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gebranntes Kind

Grammatik Mehrwortausdruck
Aussprache 
Hauptbestandteile brennen Kind
Rechtschreibregel § 63 (1.2)
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

jmd., der sich nach einem unangenehmen, schmerzhaften oder gefährlichen Erlebnis besonders vorsichtig verhält (und vergleichbare Situationen vermeidet)
Beispiele:
[…] Ich fahre fast immer mit Helm durch die Stadt, denn ich bin ein gebranntes Kind. Vor fast 20 Jahren hatte ich einen heftigen Sturz, bei dem ich mit voller Wucht mit dem Kopf auf den Asphalt knallte. […] Der Helm war angebrochen, mein Schädel heil. Glück gehabt. [Der Spiegel, 02.04.2014 (online)]
Der Intendant [der Philharmonie] ist obendrein gebranntes Kind in Sachen Premieren‑Terminen: »Wir haben schon zwei Mal ein Eröffnungsfestival geplant und mussten es wieder verschieben, da wird man beim dritten Mal vorsichtiger«[…]. [Der Spiegel, 19.02.2011 (online)]
Wir sind gebrannte Kinder – nach der Erfahrung mit zwei Weltkriegen und zwei Diktaturen sitzt uns noch immer die Angst im Nacken, unser Glaube könnte politisch zu schrecklichem Unrecht mißbraucht werden. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2005]
Ich habe, sobald ich mich in Gefahr befinde – oftmals überängstlich, wie alle gebrannten Kinder – die Neigung, um Hilfe zu schreien. [Die Zeit, 18.08.1961]
Phrasem:
sprichwörtlich(ein) gebranntes Kind scheut, meidet das Feuer (= wer eine negative Erfahrung gemacht hat, meidet vergleichbare Situationen)
Beispiele:
Kinder müssen […] den Umgang mit Schmerzen und den Zusammenhang zwischen Auslöser und Schmerzerlebnis erst lernen. Daher kommt der Spruch: »Ein gebranntes Kind scheut das Feuer.« So lernen wir das ganze Leben lang, Schmerzen zu vermeiden. Deshalb bauen wir Treppengeländer, damit wir nicht stürzen. Und deshalb pusten wir auf heißes Essen, damit wir uns den Mund nicht verbrennen. [Bild, 26.02.2018]
Getreu dem Sprichwort »Gebranntes Kind meidet das Feuer« sind offenbar diejenigen [Chefs], die in der Frühphase ihrer Karriere die Auswüchse einer wirtschaftlichen Krisensituation hautnah zu spüren bekamen, bemüht, für sich und ihre Belegschaften die Risiken für eine Wiederholung dieser Erfahrungen so gering wie möglich zu halten – und zwar ein Berufsleben lang. [Welt am Sonntag, 18.12.2011, Nr. 51]
Während der Zeit, die wir hier zusammenlebten, hat sie mich mit sämtlichen Bewohnern aus unserem Treppenhaus betrogen. Mit dem Arzt im Erdgeschoss fing es an und mit dem Klempner im achten Stock war Schluss. Ganz normal also, dass ich mich vor Frauen hüte. Nicht alle sind gleich, […] aber gebranntes Kind scheut das Feuer. [Süddeutsche Zeitung, 17.02.2007]
Alles, was man durchmacht, muß erlebt sein. Fremde Erfahrungen bringen einen selbst nicht weiter. Das denke ich manchmal, wenn ich die Menschen Irrtümer über Irrtümer begehen sehe; […] dann denke ich: Laß sie nur gehen, laß sie nur machen! Hinterher sehen sie’s dann besser ein, und einmal gebrannte Kinder scheuen das Feuer! [Huch, Friedrich: Pitt und Fox, München: Langewiesche-Brandt 1910 [1909], S. 108]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
(mit etwas) schon einmal (böse) hereingefallen sein · schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht haben (mit)  ●  (ein) gebranntes Kind (sein)  fig. · (sich) (schon einmal) eine blutige Nase geholt haben  ugs., fig.
Assoziationen
Zitationshilfe
„gebranntes Kind“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gebranntes%20Kind>.

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