geläufig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungge-läu-fig (computergeneriert)
formal verwandt mitlaufen
Wortbildung mit ›geläufig‹ als Erstglied: ↗Geläufigkeit  ·  mit ›geläufig‹ als Letztglied: ↗ungeläufig
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
durch weite Verbreitung, Überlieferung allgemein bekannt, vertraut
Beispiele:
eine geläufige Redensart, Redewendung
ein geläufiger Ausdruck, Begriff
ein unserer Zeit geläufiger Gedanke
das Wort, die Bezeichnung ist mir geläufig
sein Name müsste dir eigentlich geläufig sein
als habe das Mädchen die Fähigkeit, mitunter in der Gestalt des Pferdes zu erscheinen, wie dergleichen mir vom Märchen her geläufig war [Bergengr.Rittmeisterin173]
2.
fließend, perfekt
Beispiele:
er konnte in geläufigem Französisch antworten
eine fremde Sprache geläufig sprechen und lesen
Er begann, geläufiger, als er es sich selbst zugetraut hätte, mit wohlgesetzten Entschuldigungen [J. RothRadetzkymarsch324]
redegewandt
Beispiele:
eine geläufige Zunge haben
Fritz war ein kecker Junge / Und sehr geläufig mit der Zunge [BuschSumma summarum50]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

laufen · Lauf · Läufer · Zeitläufte · Lauft · Zeitlauf · läufig · geläufig · beiläufig · landläufig · vorläufig · ablaufen · Ablauf · anlaufen · Anlauf · auflaufen · Auflauf · auslaufen · Auslauf · belaufen · einlaufen · Einlauf · überlaufen · Überläufer · verlaufen · Verlauf · zerlaufen · Laufbahn · Lauffeuer · Laufgraben · Laufpaß · Laufzettel
laufen Vb. ‘(zu Fuß) gehen, rennen, fließen’. Für das gemeingerm. reduplizierende Verb ahd. (h)loufan (8. Jh.), mhd. loufen, asächs. -hlōpan, mnd. mnl. lōpen, nl. lopen, aengl. hlēapan ‘laufen, treten, tanzen’, engl. to leap ‘springen, hüpfen’, anord. hlaupa ‘laufen, springen’, schwed. löpa ‘laufen’, got. ushlaupan ‘aufspringen’ sind ie. Verwandte nicht mit Sicherheit nachzuweisen; eine (lautlich mögliche) Verbindung mit lit. šlubúoti ‘lahmen, hinken’ bzw. klùpti ‘niederknien, stolpern’ befriedigt semantisch nicht. Seebold 261 sieht Anknüpfungsmöglichkeiten in lit. keliáuti ‘wandern, reisen’, griech. kéleuthos (κέλευθος) ‘Weg, Pfad, Bahn, Reise’. Dann vielleicht über eine Erweiterung ie. *keleu- ‘wandern, Weg’ zur Wurzel ie. *kel- ‘treiben, zu schneller Bewegung antreiben’ (s. ↗halten)? Die Vorstellung größerer Schnelligkeit tritt in neuerer Sprache vielfach zurück, so daß laufen für gehen eintreten kann. In nhd. Zeit wird laufen häufig auf Bewegungen von Fahrzeugen und Maschinen und speziell von Flüssigkeiten bezogen. Lauf m. ‘das Laufen, Verlauf, Flußlauf, Bein des Haarwilds’, auch ‘Rohr von Handfeuerwaffen’ (vgl. Gewehrlauf), ahd. (h)louf (9. Jh.), mhd. louf, mnd. lōp, mnl. nl. loop ‘Gang, Lauf, Verlauf’, anord. hlaupr ‘Sprung’ führen auf germ. *hlaupa-, daneben (mit anderer Stammbildung) aengl. hlīep ‘Sprung’, anord. hlaup n. ‘Sprung, Lauf, Galopp (des Pferdes)’. Im Dt. auch das ti-Abstraktum germ. *hlaufti- mit ahd. (h)louft (8. Jh.), mhd. louft, nhd. (älter) Lauft, erhalten in Zeitläufte (s. unten). Läufer m. ‘wer (gut) läuft, Sportler einer Laufdisziplin, langer Teppich’, ahd. (h)loufāri (um 800), mhd. loufære, löufære ‘Bote, Rennpferd’. Zeitläufte Plur. ‘Zeitabschnitte mit ihren Ereignissen’ (18. Jh.), Zusammensetzung mit Lauft m. das im Anschluß an ahd. (h)louft (9. Jh.), mhd. louft im älteren Nhd. neben Lauf (s. oben) gebraucht wird; daneben Zeitlauf m. seit dem 17. Jh. bezeugt und im Sing. wie im Plur. verwendet. läufig Adj. ‘brünstig’, besonders von Hunden (15. Jh.), mhd. löufec, löufic ‘gangbar, bewandert, gerieben’, noch bis ins 18. Jh. im Sinne von ‘häufig vorkommend, gebräuchlich’ (wofür dann geläufig). geläufig Adj. ‘häufig vorkommend, allgemein bekannt, vertraut, fließend, perfekt’ (17. Jh.). beiläufig Adj. ‘wie zufällig, nebenher’, (südd.) ‘ungefähr’ (um 1500), daneben frühnhd. auch beiläuftig (15. Jh.). landläufig Adj. ‘üblich, allgemein bekannt’, frühnhd. lantlöufig, auch ‘im Lande umgehend’ (15. Jh.). vorläufig Adj. ‘nicht endgültig, einstweilig’ (17. Jh.), eigentlich ‘vorher-, vorausgehend’. ablaufen Vb. ‘weglaufen, abfließen, zu Ende gehen, sich ereignen, seinen Verlauf nehmen’, mhd. abeloufen; Ablauf m. ‘das Ablaufen, Abfluß(graben), Verlauf’, mhd. abelouf. anlaufen Vb. ‘sich in Bewegung setzen, anstürmen, ansteuern, beginnen, beschlagen, zunehmen’, ahd. ana(h)loufan (9. Jh.), mhd. aneloufen; Anlauf m. ‘das Anlaufen, Beginn, Anstoß’, ahd. ana(h)louf (10./11. Jh.), ana(h)louft (8. Jh.), mhd. anlouf ‘Ansturm, Angriff’. auflaufen Vb. ‘auf Grund laufen, aufgehen, anwachsen’, mhd. ūfloufen, auch ‘einen Auflauf bilden, anschwellen’; Auflauf m. ‘Zusammenlaufen einer erregten Menschenmenge’, mhd. ūflouf; ‘überbackene Speise’ (19. Jh.). auslaufen Vb. ‘herausfahren, zu Ende gehen, aufhören’, mhd. ūʒloufen, auch ‘hinauslaufen, entlaufen’; Auslauf m. ‘das Auslaufen, Strecke hinter dem Ziel’, mhd. ūʒlouf ‘Auszug, Durchfall, Ruhr’. belaufen Vb. ‘anlaufen, beschlagen’, sich belaufen auf ‘betragen’, mhd. beloufen, auch ‘durchlaufen, überlaufen’. einlaufen Vb. ‘kleiner werden, ankommen, eingehen’ (17. Jh.). Einlauf m. ‘Ankunft am Ziel, Darmspülung’, frühnhd. ‘Einfall, das Eindringen’ (16. Jh.). überlaufen Vb. ‘desertieren, überfließen’, mhd. überloufen, auch ‘treffen, befallen, übergehen, auslassen, durchlaufen’; Überläufer m. ‘Deserteur’ (15. Jh.), mhd. überloufer ‘wer etw. kurz behandelt, abtut’. verlaufen Vb. ‘ablaufen, vergehen, verirren’, ahd. fir(h)loufan ‘vorauslaufen, überholen’ (9. Jh.), ‘vergehen’ (um 1000), mhd. verloufen, auch ‘vorüberlaufen, sich begeben, sich abnützen’; Verlauf m. ‘Ablauf, Entwicklung, Vorgang’ (15. Jh.). zerlaufen Vb. ‘auseinandergehen, -fließen’, ahd. zi(h)loufan ‘herab-, auseinanderlaufen’ (8. Jh.), mhd. zerloufen, auch ‘vergehen’. Laufbahn f. ‘Bahn für Wettrennen’ (17. Jh.), ‘Werdegang, Berufsweg’ (seit dem 18. Jh. als Verdeutschung von ↗Karriere, s. d.). Lauffeuer n. ‘Feuer (zur Fernzündung), das sich über einen Strich ausgeschütteten Pulvers bewegt’ (17. Jh.), in der Wendung wie ein Lauffeuer (sich ausbreiten) ‘sehr schnell’; in jüngerer Zeit als ‘sich schnell (über trockenes Laub und Gras hin) ausbreitendes Feuer’ aufgefaßt (vgl. schweiz. Laubfeuer). Laufgraben m. ‘zum Schutz vor Geschossen angelegter Graben’ (16. Jh.). Laufpaß m. ‘Ausweis für entlassene (invalide) Soldaten und Arbeitsuchende, der die freie Bewegung innerhalb eines Landes zusichert’ (18. Jh.), heute noch in der Wendung jmdm. den Laufpaß geben ‘jmdn. wegschicken’. Laufzettel m. zunächst (17. Jh.) wie jüngeres Laufpaß, dann ‘Zettel an Werkstücken zur Eintragung bestimmter Arbeitsgänge, Zettel, der durch eine Reihe von Büros läuft’.

Thesaurus

Synonymgruppe
allgemein bekannt · ↗alltäglich · an der Tagesordnung · gang und gäbe · geläufig · ↗gewohnt · ↗gängig · ↗vertraut  ●  plain vanilla  engl. · sattsam bekannt  floskelhaft
Assoziationen
  • (wird) gern gekauft · (wird) viel gekauft · begehrt · ↗beliebt · ↗gefragt · ↗gesucht · gut eingeführt · in jemandes Gunst (stehen) · nachgefragt · ↗populär
  • gewohnt · nicht ohne · nie ohne  ●  ↗Markenzeichen  ugs., fig. · ↗notorisch  ugs., ironisch · ↗obligatorisch  ugs., ironisch · ↗unvermeidlich  ugs., ironisch
  • alte, langweilige Geschichte  ●  Schnee von gestern  ugs., fig. · alter Hut  ugs., fig. · kalter Kaffee  ugs., fig. · nichts Neues  ugs. · olle Kamellen  ugs., fig., rheinisch
Synonymgruppe
alltäglich · die Regel (sein) · gang und gäbe · ↗gebräuchlich · geläufig · ↗gewöhnlich · ↗gängig · ↗herkömmlich · ↗häufig · kein Einzelfall · ↗klassisch · ↗konventionell · nicht selten · ↗normal · ↗ortsüblich · tägliches Brot (sein) · verbreitet · ↗weit verbreitet · ↗weitverbreitet · zum täglichen Brot gehören · ↗üblich  ●  an der Tagesordnung  fig. · ↗handelsüblich  fig. · man kennt das (von)  ugs., Redensart
Assoziationen
  • Trampelpfade (des Althergebrachten, bereits Bekannten o.ä.)  fig. · eingefahrene Bahnen  fig. · eingefahrene Gleise  fig.
  • allgemein verbreitet · ↗häufig (vorkommend) · ↗landläufig · ↗weit verbreitet · ↗weitverbreitet  ●  ↗prävalent  fachspr., medizinisch
  • gewöhnlich · im Normalfall · im Regelfall · in aller Regel · in der Regel · ↗landläufig · ↗standardmäßig · ↗typischerweise · von Haus aus · üblicherweise  ●  ↗normalerweise  Hauptform · für gewöhnlich  geh. · ↗gemeinhin  geh. · ↗gemeiniglich  geh., veraltend · ↗normal (Adv.)  ugs., salopp
  • (die) Mode sein · Konjunktur haben(d) · Szene... · ↗aktuell · dem Zeitgeist entsprechend · ↗gefragt · im Trend liegen(d)  ●  (...) ist das neue (...; ist der / die neue ...)  Jargon, floskelhaft · zum guten Ton gehören(d)  fig. · (voll) im Trend  ugs. · ↗Kult  ugs. · ↗angesagt  ugs. · ↗en vogue  geh., franz. · ↗hip  ugs. · hoch im Kurs stehen  ugs. · im Schwange (sein)  geh. · ↗in (betont, Emphase)  ugs., engl. · in Mode  ugs., Hauptform · ↗kultig  ugs. · ↗sexy  ugs., fig. · ↗trendig  ugs. · ↗trendy  ugs.
  • durchschnittlich · im Durchschnitt · im Mittel · ↗klassisch · so wie man ihn kennt (generalisierend) · ↗typisch  ●  im Schnitt  ugs.
  • als solcher (Attribut zu N, nachgestellt) · an sich · im Grunde · in seinem Wesen · ↗schlechthin
  • auf altbewährte Weise · der Tradition entsprechend · nach alter Schule · nach alter Väter Sitte · wie eh und je  ●  Das haben wir schon immer so gemacht.  ugs., Spruch
  • (die) Angewohnheit haben (zu) · (es sich) angewöhnt haben zu · die Gewohnheit (angenommen) haben (zu) · es gewohnt sein (zu) · es sich zu eigen gemacht haben (zu) · es sich zur Gewohnheit gemacht haben (zu) · es sich zur Regel gemacht haben (zu) · es zu seiner Gewohnheit haben werden lassen (zu) · ↗pflegen (zu tun)  ●  (auf etwas) konditioniert sein  Jargon · (etwas) gewöhnlich tun  variabel · abonniert sein (auf)  ugs., fig.
  • (schon allein) durch sein ...-Sein · als solche/r/s (Attribut zu N, nachgestellt) · an sich · im Grunde · in seinem Wesen · in seiner Eigenschaft als ... · ↗schlechthin  ●  vermöge seines ...-Seins  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abkürzung Begriff Bezeichnung Chiffre Definition Einteilung Floskel Fremdwort Gegenüberstellung Gurgel Idiom Ikonographie Kürzel Redensart Redewendung Sprichwort Stereotyp Terminologie Terminus Topos Umschreibung Unterscheidung Vokabel Vokabular Vorname Wendung Wörter allseits durchaus längst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›geläufig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das scheint mir ziemlich geläufig bei sehr erfolgreichen Frauen zu sein.
Die Welt, 16.09.2005
Doch außerhalb des Landes dürften ihre Namen den wenigsten geläufig sein.
Süddeutsche Zeitung, 14.07.2000
Auch in der Sprache der Politik ist der Ausdruck geläufig.
Röhrich, Lutz: Strohmann. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 21157
Am geläufigsten ist uns der Satz der Erhaltung der Masse.
Forschungen und Fortschritte. Nachrichtenblatt der deutschen Wissenschaft und Technik, 1943, Nr. 9/10, Bd. 19
Gegen Abend war ihm der Inhalt des schmalen Buches geläufig.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 389
Zitationshilfe
„geläufig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/geläufig>, abgerufen am 22.02.2019.

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