Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

gefühllos

Grammatik Adjektiv
Nebenform gefühlslos
Aussprache 
Worttrennung ge-fühl-los ● ge-fühls-los
Wortzerlegung Gefühl -los
Wortbildung  mit ›gefühllos‹ als Erstglied: Gefühllosigkeit · Gefühlslosigkeit
eWDG

Bedeutungen

1.
ohne Empfindung, Gefühl durch die Sinnesorgane
Beispiele:
seit dem Sturz ist sein Fuß gefühllos
ein gefühlloser Arm
2.
gefühlskalt, herzlos
Beispiele:
gefühlloser Zynismus
er ist gefühllos (= ohne Teilnahme) den Leiden anderer gegenüber
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fühlen · Fühler · Fühlung · Gefühl · fühllos · gefühllos
fühlen Vb. ‘mit dem Tastsinn wahrnehmen, empfinden’, ahd. fuolen ‘befühlen, betasten, empfinden’ (um 800), mhd. vüelen (mit Erweiterung auf seelisches Erleben) ‘wahrnehmen, empfinden’, asächs. gifōlian, mnd. vȫlen, vǖlen, mnl. nl. voelen, aengl. fēlan, engl. to feel. Herkunft unsicher. Verwandt sind vielleicht lat. pollex ‘Daumen, große Zehe’, pollēre ‘stark sein, vermögen’ und bulg. pálam (палам) ‘suche’, aruss. palьcь ‘Daumen’, russ. pálex (палец) ‘Finger, Zehe’, so daß ie. *pō̌l- ‘geschwollen, dick, groß’ angenommen werden kann. Als Ausgangsbedeutung für fühlen wäre dann ‘mit dem Daumen, Finger betasten’ anzusetzen. Erwogen wird andererseits Zusammenhang des Verbs mit lat. palma ‘Hand’, griech. palámē (παλάμη) ‘flache Hand’, ahd. folma ‘flache Hand’ (8. Jh.) und Anschluß an die Wurzel ie. *pelə-, *plā- ‘breit und flach’ (s. Feld); doch stößt die Verknüpfung mit den dazugehörigen Wörtern auf erhebliche lautliche und semantische Bedenken. Anstelle von fühlen bevorzugt das Obd. in gesprochener Sprache empfinden (bair.-öst.) und spüren, merken (schwäb.-alem.). Fühler m. mit Sinnesorganen versehene paarige Antennen bei Insekten, Krebsen, Borstenwürmern, Schnecken (als Verdeutschung von lat. antemna, s. Antenne), älter allgemein ‘wer mit den Fingern prüfend abtastet’ (17. Jh.). Fühlung f. ‘Berührung’ (16. Jh.), ‘Empfindung’ (17. Jh.), seit dem 19. Jh. vielfach in militärsprachlichen Wendungen wie Fühlung haben, (be)halten, in Fühlung bleiben, stehen, Fühlung nehmen ‘Verbindung, Berührung haben’ u. dgl. Gefühl n. ‘Empfindung, Tastsinn’, im 17. Jh. wohl nach Vorbildern wie Gehör, Geschmack, Gesicht entstanden, älteres gleichbed. Fühle f., mhd. vüele ablösend. fühllos Adj. ‘empfindungslos’ (17. Jh.), zu Fühle (s. oben) gebildet, dafür heute gefühllos Adj. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
eiskalt · emotionslos · gefühllos · gefühlsarm · gefühlskalt · gemütsarm · hartgesotten · skrupellos · verroht  ●  abgebrüht  ugs. · kaltschnäuzig  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
blutleer · empfindungslos · gefühllos · taub
Synonymgruppe
abgestumpft · bräsig · dickhäutig · gefühllos · gefühlskalt · gleichgültig · grob · insensibel · mitleidlos · taktlos · teilnahmslos · unempfindlich · unsensibel  ●  abgebrüht  ugs. · dickfellig  ugs. · schmerzfrei  ugs.
Synonymgruppe
eisig · empfindungslos · gefühllos · grausam · hart · hartherzig · kalt · kaltherzig
Synonymgruppe
gefühllos · seelenlos  ●  fühllos  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›gefühllos‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›gefühllos‹ und ›gefühlslos‹.

Verwendungsbeispiele für ›gefühllos‹, ›gefühlslos‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ob die Behandlung nun so gut ist oder ich so gefühllos bin – es klappt alles bestens. [Die Zeit, 26.02.1998, Nr. 10]
Wir haben keinen Sinn für Gemeinschaft, doch wir sind tolerant, nicht gefühllos. [konkret, 1995]
Das habe ich ihm als junges Mädchen manchmal übel genommen, ich empfand es als gefühllos. [Die Zeit, 03.09.2012, Nr. 36]
Frauen können ja so gefühllos sein, man weiß es wohl. [Süddeutsche Zeitung, 25.07.2003]
Von den Füßen aufwärts war der Körper oft wie tot, gefühllos. [Hahn, Ulla: Unscharfe Bilder, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2003, S. 100]
Zitationshilfe
„gefühllos“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gef%C3%BChllos>.

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