Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

gedenken

Grammatik Verb · gedenkt, gedachte, hat gedacht
Aussprache  [gəˈdɛŋkn̩]
Worttrennung ge-den-ken
Wortzerlegung ge- denken

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [gehoben] ⟨jmds., einer Sache gedenken⟩ an jmdn., etw. denken
  2. 2. [gehoben] etw. beabsichtigen, wollen
  3. 3. [veraltet] jmdm. etw. nachtragen
eWDG

Bedeutungen

1.
gehoben jmds., einer Sache gedenkenan jmdn., etw. denken
Beispiele:
jmds. dankbar, liebevoll, herzlich, mit Ehrfurcht gedenken
er gedachte seines Vaters
der Toten gedenken
wir gedachten seiner, ihrer in Sorge
veraltetwir gedachten sein in Sorge
gedenke meiner! (= vergiß mich nicht!)
veraltet gedenke mein! (= vergiß mich nicht!)
wie gern gedenke ich jener Tage, da …
Gedenkt unsrer / Mit Nachsicht [ BrechtGedichte308]
Mit welcher Sehnsucht gedenke ich der Zeit, / wo mir eine Mark dreißig lebenswichtig waren [ BennDestillationen23]
2.
gehoben etw. beabsichtigen, wollen
Beispiele:
wir gedenken, noch eine Weile zu bleiben
er gedachte, nicht an dieser Feier teilzunehmen
was gedenken Sie zu unternehmen, zu tun?
Ich schrieb auch einen Brief an Vater, in dem ich ihm kurz mitteilte, daß Hildegard und ich uns … zu verloben gedächten [ SchallückReineke275]
3.
veraltet jmdm. etw. nachtragen
Beispiel:
aber er wolle es [ihre Treulosigkeit] ihnen nicht weiter gedenken [ Ric. HuchDreißigjähr. Krieg1,397]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

denken · gedenken · nachdenken · nachdenklich · verdenken · Denker · Denkzettel
denken Vb. ‘geistig arbeiten, überlegen’, ahd. thenken (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. denken, asächs. thenkian, afries. thanka, aengl. þencan, engl. to think, anord. þekkja (‘wahrnehmen, erkennen’), aschwed. þækkia, got. þagkjan. Das germ. jan-Verb (germ. *þankjan) steht als Kausativum im Ablaut (wie Dank, Gedanke, s. d.) zu einem Verb, das sich in dünken (s. d.) fortsetzt. Es findet eine sichere außergerm. Entsprechung in lat. tongēre ‘kennen, wissen’ und kann mit diesem auf eine Wurzelform ie. *teng-, *tong- ‘denken, fühlen’ zurückgeführt werden. Das Prät. dachte und das Part. Prät. gedacht (beide mit Kürzung des Stammvokals) sind durch Ausfall von -n- und Ersatzdehnung entstanden (ahd. thāhta, githāht, mhd. dāhte, gedāht, aus germ. *þanht-). gedenken Vb. ‘an jmdn., etw. zurückdenken, sich erinnern, beabsichtigen’, ahd. githenken ‘an etw. denken’ (um 800), mhd. gedenken, auch ‘ausdenken, bestimmen, eingedenk sein, sich erinnern’, heute besonders einer Sache, eines Menschen gedenken sowie gedenken, etw. zu tun. nachdenken Vb. ‘eine Sache gründlich durchdenken, überlegen, erwägen’, (selten) ‘etw. in Gedanken nachvollziehen’ (15. Jh.); vgl. mhd. denken nāch ‘mit Gedanken nachfolgen, zurückdenken an’; nachdenklich Adj. ‘zu Überlegungen neigend, in Gedanken versunken, zum Nachdenken anregend’ (Mitte 17. Jh.). verdenken Vb. ‘übelnehmen, verübeln, verargen’ (meist verneint und in Verbindung mit können), ahd. firthenken ‘verachten, geringschätzen’ (8. Jh.), mhd. verdenken ‘(zu Ende) denken, erwägen, sich erinnern, Übles von jmdm. denken, jmdn. in Verdacht haben, verargen’ (s. Verdacht). Denker m. ‘Philosoph’ (1. Hälfte 18. Jh. nach engl. thinker); vgl. vereinzeltes ahd. thenkāri (11. Jh.). Denkzettel m. ‘Merkzettel als Gedächtnishilfe’, übertragen ‘eindringliche Lehre in Form eines Verweises, einer Bestrafung’ (16. Jh.), vgl. rechtssprachliches mnd. denksed(d)del, -cēdel ‘Urkunde, Vorladung, Merkblatt’. Frühnhd. auch Gedenkzedele, -zettul (16. Jh.). S. Zettel2.

Thesaurus

Synonymgruppe
(einer Sache / jemandes) gedenken · erinnern an

Typische Verbindungen zu ›gedenken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gedenken‹.

Verwendungsbeispiele für ›gedenken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er gedachte die Stadt nach kurzer Rast wieder zu verlassen. [Weber, O.: Calvin. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 9012]
Ihn grüßen wir von ganzem Herzen, seiner gedenken wir in tief empfundener Verehrung. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1944]]
Er gedachte das auf eine schalkhafte Art zu tun, obenhin, nebensächlich. [Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 132]
Um eine freie kanonische Wahl zu sichern, gedachte der Papst, das königliche Recht auf die Investitur einzuschränken. [Nitschke, August: Frühe christliche Reiche. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 7299]
In vielen angstvollen Nächten habe ich der armen Wandernden gedenken müssen. [Brief von Frau L. G. vom 30.08.1939. In: Ortwin Buchbender u. Reinhold Sterz (Hgg.), Das andere Gesicht des Krieges, München: Beck, 1982, S. 157]
Zitationshilfe
„gedenken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gedenken>.

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