Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

gellen

Grammatik Verb · gellt, gellte, hat gegellt
Aussprache  [ˈgɛlən]
Worttrennung gel-len
Wortbildung  mit ›gellen‹ als Letztglied: aufgellen · durchgellen · übergellen
 ·  formal verwandt mit: gell1
eWDG

Bedeutungen

1.
durchdringend und schrill tönen
Beispiele:
das Geschrei gellte durch die Nacht, Stille
ihre Stimme, die Glocke hatte durch das ganze Haus gegellt
der Pfiff der Lokomotive gellt mir in die, den Ohren
Wenn durchs Dorf der kriegrische Marsch der Manöverkapelle gellt [ BrechtGedichte11]
Und durch die Glocken und durch den Sturm / Gellte des Urhorns Blasen [ B. v. Münchhausenin: Balladenbuch357]
Grammatik: häufig im Partizip I
Beispiele:
gellende Schreie, Hilferufe
in gellendes Gelächter ausbrechen
sie schrie, lachte gellend auf
gehoben, übertragen schrecklich, furchtbar
Beispiel:
flüchtete [sie] in gellender Angst [ TralowKepler255]
2.
etw. gelltetw. ist von durchdringenden und schrillen Tönen erfüllt
Beispiele:
die Maschine machte einen Lärm, dass uns die Ohren gellten
Die Luft polterte und gellte von arbeitsam erregten Stimmen [ MusilMann965]
Da hat das ganze Haus gegellt und getönt [ DöblinAlexanderpl.70]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gellen Vb. ‘durchdringend und schrill tönen’. Ahd. gellan ‘grell tönen, schreien’ (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. gellen, aengl. giellan, gellan, engl. to yell, anord. gjalla, gella, schwed. (älter) gälla (germ. *gellan) ist als lautnachahmendes Verb wohl verwandt mit den Vogelnamen griech. chelīdṓn (χελιδών) ‘Schwalbe’ und (reduplizierendem) kíchlē (κίχλη) ‘Drossel’ sowie mit russ. (älter) gálit’sja (галиться) ‘verspotten’. Erschließbar ist eine Wurzel ie. *ghel- ‘rufen, schreien’, zu der auch das zweite Kompositionsglied von Nachtigall (s. d.) gehört.

Thesaurus

Synonymgruppe
gellen · gellend schreien · schrill tönen · schrillen
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›gellen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gellen‹.

Verwendungsbeispiele für ›gellen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihre Rufe gellten durch die eisige Nacht; es hörte sie niemand. [Die Zeit, 12.06.1992, Nr. 25]
Sein heiseres Lachen gellt durch den Film, und natürlich stirbt er einen schrecklichen Tod. [Die Welt, 24.12.2004]
Als nichts passiert, nimmt er zwei Finger in den Mund, pfeift gellend. [Der Tagesspiegel, 20.09.2004]
Der Bock kreischte von Zeit zu Zeit gellend und unergründlich, sonst lief er gut. [Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1937. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1937], S. 26]
Alles andere war spießig, und genau das, gelle, wollte man ja nicht sein. [Der Tagesspiegel, 13.08.2001]
Zitationshilfe
„gellen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gellen>.

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