gelt

eWDG, 1967

Bedeutung

landschaftlich, (besonders) südwestdeutsch, umgangssprachlich formelhafte Äußerung, mit der man sich der Zustimmung eines anderen vergewissern will   nicht wahr?
Beispiele:
du kommst doch auch mit ins Kino, gelt?
gelt, du bist ja jetzt verheiratet? [Hesse3,10]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gelten · Gült · Gülte · gültig · Gültigkeit · entgelten · Entgelt · unentgeltlich · vergelten · Vergeltung · gelt1 · gell(e)
gelten Vb. ‘wert sein, einen bestimmten Wert haben, gültig sein, Gültigkeit haben, angesehen, gehalten werden (für), bestimmt sein (für)’, ahd. geltan ‘(zurück)zahlen, entschädigen, opfern, wert sein’ (8. Jh.), mhd. gelten (auch ‘Einkünfte bringen’), asächs. geldan, mnd. gelden, mnl. ghelden ‘zahlen, lohnen, vergelten’, nl. gelden, afries. gelda, aengl. gieldan ‘(be)zahlen, verehren, opfern, strafen’, engl. to yield ‘als Ertrag geben, hervorbringen, ergeben, einbringen’, anord. gjalda ‘bezahlen, vergelten’, got. fragildan, usgildan ‘vergelten, erstatten’ führen auf germ. *geldan ‘erstatten, entrichten’ (zuerst auf Opferhandlungen bezogen). Diesem entsprechen aslaw. žlědǫ, žladǫ ‘zahle ab, vergelte’, aruss. želedu ‘zahle, büße’. Falls die slaw. Formen nicht aus dem Germ. entlehnt sind (was Vasmer 1, 415 für unwahrscheinlich hält), läßt sich ein nicht weiter verfolgbarer Ansatz ie. *gheldh- rechtfertigen. Mit gelten sind verwandt ↗Geld, ↗Gilde (s. d.) sowie (ablautend) Gült, Gülte f. südd. ‘Abgabe, Zins, Grundstücksertrag, Grundschuld’, schweiz. ‘Grundschuldverschreibung’, mhd. gülte ‘Schuld, Zahlung, Einkommen, Rente, Zins, Wert, Preis’, und davon abgeleitet (semantisch zunehmend von gelten beeinflußt) gültig Adj. ‘geltend, in Gebrauch befindlich, amtlich anerkannt, wirksam’, mhd. gültic ‘im Preis stehend, teuer, zu zahlen verpflichtet’, Gültigkeit f. (15. Jh.). entgelten Vb. ‘bezahlen, vergüten, entschädigen, büßen’, ahd. in(t)geltan (9. Jh.), mhd. en(t)gelten ‘für etw. zahlen, büßen’, dazu Entgelt n. ‘Lohn, Bezahlung, Vergütung für eine Arbeit oder für aufgewandte Mühe’ (15. Jh.) und unentgeltlich Adj. ‘ohne Entgelt, kostenlos, umsonst’ (um 1500). vergelten Vb. ‘vergüten, entgelten, lohnen, heimzahlen’, ahd. firgeltan (um 800), mhd. vergelten ‘zurückzahlen, zurückerstatten, heimzahlen’; Vergeltung f. ‘das Vergelten, Rache, Strafe’, ahd. firgeltunga ‘Geldzahlung für erwiesene Dienste’ (Hs. 12. Jh.), mnd. vergeldinge (1507; mhd. nicht nachgewiesen). gelt1, auch gell(e), Interjektion eine besonders im Südd., Südwestd. und Md. übliche formelhafte Äußerung, mit der man sich der Zustimmung eines anderen vergewissern will, im Sinne von ‘nicht wahr?, ja?’, spätmhd. gelte ‘es möge gelten’, eigentlich 3. Pers. Sing. Konj. Präs. von gelten, möglicherweise zuerst als Bekräftigung bei Wett- und Vertragsabschlüssen.

gelt2 Adj. ‘unfruchtbar, nicht milchgebend’ (vom Vieh und vom Wild), ahd. (11. Jh.), mhd. galt, nhd. (obd.) galt, (md.) gelde, gelt, mnl. gelde, aengl. gielde, anord. geldr (germ. *galdi-); Herkunft unbekannt. Die Vermutung, das Adjektiv stehe mit ahd. (um 800), aengl. galan ‘singen’, bes, ‘Zauberformeln (singend) hersagen, verzaubern, behexen’ (s. ↗Nachtigall), in Verbindung, ist durchaus erwägenswert, da unfruchtbares Vieh als verhext galt.

Thesaurus

Synonymgruppe
etwa nicht? · ja? · nicht wahr? · oder (etwa) nicht? · stimmt's?  ●  gell?  ugs., süddt. · ↗gelle  ugs., veraltend, süddt. · gelt?  ugs. · he? (regional vereinzelt)  ugs. · nicht?  ugs. · nä?  ugs., norddeutsch · näch?  ugs., ruhrdt. · oder? (norddt., süddt. verstreut)  ugs. · wa?  ugs., berlinerisch, regional, norddeutsch · was?  ugs. · woll? (Sauerland, bergisch)  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Regel Werte Übergangsfrist

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gelt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Sonnenbrille lässig ins gegelte Haar geschoben, rasen manche in den Tod.
Die Zeit, 03.11.2005, Nr. 45
Die sind auch in extrem engen Klamotten und gegelten Haaren unterwegs.
Die Zeit, 24.08.2009, Nr. 34
Gelten Feinsinn und Gedichte auswendig hersagen bald gar nichts mehr?
Süddeutsche Zeitung, 03.12.1994
Und a halbs Jahr lang nimmer schnupfen und rauchen, gelt?
Ganghofer, Ludwig: Der Dorfapostel, Stuttgart: Adolf Bonz 1917 [1900], S. 231
Gelt, Bürschchen, du weißt, was Freiheit wert ist, freue dich ihrer, schätze sie und sei glücklich.
Traven, B.: Das Totenschiff, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1929 [1926], S. 85
Zitationshilfe
„gelt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gelt>, abgerufen am 20.10.2019.

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