geisterhaft

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunggeis-ter-haft
WortzerlegungGeist1-haft
eWDG, 1967

Bedeutung

wie ein Geist wirkend, gespenstisch
Beispiele:
ein geisterhaftes Gesicht, Lächeln
die Katzenaugen glühten geisterhaft
das Geisterhafte aus ihren Zügen war verschwunden [BüchnerLenz99]
[ein Echo wiederholte] diesen Ausbruch ausgelassener Lustigkeit in ... geisterhafter und grotesker Weise [C. F. MeyerSchuß v. d. Kanzel3,97]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geist · geistern · geistig · durchgeistigt · geistlich · Geistlicher · Geistlichkeit · geisterhaft · geistesabwesend · Geistesabwesenheit · Geistesgegenwart · geistesgegenwärtig · geisteskrank · Geisteswissenschaften · geistlos · geistreich · entgeistern · entgeistert
Geist m. ‘Hauch, Atem, menschliches Denk- und Erkenntnisvermögen, Esprit, idealistisches schöpferisches Prinzip, Gespenst’, ahd. geist (8. Jh.; nur in der Übersetzung für lat. spīritus), mhd. geist, asächs. mnd. gēst, mnl. gheest, nl. geest, afries. gāst, aengl. gāst, engl. ghost (westgerm. *gaista-) sind Bildungen mit Dentalsuffix zu einer s-Erweiterung ie. *g̑heis- ‘aufgebracht, bestürzt, erschreckt (sein)’. Germ. Verwandte sind aengl. gǣstan ‘in Schrecken versetzen’, engl. ghastly ‘gräßlich, entsetzlich, furchtbar’ und (ohne Dentalsuffix) got. usgeisnan ‘erschrecken’ (intransitiv), usgaisjan ‘erschrecken’ (transitiv) sowie vielleicht anord. geiskafullr ‘voll Schrecken’, geiski ‘Schrecken’; außergerm. sind aind. hīḍ- ‘zürnen’, hḗḍa-, hḗḍas- ‘(Götter)zorn’ und (ohne Dental) awest. zaēša- ‘schauderhaft’ vergleichbar. Im Germ. bedeutet Geist danach ursprünglich soviel wie ‘Ekstase’ und (wenn auch nur noch aengl., nicht aber ahd. und asächs. bezeugt) ‘Gespenst, Geist, übersinnliches Wesen’ (in dieser Verwendung erst wieder mhd.). Als Übersetzung von lat. spīritus ‘Hauch, Atem, Geist, Seele’, das seinerseits von griech. pné͞uma (πνεῦμα) ‘Hauch, Atem, Leben, Geist’ beeinflußt ist, wird ahd. geist mit christlichen Vorstellungen erfüllt und durch die angelsächsische Mission von Fulda aus in der dt. Kirchensprache verbreitet, vgl. aengl. sē hālga gāst (engl. the Holy Ghost), danach ahd. (frk.) ther heilago geist (9. Jh.), nhd. der Heilige Geist, für lat. spīritus sānctus, griech. hágion pné͞uma (ἅγιον πνεῦμα) der Kirchensprache. Die auf obd. Gebiet durch die gotische Mission entstandene Übersetzung ahd. ther wīho ātum vermag sich nicht durchzusetzen. Erst im 18. Jh. wird Geist unter dem Einfluß von frz. esprit zum Ausdruck einer besonderen Fähigkeit, der Gewandtheit, Leichtigkeit des Denkens, des Scharfsinns, des Einfallsreichtums und bezeichnet schließlich das denkende, erkennende Bewußtsein des Menschen. Nach dem Vorbild von lat. spīritus und frz. esprit wird Geist auch im Sinne von ‘flüchtige Essenz, Alkohol’ gebraucht (18. Jh.). geistern Vb. ‘als Geist, wie ein Geist herumgehen, spuken’ (19. Jh.), älter ‘begeistern’ (17. Jh.). geistig Adj. ‘auf das Denkvermögen, die Verstandeskräfte bezogen, Verstand besitzend, klug’. Vereinzeltes spätmhd. geistec ‘von Geist beseelt’ wird bald von geistlich (s. unten) verdrängt. Erst im 17. Jh. ist geistig wieder bezeugt im Sinne von ‘witzig, erfinderisch, geistreich’, steht dann im Gegensatz zu körperlich, stofflich und nimmt im 18. Jh. die oben genannte Bedeutung an; daneben auch ‘alkoholisch’ (ebenfalls 18. Jh.). durchgeistigt Part.adj. ‘geistvoll, von Geist durchdrungen’ (19. Jh.). geistlich Adj. ‘religiöse Dinge betreffend’, ahd. geistlīh, Übersetzung von lat. spīrituālis (8. Jh.), mhd. geistlich, auch ‘fromm’, asächs. gēstlīk, nl. geestelijk, aengl. gāstlic, engl. ghostly (auch ‘geisterhaft’). Ursprünglich vereint dieses Adjektiv sowohl die Bedeutung des erst im 18. Jh. geläufigen geistig (s. oben) ‘den Geist betreffend, immateriell’ (im Gegensatz zu natürlich, körperlich, stofflich) als auch die des heutigen geistlich ‘die Religion betreffend’ (Gegensatz zu weltlich); vgl. geistliche und weltliche Lieder, geistlicher Stand ‘Priesterschaft’ (15. Jh.) sowie Geistlicher m. ‘Kleriker, Priester’ (15. Jh.), mhd. meist noch geistlīche liute. Eine deutliche Scheidung zwischen beiden Wörtern vollzieht sich erst nach dem 18. Jh. Geistlichkeit f. ‘Klerus, Priesterschaft’ (15. Jh.), spätmhd. geistlīcheit ‘die Immaterialität mystischen Versenkens’, auch Gegensatz zu Weltlichkeit; in den Vokabularen des 15. Jhs. Übersetzungswort für lat. religio. geisterhaft Adj. ‘gespenstisch’ (18. Jh.). geistesabwesend Part.adj. ‘zerstreut, mit den Gedanken nicht bei der Sache’ (19. Jh.), Rückbildung aus dem Substantiv Geistesabwesenheit f. ‘Zerstreutheit’ (19. Jh.), Übersetzung von frz. absence d’esprit; Gegensatz Geistesgegenwart f. ‘schnelle Reaktionsfähigkeit, Schlagfertigkeit’ (18. Jh.), nach frz. présence d’esprit; geistesgegenwärtig Adj. (19. Jh.). geisteskrank Adj. ‘geistigseelisch krank, verwirrt’ (19. Jh.). Geisteswissenschaften Plur. sich mit Kultur und dem geistigen Leben befassende Wissenschaften (19. Jh.). geistlos Adj. ‘geistig anspruchslos, dumm’ (18. Jh.); vgl. mhd. geist(e)lōs ‘leblos’. geistreich Adj. ‘gescheit, spritzig, niveauvoll’ (16. Jh.), spätmhd. geist(e)rīch (14. Jh., Mystiker) ‘vom heiligen Geist erfüllt’ (noch bei Luther). Der heutige Gebrauch verbreitet sich seit dem 17. Jh. unter Einfluß von frz. spirituel. entgeistern Vb. ‘des Lebens berauben’ (17. Jh.), meist entgeistert Part.adj. ‘fassungslos, überrascht’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
geisterhaft · ↗gespenstisch · ↗schemenhaft · ↗spukhaft
Assoziationen
Synonymgruppe
beklemmend · ↗dämonisch · ↗eigenartig · geisterhaft · ↗gespenstig · ↗gespenstisch · ↗gruselig · nicht geheuer · ↗schaurig · ↗unheimlich · ↗übernatürlich  ●  creepy  engl. · ↗Hexenwerk  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Atmosphäre Auftritt Blässe Erscheinung Existenz Fernwirkung Figur Gestalt Lebendigkeit Leere Leichtigkeit Licht Nebel Ruhe Schatten Schema Stille Stimme Teilchen Ton Wesen fahl fast geradezu leer schweben wirken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›geisterhaft‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist immer noch unendlich weit weg, nicht faßbar, geisterhaft.
Die Zeit, 11.10.1991, Nr. 42
Eine ausgesprochen geisterhafte Wirkung können wir auch durch das plötzliche Verschwinden von Personen mitten aus dem Bilde hervorrufen.
Opfermann, Hans Carl: Die neue Schmalfilm-Schule, Harzburg: Heering 1940, S. 53
Unter mir war es ein schier geisterhaftes Rauschen und Rascheln.
Voß, Richard: Zwei Menschen, Stuttgart: Engelhorn 1911 [1949], S. 73
Auf dem Schirm schwammen geisterhafte Gestalten tonlos in einem grauen Nebel.
Die Welt, 05.10.2000
Sie sprang plötzlich mit geisterhaft blassem Gesicht vom Tisch empor und streckte wankend die Hände aus.
Courths-Mahler, Hedwig: Ich lasse dich nicht, Augsburg: Weltbild Verl. 1992 [1912], S. 174
Zitationshilfe
„geisterhaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/geisterhaft>, abgerufen am 19.09.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Geisterglauben
Geisterglaube
Geistergeschichte
Geisterfahrt
Geisterfahrer
Geisterhand
Geistermannschaft
Geistermusik
geistern
Geisterreich