gefühllos

GrammatikAdjektiv
Nebenform gefühlslos · Adjektiv
Worttrennungge-fühl-los ● ge-fühls-los
WortzerlegungGefühl-los
Wortbildung mit ›gefühllos‹ als Erstglied: ↗Gefühllosigkeit · ↗Gefühlslosigkeit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
ohne Empfindung, Gefühl durch die Sinnesorgane
Beispiele:
seit dem Sturz ist sein Fuß gefühllos
ein gefühlloser Arm
2.
gefühlskalt, herzlos
Beispiele:
gefühlloser Zynismus
er ist gefühllos (= ohne Teilnahme) den Leiden anderer gegenüber
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fühlen · Fühler · Fühlung · Gefühl · fühllos · gefühllos
fühlen Vb. ‘mit dem Tastsinn wahrnehmen, empfinden’, ahd. fuolen ‘befühlen, betasten, empfinden’ (um 800), mhd. vüelen (mit Erweiterung auf seelisches Erleben) ‘wahrnehmen, empfinden’, asächs. gifōlian, mnd. vȫlen, vǖlen, mnl. nl. voelen, aengl. fēlan, engl. to feel. Herkunft unsicher. Verwandt sind vielleicht lat. pollex ‘Daumen, große Zehe’, pollēre ‘stark sein, vermögen’ und bulg. pálam (палам) ‘suche’, aruss. palьcь ‘Daumen’, russ. pálex (палец) ‘Finger, Zehe’, so daß ie. *pō̌l- ‘geschwollen, dick, groß’ angenommen werden kann. Als Ausgangsbedeutung für fühlen wäre dann ‘mit dem Daumen, Finger betasten’ anzusetzen. Erwogen wird andererseits Zusammenhang des Verbs mit lat. palma ‘Hand’, griech. palámē (παλάμη) ‘flache Hand’, ahd. folma ‘flache Hand’ (8. Jh.) und Anschluß an die Wurzel ie. *pelə-, *plā- ‘breit und flach’ (s. ↗Feld); doch stößt die Verknüpfung mit den dazugehörigen Wörtern auf erhebliche lautliche und semantische Bedenken. Anstelle von fühlen bevorzugt das Obd. in gesprochener Sprache empfinden (bair.-öst.) und spüren, merken (schwäb.-alem.). Fühler m. mit Sinnesorganen versehene paarige Antennen bei Insekten, Krebsen, Borstenwürmern, Schnecken (als Verdeutschung von lat. antemna, s. ↗Antenne), älter allgemein ‘wer mit den Fingern prüfend abtastet’ (17. Jh.). Fühlung f. ‘Berührung’ (16. Jh.), ‘Empfindung’ (17. Jh.), seit dem 19. Jh. vielfach in militärsprachlichen Wendungen wie Fühlung haben, (be)halten, in Fühlung bleiben, stehen, Fühlung nehmen ‘Verbindung, Berührung haben’ u. dgl. Gefühl n. ‘Empfindung, Tastsinn’, im 17. Jh. wohl nach Vorbildern wie Gehör, Geschmack, Gesicht entstanden, älteres gleichbed. Fühle f., mhd. vüele ablösend. fühllos Adj. ‘empfindungslos’ (17. Jh.), zu Fühle (s. oben) gebildet, dafür heute gefühllos Adj. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
eiskalt · ↗emotionslos · gefühllos · ↗gefühlsarm · ↗gefühlskalt · ↗gemütsarm · ↗hartgesotten · ↗skrupellos · verroht  ●  ↗abgebrüht  ugs. · ↗cool  ugs. · ↗kaltschnäuzig  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
blutleer · ↗empfindungslos · gefühllos · ↗taub
Assoziationen
Synonymgruppe
abgestumpft · ↗bräsig · ↗dickhäutig · gefühllos · ↗gefühlskalt · ↗gleichgültig · ↗grob · ↗insensibel · ↗mitleidlos · ↗taktlos · ↗teilnahmslos · ↗unempfindlich · ↗unsensibel  ●  ↗abgebrüht  ugs. · ↗dickfellig  ugs. · ↗schmerzfrei  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
eisig · ↗empfindungslos · gefühllos · ↗grausam · ↗hart · ↗hartherzig · ↗kalt · ↗kaltherzig
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bein Fuß Gesinnung Lenkung Maschine Mißachtung Monster Roboter Servolenkung Wesen Zahlung blind brutal dumm gleichgültig grausam hart kalt roh rücksichtslos taub unbarmherzig ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gefühllos‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Politik muss nicht gefühllos sein, aber es reicht nicht aus, nur auf sein Herz zu hören.
Der Tagesspiegel, 03.10.1999
Ob die Behandlung nun so gut ist oder ich so gefühllos bin - es klappt alles bestens.
Die Zeit, 26.02.1998, Nr. 10
Von den Füßen aufwärts war der Körper oft wie tot, gefühllos.
Hahn, Ulla: Unscharfe Bilder, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2003, S. 100
Die Welt sollte ehrlos gemacht werden, damit sie behaglicher werde für gefühllose, ehrgefühllose Menschen.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 26339
Der Staatsanwalt hält einen Bogen und liest gefühllos, schnell und knapp.
Tucholsky, Kurt: Jakubowski. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1928], S. 20315
Zitationshilfe
„gefühllos“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gefühllos>, abgerufen am 22.05.2019.

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