gediegen

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungge-die-gen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›gediegen‹ als Grundform: ↗Gediegenheit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gut und solid
Beispiele:
die Möbel sind gediegene Handwerksarbeit
der Handwerker hat gediegene Arbeit geliefert
der Haushalt, die Wohnung war gediegen eingerichtet
gediegene Stoffe, Möbel
er trägt gediegenes Schuhwerk
alles war geschmackvoll und gediegen
das Buch ist in einer gediegenen Ausstattung erschienen
er besitzt ein gediegenes Wissen, gediegene Kenntnisse, eine gediegene Bildung
ein gediegener (= zuverlässiger) Charakter, Mensch
2.
umgangssprachlich seltsam, eigenartig
Beispiele:
das, der ist ja gediegen!
ein gediegener Mensch
3.
Bergmannssprache von Metallen   ohne andere Bestandteile, rein
Beispiele:
Kupfer kommt gediegen nur selten in der Natur vor
gediegenes Silber, Gold, Eisen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gedeihen · gediegen · Gedeih · Gedeihlichkeit · gedeihlich
gedeihen Vb. ‘wachsen und zunehmen, sich gut entwickeln’, ahd. githīhan (10. Jh.), mhd. gedīhen ‘geraten, Fortschritte machen’, aengl. geþēon, mnd. gedīen, mnl. ghedīen, nl. gedijen, got. gaþeihan sind Präfixbildungen zu einem (im Nhd. untergegangenen) Simplex ahd. thīhan (8. Jh.), mhd. dīhen ‘wachsen, geraten, Fortschritte machen’, asächs. thīhan, aengl. þēon, mnd. mnl. dīen, nl. dijen, afries. thīgia, got. þeihan. Die Verben schließen sich an die Wurzel ie. *tenk- ‘(sich) zusammenziehen, fest, dicht werden’ an, zu der auch verwandtes ↗dicht (s. d.) gehört. Der n-Ausfall im Germ. (ursprünglich germ. *þinhan, *þenhan) hat zu Ersatzdehnung des Stammsilbenvokals geführt; vgl. noch den Plur. Prät. aengl. þungon sowie das Part. Prät. aengl. geþungen. Auf grammatischen Wechsel von h und g weist (wie die genannten aengl. Formen) auch das Part. Prät. ahd. githigan, mhd. gedigen, das heute noch in dem isolierten gediegen Part.adj. ‘rein, echt, dauerhaft, solide’ weiterlebt (ahd. githigan ‘bejahrt, vollkommen, ernst’, 9. Jh., mhd. gedigen ‘reif, gehaltvoll’), während das h im Part. Prät. nhd. gediehen durch Ausgleich mit dem Präsens eingetreten ist. Gedeih m. ‘das Gedeihen’ (15. Jh.), nur noch in der Wendung auf Gedeih und Verderb(en) ‘unter allen Umständen, bedingungslos’, wohl aus nordd. Rechtssprache, vgl. mnd. gedy und verderf. Gedeihlichkeit f. (Anfang 17. Jh.), später bezeugtes gedeihlich Adj. ‘ersprießlich, fördernd’ voraussetzend.

Thesaurus

Synonymgruppe
gediegen · ↗gravitätisch · ↗hochwertig · ↗traditionell · ↗würdevoll
Assoziationen
Chemie
Synonymgruppe
rein (vorkommend)  ●  gediegen  fachspr.
Synonymgruppe
gediegen · handwerklich solide (aber eben nicht mehr) · ↗ordentlich · routiniert gemacht
Assoziationen
  • (ganz) nett (soweit) · ↗gefällig (Film, Inszenierung) · ↗glatt · ↗mittelmäßig · ohne Ecken und Kanten · ohne weitergehenden Anspruch  ●  soweit okay  ugs.
  • (ganz) anständig · ↗annehmbar · ausreichend · ↗brauchbar · guter Durchschnitt · ↗hinreichend · kann sich sehen lassen · mit Anstand · reicht (aus) · schön und gut (aber)  ●  (da) gibt's nichts zu meckern  ugs. · (da) kann man nicht meckern  ugs. · ↗(ganz) akzeptabel  ugs. · (ist) auch schön!  ugs. · ganz ordentlich  ugs. · gut und schön (aber)  ugs. · kann angehen  ugs. · keine Offenbarung (aber ...)  ugs. · könnte schlimmer sein  ugs., ironisch · leidlich gelungen  geh. · nicht schlecht  ugs. · nicht übel  ugs. · passt schon  ugs., süddt. · schon in Ordnung  ugs. · schon okay  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Allgemeinbildung Ambiente Atmosphäre Aufmachung Behaglichkeit Bürgerlichkeit Eleganz Faktur Gastlichkeit Gemütlichkeit Grundausbildung Handwerklichkeit Hausmannskost Innenausstattung Inneneinrichtung Interieur Komfort Kp Können Landhausstil Langeweile Luxus Mittelmaß Mobiliar Satztechnik Schlichtheit Unterhaltungsroman geschmackvoll handwerklich holzgetäfelt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gediegen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie hat ihn gerade erst kennengelernt, ganz gediegen in der Oper.
Bild, 20.04.2006
Bei der Suche nach Überlebensstrategien ist den Bäckern eine gediegene Ausbildung von Nutzen.
Die Welt, 25.03.2003
Er war durchdrungen von dem Glauben an den kulturerhaltenden Wert gediegener Arbeit.
o. A.: Lexikon der Kunst - R. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 27850
Darstellung und Ausstattung halten sich in der bewährten gediegenen Form der früheren Bände.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1928, S. 934
Auch rühren manche gediegenen Arrangements und Bearbeitungen von ihm her.
Richter, Alfred: Aus Leipzigs musikalischer Glanzzeit, Erinnerungen eines Musikers. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 43871
Zitationshilfe
„gediegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gediegen>, abgerufen am 15.12.2018.

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