Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

gürten

Grammatik Verb · gürtet, gürtete, hat gegürtet
Aussprache 
Worttrennung gür-ten
Wortbildung  mit ›gürten‹ als Letztglied: abgürten · umgürten
eWDG

Bedeutung

einen Gürtel umlegen, anlegen
Beispiele:
jmdm., sich [Dativ] einen Gürtel, Strick um den Leib, die Hüfte gürten
jmdn., sich (mit einem Riemen, Schurz, Tuch) gürten
ein Riemen, Schurz gürtete ihn, seine Lenden (= ein Riemen, Schurz lag um seine Hüften)
Schneidereiein gegürteter Rock, gegürtetes Sportkostüm
historischer gürtete sich mit dem Schwert, Wehrgehänge
historischdie Ritter gürteten sich zum Kampf
Pförtner gürtet seinen Kimono ordentlicher [ G. KaiserTanakaII]
die … Hose war ihm unter dem Bauche gegürtet, so daß dieser kuglig vortrat [ Erh. KästnerZeltbuch118]
historischIch sehe dich gegürtet und gerüstet [ SchillerTellII 1]
bildlich
Beispiele:
sich mit Kraft, Energie gürten (= Kräfte sammeln)
(sich) [Dativ] seine, die Lenden gürten, um etw. zu tun (= sich anschicken, vorbereiten, um etw. zu tun)
Obgleich … das deutsche Bürgertum seine Lenden zu gürten schien, um auf politischem Gebiete nachzuholen, was seine großen Denker und Dichter auf geistigem Gebiete längst vollbracht hatten [ MehringLessing-Legende62]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gürten · Gürtel · Gurt · Gürtler · Gürtelrose
gürten Vb. ‘einen Gurt, Gürtel umlegen, umschnallen’, ahd. gurten (9. Jh.), mhd. gürten, gurten, mnd. görden, mnl. nl. gorden, aengl. gyrdan, engl. to gird, anord. gyrða (germ. *gurdjan) stehen ablautend zum starken (sekundär?) Verb got. bigaírdan ‘umgürten’ (germ. *gerdan) und gehören zu einer Dentalerweiterung ie. *g̑herdh- bzw. *gherdh- ‘umfassen, umzäunen, umgürten’ der unter Garten (s. d. weitere Verwandte) angegebenen Wurzel ie. *g̑her-, *gher- ‘greifen, fassen, um-, einfassen, einzäunen’. – Gürtel m. ‘um Taille oder Hüfte getragenes Band zum Festhalten der Kleidung’, ahd. gurtil (8. Jh.), gurtila (11. Jh.), mhd. gürtel, mnd. gördel, gordel, mnl. gordel, gurdel, nl. gordel, aengl. gyrdel, engl. girdle, anord. gyrðill, schwed. gördel, gebildet mit dem mask. Suffix für Gerätebezeichnungen germ. -ila-. Vgl. daneben (mit anderer Bildungsweise) got. gaírda, anord. gjǫrð ‘Gürtel’. Gurt m. ‘Band aus festem Gewebe oder Leder zum Halten, Tragen, Ziehen, Gürtel’, mhd. gurt, aus dem Verb rückgebildet. Gürtler m. ‘Hersteller von Gürteln und Gürtelschnallen’, mhd. gürtelære. Gürtelrose f. ‘sich wie ein Gürtel um die Leibesmitte herum ausdehnende infektiöse Entzündung der Haut’ (19. Jh.); s. Rose.

Typische Verbindungen zu ›gürten‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gürten‹.

Verwendungsbeispiele für ›gürten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hier kam kein Bewerber um die Macht, niemand, der sich für den Kampf gegürtet hatte. [Die Zeit, 18.07.1980, Nr. 30]
Mit hochgeschlagenem Kragen, den Schlafrock um den weiten Leib gegürtet, kopfschüttelnd, blickte er hinab. [Kafka, Franz: Ein Brudermord. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1917], S. 10473]
Meine Lieblingsgestalten sind die Damen; die sind alle entzückend – gegürtet und in Silber gehüllt, hinreißend beschrieben. [Süddeutsche Zeitung, 12.07.1996]
Durch eine Sauerstoffmaske, die mir um den Kopf gegürtet ist, atme ich extrem dünne Luft. [konkret, 1985]
Doch immer noch kommt es entscheidend darauf an, mit welcher Macht und welchen Waffen ein Delinquent gegürtet ist. [Die Welt, 26.10.2005]
Zitationshilfe
„gürten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/g%C3%BCrten>.

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