gemeinsam

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungge-mein-sam (computergeneriert)
Wortzerlegunggemein-sam
Wortbildung mit ›gemeinsam‹ als Erstglied: ↗Gemeinsamkeit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mehreren Personen oder Sachen zugleich gehörend, eigen
Beispiele:
er ist unser gemeinsamer Freund
die gemeinsamen Kinder der Eheleute
die zwei Sprachen weisen gemeinsame Merkmale auf
gemeinsame Interessen verbinden die beiden
ein gemeinsames Anliegen, Ziel, Erlebnis haben
von einem gemeinsamen Willen beseelt sein
eine gemeinsame Linie verfolgen
Mathematik den größten gemeinsamen Teiler, das kleinste gemeinsame Vielfache suchen
etw. auf einen gemeinsamen Nenner bringen (= vergleichbar machen)
das Haus gehört den beiden Schwestern gemeinsam
die zwei Bücher haben vieles miteinander gemeinsam (= ähneln sich in vielem, stimmen in vielem überein)
Natürlich würden sie ihr Geld in eine gemeinsame Kasse legen [KafkaAmerika146]
Auch der kleinste Diamant ... wird in die Form zweier Kegel mit gemeinsamer Basis gesägt [KischRasender Reporter30]
2.
in Gemeinschaft, mit anderen unternommen
Beispiele:
gemeinsame Anstrengungen, Schritte unternehmen
gemeinsame Beratungen, Besprechungen vorschlagen
das Schwimmbad ist in gemeinsamer Arbeit der Dorfbewohner entstanden
die Fotos sind eine schöne Erinnerung an unsere gemeinsame Reise
eine gemeinsame Kaffeetafel beschloss die Veranstaltung
historisch der Gemeinsame Markt (= Bezeichnung für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und deren Ziel)
mit jmdm. gemeinsame Sache machen (= sich mit jmdm. zusammentun)
es war unser erster gemeinsamer Gang [HesseSteppenw.4,309]
adverbiell
zusammen, miteinander
Beispiele:
gemeinsam ins Kino, Theater, Café gehen
gemeinsam ein Museum, einen Lehrgang besuchen
gemeinsam vorgehen
umgangssprachlich gemeinsam zupacken
die Kinder spielen gemeinsam im Kinderzimmer, waschen gemeinsam das Geschirr ab
etw. gemeinsam unternehmen, besprechen
sie gingen gemeinsam in den Tod
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gemein · Gemeine · Gemeinde · Gemeinheit · gemeinsam · Gemeinsamkeit · Gemeinschaft · gemeinschaftlich · gemeinnützig · Gemeinplatz · Gemeinsprache · Gemeinwohl
gemein Adj. ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich, niedrig gesinnt, niederträchtig, unfein, unanständig’. Das germ. Adjektiv ahd. gimeini ‘zuteil geworden, bestimmt, gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, übereinstimmend, zugleich’ (8. Jh.), mhd. gemein(e) ‘zusammengehörig, gemeinschaftlich, allgemein, vertraut, bekannt, für alle eingerichtet, gewöhnlich, zur Masse gehörig, niedrig’, asächs. gimēni, mnd. gemēne, mnl. ghemēne, ghemeen, ghemein(e), nl. gemeen, auch ‘niedrig, niederträchtig’, afries. (ge)mēne ‘gemeinschaftlich’, aengl. gemǣne ‘allgemein, gemeinsam, gewöhnlich, niedrig’, engl. mean ‘gemein, gering, niedrig, schlecht’, got. gamains ‘gemeinsam, unheilig’ (germ. *ga-maini-) gehört wie lat. commūnis ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich’ (s. ↗Kommune, ↗Kommunismus) als Präfixbildung zu den unter ↗Meineid (s. d.) aufgeführten Substantiven mit n-Suffix und einer Grundbedeutung ‘Wechsel, Tausch’. gemein bedeutet danach ursprünglich ‘mehreren abwechselnd zukommend’, dann ‘mehreren in gleicher Art gehörig’, woraus sich ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein’ entwickelt. Was mehreren oder vielen ‘gemeinsam’ ist, kann nicht ‘wertvoll’ oder ‘edel’ sein; gemein wird daher vom 15. Jh. an ‘einfach, gewöhnlich’ (der gemeine Mann, das gemeine Volk, der gemeine Soldat), im 19. Jh. auch verächtlich ‘niederträchtig, unanständig’ (gemeiner Schuft, Kerl). Gemeine f. ‘Gemeinschaft, Gemeinde’, ahd. gimeinī (9. Jh.), mhd. gemeine, mnd. gemeine, gemēne, got. gamainei ‘Gemeinschaft’, abgeleitet von dem oben dargestellten Adjektiv. Im 19. Jh. weitgehend von Gemeinde abgelöst. Gemeinde f. ‘untere staatliche oder kirchliche Verwaltungseinheit und deren Bewohner bzw. Mitglieder, durch gleiche geistige oder religiöse Interessen verbundene Gemeinschaft, Gruppe von Menschen’, ahd. gimeinida ‘Gemeinde, Gemeinschaft’ (8. Jh.), mhd. gemeinde ‘Anteil, Gemeinschaft, gemeinschaftlicher Besitz, Menschen, mit denen man gemeinsam lebt, versammelte Menge’, asächs. gimēniða, mnd. gemēnde, mnl. ghemeente, ghemeinte, nl. gemeente, Ableitung mit dem Abstraktsuffix germ. -iþō, -iðō vom oben genannten Adjektiv. Gemeinheit f. ‘Niedertracht, Schlechtigkeit’ (Anfang 19. Jh.), mhd. gemeinheit ‘Gemeinschaft, der Gemeinde gehörender Grund und Boden’ (14. Jh.), im Sinne von ‘Gemeindegrund’ noch im 19. Jh., von ‘Gemeinschaft’ noch Anfang 20. Jh. Zum Ableitungssuffix s. ↗-heit. gemeinsam Adj. ‘mehreren zugleich gehörend, für mehrere in gleicher Weise geltend, gemeinschaftlich, zusammen, miteinander’, ahd. gimeinsam (9. Jh.), mhd. gemeinsam; zum Ableitungssuffix s. ↗-sam. Gemeinsamkeit f. ‘zusammengehörende Gruppe, Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit’ (15. Jh.). Voraus gehen ahd. gimeinsamī ‘Gemeinschaft’ (um 800), mhd. gemeinsame, gemeinsamede. Gemeinschaft f. ‘sich durch etw. Gemeinsames verbunden fühlende Gruppe von Menschen, Zusammensein, Verbindung’, ahd. gimeinscaf (8. Jh.), mhd. gemeinschaft. gemeinschaftlich Adj. ‘eine Gemeinschaft betreffend, zu einer Gemeinschaft gehörig, gemeinsam, zusammen, miteinander’ (17. Jh.). gemeinnützig Adj. ‘dem Nutzen aller, der Allgemeinheit dienend’ (16. Jh.), ausgehend von mhd. der gemein nutz (14. Jh.). Gemeinplatz m. ‘allgemein bekannte, nichtssagende Redensart, Binsenweisheit’, von Wieland (1770) offensichtlich unter Einfluß von engl. commonplace gebildet und sich gegenüber Gemeinort, Gemeinsatz, Gemeinspruch durchsetzend als Übersetzung von lat. locus commūnis. Gemeinsprache f. ‘von einem Volk gemeinsam gesprochene, ihm gemeinsam zukommende Sprache’ (Campe 1807); vgl. gemeine teutsche Sprache (Luther). Gemeinwohl n. ‘Wohl aller, Nutzen für die Allgemeinheit’ (Ende 18. Jh.), wohl nach engl. commonweal für den älteren im Dt. üblichen Ausdruck das gemeine Gut; vgl. Gemeinwert (Herder 1780) für engl. commonwealth (ursprünglich gleichbed. mit commonweal).

Thesaurus

Synonymgruppe
gemeinsam · ↗geschlossen · in geschlossener Formation  ●  alle Mann hoch  ugs. · alle zusammen  ugs. · mit der ganzen Korona  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Gemein... · ↗en bloc · gemeinsam · ↗gemeinschaftlich · ↗geschlossen · ↗kompakt · verbunden · ↗zusammen
Assoziationen
  • büschelweise · in Büscheln · in ganzen Büscheln
  • gemeinsam · ↗geschlossen · in geschlossener Formation  ●  alle Mann hoch  ugs. · alle zusammen  ugs. · mit der ganzen Korona  ugs.
Synonymgruppe
beieinander · ↗beisammen · gemeinsam · ↗miteinander · vereint · ↗zusammen  ●  ↗mitsammen  ugs., süddt.
Assoziationen
  • bei dem · ↗beim
  • (immer) im Doppelpack · ↗(immer) zusammen · als Doppel · als Zweiercombo · ↗doppelt · ein Herz und eine Seele · im Doppel · in Zweierkombination · nie allein · ↗paarweise · ↗unzertrennlich · zu zweit  ●  siamesische Zwillinge  fig.
Synonymgruppe
gemeinsam (haben) · ↗verbinden
Synonymgruppe
alle machen mit · alle zusammen · gemeinsam · in einer gemeinsamen Anstrengung · mit vereinten Kräften
Assoziationen
  • (trotz gegensätzlicher Interessen) gemeinsame Ziele verfolgen  ●  Getrennt marschieren, vereint schlagen.  sprichwörtlich · eine strategische Allianz bilden  auch figurativ
Synonymgruppe
gemeinsam · ↗kollektiv
Synonymgruppe
gemeinsam · ↗nebeneinander · unter einem Dach

Typische Verbindungen
computergeneriert

Agrarpolitik Aktion Anstrengung Auftritt Außenpolitik Communiqué Erklärung Feind Handeln Initiative Interesse Kandidat Linie Markt Nenner Position Pressekonferenz Projekt Sache Sitzung Sprache Strategie Tochter Verantwortung Verteidigung Vorgehen Wohnung Währung Ziel Zukunft

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gemeinsam‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bitterlich vermutet nicht zu unrecht, die französischen Partner suchen sich aus der gemeinsamen Initiative herauszuwinden.
Küsters, Hans Jürgen: Entscheidung für die deutsche Einheit. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1998], S. 365
Weil die Stadt ihnen weniger Geld gibt, wollen sie gemeinsam effizienter arbeiten.
Die Zeit, 16.07.1998, Nr. 30
Es ginge nicht um gemeinsame Entscheidungen, weniger noch um gemeinsames Handeln.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1995]
Vor dem Unterricht hatten wir gemeinsam mit ihm zu beten.
Maltzan, Maria von: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, Berlin: Ullstein 1998 [1986], S. 37
Er vereinheitlichte den Stil der ganzen Sonate durch eine gemeinsame kp.
Suess, John G.: Vitali (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1966], S. 17358
Zitationshilfe
„gemeinsam“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gemeinsam>, abgerufen am 16.02.2019.

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