gegenwärtig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungge-gen-wär-tig
WortzerlegungGegenwart-ig
Wortbildung mit ›gegenwärtig‹ als Erstglied: ↗Gegenwärtigkeit  ·  mit ›gegenwärtig‹ als Letztglied: ↗allgegenwärtig · ↗ungegenwärtig  ·  mit ›gegenwärtig‹ als Grundform: ↗vergegenwärtigen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jetzig, derzeitig
Beispiele:
der gegenwärtige Augenblick
die gegenwärtige Situation erlaubt keine unüberlegten Handlungen
die gegenwärtige Lage, Wirklichkeit
es tut nicht gut, wenn die Gedanken den gegenwärtigen Pflichten zu sehr vorauseilen [Storm8,118]
adverbiell
jetzt, heute
Beispiele:
er wohnt gegenwärtig in Berlin
gegenwärtig wird in H ein großes Kraftwerk erbaut
es werden gegenwärtig mehr Kraftfahrzeuge produziert als in den Jahren vorher
2.
nicht attributiv
gehoben erinnerlich
Beispiele:
eine Äußerung, eine Begebenheit nicht mehr gegenwärtig haben
sich [Dativ] etw. gegenwärtig halten (= etw. bedenken, sich vor Augen halten)
Mir ist aus jenen Stunden noch jeder kleine Umstand gegenwärtig [Storm1,89]
und sogleich wird auch mir die mit Tante Lydia verbrachte Periode meiner Kindheit gegenwärtig [HildesheimerParadies8]
3.
selten zur selben Zeit, am genannten Ort befindlich, anwesend
Beispiele:
Ich war nicht auf dem Schießplatz gegenwärtig [G. KaiserTanakaIII]
da sie begriff, daß Schwenkhusen lebte und in dieser Stadt gegenwärtig war [Bergengr.Feuerprobe50]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gegen · gen · entgegen · entgegnen · Entgegnung · Gegenfüßler · Gegengift · Gegensatz · gegenseitig · Gegenstand · gegenständlich · Gegenstück · Gegenwart · gegenwärtig · vergegenwärtigen · gegenüber · Gegenüber
gegen Präp. ‘wider (zur Abwehr von, zum Schutz vor), in Richtung auf, in Beziehung auf, fast, annähernd, im Austausch für’, ahd. gagan, gegin Präp. Adv. (9. Jh.), gagani, gegini Adv. (9. Jh.), mhd. gegen Präp., gegen(e), gagen(e) Adv., kontrahiert gein, gēn (daraus als Richtungsangabe nhd. gen Präp. asächs. gegin-, mnd. jēgen, mnl. jeghen(s), nl. jegens, aengl. gegn, gēn Adv., anord. gegn Präp. Adv. (germ. *gagna-, *gegni-) ist, da außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen, etymologisch ungeklärt. gegen gibt ursprünglich die Richtung an ‘auf etw. zu, auf etw. hin’ (räumlich gegen den Baum laufen, zeitlich gegen Abend), dann auch das Verhältnis zu Menschen oder Sachverhalten (gütig gegen alte Leute, empfindlich gegen Kälte). Daraus entwickelt sich eine Bedeutung ‘wider’ im Sinne eines absichtlichen Entgegenwirkens, einer Feindseligkeit (gegen jmdn. kämpfen, gegen jeden Versöhnungsversuch sein). Häufig in nominalen Zusammensetzungen, z. B. für die entsprechende Erwiderung eines Vorgangs (Gegendruck, -gruß, -wirkung), einer feindlichen Absicht (Gegenwehr, -stoß), für Personen und Sachverhalte, die einander völlig (Gegenbild, -stück), rivalisierend (Gegenkönig, -spieler, -partei) oder in umgekehrtem Sinne, also gegenläufig (Gegenrichtung, -strömung, -rhythmus) entsprechen. entgegen Adv. ‘in Richtung auf’, Präp. ‘im Gegensatz zu’, ahd. ingagan, ingegin Präp. ‘gegen, entgegen’ (8. Jh.), ingagani, ingegini Adv. (um 800), mhd. engegen Präp., engegen(e), engagen(e) Adv., asächs. angegin, aengl. (westsächs.) ongēan, ongēn, (angl.) angægn, ongegn, engl. again; im Nhd. an das Präfix ↗ent- (s. d.) angelehnt; dazu entgegnen Vb. ‘erwidern, antworten’ (16. Jh.); vgl. dagegen ahd. ingaganen, ingeginen ‘entgegenkommen, empfangen, zurückkehren’ (9. Jh.), mhd. engegenen ‘begegnen’; Entgegnung f. ‘Erwiderung’ (19. Jh.). Gegenfüßler m. ‘auf dem entgegengesetzten Punkt der Erdkugel lebender Mensch’, übertragen ‘Widersacher’, Übersetzung (17. Jh.) von ↗Antipode (s. d.); älter gegenfüßig (16. Jh.). Gegengift n. ‘einem anderen Gift entgegenwirkendes Gift’, Übersetzung (17. Jh.) von mfrz. frz. contrepoison oder unmittelbar von diesem zugrundeliegenden griech.-lat. antidotum (s. ↗Antidot). Gegensatz m. ‘das Entgegengesetzte, Widerspruch, Kontrast, Feindschaft’, zuerst (15. Jh.) in der Rechtssprache ‘Gegenbehauptung, -argumentation’. gegenseitig Adj. ‘wechselseitig, beiderseitig’ (18. Jh.), anfangs ‘auf der entgegengesetzten Seite befindlich, der Gegenpartei angehörend’. Gegenstand m. ‘Ding, Thema, Angelegenheit’, zuerst ‘Widerstand’ (16. Jh.), ‘Gegensatz’, auch ‘das Entgegenstehende’ (17. Jh.), dann (Ende 17. Jh.) Übersetzung von Objekt bzw. lat. obiectum in philosophischer Sprache, davon ausgehend die heutige allgemeine Verwendung; gegenständlich Adj. um 1800 für objektiv, heute im Sinne von ‘dinglich, konkret’ als Gegensatz zu begrifflich. Gegenstück n. ‘etw. Entsprechendes, Passendes’, auch ‘Gegenteil’, Übersetzungswort (18. Jh.) von ↗Pendant (s. d.). Gegenwart f. ‘Jetztzeit, Anwesenheit, Dasein’, ahd. gaganwart, geginwart (9. Jh.), mhd. gegenwart; vgl. auch ahd. gaganwerta (8. Jh.), gaganwertī, geginwertī (8. Jh.), gaganwurti (10. Jh.), mhd. gegenwurt, -würte ‘Gegenwart, Anblick, Angesicht’; zum zweiten Kompositionsglied s. ↗-wärts. Seit dem 19. Jh. grammatischer Terminus für ↗Präsens (s. d.), wofür älter gegenwürtig(e) Zeit (um 1400), die gegenwärtige Zeit oder die Gegenwart (Campe 1801); gegenwärtig Adj. ‘in der Gegenwart lebend, augenblicklich, jetzig’, ahd. gaganwertīg, geginwertīg (9. Jh.), mhd. gegenwertec, -würtec; vergegenwärtigen Vb. ‘(sich) deutlich in der Gegenwart vorstellen’ (17. Jh.), zu gegenwärtigen (15. Jh.). gegenüber Adv. Präp. ‘auf der anderen Seite, im Hinblick auf, gegen, zu’, aus gegen und ↗über (s. d.) zusammengewachsen (16. Jh.), anfangs daher getrennt geschrieben mit dem abhängigen (von der Präp. gegen regierten) Kasus zwischen beiden Bestandteilen (noch im 18. Jh. gegen ihm über); substantiviert Gegenüber n. ‘das oder der auf der anderen Seite Befindliche’ (um 1800), nach frz. le vis-à-vis.

Thesaurus

Synonymgruppe
Stand jetzt · ↗aktuell · ↗augenblicklich · ↗derzeit · gegenwärtig · ↗heute · ↗heutzutage · im Augenblick · im Moment · in der Gegenwart · in diesem Augenblick · in diesen Minuten · in diesen Tagen · ↗jetzt · jetzt gerade · just in diesem Moment · ↗nun · zum gegenwärtigen Zeitpunkt · zur Stunde · ↗zurzeit  ●  ↗jetzo  veraltet · ↗momentan  Hauptform · nunmehro  veraltet · dieser Tage  geh., Papierdeutsch · ↗gerade  ugs. · ↗grade  ugs. · jetzt grade  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
bestehend · ↗dort · ↗existent · ↗gegeben · gegenwärtig · seiend · ↗vorhanden
Synonymgruppe
gegenwärtig · ↗heutig · in der Gegenwart · ↗zeitgenössisch  ●  ↗kontemporär  bildungssprachlich
Synonymgruppe
bewusst · gegenwärtig · ↗gewahr · ↗klar
Synonymgruppe
aktuell (Adj.) · ↗augenblicklich (Adj.) · ↗derzeitig · gegenwärtig · ↗heutig · ↗jetzig · ↗momentan (Adj.)  ●  ↗nunmehrig  österr.
Assoziationen
  • Stand jetzt · ↗aktuell · ↗augenblicklich · ↗derzeit · gegenwärtig · ↗heute · ↗heutzutage · im Augenblick · im Moment · in der Gegenwart · in diesem Augenblick · in diesen Minuten · in diesen Tagen · ↗jetzt · jetzt gerade · just in diesem Moment · ↗nun · zum gegenwärtigen Zeitpunkt · zur Stunde · ↗zurzeit  ●  ↗jetzo  veraltet · ↗momentan  Hauptform · nunmehro  veraltet · dieser Tage  geh., Papierdeutsch · ↗gerade  ugs. · ↗grade  ugs. · jetzt grade  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Augenblick Bedingung Debatte Diskussion Krise Kurs Kursniveau Lage Misere Niveau Phase Rechtslage Regime Schwierigkeit Situation Stadium Stand System Trend Umstand Verfassung Verhältnis Weltlage Wirtschaftskrise Wirtschaftslage Zeitpunkt Zustand befinden stets zukünftig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gegenwärtig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Mission, sagen die Militärs, lasse sich gegenwärtig noch durchführen.
Die Zeit, 06.06.2013, Nr. 24
Das ist gegenwärtig die Frage Nummer eins im europäischen politischen Leben.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1974]
Trotz seines modernen Stils kann man ihn keiner der gegenwärtig herrschenden Richtungen zuordnen.
Lissa, Zofia: Panufnik (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1962], S. 41841
Wann war dies und jenes - soweit es überhaupt noch gegenwärtig war -, wann war es gewesen?
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1944. In: Nowojski, Walter (Hg.), Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1944], S. 112
Niemand war mit ihm gewesen, nur sie war überall gegenwärtig.
Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 924
Zitationshilfe
„gegenwärtig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gegenwärtig>, abgerufen am 12.11.2019.

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