gegenseitig
Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache
Worttrennung ge-gen-sei-tig
Wortbildung
mit ›gegenseitig‹ als Erstglied:
Gegenseitigkeit
Mehrwortausdrücke
sich gegenseitig auf die Schulter klopfen ·
sich gegenseitig auf die Schultern klopfen
eWDG
Bedeutung
wechselseitig
Beispiele:
gegenseitige Hilfe (= Hilfe des einen für den anderen und umgekehrt)
gegenseitiges Vertrauen, gegenseitige Rücksichtnahme, Achtung
eine gegenseitige Übereinkunft
DDRder Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe
⟨sich gegenseitig⟩einer den, dem anderen
Grammatik: tritt oft zur Verdeutlichung zum reziproken Pronomen »sich«
Beispiele:
sich gegenseitig bewachen, beargwöhnen
sich gegenseitig bewerfen, beschuldigen, überbieten
wir fotografierten uns gegenseitig
sich gegenseitig helfen
sich gegenseitig im Wege stehen
sich gegenseitig auf die Füße, Hacken treten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
Etymologie
gegen · gen · entgegen · entgegnen · Entgegnung · Gegenfüßler · Gegengift · Gegensatz · gegenseitig · Gegenstand · gegenständlich · Gegenstück · Gegenwart · gegenwärtig · vergegenwärtigen · gegenüber · Gegenüber
gegen Präp. ‘wider (zur Abwehr von, zum Schutz vor), in Richtung auf, in Beziehung auf, fast, annähernd, im Austausch für’, ahd. gagan, gegin Präp. Adv. (9. Jh.), gagani, gegini Adv. (9. Jh.), mhd. gegen Präp., gegen(e), gagen(e) Adv., kontrahiert gein, gēn (daraus als Richtungsangabe nhd. gen Präp. asächs. gegin-, mnd. jēgen, mnl. jeghen(s), nl. jegens, aengl. gegn, gēn Adv., anord. gegn Präp. Adv. (germ. *gagna-, *gegni-) ist, da außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen, etymologisch ungeklärt. gegen gibt ursprünglich die Richtung an ‘auf etw. zu, auf etw. hin’ (räumlich gegen den Baum laufen, zeitlich gegen Abend), dann auch das Verhältnis zu Menschen oder Sachverhalten (gütig gegen alte Leute, empfindlich gegen Kälte). Daraus entwickelt sich eine Bedeutung ‘wider’ im Sinne eines absichtlichen Entgegenwirkens, einer Feindseligkeit (gegen jmdn. kämpfen, gegen jeden Versöhnungsversuch sein). Häufig in nominalen Zusammensetzungen, z. B. für die entsprechende Erwiderung eines Vorgangs (Gegendruck, -gruß, -wirkung), einer feindlichen Absicht (Gegenwehr, -stoß), für Personen und Sachverhalte, die einander völlig (Gegenbild, -stück), rivalisierend (Gegenkönig, -spieler, -partei) oder in umgekehrtem Sinne, also gegenläufig (Gegenrichtung, -strömung, -rhythmus) entsprechen. – entgegen Adv. ‘in Richtung auf’, Präp. ‘im Gegensatz zu’, ahd. ingagan, ingegin Präp. ‘gegen, entgegen’ (8. Jh.), ingagani, ingegini Adv. (um 800), mhd. engegen Präp., engegen(e), engagen(e) Adv., asächs. angegin, aengl. (westsächs.) ongēan, ongēn, (angl.) angægn, ongegn, engl. again; im Nhd. an das Präfix ent- (s. d.) angelehnt; dazu entgegnen Vb. ‘erwidern, antworten’ (16. Jh.); vgl. dagegen ahd. ingaganen, ingeginen ‘entgegenkommen, empfangen, zurückkehren’ (9. Jh.), mhd. engegenen ‘begegnen’; Entgegnung f. ‘Erwiderung’ (19. Jh.). Gegenfüßler m. ‘auf dem entgegengesetzten Punkt der Erdkugel lebender Mensch’, übertragen ‘Widersacher’, Übersetzung (17. Jh.) von Antipode (s. d.); älter gegenfüßig (16. Jh.). Gegengift n. ‘einem anderen Gift entgegenwirkendes Gift’, Übersetzung (17. Jh.) von mfrz. frz. contrepoison oder unmittelbar von diesem zugrundeliegenden griech.-lat. antidotum (s. Antidot). Gegensatz m. ‘das Entgegengesetzte, Widerspruch, Kontrast, Feindschaft’, zuerst (15. Jh.) in der Rechtssprache ‘Gegenbehauptung, -argumentation’. gegenseitig Adj. ‘wechselseitig, beiderseitig’ (18. Jh.), anfangs ‘auf der entgegengesetzten Seite befindlich, der Gegenpartei angehörend’. Gegenstand m. ‘Ding, Thema, Angelegenheit’, zuerst ‘Widerstand’ (16. Jh.), ‘Gegensatz’, auch ‘das Entgegenstehende’ (17. Jh.), dann (Ende 17. Jh.) Übersetzung von Objekt bzw. lat. obiectum in philosophischer Sprache, davon ausgehend die heutige allgemeine Verwendung; gegenständlich Adj. um 1800 für objektiv, heute im Sinne von ‘dinglich, konkret’ als Gegensatz zu begrifflich. Gegenstück n. ‘etw. Entsprechendes, Passendes’, auch ‘Gegenteil’, Übersetzungswort (18. Jh.) von Pendant (s. d.). Gegenwart f. ‘Jetztzeit, Anwesenheit, Dasein’, ahd. gaganwart, geginwart (9. Jh.), mhd. gegenwart; vgl. auch ahd. gaganwerta (8. Jh.), gaganwertī, geginwertī (8. Jh.), gaganwurti (10. Jh.), mhd. gegenwurt, -würte ‘Gegenwart, Anblick, Angesicht’; zum zweiten Kompositionsglied s. -wärts. Seit dem 19. Jh. grammatischer Terminus für Präsens (s. d.), wofür älter gegenwürtig(e) Zeit (um 1400), die gegenwärtige Zeit oder die Gegenwart (Campe 1801); gegenwärtig Adj. ‘in der Gegenwart lebend, augenblicklich, jetzig’, ahd. gaganwertīg, geginwertīg (9. Jh.), mhd. gegenwertec, -würtec; vergegenwärtigen Vb. ‘(sich) deutlich in der Gegenwart vorstellen’ (17. Jh.), zu gegenwärtigen (15. Jh.). gegenüber Adv. Präp. ‘auf der anderen Seite, im Hinblick auf, gegen, zu’, aus gegen und über (s. d.) zusammengewachsen (16. Jh.), anfangs daher getrennt geschrieben mit dem abhängigen (von der Präp. gegen regierten) Kasus zwischen beiden Bestandteilen (noch im 18. Jh. gegen ihm über); substantiviert Gegenüber n. ‘das oder der auf der anderen Seite Befindliche’ (um 1800), nach frz. le vis-à-vis.
Typische Verbindungen zu ›gegenseitig‹ (berechnet)
Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gegenseitig‹.
anerkennen
ausgewogen
bedingen
beeinflussen
befruchten
behindern
bekämpfen
beschimpfen
beschuldigen
besuchen
bezichtigen
blockieren
ergänzen
helfen
leihen
respektieren
schieben
stützen
umbringen
unterbieten
unterstützen
versichern
verstärken
vorteilhaft
vorwerfen
werfen
zerfleischen
zuschieben
überbieten
übertrumpfen
Verwendungsbeispiele für ›gegenseitig‹
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora
Und die These von einer zunehmenden gegenseitigen Abhängigkeit bestätigte sich nicht.
[Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 328]
Oder sie sollen sich gegenseitig ermächtigen, mit ihrem Arzt zu sprechen.
[o. A.: Das Lexikon der Hausfrau, Berlin: Ullstein 1937 [1932], S. 116]
Aber es besteht ein gegenseitiges Interesse an möglichst weitgehender Koordinierung.
[Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 922]
Prinzipiell kann man ferner von gegenseitiger »Störung« zweier Leistungen nur dann sprechen, wenn sie simultan vollzogen werden.
[Weber, Max: Zur Psychophysik der industriellen Arbeit. In: Weber, Marianne (Hg.), Gesammelte Aufsätze zur Soziologie und Sozialpolitik, Tübingen: Mohr 1924 [1908], S. 89]
Denn verschiedene Systeme, die mit unterschiedlichen Methoden untersucht werden, kontrollieren sich gegenseitig.
[Die Zeit, 20.04.2000, Nr. 17]
Zitationshilfe
„gegenseitig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gegenseitig>.
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