbel gewetzt, das Pulver bis auf ihre alten Tage trockengehalten.
Harig, Ludwig: Ordnung ist das ganze Leben, München u. a.: Hanser 1987 [1986], S. 459
Hiob rief mir zu: Gürte deine Lenden wie ein Mann - ich will dich fragen, lehre mich!
Corinth, Lovis: Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1926], S. 30239
Zitationshilfe
„gürten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gürten>, abgerufen am 26.06.2019.

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