geflissentlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungge-flis-sent-lich
eWDG, 1967

Bedeutung

deutlich sichtbar, absichtlich
Beispiele:
jmdn., etw. geflissentlich übersehen, ignorieren
jmdm. geflissentlich aus dem Weg gehen
etw. geflissentlich vermeiden, zur Schau tragen
wir ertrugen die Beschwerden mit geflissentlich strahlender Miene [Bergengr.Rittmeisterin163]
selten
attributiv
Beispiel:
diese geflissentliche Schweigsamkeit bestärkte die Leute darin [LuserkeErzwungener Bruder50]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fleiß · befleißen · befleißigen · beflissen · geflissentlich · fleißig
Fleiß m. ‘Eifer, Arbeitsamkeit’, ahd. flīʒ ‘Kampf, Streit, körperliche Anstrengung, geistige Anspannung, Übereifer’ (8. Jh.), mhd. vlīʒ, vlieʒ ‘Beflissenheit, Eifer, Sorgfalt’, asächs. flīt, mnd. vlīt, mnl. nl. vlijt, aengl. flīt bleiben ohne sichere Anschlußmöglichkeiten. Während ahd. und mhd. der umfassendere Sinn ‘Eifer, Anstrengung, Sorgfalt’ gilt, überwiegt in neuerer Zeit die Bedeutung ‘Arbeitsamkeit’. Die ursprüngliche Bedeutung hat sich erhalten in der Wendung etw. mit Fleiß (‘mit voller Absicht’) tun sowie in den reflexiven Verben befleißen und befleißigen ‘sich bemühen’ (15. Jh.). Reste eines starken Verbs ahd. flīʒan ‘kämpfen, streiten, sich körperlich und geistig anstrengen’ (8. Jh.), mhd. vlīʒen ‘eifrig sein, sich bemühen’, asächs. -flītan, mnd. mnl. vlīten, aengl. flītan sind erhalten in beflissen Part.adj. ‘eifrig, emsig’ (16. Jh.; älter beflissen sein, Ende 15. Jh.) und geflissentlich Adv. ‘mit Eifer, mit Bedacht’ (18. Jh.), ohne Gleitlaut geflissenlich (16. Jh.). fleißig Adj. ‘arbeitsam’, ahd. flīʒīg ‘körperlich angestrengt, eifrig bemüht’ (9. Jh.), mhd. vlīʒec, vlīʒic ‘eifrig, sorgfältig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
absichtlich · ↗bewusst · ↗gezielt · in voller Absicht · mit Absicht · mit voller Absicht · ↗mutwillig · ↗willentlich · ↗wissentlich  ●  mit Vorsatz  juristisch · ↗vorsätzlich  juristisch · ↗extra  ugs. · geflissentlich  geh.
Assoziationen
  • Absicht · ↗Vorsatz · ↗Ziel · ↗Zweck
  • gegen alle Vernunft · in vollem Bewusstsein (eines Risikos o.ä.) · wider besseres Wissen  ●  offenen Auges  fig. · sehenden Auges  Hauptform · ↗wissentlich  fachspr., juristisch
  • arglistig · ↗boshaft · ↗bösartig · ↗böswillig · ↗infam · mit finsteren Absichten · ↗niederträchtig · ↗übelgesinnt · übelwollend  ●  ↗maliziös  bildungssprachlich · ↗dolos  fachspr., juristisch · üblen Sinnes  geh.
  • (so) gedacht · (so) gemeint · ↗(so) gewollt · ↗Absicht (sein)  ●  beabsichtigt  Hauptform · intendiert  geh. · soll so sein  ugs.
  • (jemand) hat sich etwas dabei überlegt · (schon) seinen Grund haben · aus gutem Grund · nicht ohne Grund · nicht von ungefähr (kommen) · nicht zufällig · ↗wohlweislich  ●  (dabei) hat sich jemand etwas gedacht  ugs. · (der) tiefere Sinn  ugs.
  • betont (+ Adjektiv) · erst recht · ↗extra
  • aus Unerfahrenheit · mangels besseren Wissens
  • beliebig · frei wählbar · nach dem Zufallsprinzip · ↗stichprobenartig · ↗wahlfrei · ↗wahllos · ↗willkürlich · zufallsbasiert · zufallsgesteuert · ↗zufällig  ●  ↗akzidentell  fachspr. · ↗akzidentiell  fachspr. · ↗arbiträr  geh., bildungssprachlich
  • aus Spaß an der Freud(e) · im Scherz · nicht ernst gemeint · nur so · ohne (dabei) nachzudenken · ohne Sinn und Verstand · ohne sich etwas dabei zu denken · scherzeshalber · ↗scherzweise · sollte ein Scherz sein · ↗spaßeshalber  ●  aus Übermut  Hauptform · just for fun  engl. · (in seinem) jugendlichen Leichtsinn  ugs., variabel, Spruch, scherzhaft · (nur so) zum Spaß  ugs. · aus Daffke  ugs., berlinerisch · aus Flachs  ugs. · aus Jux  ugs. · aus Jux und Tollerei  ugs. · aus Scheiß  ugs. · aus Spaß  ugs. · einfach so  ugs. · ↗hetzhalber  ugs., österr. · mal eben so  ugs. · nur mal eben so  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beachtung aber ausschweigen aussparen ausweichen bisher bislang dabei ebenso hinwegsehen ignorieren jedoch meiden meist schweigen unterlassen unterschlagen verdrängen vergessen vermeiden verschweigen weghören übergehen überhören überlesen übersehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›geflissentlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Tatsächlich bin ich in den vergangenen Monaten jeder schriftlichen Äußerung zur Lage in unserer Region geflissentlich ausgewichen.
Die Welt, 31.05.2003
Die Verpflichtung, die daraus erwachsen ist, haben sie geflissentlich übersehen.
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2001
Um Herrn Berg Zeit zur Entwicklung zu lassen, richteten sie einstweilen geflissentlich nicht das Wort an ihn.
Ginster [d.i. Siegfried Kracauer]: Gesellschaft 1920. In: Kesten, Hermann (Hg.) 24 neue deutsche Erzähler, Leipzig u. a.: Kiepenheuer 1983 [1929], S. 206
Pitt zeigte geflissentlich, daß ihm nichts daran lag, mit ihr zusammenzukommen.
Huch, Friedrich: Pitt und Fox, München: Langewiesche-Brandt 1910 [1909], S. 322
Einst aber merkte er, wie sie geflissentlich seine Nähe suchte, in der unverhohlenen Absicht, von ihm angeredet zu werden.
Bismarck, Hedwig von: Erinnerungen aus dem Leben einer 95jährigen. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 7269
Zitationshilfe
„geflissentlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/geflissentlich>, abgerufen am 15.10.2019.

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