Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

gebrauchen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ge-brau-chen
Grundformbrauchen
Wortbildung  mit ›gebrauchen‹ als Grundform: Gebrauch · gebraucht

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. etw. benutzen, verwenden
  2. 2. [norddeutsch] etw. brauchen, benötigen
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. benutzen, verwenden
Beispiele:
ein Werkzeug, Instrument gebrauchen
das kann ich gut gebrauchen
er gebraucht schon jahrelang dasselbe Präparat
er ist zu nichts, für diesen Zweck gut zu gebrauchen
große Worte, einen unbekannten Ausdruck, ein bekanntes Zitat, Bild gebrauchen
sie müssen lernen, ihre Macht, Waffen zu gebrauchen
die gebrauchten Papierhandtücher werden in einen Kasten geworfen
einen gebrauchten Wagen kaufen (= einen nicht neuen Wagen kaufen)
gebrauchte Möbel verkaufen
2.
norddeutsch etw. brauchen, benötigen
Beispiele:
sie gebraucht dringend ein neues Kleid
er gebraucht einen neuen Anzug
ich kann dir das Fahrrad nicht leihen, ich gebrauche es selbst
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

brauchen · Brauch · Brauchtum · brauchbar · Brauchbarkeit · gebrauchen · Gebrauch · mißbrauchen · Mißbrauch · verbrauchen · Verbrauch · Verbraucher
brauchen Vb. ‘nötig haben’, ahd. brūhhan, brūhhen ‘genießen, nutzen, ausüben’ (8. Jh.), mhd. brūchen, asächs. brūkan, mnl. brūken ‘brauchen, genießen’, afries. brūka ‘nötig haben’, aengl. brūcan ‘nützlichen Anteil haben’, engl. to brook ‘gebrauchen’, got. brūkjan ‘genießen, sich erfreuen, gebrauchen’ (germ. *brūk-) zeigen unterschiedliche Flexionsweisen (stark im Aengl., schwach im Got., sonst starke Präsens- und schwache Präteritalformen). Verwandtschaftlich nahe steht wohl lat. fruī ‘genießen, Nutzen ziehen’ und frūx, frūctus (s. Frucht). Das nur aus dem Germ. und Ital. zu erschließende ie. *bhrūg- ‘Frucht, genießen, gebrauchen’ ist vielleicht Gutturalerweiterung des in Brosame (s. d.) und seinen Verwandten mit s-Erweiterung vorliegenden ie. *bhrē̌u-, *bhrū̌- ‘abschaben, abstreifen, zerschlagen, zerbrechen’ (zur Wurzel ie. *bher- ‘mit einem scharfen oder spitzen Werkzeug bearbeiten, schneiden’). Für ie. *bhrūg- könnte daher eine älteste Bedeutung ‘sich Früchte zum Genuß abbrechen oder abstreifen’ erschlossen werden. Die semantische Entwicklung des dt. Verbs führt von ‘nützlichen Anteil haben, genießen’ über ‘nutzen, gebrauchen’ zu seit dem 17. Jh. üblichem ‘nötig haben’. – Brauch m. ‘Gewohnheit, Sitte’, ahd. brūh (10./11. Jh.), mhd. brūch. Brauchtum n. ‘volkstümliche Sitten und Gebräuche’ (20. Jh.). brauchbar Adj. ‘geeignet’, spätmhd. brūchbar; dazu Brauchbarkeit f. (18. Jh.). gebrauchen Vb. ‘benutzen, verwenden’, ahd. gibrūhhan, gibrūhhen (11. Jh.), mhd. gebrūchen; Gebrauch m. ‘Verwendung’, mhd. gebrūch. mißbrauchen Vb. ‘in unstatthafter Weise gebrauchen’, ahd. missabrūhhan (9. Jh.), mhd. missebrūchen (s. miß-); Mißbrauch m. (16. Jh.; vgl. ahd. missibrūhhida, 9. Jh.). verbrauchen Vb. ‘völlig verwenden, abnutzen, verschleißen’, ahd. firbrūhhen (10./11. Jh.), mhd. verbrūchen; Verbrauch m. (18. Jh.); Verbraucher m. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) einer Sache bedienen · (zu etwas) heranziehen · anwenden · benutzen · benützen · einsetzen · gebrauchen · greifen (zu) · in Gebrauch nehmen · nutzen · nützen · verwenden · zum Einsatz bringen  ●  zur Anwendung bringen  Papierdeutsch · adhibieren  geh., veraltet
Assoziationen
  • Verwendung finden · eingesetzt werden · genutzt werden · verwendet werden · zum Einsatz kommen

Typische Verbindungen zu ›gebrauchen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gebrauchen‹.

Verwendungsbeispiele für ›gebrauchen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man gebraucht ihn nur, um einen anderen, nicht etwa sich selbst vorzustellen. [Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 901]
Noch nie hat sie ihn so nötig gebraucht wie jetzt. [Dölling, Beate: Hör auf zu trommeln, Herz, Weinheim: Beltz & Gelberg 2003, S. 202]
Unsere höchsten Dichter allein, möchte man sagen, gebrauchen unsere Sprache sprachgemäß – ob auch die Schriftsteller, bleibt schon fraglich. [Hofmannsthal, Hugo von: Wert und Ehre deutscher Sprache. In: Bertram, Mathias (Hg.) Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1927], S. 15066]
Dieser Satz ist mir niemals in den Mund gekommen; nie habe ich einen derartigen Ausdruck gebraucht. [Röhrich, Lutz: Wand. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 27372]
Dieses Wachstum können wir gut gebrauchen; das ist gar keine Frage. [Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]]
Zitationshilfe
„gebrauchen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gebrauchen>.

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