gammeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunggam-meln
Wortbildung mit ›gammeln‹ als Erstglied: ↗Gammelfleisch · ↗Gammellook · ↗Gammler
 ·  mit ›gammeln‹ als Letztglied: ↗herumgammeln · ↗hingammeln · ↗rumgammeln · ↗vergammeln
 ·  mit ›gammeln‹ als Grundform: ↗Gammelei
eWDG, 1967

Bedeutung

salopp
1.
planlos die Zeit hinbringen
Beispiele:
den ganzen Tag gammeln
wir haben nicht viel geschafft, wir haben bloß gegammelt
nach dem Gewaltmarsch hatten sie nur noch gegammelt
2.
norddeutsch alt, faulig werden, vergammeln
Beispiel:
in dem feuchten Keller gammelt das Obst
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gammeln1 · gamm(e)lig · vergammeln1
gammeln1 Vb. ‘alt, faulig, schimmlig werden’, im Nordd. heimisches, aus dem Nd. stammendes Verb; vgl. asächs. gigamalōd ‘betagt, bejahrt’, aengl. gamolian, mnd. gam(m)elen ‘alt werden’. Es gehört zu einem im Nordgerm. (anord. gamall, schwed. gammal, dän. gammel) und auch im Westgerm. (aengl. gamol, mnl. gamel, nl. gammel) belegten Adjektiv mit der Bedeutung ‘alt’, dessen Herkunft nicht geklärt ist. Eine im heutigen Nordd. geläufige Weiterbildung des Adjektivs liegt vor in gamm(e)lig Adj. ‘alt, verdorben, faulig’ (von Speisen), aber auch ‘unansehnlich’. Häufiger als das Simplex gammeln ist die Präfixbildung vergammeln1 Vb. ‘verderben, unansehnlich werden’, die, zumal in dem Part.adj. vergammelt ‘alt, faulig, verdorben, unansehnlich, verwahrlost’, im 20. Jh. eine über das Nordd. hinausgehende Verbreitung erlangt (wohl in Zusammenhang mit ↗vergammeln, s. unten, indem sich beide Verben, als zusammengehörig empfunden, in ihrer zunehmenden Gebrauchshäufigkeit gegenseitig beeinflußt haben).

gammeln2 · vergammeln2 · Gammler
gammeln2 Vb. ‘untätig die Zeit verbringen, sich herumtreiben, äußere Formen und allgemeingültiges Normverhalten ablehnen’ (Mitte 20. Jh.). Etymologie unklar. Vielleicht ist anzuknüpfen an westmd. (rhein. hess.) gammeln (auch gambeln, gumpeln) ‘faul umherschlendern, müßiggehen’. Das sich als Modewort rasch verbreitende Verb wird vielfach als zu ↗gammeln gehörig empfunden und erhält auf diese Weise zusätzlich den Sinn des Unkonventionellen, Nachlässigen, alle Formen Negierenden. vergammeln2 Vb. ‘zum Bummler werden, die Zeit verbummeln, vertrödeln’ (20. Jh.). Gammler m. ‘(junger) Mensch, der allgemeingültige Normen und äußere Formen ablehnt, daher auch keiner regelmäßigen Arbeit nachgeht’ (Mitte 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
schlecht werden (Lebensmittel) · ↗verderben  ●  (ver)gammeln  ugs., variabel · ↗umkommen  ugs.
Synonymgruppe
faulen · ↗herunterkommen · ↗modern · ↗verfallen · ↗verfaulen · ↗vergammeln · ↗verkommen · ↗vermodern · ↗verrotten · ↗verwesen  ●  gammeln  ugs. · ↗verlottern  ugs.
Synonymgruppe
(es sich) bequem machen · (sich) einen (faulen) Lenz machen · ↗(sich) entspannen · ↗(sich) erholen · ↗ausruhen · ↗faulenzen · ↗herumlungern · nichts tun · untätig sein  ●  (die) Füße hochlegen  fig. · (ein) Lotterleben (führen)  scherzhaft · (sich) auf die faule Haut legen  ugs. · (sich) festhalten an  ugs., scherzhaft-ironisch · Däumchen drehen  ugs., fig. · abchillen  ugs., jugendsprachlich · abflacken  ugs. · ↗abhängen  ugs. · ablockern  ugs. · ↗abschalten  ugs. · abschimmeln  derb · absicken (jugendsprachlich)  ugs. · ↗chillen  ugs. · flohnen  ugs., schweiz. · gammeln  ugs. · ↗herumgammeln  ugs. · ↗herumhängen  ugs. · ↗lungern  ugs. · nichts zu tun haben  ugs. · ↗rumfaulenzen  ugs. · ↗rumgammeln  ugs. · rumlungern  ugs.
Assoziationen
  • nichts überstürzen  ●  Eile mit Weile.  Sprichwort · Aus der Ruhe kommt die Kraft.  ugs., Sprichwort · In der Ruhe liegt die Kraft.  ugs., Sprichwort · Nur ned hudle.  ugs., schwäbisch
  • (sich) keinen Zwang antun · (sich) wie zu Hause fühlen · es sich gemütlich machen
  • bequem · entspannt · ↗formlos · ↗gelöst · ↗launig · ↗leger · ↗locker · ↗lässig · ↗unbeschwert · ↗unförmlich · ↗ungezwungen · ↗unverkrampft · ↗zwanglos  ●  chillig  ugs. · ↗geschmeidig  ugs. · ↗relaxed  ugs., engl. · relaxt  ugs. · ↗tiefenentspannt  ugs., ironisch
  • (sich) Zeit nehmen · keine Eile haben (mit)  ●  (sich) Zeit lassen  Hauptform · (sich) nicht überschlagen  ugs. · eine ruhige Kugel schieben  ugs., Redensart · es ruhig angehen lassen  ugs., Hauptform
  • (etwas) geschehen lassen · den Dingen ihren Lauf lassen · nicht aktiv werden (in einer Sache) · nichts machen · nichts tun · nichts unternehmen  ●  (die) Dinge treiben lassen  negativ · (die) Hände in den Schoß legen  fig. · keinen Finger rühren  fig. · tatenlos zusehen  negativ · untätig bleiben  Hauptform
  • (sich) hängenlassen · (sich) zu nichts aufraffen (können) · darauf warten dass ein Wunder geschieht · darauf warten, dass die Zeit vergeht · nichts tun  ●  (irgendwie) die Zeit rumkriegen  ugs.
  • (sich irgendwo) herumdrücken · ↗(sich) herumtreiben · ↗herumlungern · ↗herumstehen  ●  ↗(sich) rumtreiben  ugs. · ↗abhängen  ugs. · ↗herumgammeln  ugs. · ↗rumstehen  ugs.
  • (sich) entspannen · ↗lungern · nichts zu tun haben · untätig sein  ●  ↗abhängen  ugs. · absicken  ugs. · ↗chillen (jugendsprachlich)  ugs. · ↗herumgammeln  ugs. · ↗herumhängen  ugs. · ↗herumlungern  ugs. · keinen Finger krumm machen  ugs. · ↗rumhängen  ugs.
  • (sich) eine Auszeit nehmen · (sich) eine schöne Zeit machen · (sich) einen lauen Lenz machen  ●  (sich) einen Bunten machen  ugs.
  • faul sein · ↗faulenzen · nichts tun  ●  (die) Arbeit nicht erfunden haben  ugs., Redensart · (einfach) dasitzen und Kaffee trinken  ugs., fig. · (sich) an den Füßen spielen  ugs., fig., Redensart · (sich) die Eier schaukeln  derb, fig., Redensart · Däumchen drehen  ugs., Redensart · abhartzen  ugs., salopp · abharzen  ugs., salopp · auf der faulen Haut liegen  ugs., Redensart · keinen Finger krumm machen  ugs., fig., Redensart · keinen Finger rühren  ugs., Redensart, fig. · keinen Handschlag tun  ugs., variabel, Redensart · keinen Schlag tun  ugs.
  • (sich) die Zeit vertreiben · Zeit verschwenden · ↗vertrödeln (Zeit) · ↗vertun (seine Zeit) · ↗vertändeln (Zeit)  ●  Zeit totschlagen  ugs.
  • Maulaffen feilhalten · dastehen und nichts tun · den anderen beim Arbeiten zusehen · untätig dabeistehen (und glotzen) · untätig danebenstehen (und zugucken) · untätig zusehen  ●  (dasitzen und) Löcher in die Luft starren  fig. · ↗(untätig) herumstehen  Hauptform · dastehen und Löcher in die Luft starren  fig. · (sich) die Beine in den Bauch stehen  ugs., fig. · ↗dabeistehen (und Däumchen drehen)  ugs.
  • (gemeinsam) (die) Freizeit verbringen · ↗(sich) treffen  ●  ↗(irgendwo) abhängen  ugs., Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gebäude Rest Sofa herum herumgammeln hin hingammeln jahrelang langsam rumgammeln still ungenutzt weiter

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gammeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und weil das Personal zur Reinigung fehlt, gammelt es nun vor sich hin.
Die Zeit, 09.09.2013, Nr. 36
Und gammelt vor sich hin, bevor es ein einziges Mal benutzt wurde.
Süddeutsche Zeitung, 07.02.2003
Aber auch die würden lieber was tun, als nur rum zu gammeln.
Bild, 14.05.2001
Die gammelte seit den Verheerungen beim Konzert der Rolling Stones, 1965, vor sich hin.
Der Tagesspiegel, 07.12.2000
Dieser Müll, naß von Schweiß, gammelte da vor sich hin.
Der Spiegel, 13.11.1989
Zitationshilfe
„gammeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gammeln>, abgerufen am 21.11.2019.

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