geben

GrammatikVerb · gibt, gab, hat gegeben
Aussprache
Worttrennungge-ben (computergeneriert)
Wortbildung mit ›geben‹ als Erstglied: ↗-gebung · ↗Gebelaune · ↗Geber · ↗gebefreudig
 ·  mit ›geben‹ als Letztglied: ↗abgeben · ↗achtgeben · ↗angeben · ↗anheimgeben · ↗aufgeben · ↗ausgeben · ↗beigeben · ↗bekanntgeben · ↗dahingeben · ↗dazugeben · ↗drangeben · ↗draufgeben · ↗dreingeben · ↗durchgeben · ↗eingeben · ↗ergeben1 · ↗fortgeben · ↗freigeben · ↗heimgeben · ↗herausgeben · ↗hereingeben · ↗hergeben · ↗herumgeben · ↗heruntergeben · ↗herübergeben · ↗hinaufgeben · ↗hineingeben · ↗hingeben · ↗hinzugeben · ↗hinübergeben · ↗kundgeben · ↗losgeben · ↗maßgeben · ↗mitgeben · ↗nachgeben · ↗preisgeben · ↗runtergeben · ↗stattgeben · ↗umgeben · ↗untergeben · ↗vorgeben · ↗weggeben · ↗weitergeben · ↗wiedergeben · ↗zufriedengeben · ↗zugeben · ↗zurückgeben · ↗zusammengeben · ↗übergeben
 ·  mit ›geben‹ als Binnenglied: ↗Ratgeber  ·  mit ›geben‹ als Grundform: ↗begeben · ↗gebend · ↗gegeben · ↗vergeben
 ·  formal verwandt mit: ↗freigebig
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmdn. zum Eigentümer von etw. machen
a)
jmdm. etw. schenken
Beispiele:
jmdm. (Trink)geld, eine milde Gabe, ein Geschenk geben
jmdm. etw. zu eigen geben
jeder muss sein Scherflein geben
mit offenen Händen geben
der gebende Teil sein
niemand gab etw.
sprichwörtlich ein Schelm gibt mehr, als er hat
sprichwörtlich wer gerne gibt, fragt nicht lange
sprichwörtlich doppelt gibt, wer schnell gibt
sprichwörtlich den Seinen gibt's der Herr im Schlafe
biblisch Geben ist seliger denn Nehmen
bildlich
Beispiele:
jmdm. einen Kuss geben
jmdm. seine ganze Liebe geben
jmdm. ist etw. gegeben
jmd. hat die Eigenschaft, Gabe
Beispiele:
es ist mir nicht gegeben, die Dinge leicht, schwer, tragisch zu nehmen
so gern ich einräume, daß es großen Schauspielern gegeben war, in den Rollen solcher Stücke eine gewisse Heiterkeit zu verbreiten [K. KrausSprache2,208]
Singe, wem Gesang gegeben [Uhland1,32]
b)
jmdm. etw. aushändigen
Beispiele:
jmdm. seinen Lohn, einen Vorschuss, sein Zeugnis geben
sich seine Papiere geben lassen
der Überfallene musste dem Räuber seine Brieftasche geben
bildlich
Beispiele:
jmdm. einen Korb geben (= jmdn. abweisen)
jmdm. den Laufpass geben (= jmdn. fortjagen)
ich kann dir Brief und Siegel darauf geben (= ich versichere dir, dass es wahr ist)
die Besucher gaben sich die Tür, Klinke in die Hand (= es kamen viele Besucher)
das Heft (= die Leitung) nicht aus der Hand geben
übertragen
Beispiele:
etw. ist in jmds. Hand gegeben
jmdm. etw. an die Hand geben
jmdm. gute Lehren mit auf den Weg geben
c)
etw. verkaufen
Beispiele:
der Kaufmann kann die Ware nicht billiger geben
etw. auf Kredit geben
salopp etw. auf Pump geben
veraltet der Händler gibt seine Ware nur um einen hohen Preis
d)
etw. bezahlen
Beispiele:
umgangssprachlich ich habe sechs Euro für die Blumen gegeben
er hat einen Scheck in Zahlung gegeben (= mit einem Scheck bezahlt)
umgangssprachlich, bildlich
Beispiele:
ich gebe keinen Cent, Pfifferling dafür (= etw. ist mir keinen Cent, Pfifferling wert)
ich gäbe viel darum, wenn (= wünschte sehr, dass) ich dabeisein könnte, wenn er gesund würde
Ich gäb was drum, wenn ich nur wüßt, / Wer heut der Herr gewesen ist [GoetheFaustI 2678]
2.
jmdm. etw. reichen
Beispiele:
gib mir meinen Mantel
dem Kind die Flasche, Nahrung, Brust geben
dem Kranken leichte Speisen geben
dem Vieh Futter geben
jmdm. etw. zu essen, trinken, verzehren geben
es gibt Kohl zu Mittag
eine Flasche Wein zum Besten geben
jmdm. die Hand geben
jmdm. Feuer (für eine Zigarette) geben
sprichwörtlich wenn man ihm den kleinen Finger gibt, nimmt er gleich die ganze Hand (= ein Entgegenkommen nutzt er aus)
bildlich
Beispiel:
geben Sie mir bitte Herrn N (= verbinden Sie mich bitte telefonisch mit Herrn N)
3.
jmdm. etw. versetzen
Beispiele:
jmdm. einen Schlag, Stoß, Tritt geben
umgangssprachlich jmdm. einen Klaps geben
salopp jmdm. eins hinter die Ohren, eins aufs Dach geben
jmdm. einen Verweis geben
umgangssprachlich jmdm. einen Denkzettel geben
salopp es jmdm. ordentlich, feste, tüchtig geben (= jmdn. verprügeln) (= jmdn. mit Worten zurechtweisen)
salopp gib's ihm!
salopp gut gegeben!
salopp das hat ihm den Rest gegeben
einem kranken Tier den Gnadenstoß geben (= es töten)
4.
jmdm. etw., jmdn. zu einem bestimmten Zweck überlassen, übergeben
Beispiele:
jmdm. etw. in Verwahrung geben
ein Paket zur Post geben
jmdm. etw. zum, als Pfand geben
den Jungen in Obhut, Pflege, in die Lehre, in Kost, Pension geben
jmdm. seine Tochter zur Frau geben
den Aufsatz in Druck, Satz geben
die Aussage zu Protokoll, zu den Akten geben
bildlich
Beispiel:
jmdm. eine harte Nuss zu knacken geben
jmdn. mit etw. beauftragen
Beispiel:
einen Anzug in Arbeit geben
5.
etw. hervorbringen
Beispiele:
der Baum gibt Schatten
der Ofen gibt Wärme
die Lampe gab schwaches, helles Licht
die Kühe geben Milch
Jägersprache die Hunde gaben Hals, Laut (= bellten)
sprichwörtlich Kleinvieh gibt auch Mist
landschaftlich die Sonne gab warm [FrischStiller408]
etw. ergeben
Beispiele:
das gibt eine gute Suppe
dieser Most wird einen guten Wein geben
zwei mal zwei gibt vier
zwei Hälften geben ein Ganzes
der Aufsatz wird zwei Druckbogen geben
das gibt ein schiefes Bild, kein richtiges Bild
ein Wort gab das andere
etw. werden
Beispiele:
der Junge wird einen guten Kaufmann geben
sprichwörtlich raue Füllen geben gute Pferde
6.
etw. veranstalten
Beispiel:
ein Fest, Essen, Frühstück, Bankett, einen Abend, eine Gesellschaft, einen Ball geben
mit etw. auftreten
Beispiele:
ein Konzert, Gastspiel geben
eine Vorstellung geben
sein Debüt geben
etw. aufführen
Beispiel:
welches Stück, was wird heute im Theater gegeben?
etw. darstellen
Beispiel:
der Schauspieler gab den Faust, Tell
7.
landschaftlich etw. an, in etw. tun
Beispiele:
an das Essen Salz geben
eine Soße über den Braten geben
Kräuter unter die Rühreier geben
indem er sich einen Berg Kartoffelsalat auf seinen Teller gab [Hausm.Abel59]
Im Gestrüpp sitzen und warten, bis eine Person an einem heißen Tag das Bein in den Fluß gibt [BrechtKaukas. Kreidekreis2]
8.
etw. von sich geben
a)
etw. äußern
Beispiele:
abwertend er gibt nur Unsinn, Gemeinplätze von sich
er gab Schmerzenslaute, keinen Ton von sich
umgangssprachlich er kann es nicht so recht von sich geben (= sich nicht ausdrücken)
abwertend Sie stehen hier nicht, um geistreiche Zynismen von sich zu geben [NossackSpirale209]
b)
umgangssprachlich
Beispiel:
er musste alles wieder von sich geben (= sich erbrechen)
9.
etw. auf etw. gebenWert auf etw. legen
Beispiele:
sie gibt viel auf gute Kleidung
ich gebe viel, wenig auf sein Urteil, diese Behauptung
auf eine Verleumdung, jmds. Worte nichts geben
ich gebe nichts auf ihn (= halte nichts von ihm)
10.
jmdm., einer Sache etw. zukommen lassen
a)
jmdm. etw. erteilen
Beispiele:
jmdm. (Nachhilfe)stunden geben
Unterricht geben
eine Lektion geben
der Lehrer gab Physik und Mathematik
ein Aufsatzthema geben (= stellen)
jmdm. Verhaltungsmaßregeln geben
jmdm. Aufschluss, Auskunft über etw. geben
jmdm. einen Auftrag geben
jmdm. das Wort geben
b)
Beispiel:
sich, jmdm. Rechenschaft geben (= ablegen)
c)
jmdm., einer Sache etw. zuteilwerden lassen
Beispiele:
jmdm. einen Hinweis, guten Rat, Wink geben
umgangssprachlich jmdm. einen Tipp geben
jmdm. Hilfe geben
dem Kind eine gute Erziehung geben
gehoben der Wahrheit die Ehre geben (= die Wahrheit sagen)
jmdm. das Nachsehen geben
jmdm. Schuld, Recht, Unrecht geben
jmdm. etw. zu verdienen, wissen, verstehen geben
Kaufmannssprache (jmdm.) Rabatt geben (= zugestehen)
»Das Blut dieser Frau komme über Sie und Ihre Kinder«, gab der Baron ihm noch zu schlucken [A. ZweigJunge Frau203]
d)
jmdm. etw. vermitteln
Beispiele:
jmdm. Bescheid, Nachricht, Kunde von etw. geben
jmdm. einen Vorgeschmack, Begriff von etw. geben
jmdm. Aufklärung, einen Überblick geben
e)
jmdm. etw. gewähren
Beispiele:
ein Interview geben
jmdm. eine Genehmigung, seinen Segen geben
er gab seine Einwilligung
jmdm. einen Freibrief geben
dem Beleidigten Genugtuung geben
jmdm. eine (letzte) Frist geben
dem Kranken noch ein halbes Jahr (zu leben) geben
jmdm. Einblick in etw. geben
f)
jmdm. etw. bieten
Beispiele:
jmdm. eine Chance, Perspektive, einen Rückhalt, eine Handhabe geben
jmdm. Gelegenheit, Grund, Anlass, Veranlassung zu etw. geben
ein schlechtes, gutes Beispiel geben
g)
jmdm., einer Sache etw. verleihen
Beispiele:
dem Werk letzte Vollendung geben
etw. gibt dem Kleid eine festliche, sportliche Note
seinem Dasein, Leben einen Sinn geben
einer Sache einen geheimnisvollen Anstrich geben
seinen Worten Nachdruck geben
seiner Stimme Festigkeit geben
jmdm., jmds. Arbeit neue Impulse, Anregungen geben
jmdm. neuen Ansporn, Auftrieb, Schwung, neue Hoffnung geben
sein Auftreten gab allen anderen Mut
die Liebe zur schönen Gamaheh ... gab mir Riesenkraft [E. T. A. Hoffm.6,66]
h)
etw. erlassen
Beispiele:
Gesetze geben
(An)weisung, Order geben
eine Anordnung geben
papierdeutsch eine Auflage geben
daß der Herr General Befehl gegeben habe, jeden Morgen um zehn Uhr anzurufen [MusilMann789]
11.
etw. auslösen
Beispiele:
ein Ärgernis geben
jmdm. gibt es einen Stich
sich [Dativ] einen Ruck geben
einen Anstoß zu etw. geben
einer Angelegenheit eine glückliche Wendung geben
etw. veranlassen
Beispiele:
sein Verhalten gibt zu denken
jmdm. etw. zu bedenken geben
Stoff zum Lachen geben
12.
»geben« + abhängiges Subst. dient häufig zur Umschreibung eines Verbalbegriffes
in abgeblasster Bedeutung
Beispiele:
dem Kind einen Namen geben (= es benennen)
jmdm. den Vorzug geben (= jmdn. vorziehen)
jmdm. die Versicherung, eine Zusage, Beschreibung, Erklärung, Versprechen geben (= jmdm. etw. versichern, zusagen, beschreiben, erklären, versprechen)
jmdm. sein (Ehren)wort geben (= jmdm. etw. versichern, versprechen)
jmdm. einen Bericht, seine Zustimmung geben (= jmdm. berichten, zustimmen)
jmdm. einen Beweis seiner Reue, Liebe geben (= jmdm. seine Reue, Liebe beweisen)
umgangssprachlich jmdm. gute Worte geben (= jmdm. gut zureden)
jmdm. den Abschied geben (= jmdn. verabschieden, aus einem Dienstverhältnis entlassen)
gehoben jmdm. das letzte Geleit geben (= jmdn. zur letzten Ruhe geleiten)
veraltend Herr und Frau M geben sich [Dativ] die Ehre (= beehren sich)
sich ein Stelldichein geben (= sich treffen)
er gab sich den Anschein einer Abstammung aus gutem Hause
du hast dir viel Mühe gegeben (= du hast dich sehr bemüht)
sich [Dativ] eine Blöße geben (= sich blamieren, eine Schwäche zeigen)
Obacht geben (= aufpassen)
umgangssprachlich, scherzhaft Fersengeld geben (= fliehen)
Frieden, Ruhe geben (= sich beruhigen)
die Kompanie gab Feuer (= feuerte)
Alarm geben (= jmdn. alarmieren)
ein Signal geben (= signalisieren)
Gas geben (= die Fahrt des Autos beschleunigen)
den Ausschlag geben (= entscheidend sein)
13.
sich geben
a)
sich ergeben
Beispiel:
sich besiegt, gefangen, geschlagen geben
sich jmdm. hingeben
Beispiele:
dichterisch sich jmdm. zu eigen geben
sich in jmds. Hände geben
daß sie einem Würdigen sich gegeben und versprochen hat [St. ZweigBalzac292]
aus jener ersten Nacht, da sie sich ihm gegeben hatte [H. Mann8,330]
b)
sich benehmen
Beispiele:
sich natürlich, steif geben
sie gibt sich sehr weiblich
seine Art, sich zu geben
er gibt sich, wie er ist
sich zeigen
Beispiele:
sich witzig, leichtsinnig geben
er gibt sich gern als Sachverständiger
Ob Toinette sich stolz gab oder freundlich, sie durfte ihrem Gefühl nicht nachgeben [Feuchtw.Füchse589]
Ich gebe mich hin und wieder herzlich [NossackSpirale94]
sich stellen, verstellen
Beispiele:
sich nach außen hin gelassen geben
sie gab sich unbefangen
c)
nachlassen
Beispiele:
nach dieser Medizin wird sich das Fieber bald geben
die Schmerzen haben sich schon gegeben
das wird sich schon noch geben (= legen)
d)
sich finden
Beispiele:
wenn die Gelegenheit sich gibt
das übrige, Weitere wird sich schon geben
14.
es gibt
a)
es ist, sind vorhanden
Beispiele:
in diesem Fluss gibt es viele Fische
hier gibt es Mäuse
gibt es einen Gott?
es gab bei der Premiere viele Vorhänge
das gibt es (= kommt vor)
das gab es damals noch nicht
umgangssprachlich was es nicht alles gibt!
umgangssprachlich was gibt es (= ist) da zu reden
Es muß auch solche Käuze geben [GoetheFaustI 3483]
in der Verneinung
bezeichnet häufig eine Unmöglichkeit
Beispiele:
es gibt kein Entweichen, kein Zurück mehr
es gab kein Halten mehr
da gibt es keine Widerrede
b)
es kommt, wird sein
Beispiele:
umgangssprachlich es gibt Sturm, Regen, Schnee, ein Gewitter
umgangssprachlich heute wird's noch etwas (= Regen oder Gewitter) geben
umgangssprachlich morgen gibt es schönes Wetter
es wird eine gute Ernte geben
es entsteht, tritt ein
Beispiele:
es gibt Streit, Händel, Scherereien
umgangssprachlich es gibt Krach, ein Malheur
wenn du das tust, gibt es ein Unglück
es gab Krieg
c)
es wird bei Tisch gereicht
siehe auch geben (Lesart 2)
Beispiel:
heute gibt es Kohl
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

geben · abgeben · Abgabe · angeben · Angabe · Angeber · angeblich · aufgeben · Aufgabe · ausgeben · Ausgabe · ausgiebig · begeben · Begebenheit · beigeben · Beigabe · eingeben · Eingabe · Eingebung · ergeben · Ergebung · ergeben · Ergebenheit · Ergebnis · ergiebig · freigebig · Freigebigkeit · hingeben · Hingabe · Hingebung · hingebungsvoll · nachgeben · nachgiebig · übergeben · Übergabe · umgeben · Umgebung · Untergebener · vergeben · Vergebung · vergebens · vergeblich · zugeben · Zugabe
geben Vb. ‘(hin-, dar)reichen, schenken, überlassen’. Das gemeingerm. Verb ahd. geban (8. Jh.), mhd. geben, asächs. geƀan, mnd. gēven, mnl. ghēven, nl. geven, aengl. giefan (engl. to give ist aus dem Nord. entlehnt), anord. gefa, schwed. giva, got. giban (germ. *geban). Herkunft ungesichert. Das Verb wird allgemein mit lat. habēre ‘halten, haben, besitzen’, habilis ‘handlich, geeignet’, air. gaibid ‘nimmt, ergreift, erhält’, lit. gabénti ‘fördern, transportieren, herbei-, fortschaffen’, aruss. gabati ‘bedrängen, verfolgen (?)’, tschech. (älter) habati ‘raffen’, poln. gebać ‘anfechten, reizen, beunruhigen’ zu der in mehreren Varianten vorliegenden Wurzel ie. *ghabh-, *ghab-, *ghap- ‘fassen, nehmen’ (die letzte Variante wohl unter Einfluß der Wurzel ie. *kap- ‘fassen’, s. ↗heben) gestellt. Der auffallende Bedeutungsunterschied zwischen den germ. Vertretern und dem ie. Wurzelansatz (‘geben’ – ‘nehmen’) wird damit erklärt, daß hier eine germ. Eigenbildung als Ersatz für ie. *dō- ‘geben’ vorliegt, die sowohl lautlich (im Vokalismus der Stammsilbe) wie inhaltlich unter dem Einfluß von germ. *neman (s. ↗nehmen) als Gegenwort steht (was man hat, auswählend ergreift, „nimmt“, kann man darreichen, schenken, „geben“). Die reiche Bedeutungsentfaltung des Verbs führt zu zahlreichen Präfixbildungen mit weiteren Ableitungen. abgeben Vb. ‘(einen Teil) hergeben, abtreten, überlassen, darstellen, sein’ reflexiv ‘sich beschäftigen, befassen’, frühnhd. ab(e)geben, vgl. ahd. abageban ‘verlassen, im Stich lassen’ (9. Jh.); Abgabe f. ‘zu entrichtende Leistung, Überlassung’ (2. Hälfte 17. Jh.). angeben Vb. ‘(aus)sagen, anzeigen, verraten, bestimmen, prahlen, aufschneiden’, mhd. an(e)geben, auch ‘(ein Kleid) anlegen’; Angabe f. ‘Aussage, Prahlerei, Aufschneiderei’ (Anfang 16. Jh.); Angeber m. ‘Denunziant, Aufschneider’, frühnhd. angeber ‘Anfänger, Anstifter’; angeblich Adj. ‘vermeintlich’ (1. Hälfte 18. Jh.). aufgeben Vb. ‘zur Weiterleitung übergeben, erledigen lassen, verzichten, zurücktreten’, mhd. ūfgeben; Aufgabe f. ‘Übergabe zur Weiterleitung, Auftrag, Verzicht’, mhd. ūfgābe. ausgeben Vb. ‘austeilen, aushändigen, verkünden, Geld verbrauchen, spendieren’, reflexiv ‘seine Kräfte verbrauchen, verausgaben’, ahd. ūʒgeban ‘(her)ausgeben, ausschütten’ (9. Jh.), mhd. ūʒgeben; Ausgabe f. ‘Austeilung, Aushändigung, Verkündigung, Verbrauch an Geld, Edition, Nummer einer Zeitung, Zeitschrift’, spätmhd. ūʒgābe; ausgiebig Adj. ‘reichlich’ (Mitte 18. Jh.). begeben Vb. reflexiv ‘sich aufmachen, gehen, sich ereignen, geschehen’, sich einer Sache begeben ‘auf etw. verzichten’, ahd. bigeban ‘verlassen, aufgeben’ (10. Jh.), mhd. begeben; Begebenheit f. ‘Ereignis, Geschehen’ (1. Hälfte 17. Jh.). beigeben Vb. ‘mitgeben, hinzufügen, zur Verfügung stellen, nachgeben, sich fügen’ (1. Hälfte 16. Jh.); Beigabe f. (1. Hälfte 19. Jh.). eingeben Vb. ‘einflößen, einreichen’, mhd. īngeben ‘übergeben, überweisen’; Eingabe f. ‘das Einflößen, schriftlicher Vorschlag, Gesuch’, spätmhd. ingābe; Eingebung f. ‘plötzlich auftauchender Gedanke, Intuition’ (1. Hälfte 15. Jh.). ergeben Vb. ‘als Ergebnis hervorbringen’, reflexiv ‘zustande kommen, sich hingeben, widmen, die Waffen strecken, sich dem Feind ausliefern’, ahd. irgeban ‘(von sich) geben, heraus-, übergeben, sich jmdm. ausliefern, Rechenschaft ablegen’ (8. Jh.), mhd. ergeben ‘zeigen, herausgeben, übergeben, anheimgeben, einträglich sein’, reflexiv ‘sich in jmds. Gewalt geben, sich fügen’; Ergebung f. ‘das Sichergeben, Unterwerfung, Ergebenheit’ (14. Jh.); ergeben Part.adj. ‘gefügig, hingebungsvoll, wohlgeneigt’, in frühnhd. Zeit aus dem Part. Prät. mhd. ergeben ‘sich durch Gelübde dem Mönchsleben ergeben habend’; Ergebenheit f. ‘demütige Hingabe, Fügsamkeit’, mhd. ergebenheit ‘Klostergelübde’; Ergebnis n. ‘Resultat’ (um 1800); ergiebig Adj. ‘ertragreich, fruchtbar’ (16. Jh.). freigebig Adj. ‘gern gebend, großzügig’, Freigebigkeit f. (1. Hälfte 16. Jh.). hingeben Vb. ‘weg-, fortgeben, verschenken’ (15. Jh.), reflexiv ‘sich aufopfern, sich widmen’ (18. Jh.); vgl. schon ahd. hinageban ‘hingeben, übergeben, preisgeben’ (um 1000); Hingabe f. ‘Opferbereitschaft, Leidenschaft’ und gleichbed. Hingebung f. (1. Hälfte 19. Jh.), älter im Sinne von ‘das Weg-, Fortgeben’ (Hingebung seit dem 17. Jh., Hingabe seit dem 18. Jh.); hingebungsvoll Adj. ‘voll Eifer, Aufopferung’ (1. Hälfte 19. Jh.). nachgeben Vb. ‘nicht standhalten, Widerstand aufgeben, sich fügen, erschlaffen, locker werden’, spätmhd. nāchgeben ‘zulassen, einräumen’; nachgiebig Adj. ‘nicht standhaltend, keinen Widerstand entgegensetzend, schlaff, leicht umzustimmen, fügsam’ (18. Jh.). übergeben Vb. ‘aushändigen, überantworten, ausliefern, für etw. freigeben’, reflexiv ‘sich erbrechen’, mhd. übergeben ‘übertreffen, beeinträchtigen, verletzen, verzichten’, reflexiv ‘sich aufgeben, schuldig bekennen’; Übergabe f. ‘Aushändigung, Auslieferung’ (Ende 15. Jh.). umgeben Vb. ‘ein-, umschließen’, ahd. umbigeban ‘umgeben, umstellen’ (8. Jh.), mhd. umbegeben; Umgebung f. ‘einen Ort umgebende Landschaft, jmdn. umgebender Kreis von Menschen’ (um 1800; vorher dafür Environs, nach gleichbed. frz. environs Plur.), älter im Sinne von ‘das Herumgeben, Umhängen’ (Ende 15. Jh.). Untergebener m. ‘wer einem Vorgesetzten dienstlich unterstellt ist’ (um 1600), substantivierte Form zum Part.adj. untergeben ‘einem Vorgesetzten dienstlich unterstellt’, eigentlich Part. Prät. zu heute nicht mehr üblichem untergeben ‘unter Aufsicht stellen’, ahd. untargeban ‘unterwerfen, unterstellen’ (um 800), spätmhd. undergeben. vergeben Vb. ‘weggeben, austeilen, verschenken, verzeihen’, meist reflexiv ‘seinem Ansehen schaden’, nur reflexiv ‘sich beim Austeilen (der Spielkarten) irren, falsch geben’, ahd. firgeban ‘vergeben, schenken, einräumen’ (8. Jh.), mhd. vergeben; Vergebung f. ‘das Vergeben, Vergabe, Verzeihung’, spätmhd. vergebunge ‘Verzeihung’; vergebens Adv. ‘vergeblich, erfolglos, umsonst, nutzlos’, spätmhd. vergeben(e)s, mit sekundärem s für gleichbed. mhd. vergebene ‘geschenkweise, unentgeltlich, umsonst, unnütz, vergeblich’, Adverb zum Part. Prät. mhd. vergeben; vgl. ahd. firgebano Adv. ‘umsonst, ohne Gegenleistung’ (um 1000). vergeblich Adj. ‘erfolglos, nutzlos, umsonst’, zuerst md. vergebelich (15. Jh.), vgl. mhd. frühnhd. vergebenlich (wohl gekürzt aus vergebendlich). zugeben Vb. ‘hinzufügen, dazugeben, für richtig erklären, einräumen, gestehen’ (15. Jh.), vgl. schon ahd. zuogeban ‘hinzufügen, zuteilen, verteilen’ (9. Jh.), dagegen mhd. zuogeben ‘tapfer auf jmdn. eindringen, jmdm. zusetzen’; Zugabe f. ‘was zusätzlich über die pflichtgemäße Leistung oder Menge hinaus gegeben wird’, spätmhd. zuogābe ‘Zugabe, Mitgift’.

Thesaurus

Synonymgruppe
aushändigen · herüber reichen · ↗reichen · ↗übergeben · ↗überreichen  ●  (jemandem etwas) geben  Hauptform · ↗ausfolgen  österr. · (jemandem etwas) in die Hand drücken  ugs., salopp · ↗rüberschieben  ugs. · rüberwachsen lassen  ugs., veraltend, salopp, Jargon
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
aufführen · geben · ↗spielen · ↗vortragen (Theaterstück) · zum Besten geben
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Synonymgruppe
(sich) aufführen (als / wie) · (sich) geben · ↗(sich) gehaben · ↗(sich) gerieren · ↗(sich) verhalten  ●  (jemanden) geben  spöttisch
Synonymgruppe
ermöglichen · geben · zuteil werden lassen · ↗zuteilen
Synonymgruppe
geben · ↗schenken · ↗spendieren · ↗verschenken
Assoziationen
Synonymgruppe
beliefern · ↗besorgen · geben · ↗verschaffen · ↗versorgen
Synonymgruppe
bestehen · ↗existieren · geben (es gibt / es gab ...) · ↗sein · sich befinden · vorhanden sein · ↗vorkommen · ↗vorliegen  ●  ↗lauern (Gefahren)  fig. · ↗da sein  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) heucheln · (sich) geben · ↗(sich) verstellen · machen auf · nur so tun · ↗schauspielern · sich (irgendwie) stellen · ↗simulieren · so tun als wäre man (...) · ↗vorgeben (etwas zu sein) · ↗vortäuschen  ●  (sich) ein ... Mäntelchen umhängen  fig. · so tun als ob  Hauptform · (eine) Show abziehen  ugs. · ↗markieren  ugs. · so tun als sei man (...)  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(den) Anschein erwecken · (sich) gerieren als · sagen, dass man (...) ist  ●  ↗(jemanden) mimen  ugs., salopp · geben  ugs. · machen auf  ugs., salopp · ↗markieren  ugs., salopp
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemanden) geben (Rolle) · auftreten als · auftreten in der Rolle (des ...) · ↗figurieren (als) · ↗gestalten · in der Rolle (...) auf der Bühne stehen · in der Rolle (...) zu sehen sein · ↗mimen · ↗sein · ↗spielen (Theat., Film) · ↗verkörpern · zu sehen sein als  ●  ↗(jemanden) abgeben  auch figurativ · ↗darstellen (Theater, Film)  Hauptform · ↗hinlegen  ugs.
Synonymgruppe
(jemanden) geben · ↗hervorkehren  ●  auf ... machen  ugs. · heraushängen lassen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
geben · ↗verpassen  ●  ↗erteilen  Amtsdeutsch
Synonymgruppe
...lehrer sein (bei/in) · ...unterricht geben · Unterricht geben (in)  ●  ↗(ein Fach) unterrichten  Hauptform · (ein Fach) geben  ugs. · (jemanden) haben in  ugs., salopp
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antwort Grund Jahr Möglichkeit Problem aber abgeben angeben auch aufgeben ausgeben bekannt bekanntgeben da dafür dann er hier ich mehr nachgeben nicht noch nur schon sie so wieder wir zugeben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›geben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dort gibt es eine zu geringe Zahl von berufstätigen Frauen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]
Das wäre ein krönender Abschluss, aber für die Politik der Bahn gibt es wichtigere Daten.
Die Zeit, 30.03.2000, Nr. 14
Es gab nichts zu essen, und es war nicht erlaubt, anzuhalten, um etwas zu trinken.
o. A.: Enzyklopädie des Nationalsozialismus - T. In: Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1997], S. 28827
Die Symphonie war für M. das Mittel, ein Bild seiner Welt in Tönen zu geben.
o. A.: M. In: Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 21157
Es gibt doch fast rein gar nichts mehr zu kaufen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 01.11.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„geben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/geben>, abgerufen am 16.11.2018.

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