gemütlich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ge-müt-lich
Wortbildung  mit ›gemütlich‹ als Erstglied: Gemütlichkeit  ·  mit ›gemütlich‹ als Letztglied: grundgemütlich · kreuzgemütlich
eWDG

Bedeutung

bequem und behaglich
Beispiele:
eine gemütliche Wohnung, Sitzecke
ein gemütliches Heim haben
das Zimmer ist sehr gemütlich eingerichtet, wirkt mit der tiefen Balkendecke gemütlich
mache dir's nur gemütlich!
Warum er denn nicht einen der gemütlichen Klubsessel zum Sitzen gewählt habe [ NossackSpirale231]
unterhaltsam und zwanglos
Beispiele:
ein gemütliches Plauderstündchen
ein gemütliches Beisammensein
wir verlebten einen gemütlichen Abend bei ihnen
die Veranstaltung bestand aus einem offiziellen und einem gemütlichen Teil
nach der Theatervorstellung saßen wir noch ein Stündchen gemütlich beisammen
umgänglich und freundlich
Beispiele:
er ist ein gemütlicher alter Herr
unsere Nachbarn sind gemütliche Leute, Menschen
salopp, scherzhafter ist ein gemütliches Haus (= Mann, Mensch)
salopp, scherzhaftsie ist ein gemütliches Huhn (= Frau)
der da drüben müsse ein Sachse sein, und zwar ein ›gemütlicher Sachse‹ [ DodererLederbeutelchen81]
ruhig und gemächlich
Beispiele:
ein gemütliches Tempo einschlagen
wir hatten noch Zeit, gemütlich Kaffee zu trinken
er macht alles ganz gemütlich, Hetze kennt er nicht
da läufst du dann ganz gemütlich neben ihr her [ KästnerLottchen47]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gemüt · gemütlich · Gemütlichkeit
Gemüt n. ‘Empfindungsvermögen, Sinn für Gefühlswerte’. Die Kollektivbildung zu dem unter Mut (s. d.) behandelten Substantiv ahd. gimuoti (9. Jh.), mhd. gemüete, gemuote, mnd. gemȫde, mnl. ghemoede, nl. gemoed bezeichnet zunächst die Gesamtheit aller Sinnesregungen und seelischen Kräfte (in Anlehnung an mhd. muot ‘Gesinnung’), erfährt dann eine Einengung der Bedeutung und gilt für die gefühlsmäßigen Empfindungen und Stimmungen (besonders seit etwa 1800). gemütlich Adj. ‘behaglich, zwanglos-heiter’, mhd. (selten) gemuotlich, gemüetlich ‘dem muote entsprechend, angenehm, vollkommen’, dann ‘dem Gemüt angehörig, das Gemüt betreffend’ (16. Jh.), ‘lieb, willkommen, dem Sinn und Wunsch entsprechend’ (16. Jh., geläufig seit 18. Jh.; vgl. ahd. gimuoti, 9. Jh., mhd. gemuot ‘den Sinn ansprechend, wohlgefallend, lieb’); oft im Unterschied zu ‘verstandesmäßig’ (1. Hälfte 18. Jh., in pietistischen Kreisen entwickelt und verbreitet), daher ‘was das Gemüt anspricht und befriedigt’ sowie ‘was aus dem Gemüt kommt’ (Ende 18. Jh.), woraus sich die heutige, oben genannte Bedeutung entwickelt. Gemütlichkeit f. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
angenehm · behaglich · bequem · gemütlich · wirtlich · wohlig
Synonymgruppe
anheimelnd · behaglich · gemütlich · heimelig · lauschig · wohnlich · zum Verweilen einladen(d)
Assoziationen
Synonymgruppe
allmählich · gemach · gemächlich · gemütlich · geruhsam · in aller Ruhe · langsam · ruhig · seelenruhig  ●  in Ruhe  ugs. · in aller Seelenruhe  ugs.
Assoziationen
  • Immer mit der Ruhe!  ugs. · Langsam!  ugs. · Ruhig Blut!  ugs. · Sachte!  ugs.
  • (es besteht) kein Grund zur Hektik  ●  (mach hier) keine ungesunde Hektik!  ugs. · (nun mal) sachte!  ugs. · (nur) keine Hektik  ugs. · Komm (doch) erst mal an!  ugs., Redensart · So schnell schießen die Preußen nicht!  ugs., sprichwörtlich · eine alte Frau ist doch kein D-Zug!  ugs., sprichwörtlich, variabel · gaanz langsam! (beruhigend)  ugs. · gemach!  geh., veraltet · hetz mich nicht!  ugs. · hetzt doch nicht so!  ugs. · immer langsam mit den jungen Pferden!  ugs., sprichwörtlich · immer langsam!  ugs. · immer mit der Ruhe!  ugs. · kein Stress!  ugs. · keine Panik  ugs. · keine Panik auf der Titanic  ugs., Spruch · nicht so hastig  ugs. · nicht so stürmisch!  ugs. · no ned hudla!  ugs., schwäbisch · nun mal langsam!  ugs., Hauptform · nur die Ruhe!  ugs. · nur keine Aufregung  ugs. · ruhig Blut  ugs., veraltend · ruhig, Brauner  ugs., scherzhaft · schön langsam!  ugs.

Typische Verbindungen zu ›gemütlich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gemütlich‹.

Verwendungsbeispiele für ›gemütlich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Von allen Plätzen aus kann man auch sehr gemütlich fernsehen. [o. A.: Das Buch vom Wohnen, Hamburg: Orbis GmbH 1977, S. 259]
Wir kamen leider eine halbe Stunde zu spät, was die Kinder jedoch nicht hinderte, es sich im Laden gemütlich zu machen. [o. A.[Autorenkollektiv am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin]: Sozialistische Projektarbeit im Berliner Schülerladen Rote Freiheit. Frankfurt: Fischer Bücherei 1971, S. 364]
Heute befindet sich an dieser Stelle ein gemütliches italienisches Restaurant. [Die Zeit, 20.01.2000, Nr. 4]
Es sitzt sich so gemütlich in der Gemeinschaft der Demokraten, nicht wahr? [konkret, 1997]
Auch kleine Zimmer lassen sich für Kinder sehr gemütlich einrichten. [o. A.: Das Buch vom Wohnen, Hamburg: Orbis GmbH 1977, S. 283]
Zitationshilfe
„gemütlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gem%C3%BCtlich>.

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