gefügig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ge-fü-gig
Wortbildung  mit ›gefügig‹ als Erstglied: Gefügigkeit  ·  mit ›gefügig‹ als Letztglied: ungefügig
eWDG

Bedeutungen

1.
bereit, auf Wünsche, Forderungen anderer einzugehen
Beispiele:
er ist ein gefügiger Mensch, ist in allem gefügig
jmdn. seinen Wünschen, sich [Dativ] gefügig machen
jmdn. durch Drohungen, Versprechungen gefügig machen
verhüllender hat sie sich [Dativ] gegen ihren Willen gefügig gemacht (= er hat sie vergewaltigt)
er wurde bald gefügig, als man ihm drohte
er war ein gefügiges Werkzeug in den Händen des Herrschers
2.
veraltet willkommen
Beispiel:
Der Gast, den ein so gefügiges Mißgeschick hier festgehalten [ Th. MannTod in Venedig9,499]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fügen · fugen · verfügen · Verfügung · Fuge2 · Fug · Befugnis · befugt · füglich · Unfug · fügsam · Fügung · Gefüge · gefügig · ungefüge
fügen Vb. ‘passend zusammensetzen, verhängen, bewirken’, reflexiv ‘sich unterordnen’, ahd. fuogen ‘verbinden, vereinigen, ineinanderpassen’ (8. Jh.), mhd. vüegen, vuogen, auch ‘bewerkstelligen, sich anpassen, machen, daß etw. geschieht’, asächs. fōgian, mnd. vȫgen, vǖgen, mnl. voeghen, nl. voegen, aengl. fēgan, engl. to fay ‘passen, verbinden’ sind verwandt mit Fach (s. d.) und den dort genannten Formen. Daneben steht fugen Vb. ‘fest zusammensetzen, mit einer Fuge verbinden’, die in der Handwerkersprache bewahrte obd. umlautlose Form von fügen; heute meist als Ableitung von Fuge (s. unten) empfunden. verfügen Vb. ‘an die richtige Stelle setzen, einfügen, anordnen’, reflexiv ‘sich begeben’, frühnhd. verfüegen (15. Jh.), mnd. vorvogen ‘einrichten’. Verfügung f. ‘Anordnung’ (16. Jh.). Fuge2 f. ‘Ritze, Verbindungslinie zwischen zusammengehörigen Bauteilen’, ahd. fuogī ‘Verbindung, Zusammensetzung, Verbindungsstelle’ (um 1000), mhd. vuoge ‘Zusammenfügung, Stelle eingreifender Verbindung zueinander’, aber auch (und damit in mhd. Zeit bedeutungsgleich mit dem folgenden Fug) ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’; vgl. auch (mit anderer Bildungsweise) ahd. fuoga ‘Geschicklichkeit’ (Hs. 13. Jh.). Fug m. ‘Zuständigkeit, Recht’, mhd. vuoc ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’, heute vor allem noch in der Wendung mit Fug und Recht (16. Jh.). Befugnis f. ‘Zuständigkeit, Recht’ (16. Jh.). befugt Part.adj. ‘zuständig, berechtigt’, vgl. befugt sein (15. Jh.), aus dem Part. Prät. von spätmhd. sich bevūgen ‘eine Zuständigkeit ausüben’ (14. Jh.). füglich Adj. ‘passend, schicklich, mit Berechtigung’, spätmhd. vuoclich, vüeclich; vgl. ahd. gifuog(i)līh (9. Jh.). Unfug m. ‘öffentliches Ärgernis erregendes Verhalten, Dummheiten, Schabernack’, mhd. unvuoc ‘Unanständigkeit, Roheit, Schande, Frevel’. fügsam Adj. ‘leicht lenkbar, anpassungsfähig’, spätmhd. vuoc-, vüecsam ‘schicklich, angemessen’ (14. Jh.). Fügung f. ‘Geschick, Schicksal’, mhd. vüegunge ‘Zusammenfügung, Art und Weise’, seit dem 17. Jh. Terminus der Syntax für lat. cōnstrūctio. Gefüge n. ‘Struktur, innere Ordnung’, von ahd. gifuogī̌ ‘Verbindung’ (8. Jh.) unabhängige Neubildung des 17. Jhs. gefügig Adj. ‘fügsam, passend’ (15. Jh.), mit anderer Endung anschließend an ahd. gifuogi, mhd. gevüege Adj., bewahrt in ungefüge Adj. ‘unförmig, unhandlich’, ahd. ungifuogi (11. Jh.), mhd. ungevüege, -vuoge ‘unartig, unhöflich, unbeholfen, plump’.

Thesaurus

Synonymgruppe
biegsam · gefügig · weich
Synonymgruppe
artig · brav · folgsam · fügsam · gefügig · gehorsam · konditioniert  ●  fromm (Pferd)  veraltend · lieb  Kindersprache · brav wie ein Lamm  ugs., variabel
Antonyme
Medizin
Synonymgruppe
allzu nachgiebig · allzu willig · blind gehorchend · fügsam · gefügig · willfährig

Typische Verbindungen zu ›gefügig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gefügig‹.

Verwendungsbeispiele für ›gefügig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Wahlen zur zweiten Duma erbrachten eine noch weniger gefügige Mehrheit. [Meyer, Henry Cord: Das Zeitalter des Imperialismus. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 4641]
Aber das Volk läßt sich nicht gefügig machen – vor allem die jungen Männer gehen "in den Wald". [Die Zeit, 16.08.1996, Nr. 34]
Seit einem Jahr kann die Repression durch das Regime das Volk nicht gefügig machen. [Die Zeit, 12.06.2012, Nr. 11]
Er soll sie in Missbrauch seiner Macht sexuell gefügig gemacht haben. [Die Zeit, 23.01.2007 (online)]
Zuvor habe er sie mit drei Dosen Bier gefügig gemacht. [Süddeutsche Zeitung, 25.10.2003]
Zitationshilfe
„gefügig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gef%C3%BCgig>.

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