geheuer

Grammatik Adjektiv
Worttrennung ge-heu-er
Wortbildung  mit ›geheuer‹ als Letztglied: ↗ungeheuer
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
nicht geheuer
Grammatik: in Verbindung mit »sein«
a)
unheimlich, gespenstisch
Beispiele:
dort soll es nicht ganz geheuer sein
Ganz abgesehen davon, daß es da [in der Turmspitze] wirklich nicht ganz geheuer war [ WelkHeiden231]
b)
unbehaglich, unwohl
Beispiele:
bei dem Gedanken an die bevorstehende Prüfung war ihm nicht recht geheuer
bei dieser Sache ist mir nicht geheuer
ganz geheuer ist es ihm nicht
c)
verdächtig
Beispiele:
die ganze Sache war ihnen nicht geheuer
er war ihr nicht geheuer
mit ihm war es nicht ganz geheuer
es, er kam ihnen nicht geheuer vor
als normalem Menschen war ihm dieser Beruf nicht geheuer [ DürrenmattVersprechen47]
d)
unsicher
Beispiel:
Mir war nicht ganz geheuer, ob ich mich nach drei Jahren nicht in der Darstellung ... der drei Königsstuben irrte [ KlepperSchatten422]
2.
selten
Beispiel:
Sie starren auf die Schiffe, als ob es da am geheuersten (= am sichersten) wäre [ GaiserNascondo80]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

geheuer · ungeheuer · Ungeheuer · ungeheuerlich
geheuer Adj. heute nur noch verneint nicht geheuer ‘unheimlich’ gebräuchlich. Mhd. gehiure ‘nichts Unheimliches an sich habend, lieblich, angenehm, trefflich’ ist mit Präfix zu einem mhd. nicht belegten Adjektiv ahd. hiuri ‘einfältig, schlicht’ (um 800) gebildet, dem aengl. hēore ‘angenehm, freundlich, mild’, anord. hȳrr ‘mild, froh, freundlich’ entspricht. Es gehört etymologisch als Bildung mit r-Suffix zu germ. *hī̌w-, ie. *k̑(e)iu̯- und damit zu ↗Heirat (s. d.) und weiter zu ↗Heim (s. d.). geheuer bedeutet ursprünglich ‘zum Haushalt, Hauswesen gehörig’ und deshalb ‘vertraut, angenehm’. ungeheuer Adj. ‘unheimlich, grauenhaft’, adverbial mit Bedeutungsabblassung ‘sehr’, ahd. ungihiuri Adj. ‘unnatürlich, mißgestaltet’ (um 800), mhd. ungehiure. Ungeheuer n. ‘Unhold, Scheusal’, ahd. ungihiuri n. (um 800), mhd. ungehiure m. f. n.; Substantivierung des Adjektivs; erst seit dem 18. Jh. durchgehend mit neutralem Genus. ungeheuerlich Adj. ‘schrecklich, fremd, unvorstellbar’, mhd. ungehiurlīche Adv.; vgl. ahd. (substantiviert) unhiurlīh ‘Ungeheuer’ (11. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›geheuer‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›geheuer‹.

Verwendungsbeispiele für ›geheuer‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Manche Dinge in meiner Umgebung sind mir nicht ganz geheuer.
Der Tagesspiegel, 29.11.1996
Ganz geheuer ist es vielen amerikanischen Juden nicht, daß das BDC nun den Deutschen übergeben wird.
Süddeutsche Zeitung, 01.07.1994
Es war ihm nicht geheuer, den Alten daran zu erinnern.
Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 221
Der tat weiterhin gleichgültig, doch geheuer war ihm auch nicht.
Welk, Ehm: Die Heiden von Kummerow, Rostock: Hirnstorff 1978 [1937], S. 229
Es war nicht mehr geheuer in der guten, stillen Stadt.
Wassermann, Jakob: Caspar Hauser, Berlin: Aufbau-Verl. 1987 [1908], S. 358
Zitationshilfe
„geheuer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/geheuer>, abgerufen am 25.09.2020.

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