gelten

GrammatikVerb · gilt, galt, hat gegolten
Aussprache
Worttrennunggel-ten
Wortbildung mit ›gelten‹ als Erstglied: ↗Geltendmachung  ·  mit ›gelten‹ als Letztglied: ↗abgelten · ↗fortgelten
DWDS-Vollartikel, 2017

Bedeutungen

1.
etw. giltrechtlich, sittlich, wissenschaftlich o. ä. anerkannt, verbindlich sein; als Regel bzw. Gesetzmäßigkeit (unter bestimmten Voraussetzungen) zutreffend, wirksam, anwendbar sein
  speziell mit Bezug auf rechtliche Normen oder Vereinbarungen   in Kraft sein, rechtskräftig sein
Beispiele:
Die Regelung [ein Abkommen zwischen Staaten] tritt ab Januar in Kraft und gilt für sechs Monate. [Neue Zürcher Zeitung, 30.11.2016]
Mein alter Personalausweis gilt noch bis 2017. [Die Zeit, 28.10.2010, Nr. 44]
Topp, die Wette gilt! [Welt am Sonntag, 03.04.2016, Nr. 14]
Welche unausgesprochenen Spielregeln [Verhaltensregeln] gelten für Gäste, die zu uns nach Hause kommen? [Zeit Wissen, 14.10.2014, Nr. 06]
Die Initiative wollte erreichen, dass im Kanton Solothurn [statt des strengeren kantonalen Gesetzes] nur noch das Bundesgesetz zum Nichtraucherschutz gilt, das seit Mai in Kraft ist. [Neue Zürcher Zeitung, 13.06.2010]
Von Sonntag an gilt der Sommerfahrplan. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2006]
Die Thermodynamik und ihre Gesetzmäßigkeiten gelten uneingeschränkt für große, aus unzähligen Teilchen bestehende physikalische Systeme wie ausgedehnte Festkörper, Gase oder Flüssigkeiten. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2002]
[…] auch oder gerade auf dem Kapitalmarkt gilt das Gesetz, daß Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. [Süddeutsche Zeitung, 01.02.1992]
scherzhaft Bange machen gilt nicht (= widerspricht den anerkannten Verhaltensregeln, wird nicht akzeptiert)! [Berliner Zeitung, 04.06.1967]
Kollokationen:
mit Aktiv-/Passivsubjekt: die Regel, der Grundsatz, das Prinzip, die Ausnahme gilt [für jmdn., etw.]; das Gesetz, die Regelung, der Vertrag gilt [für jmdn., etw.]; die Preise gelten [für etw.]; es gilt die Unschuldsvermutung
hat Präpositionalgruppe/-objekt: in diesem Fall gilt [etw.]
mit Adverbialbestimmung: derzeit, weiterhin, weltweit gelten
a)
häufig als partizipiales Adjektiv (aus Partizip I) verwendet
geltend
Beispiele:
Nach geltendem Gesetz müssen derzeit nur wenige Produkte als »gentechnisch verändert« gekennzeichnet werden[…]. [Süddeutsche Zeitung, 16.05.2015]
Laut Bundesamt für Strahlenschutz können bei Einhaltung der geltenden Grenzwerte nach dem heutigen Stand der Wissenschaft gesundheitliche Gefahren durch Mobilfunk ausgeschlossen werden. [Der Tagesspiegel, 29.04.2002]
Nach geltendem Recht haben EU-Bürger, die nach Deutschland einwandern und Arbeit suchen, kein Recht auf Fürsorgeleistungen. [Die Zeit, 12.12.2013 (online)]
Die Angriffe [der Rebellen], die von der Armee als offener Bruch des seit März 1988 geltenden Waffenstillstandes bezeichnet wurden, ereigneten sich […] am vergangenen Wochenende[…]. [die tageszeitung, 11.08.1989]
Kollokation:
als Adjektivattribut: geltendes Recht, Gesetz, Völkerrecht, Steuerrecht; die geltenden Vorschriften, Bestimmungen, Regeln, Normen, Verträge, Tarifverträge, Grenzwerte, Standards; der geltende Ausnahmezustand, Waffenstillstand, Mindestlohn; die geltende Regelung, Verfassung, Vereinbarung, Rechtsprechung
b)
etw. gelten lassen (= etw. (ausnahmsweise, großzügigerweise) anerkennen, zulassen)
Beispiele:
Sie ließ keine Entschuldigung gelten. [Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 516]
Teuer ist er [der neu erworbene PKW], das lasse ich gelten (= das erkenne ich als einziges Argument an). [nandalya, 06.02.2014, aufgerufen am 28.04.2016]
Ihr waren Watteau und Fragonard lieber, allenfalls ließ sie noch Corot [als Maler von Rang] gelten, und Renoir. [Widmer, Urs: Das Buch des Vaters, Zürich: Diogenes 2004, S. 49]
[Der Publizist] Harpprecht läßt nur eine Freiheit gelten: die Freiheit, sein […] Geschichtsbild […] ohne Wenn und Aber zu übernehmen. [Die Zeit, 01.10.1998, Nr. 41]
Zweifel und Kritik läßt Ulbricht nicht gelten. [Barthel, Henner (Hg.), Politische Reden in der DDR, St. Ingbert: Röhrig 1998, S. 64]
[…] da haben die Stadtoberen […] gesagt, wir brauchen ein größeres Orchester. Unfug! Separate Orchester für Oper und Konzert, das ließe ich gelten (= das würde ich einsehen, damit wäre ich einverstanden). [Der Spiegel, 18.01.1988]
c)
etw. geltend machen (= etw. zur allgemeinen Anerkennung oder Wirkung bringen, einen Anspruch auf etw. durchsetzen)
selten etw. gelten machen
Nach gleichbedeutend faire valoir, zunächst deshalb mit dem Infinitiv, heute in der Regel mit dem Partizip I gebildet.
Beispiele:
Beide Parteien [Indien und Pakistan] kämpften […] [in zwei Kriegen] gegeneinander, in den Jahren 1947 und 1965, um ihre Forderungen geltend zu machen. [Spiegel, 01.10.2016 (online)]
König Artus […] tritt ein in die Weltliteratur […] als Jüngling von solcher Kraft, dass es ihm als Einzigem gelingt, das Schwert Excalibur aus dem Stein zu ziehen und damit den Anspruch auf die Herrschaft Britanniens geltend zu machen. [Die Welt, 18.09.2004]
Der Vatikan machte seinen ganzen Einfluß geltend, um die kommunistische Partei von der Macht in Rom fernzuhalten. [Süddeutsche Zeitung, 09.01.1999]
Wer damals ein Eigenheim baute oder kaufte, konnte acht Jahre lang jeweils fünf Prozent der Herstellungskosten steuerlich geltend machen […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.1998]
[…] als […] herausragender Parlamentarier seiner Partei, deren Bundestagsfraktion er seit dem Jahre 1969 führt, und als Zuchtmeister der Sozialdemokratie, deren stellvertretender Vorsitzender er fünfzehn Jahre lang gewesen ist, verfügte er [Herbert Wehner] jeweils über ein Podest, von dem aus er seine bedeutsamste Stärke geltend machen konnte: die Kraft seines Willens. [Die Zeit, 09.07.1976, Nr. 29]
Die [Sender einer Mediengruppe] können als Konzern einen Einfluss gelten machen, wie das einem einzelnen Sender wie dem ZDF nie möglich sein wird. [Der Tagesspiegel, 16.02.2003] ungewöhnl.
d)
etw. geltend machen (= etw. behaupten, vorbringen, zur allgemeinen Anerkennung oder Wirkung zu bringen versuchen) (= einen Anspruch auf etw. anmelden, eine Forderung auf etw. erheben)
selten etw. gelten machen
Beispiele:
Vor Gericht machte er geltend, er könne die Alimente nicht mehr bezahlen[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 02.06.2017]
Im Fall einer Insolvenz müssen Gutscheininhaber […] ihre Forderungen geltend machen wie jeder andere Gläubiger auch. [Die Welt, 05.12.2016]
Der Staat muss gute Gründe geltend machen können, damit die Menschen sich mit seiner Herrschaft einverstanden erklären. [Der Standard, 15.08.2008]
[…] Karadzic machte erneut serbische Ansprüche auf Sarajewo geltend – für die Muslime eine unakzeptable Forderung. [Süddeutsche Zeitung, 11.09.1995]
Die Wissenschafts- und Forschungsorganisationen machen seit langem geltend, daß in ihrem Bereich der Zeitvertrag keine Ausnahme, sondern »unentbehrliches Regelungsinstrument zur Sicherung der Funktions- und Innovationsfähigkeit der Forschung« sei. [o. A. [bck.]: Zeitverträge im Wissenschaftsbereich. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000. Zitiert nach: Süddeutsche Zeitung, 10.10.1984.]
Die Versicherte machte im Klagewege zunächst Ersatzansprüche in Höhe von 24000 M. geltend und ermässigte ihre Forderung später um 1900 M.[…]. [Berliner Tageblatt (Abend-Ausgabe), 08.03.1921]
Der Mieter kann […] keine Mietminderung gelten machen, wenn er den Schädlingsbefall etwa durch befallene Nahrungsmittel im Haus selbst verschuldet hat. [Süddeutsche Zeitung, 13.05.2011] ungewöhnl.
e)
sich geltend machen (= sich bemerkbar machen, sich zeigen, in Erscheinung treten)
Beispiele:
Auch auf dem Gebiet der Architekturmalerei machte sich der Einfluß der flämischen Malerei geltend. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2001]
Sie [die PKWs Austin Mini] waren Stars einer neuen Jugendkultur, die sich in den fünfziger Jahren erstmals geltend gemacht hatte. [Neue Zürcher Zeitung, 04.03.2017]
Doch geht es auf Bermuda nicht nur britisch oder amerikanisch zu, überall macht sich auch der karibische Einfluß geltend. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2001]
Hier macht sich tatsächlich eine Tragödie von Hamletschem Ausmaß geltend. [Die Zeit, 23.04.1976, Nr. 18]
Ein starker Lokalgeist[…] zeichnet viele spanische Provinzen aus; aber nirgends macht er sich stärker geltend als in Katalonien[…]. [Enzensberger, Hans Magnus: Der kurze Sommer der Anarchie, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972, S. 32]
2.
etw. gilt (jmdm.) (etw.)einen bestimmten Wert haben, wert sein; Anerkennung, Ansehen besitzen
Beispiele:
Sein Wort gilt, ihm ist der maximale Respekt gewiss. [Neue Zürcher Zeitung, 04.05.2016]
Geld gilt nur, weil Staaten es zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt haben. [Zeit Wissen, 11.10.2011, Nr. 06]
Asse zählen wahlweise einen oder elf Punkte, Könige, Damen und Buben je zehn[,] alle anderen Spielkarten – Zwei bis Zehn – gelten soviel wie ihr aufgedruckter Zahlenwert[…]. [Der Spiegel, 29.04.1964, Nr. 18]
Meine Ehre gilt dir nichts. [Kolb, Annette: Die Schaukel, Frankfurt a. M.: Fischer 1960 [1934], S. 91]
gehoben etw. gilt jmdm. gleich (= etw. ist jmdm. gleichgültig, egal)
Beispiele:
Es fällt in die Augen, dass es dem Vf. [Verfasser] nur um ein Vehikel für seine Philosophie zu tun war; ob es passte oder nicht, galt ihm gleich[…]. [Die Zeit, 04.01.2005, Nr. 02]
Er spricht von tausend Dingen, und eines geht leicht in das andere über; ob er eine Anekdote erzählt, von seinen Tagesbeschäftigungen spricht, eine antike Morallehre erwägt oder das Vorgefühl des eigenen Todes auskostet, es gilt ihm gleich; er ändert kaum den Ton. [Auerbach, Erich: Mimesis, Bern: Francke 1959 [1946], S. 294]
Reitʼ dennoch mit des Kaisers Haufen, schlagʼ zu, stechʼ und schießʼ, wen er mich stechen und schießen heißt, es gilt mir gleich. [Perutz, Leo: Die dritte Kugel, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1988 [1915], S. 8]
3.
(jmdm., für jmdn.) als etw., jmd. gelten
(jmdm.) für etw., jmdn. gelten
als etw., jmd. angesehen, eingeschätzt werden
Beispiele:
Das Schaf gilt als der Inbegriff des Herdentieres. [Welt am Sonntag, 15.02.2015, Nr. 7]
Kokablätter werden seit der Inka-Zeit angebaut und gekaut, besonders von indigenen Bolivianern. Koka gilt ihnen als heilige Pflanze. [Spiegel, 09.07.2015 (online)]
Es gilt als sicher, dass die Preise pro Kilowattstunde [elektrischen Stroms] sinken werden. [Die Zeit, 16.12.2014, Nr. 51]
Die 55 Jahre alte Politikerin gilt als intelligent, gewieft und durchsetzungsstark[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.09.2005]
Berliner Restaurants gelten für glamourös, wenn Stoffservietten aufgelegt werden[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2002]
Wurden in den beiden Spielen nicht genau 12 Augen beziehungsweise die Neun nach einer Runde getroffen, gilt (= wird gewertet) die nächsthöhere Augenzahl als Siegtreffer. [Berliner Zeitung, 25.11.1989]
Die Nation galt für sie [die Bevölkerung der DDR] als »geteilt«. [die tageszeitung, 09.06.1987]
Kollokationen:
mit Dativobjekt: Kritikern, Beobachtern gilt [jmd. als etw.]
mit vergleichender Wort-/Nominalgruppe: als Favorit, Vertrauter, Nachfolger, Gegner [von jmdm.], als Kandidat [für etw.] gelten; als Symbol, Hochburg, Inbegriff, Ursache [von etw.], als Beispiel, Voraussetzung, Indikator [für etw.] gelten
4.
jmdm., etw. geltenauf jmdn., etw. gerichtet, bezogen sein; für jmdn., etw. bestimmt, einer Sache gewidmet sein
Beispiele:
Bei den neuen Gebäude-Bausätzen gilt das Interesse der Modellbahner vor allem den Bahnhöfen und besonders den nostalgischen Exemplaren. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.1999]
Der [terroristische] Anschlag galt uns, unserer Zivilisation, unserer Demokratie, der Meinungsvielfalt, dem Pluralismus, unserer Freiheit. [Die Zeit, 13.01.2015, Nr. 2]
Besonderes Augenmerk gilt bei der Zahnreinigung den Zahnzwischenräumen, hier bilden sich besonders entzündliche Prozesse. [Der Standard, 11.12.2012]
Hörst Du den Beifall? Er gilt mir! [Süddeutsche Zeitung, 24.09.2001]
Der nächste Kongress im Oktober gilt (= ist gewidmet) dem Thema »Politik in einer entgrenzten Welt«. [Die Welt, 12.07.2000]
Wieder sind Kündigungsbriefe unterwegs. Sie gelten uns. [Die Zeit, 06.09.1974, Nr. 37]
Kollokation:
mit Aktiv-/Passivsubjekt: besonderes Augenmerk, das Interesse gilt [jmdm., etw.]; das Mitgefühl, die Sorge gilt [den Angehörigen, Opfern]
5.
es gilt etw. (zu tun) (= es kommt auf etw. an)
Beispiele:
Nun gilt es zu retten, was noch zu retten ist. [Süddeutsche Zeitung, 10.09.2016]
Nun gilt es, schnell zu handeln. [Neue Zürcher Zeitung, 26.09.2003]
M[…] hat zwei heiratsfähige Töchter, und deren Ehre gilt es zu wahren. [Die Zeit, 21.02.1986, Nr. 09]
Es gilt, Strahlung von hoher Intensität in präziser Dosis genau dorthin zu bringen, wo sie wirken soll, und zugleich das zwischen der Strahlenquelle und dem Tumor gelegene gesunde Gewebe möglichst zu schonen. [Der Spiegel, 02.10.1972, Nr. 41]
Nun galt es einen neuen Versuch[…]. [Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1963], S. 89]
Jetzt giltʼs (= jetzt muss gehandelt werden), jetzt hat der Souverän, also der Wähler, das Wort, wie es in der Republik weitergehen soll. [Der Tagesspiegel, 23.05.2005]
vor allem in vergleichender Konstruktion
gehoben
Phrasem:
als gelte es das Leben (= als gehe es um das Leben, als stehe das Leben auf dem Spiel)
Beispiele:
Ich stieß einen markdurchdringenden Schrei aus und rannte auf und davon, als gälte es mein Leben. [Berliner Zeitung, 23.02.2004]
Am Rain blühten Lupinen[…], um die Hummeln und Bienen summten, als gelte es das Leben. Für die gilt es das Leben, dachte Leitner. [Schmöe, Friederike: Bisduvergisst. Meßkirch: Gmeiner 2010, o. S.]
Er [der Pianist] nimmt den unterhaltungsmusikalischen Schwung aus bekannten Stücken […] heraus und spielt jede einzelne Passage mit einem Ernst, als komme [wie im Wildwestfilm] Henry Fonda auf ihn zu und es gelte das Leben. [Süddeutsche Zeitung, 29.03.2000]
Inmitten von Tratsch und Intrigen lebt sie ganz ihrer Kunst. Sie schreibt, als gelte es das Leben, Gedichte, Lieder, Theaterstücke. [Berliner Zeitung, 28.11.1991]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gelten · Gült · Gülte · gültig · Gültigkeit · entgelten · Entgelt · unentgeltlich · vergelten · Vergeltung · gelt1 · gell(e)
gelten Vb. ‘wert sein, einen bestimmten Wert haben, gültig sein, Gültigkeit haben, angesehen, gehalten werden (für), bestimmt sein (für)’, ahd. geltan ‘(zurück)zahlen, entschädigen, opfern, wert sein’ (8. Jh.), mhd. gelten (auch ‘Einkünfte bringen’), asächs. geldan, mnd. gelden, mnl. ghelden ‘zahlen, lohnen, vergelten’, nl. gelden, afries. gelda, aengl. gieldan ‘(be)zahlen, verehren, opfern, strafen’, engl. to yield ‘als Ertrag geben, hervorbringen, ergeben, einbringen’, anord. gjalda ‘bezahlen, vergelten’, got. fragildan, usgildan ‘vergelten, erstatten’ führen auf germ. *geldan ‘erstatten, entrichten’ (zuerst auf Opferhandlungen bezogen). Diesem entsprechen aslaw. žlědǫ, žladǫ ‘zahle ab, vergelte’, aruss. želedu ‘zahle, büße’. Falls die slaw. Formen nicht aus dem Germ. entlehnt sind (was Vasmer 1, 415 für unwahrscheinlich hält), läßt sich ein nicht weiter verfolgbarer Ansatz ie. *gheldh- rechtfertigen. Mit gelten sind verwandt ↗Geld, ↗Gilde (s. d.) sowie (ablautend) Gült, Gülte f. südd. ‘Abgabe, Zins, Grundstücksertrag, Grundschuld’, schweiz. ‘Grundschuldverschreibung’, mhd. gülte ‘Schuld, Zahlung, Einkommen, Rente, Zins, Wert, Preis’, und davon abgeleitet (semantisch zunehmend von gelten beeinflußt) gültig Adj. ‘geltend, in Gebrauch befindlich, amtlich anerkannt, wirksam’, mhd. gültic ‘im Preis stehend, teuer, zu zahlen verpflichtet’, Gültigkeit f. (15. Jh.). entgelten Vb. ‘bezahlen, vergüten, entschädigen, büßen’, ahd. in(t)geltan (9. Jh.), mhd. en(t)gelten ‘für etw. zahlen, büßen’, dazu Entgelt n. ‘Lohn, Bezahlung, Vergütung für eine Arbeit oder für aufgewandte Mühe’ (15. Jh.) und unentgeltlich Adj. ‘ohne Entgelt, kostenlos, umsonst’ (um 1500). vergelten Vb. ‘vergüten, entgelten, lohnen, heimzahlen’, ahd. firgeltan (um 800), mhd. vergelten ‘zurückzahlen, zurückerstatten, heimzahlen’; Vergeltung f. ‘das Vergelten, Rache, Strafe’, ahd. firgeltunga ‘Geldzahlung für erwiesene Dienste’ (Hs. 12. Jh.), mnd. vergeldinge (1507; mhd. nicht nachgewiesen). gelt1, auch gell(e), Interjektion eine besonders im Südd., Südwestd. und Md. übliche formelhafte Äußerung, mit der man sich der Zustimmung eines anderen vergewissern will, im Sinne von ‘nicht wahr?, ja?’, spätmhd. gelte ‘es möge gelten’, eigentlich 3. Pers. Sing. Konj. Präs. von gelten, möglicherweise zuerst als Bekräftigung bei Wett- und Vertragsabschlüssen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gültigkeit besitzen · Gültigkeit haben · gelten · gültig sein · in Kraft sein
Assoziationen
  • in Kraft treten (Gesetz) · rechtsverbindlich werden  ●  Gesetzeskraft erlangen  geh.
Synonymgruppe
(auf jemanden) gemünzt sein · (jemandem) gelten · ↗(jemanden etwas) angehen · ↗(jemanden) betreffen · (mit jemandem) zu tun haben · (sich) auf jemanden beziehen · (um jemanden) gehen (es) · für jemanden bestimmt sein · für jemanden gedacht sein
Synonymgruppe
(jemandem etwas) gewähren · (jemandem etwas) zuteil werden lassen · (jemanden) bedenken (mit)  ●  (jemandem etwas) schenken (abstrakt)  fig. · ↗(jemandem) gehören  geh., fig. · (jemandem) gelten  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Favorit Gesetz Grundsatz Kandidat Regel Regelung aber als auch besonders bisher bislang dann ebenso er es heute hier immer insbesondere jetzt lange mehr nicht noch nun nur schon sicher sie

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gelten‹.

Zitationshilfe
„gelten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gelten>, abgerufen am 24.10.2019.

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