geißeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunggei-ßeln (computergeneriert)
Wortbildung mit ›geißeln‹ als Erstglied: ↗Geißler
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Religion jmdn., sich mit einer Peitsche heftig schlagen, sich kasteien
Beispiel:
wieder andere [Heilige] geißelten sich und schliefen auf Glasscherben [WaggerlJahr67]
gehoben, übertragen etw. geißelt jmdn.etw. sucht jmdn. heim, trifft jmdn. als Unglück
Beispiel:
Not, Elend und Druck sind's, welche jetzt das Volk geißeln [RaabeSperlingsgasseI 1,169]
2.
gehoben über etw. aufs schärfste seinen Tadel, seine Missbilligung äußern, etw. anprangern
Beispiele:
den Hochmut, die Prunksucht, Unvernunft, Faulheit, Schwerfälligkeit, Unwilligkeit geißeln
die Missstände wurden scharf gegeißelt
in seiner Rede geißelte er das schändliche Verbot
Er hat die Dummheit gestachelt, die Lüge verfolgt, Knechtssinn und Geistesfaulheit gegeißelt [Th. Mann11,196]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geißel · geißeln
Geißel f. ‘Peitsche, Stab mit Riemen zur Selbstkasteiung’, ahd. geis(i)la ‘Geißel, Peitsche, Gerte’ (um 800), mhd. geisel (auch übertragen ‘Landplage’), mnd. geisele, mnl. ghēsele, gheisele, nl. gesel, anord. geisl ‘Stab, Stock’ und mit Ablaut langobard. gisil (Quantität unsicher) ‘kleiner Stab, Pfeilschaft’ sind als Gerätebezeichnungen mit l-Suffix zu germ. *gaiza- ‘Speer’ (s. ↗Ger) bzw. dessen lautlicher Vorform germ. *gaisa- gebildet. Geißel wird heute nur noch übertragen (‘Landplage, Strafe’) und als historische Bezeichnung für das Instrument zur Selbstkasteiung gebraucht; in allen übrigen Verwendungen ist es weitgehend von ↗Peitsche (s. d.) verdrängt. Die nhd. Schreibung Geißel dient zur Unterscheidung gegenüber Geisel. geißeln Vb. ‘züchtigen, anprangern’, mhd. geiselen.

Thesaurus

Synonymgruppe
auspeitschen · die Knute spüren lassen · die Peitsche geben · flagellieren · geißeln · ↗knuten · ↗peitschen
Synonymgruppe
(hart) kritisieren · ↗(öffentlich) anprangern · ↗brandmarken · geißeln · ins Gericht gehen (mit) · ↗richten (archaisierend) · ↗stigmatisieren · ↗verdammen · ↗verurteilen · ↗ächten · öffentlich beschuldigen  ●  (das) Urteil sprechen (über)  fig. · an den Pranger stellen  fig. · unter Beschuss nehmen  fig. · (jemandem) ans Bein pinkeln  ugs., fig. · beredte Klage führen (über)  geh. · den Stab brechen über  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arroganz Ausverkauf Auswuchs Blasphemie Doppelmoral Egoismus Eisenkette Gebaren Geldverschwendung Gier Heuchelei Imperialismus Irrweg Kanzel Korruption Machtmißbrauch Maßlosigkeit Mißstand Neoliberalismus Profitgier Rassismus Schärfe Sozialabbau Sünde Teufelswerk Teufelszeug Torheit Verlogenheit Verrat Verschwendung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›geißeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und in mir geißelte ich auch alle anderen, das ganze Land, das ganze System.
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 422
Nicht nur die Opposition geißelte den Fehler am nächsten Tag.
Der Tagesspiegel, 29.11.2002
Bei jungen Frauen geißelte man sie als ein Zeichen sittlicher Verwahrlosung.
Süddeutsche Zeitung, 09.01.1999
Ich hielt es daher für meine Pflicht, dies Verfahren öffentlich zu geißeln.
Friedländer, Hugo: Die Oldenburgischen Spielerprozeße. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 22385
Mit flammenden Worten geißelte sie die Mißstände in der Kirche.
o. A.: Die mittelalterliche Kirche. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 21349
Zitationshilfe
„geißeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/geißeln>, abgerufen am 25.03.2019.

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