gemeinnützig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungge-mein-nüt-zig (computergeneriert)
GrundformGemeinnutz
Wortbildung mit ›gemeinnützig‹ als Erstglied: ↗Gemeinnützigkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

dem Nutzen aller, der Allgemeinheit dienend
Beispiele:
das Institut, die Stiftung dient gemeinnützigen Zwecken
eine gemeinnützige Tat vollbringen
Der Kaufmann legte Wert auf unbezahlte Arbeiten, die gemeinnützig dienten [H. MannZeitalter234]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gemein · Gemeine · Gemeinde · Gemeinheit · gemeinsam · Gemeinsamkeit · Gemeinschaft · gemeinschaftlich · gemeinnützig · Gemeinplatz · Gemeinsprache · Gemeinwohl
gemein Adj. ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich, niedrig gesinnt, niederträchtig, unfein, unanständig’. Das germ. Adjektiv ahd. gimeini ‘zuteil geworden, bestimmt, gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, übereinstimmend, zugleich’ (8. Jh.), mhd. gemein(e) ‘zusammengehörig, gemeinschaftlich, allgemein, vertraut, bekannt, für alle eingerichtet, gewöhnlich, zur Masse gehörig, niedrig’, asächs. gimēni, mnd. gemēne, mnl. ghemēne, ghemeen, ghemein(e), nl. gemeen, auch ‘niedrig, niederträchtig’, afries. (ge)mēne ‘gemeinschaftlich’, aengl. gemǣne ‘allgemein, gemeinsam, gewöhnlich, niedrig’, engl. mean ‘gemein, gering, niedrig, schlecht’, got. gamains ‘gemeinsam, unheilig’ (germ. *ga-maini-) gehört wie lat. commūnis ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich’ (s. ↗Kommune, ↗Kommunismus) als Präfixbildung zu den unter ↗Meineid (s. d.) aufgeführten Substantiven mit n-Suffix und einer Grundbedeutung ‘Wechsel, Tausch’. gemein bedeutet danach ursprünglich ‘mehreren abwechselnd zukommend’, dann ‘mehreren in gleicher Art gehörig’, woraus sich ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein’ entwickelt. Was mehreren oder vielen ‘gemeinsam’ ist, kann nicht ‘wertvoll’ oder ‘edel’ sein; gemein wird daher vom 15. Jh. an ‘einfach, gewöhnlich’ (der gemeine Mann, das gemeine Volk, der gemeine Soldat), im 19. Jh. auch verächtlich ‘niederträchtig, unanständig’ (gemeiner Schuft, Kerl). Gemeine f. ‘Gemeinschaft, Gemeinde’, ahd. gimeinī (9. Jh.), mhd. gemeine, mnd. gemeine, gemēne, got. gamainei ‘Gemeinschaft’, abgeleitet von dem oben dargestellten Adjektiv. Im 19. Jh. weitgehend von Gemeinde abgelöst. Gemeinde f. ‘untere staatliche oder kirchliche Verwaltungseinheit und deren Bewohner bzw. Mitglieder, durch gleiche geistige oder religiöse Interessen verbundene Gemeinschaft, Gruppe von Menschen’, ahd. gimeinida ‘Gemeinde, Gemeinschaft’ (8. Jh.), mhd. gemeinde ‘Anteil, Gemeinschaft, gemeinschaftlicher Besitz, Menschen, mit denen man gemeinsam lebt, versammelte Menge’, asächs. gimēniða, mnd. gemēnde, mnl. ghemeente, ghemeinte, nl. gemeente, Ableitung mit dem Abstraktsuffix germ. -iþō, -iðō vom oben genannten Adjektiv. Gemeinheit f. ‘Niedertracht, Schlechtigkeit’ (Anfang 19. Jh.), mhd. gemeinheit ‘Gemeinschaft, der Gemeinde gehörender Grund und Boden’ (14. Jh.), im Sinne von ‘Gemeindegrund’ noch im 19. Jh., von ‘Gemeinschaft’ noch Anfang 20. Jh. Zum Ableitungssuffix s. ↗-heit. gemeinsam Adj. ‘mehreren zugleich gehörend, für mehrere in gleicher Weise geltend, gemeinschaftlich, zusammen, miteinander’, ahd. gimeinsam (9. Jh.), mhd. gemeinsam; zum Ableitungssuffix s. ↗-sam. Gemeinsamkeit f. ‘zusammengehörende Gruppe, Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit’ (15. Jh.). Voraus gehen ahd. gimeinsamī ‘Gemeinschaft’ (um 800), mhd. gemeinsame, gemeinsamede. Gemeinschaft f. ‘sich durch etw. Gemeinsames verbunden fühlende Gruppe von Menschen, Zusammensein, Verbindung’, ahd. gimeinscaf (8. Jh.), mhd. gemeinschaft. gemeinschaftlich Adj. ‘eine Gemeinschaft betreffend, zu einer Gemeinschaft gehörig, gemeinsam, zusammen, miteinander’ (17. Jh.). gemeinnützig Adj. ‘dem Nutzen aller, der Allgemeinheit dienend’ (16. Jh.), ausgehend von mhd. der gemein nutz (14. Jh.). Gemeinplatz m. ‘allgemein bekannte, nichtssagende Redensart, Binsenweisheit’, von Wieland (1770) offensichtlich unter Einfluß von engl. commonplace gebildet und sich gegenüber Gemeinort, Gemeinsatz, Gemeinspruch durchsetzend als Übersetzung von lat. locus commūnis. Gemeinsprache f. ‘von einem Volk gemeinsam gesprochene, ihm gemeinsam zukommende Sprache’ (Campe 1807); vgl. gemeine teutsche Sprache (Luther). Gemeinwohl n. ‘Wohl aller, Nutzen für die Allgemeinheit’ (Ende 18. Jh.), wohl nach engl. commonweal für den älteren im Dt. üblichen Ausdruck das gemeine Gut; vgl. Gemeinwert (Herder 1780) für engl. commonwealth (ursprünglich gleichbed. mit commonweal).

Thesaurus

Synonymgruppe
allgemein dienlich · gemeinnützig
Assoziationen
Synonymgruppe
Non-Profit-... · Nonprofit... · dem Gemeinwohl verpflichtet · gemeinnützig · gemeinwohlorientiert · nach dem Kostendeckungsprinzip arbeitend · nicht gewinnorientiert · ohne Gewinnerzielungsabsicht
Assoziationen
  • Nichtregierungsorganisation · nichtstaatliche Organisation  ●  ↗NGO  Abkürzung, engl.
  • Kollektiv · selbstverwalteter Betrieb · selbstverwaltetes Unternehmen
  • der Allgemeinheit dienend · pro bono · zum Wohle der Öffentlichkeit

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktien-Gesellschaft Aktiengesellschaft Arbeit Baugenossenschaft Baugesellschaft Einrichtung Förderverein GmbH Heimstätte Hertie-Stiftung Körperschaft Organisation Siedlungsgesellschaft Stiftung Träger Verein Wohnungsbaugenossenschaft Wohnungsbaugesellschaft Wohnungsbauunternehmen Wohnungsfürsorge Wohnungsgenossenschaft Wohnungsgesellschaft Wohnungsunternehmen Wohnungswirtschaft Zweck Zwecke anerkannt ehemals kirchlich mildtätig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gemeinnützig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bei der gemeinnützigen Arbeit bemühen sie sich um den Weg in die Freiheit.
Die Welt, 17.09.2003
Heute wäre sowas mit ein paar Stunden gemeinnütziger Arbeit erledigt.
Der Tagesspiegel, 14.04.2000
Allerdings sind vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannte Vereine nicht ohne weiteres spendenbegünstigt.
o. A. [hgh.]: Spendenbescheinigung. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1983]
Die Heinz-Bosl-Stiftung ist eine gemeinnützige Einrichtung zur Förderung des deutschen Tänzernachwuchses.
o. A. [J. W.]: Heinz-Bosl-Stiftung. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1979]
Der alte Kühlemann hatte der Stadt sechshunderttausend Mark für gemeinnützige Zwecke vermacht, sehr anständig.
Mann, Heinrich: Der Untertan, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1918], S. 388
Zitationshilfe
„gemeinnützig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gemeinnützig>, abgerufen am 19.10.2019.

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