gellen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunggel-len
Wortbildung mit ›gellen‹ als Letztglied: ↗aufgellen · ↗durchgellen · ↗übergellen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
durchdringend und schrill tönen
Beispiele:
das Geschrei gellte durch die Nacht, Stille
ihre Stimme, die Glocke hatte durch das ganze Haus gegellt
der Pfiff der Lokomotive gellt mir in die, den Ohren
Wenn durchs Dorf der kriegrische Marsch der Manöverkapelle gellt [BrechtGedichte11]
Und durch die Glocken und durch den Sturm / Gellte des Urhorns Blasen [B. v. MünchhauseninBalladenbuch357]
Grammatik: häufig im Part. Präs.
Beispiele:
gellende Schreie, Hilferufe
in gellendes Gelächter ausbrechen
sie schrie, lachte gellend auf
gehoben, übertragen schrecklich, furchtbar
Beispiel:
flüchtete [sie] in gellender Angst [TralowKepler255]
2.
etw. gelltetw. ist von durchdringenden und schrillen Tönen erfüllt
Beispiele:
die Maschine machte einen Lärm, dass uns die Ohren gellten
Die Luft polterte und gellte von arbeitsam erregten Stimmen [MusilMann965]
Da hat das ganze Haus gegellt und getönt [DöblinAlexanderpl.70]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gellen Vb. ‘durchdringend und schrill tönen’. Ahd. gellan ‘grell tönen, schreien’ (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. gellen, aengl. giellan, gellan, engl. to yell, anord. gjalla, gella, schwed. (älter) gälla (germ. *gellan) ist als lautnachahmendes Verb wohl verwandt mit den Vogelnamen griech. chelīdṓn (χελιδών) ‘Schwalbe’ und (reduplizierendem) kíchlē (κίχλη) ‘Drossel’ sowie mit russ. (älter) gálit’sja (галиться) ‘verspotten’. Erschließbar ist eine Wurzel ie. *ghel- ‘rufen, schreien’, zu der auch das zweite Kompositionsglied von ↗Nachtigall (s. d.) gehört.

Thesaurus

Synonymgruppe
gellen · gellend schreien · schrill tönen · ↗schrillen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufschrei Buhruf Flur Freudenschrei Gasse Geschrei Glocke Halle Hilfeschrei Kommando Lautsprecher Lustschrei Lärm Ohr Pfeifkonzert Pfiff Ruf Schlachtruf Schmerzensschrei Schrei Sirene Sprechchor Trillerpfeife auf dröhnen durchgellen entgegen herüber kreischen schrill

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gellen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sein heiseres Lachen gellt durch den Film, und natürlich stirbt er einen schrecklichen Tod.
Die Welt, 24.12.2004
Ihre Rufe gellten durch die eisige Nacht; es hörte sie niemand.
Die Zeit, 12.06.1992, Nr. 25
Der Bock kreischte von Zeit zu Zeit gellend und unergründlich, sonst lief er gut.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1937. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1937], S. 26
Der Gefreite steckte zwei Finger in den Mund und pfiff gellend.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1960], S. 471
Lautlos flog ihm das Käuzchen nach und fing dicht über ihm zu gellen an.
Salten, Felix: Bambi, Frankfurt a. M.: Fischer 1956 [1923], S. 124
Zitationshilfe
„gellen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gellen>, abgerufen am 15.12.2019.

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