Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

gedeihen

Grammatik Verb · gedeiht, gedieh, ist gediehen
Aussprache 
Worttrennung ge-dei-hen
Wortbildung  mit ›gedeihen‹ als Letztglied: angedeihen
eWDG

Bedeutung

wachsen, sich (gut) entwickeln
Beispiele:
das Kind ist prächtig, zusehends gediehen
das Kalb ist zu einem starken Bullen gediehen
die Kartoffeln gedeihen in diesem Jahr gut
ohne Wasser können Tier und Pflanze nicht gedeihen
nichts gedeiht auf diesem Boden
scherzhaftwachse, blühe und gedeihe! (= Wunschformel)
wir wünschen gutes Gedeihen
sprichwörtlichunrecht Gut gedeiht nicht
übertragen
Beispiel:
gehobendaraus gedeiht (= erwächst) nichts Gutes
in seiner Entwicklung fortschreiten
Beispiele:
der Bau ist noch nicht über die Grundmauern hinaus gediehen
die Verhandlungen, Dinge sind inzwischen soweit gediehen, dahin gediehen, dass …
wie weit bist du mit deinen Studien gediehen?
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gedeihen · gediegen · Gedeih · Gedeihlichkeit · gedeihlich
gedeihen Vb. ‘wachsen und zunehmen, sich gut entwickeln’, ahd. githīhan (10. Jh.), mhd. gedīhen ‘geraten, Fortschritte machen’, aengl. geþēon, mnd. gedīen, mnl. ghedīen, nl. gedijen, got. gaþeihan sind Präfixbildungen zu einem (im Nhd. untergegangenen) Simplex ahd. thīhan (8. Jh.), mhd. dīhen ‘wachsen, geraten, Fortschritte machen’, asächs. thīhan, aengl. þēon, mnd. mnl. dīen, nl. dijen, afries. thīgia, got. þeihan. Die Verben schließen sich an die Wurzel ie. *tenk- ‘(sich) zusammenziehen, fest, dicht werden’ an, zu der auch verwandtes dicht (s. d.) gehört. Der n-Ausfall im Germ. (ursprünglich germ. *þinhan, *þenhan) hat zu Ersatzdehnung des Stammsilbenvokals geführt; vgl. noch den Plur. Prät. aengl. þungon sowie das Part. Prät. aengl. geþungen. Auf grammatischen Wechsel von h und g weist (wie die genannten aengl. Formen) auch das Part. Prät. ahd. githigan, mhd. gedigen, das heute noch in dem isolierten gediegen Part.adj. ‘rein, echt, dauerhaft, solide’ weiterlebt (ahd. githigan ‘bejahrt, vollkommen, ernst’, 9. Jh., mhd. gedigen ‘reif, gehaltvoll’), während das h im Part. Prät. nhd. gediehen durch Ausgleich mit dem Präsens eingetreten ist. – Gedeih m. ‘das Gedeihen’ (15. Jh.), nur noch in der Wendung auf Gedeih und Verderb(en) ‘unter allen Umständen, bedingungslos’, wohl aus nordd. Rechtssprache, vgl. mnd. gedy und verderf. Gedeihlichkeit f. (Anfang 17. Jh.), später bezeugtes gedeihlich Adj. ‘ersprießlich, fördernd’ voraussetzend.

Thesaurus

Synonymgruppe
entfalten · entwickeln · gedeihen · prosperieren · wachsen · zunehmen  ●  ausprägen  fachspr.
Synonymgruppe
(gut) vorankommen · (sich) erfreulich entwickeln · (sich) gut entwickeln · aufwärts · es geht aufwärts (mit) · florieren · gedeihen · gut gehen (Geschäfte) · gut laufen (es) · prosperieren · wachsen, blühen und gedeihen · wächst, blüht und gedeiht
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) geht es gut · (jemandem) geht es prächtig · (sich) gut entwickeln · gedeihen · gut wachsen  ●  aufblühen (Mensch)  fig.
Synonymgruppe
aufschießen · aufsprossen · aufwachsen · emporschießen · emporschießen · emporsprießen · gedeihen · hochwachsen · hochwachsen · schossen
Synonymgruppe
existieren · leben · lebendig sein  ●  vegetieren  abwertend · am Leben sein  ugs. · gedeihen  fachspr.
Unterbegriffe
  • (ein) kümmerliches Leben fristen · in ärmlichen Verhältnissen (leben) · kümmerlich leben · unter ärmlichen Bedingungen  ●  (sein) Leben fristen Hauptform · unter äußerst bescheidenen Verhältnissen leben positiv, verhüllend · zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig (haben) Spruch · äußerst bescheiden leben positiv, verhüllend · vegetieren ugs.
  • am Leben sein · unter den Lebenden sein · unter den Lebenden weilen  ●  (noch) leben salopp · es gibt jemanden noch ugs., salopp
Assoziationen
  • (ein) kümmerliches Leben fristen · in ärmlichen Verhältnissen (leben) · kümmerlich leben · unter ärmlichen Bedingungen  ●  (sein) Leben fristen Hauptform · unter äußerst bescheidenen Verhältnissen leben positiv, verhüllend · zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig (haben) Spruch · äußerst bescheiden leben positiv, verhüllend · vegetieren ugs.
  • Lebendigsein (an sich)
  • Luft bekommen · Luft holen · atmen · hauchen  ●  Luft kriegen ugs.
  • bevor der Sargdeckel zuklappt · bevor man tot ist · solang(e) es noch geht · solang(e) man lebt  ●  solang(e) noch das Lämplein glüht fig. · bevor alles zu spät ist ugs., fig.

Typische Verbindungen zu ›gedeihen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gedeihen‹.

Verwendungsbeispiele für ›gedeihen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da waren so gediehene rechtsradikale Strukturen, auch im oberen Establishment, dass es kaum vorstellbar war, dass das niemand mitbekommen hat. [Die Zeit, 12.12.2011, Nr. 50]
Es habe leider noch nichts gedeihen wollen, sagte er später. [Mann, Thomas: Der Zauberberg, Gütersloh: Bertelsmann 1998 [1924], S. 734]
Wie hätte in solcher Atmosphäre irgendeine Verbesserung, eine geistige Reform gedeihen können? [Die Fackel [Elektronische Ressource], 2002 [1900]]
Und das Land in seiner Ökonomie gedieh unter ihnen allen. [Mann, Golo: Politische Entwicklung Europas und Amerikas 1815-1871. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 17038]
Bevor eine Pflanze den Garten schmücken kann, muß sie erst einmal gedeihen. [Katz, Richard: Übern Gartenhag, München u. Zürich: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. 1965, S. 196]
Zitationshilfe
„gedeihen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gedeihen>.

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