gemeinschaftlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungge-mein-schaft-lich
WortzerlegungGemeinschaft-lich
Wortbildung mit ›gemeinschaftlich‹ als Erstglied: ↗Gemeinschaftlichkeit  ·  mit ›gemeinschaftlich‹ als Letztglied: ↗innergemeinschaftlich
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mehreren Personen oder Sachen zugleich gehörend, eigen, gemeinsam
Beispiele:
der Grund und Boden ist gemeinschaftliches Eigentum
wir trafen eine gemeinschaftliche Bekannte
die Schwestern haben für ihr gemeinschaftliches Zimmer neue Gardinen gekauft
die Geschwister bekamen, besaßen vieles gemeinschaftlich
2.
in Gemeinschaft mit anderen unternommen, gemeinsam
Beispiele:
die beiden waren wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt
mit jmdm. gemeinschaftliche Sache machen (= sich mit jmdm. zusammentun)
während sie als gute Nachbarn sich zu dem gemeinschaftlichen Imbiß begaben [G. KellerRomeo6,71]
zusammen, miteinander, gemeinsam
Grammatik: adverbiell
Beispiele:
wir gingen gemeinschaftlich bis ans Ende des Dorfes
das Buch hatte er gemeinschaftlich mit seinem Bruder herausgegeben
die Familie war gemeinschaftlich in die Emigration gegangen
ein gemeinschaftlich begangener Diebstahl
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gemein · Gemeine · Gemeinde · Gemeinheit · gemeinsam · Gemeinsamkeit · Gemeinschaft · gemeinschaftlich · gemeinnützig · Gemeinplatz · Gemeinsprache · Gemeinwohl
gemein Adj. ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich, niedrig gesinnt, niederträchtig, unfein, unanständig’. Das germ. Adjektiv ahd. gimeini ‘zuteil geworden, bestimmt, gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, übereinstimmend, zugleich’ (8. Jh.), mhd. gemein(e) ‘zusammengehörig, gemeinschaftlich, allgemein, vertraut, bekannt, für alle eingerichtet, gewöhnlich, zur Masse gehörig, niedrig’, asächs. gimēni, mnd. gemēne, mnl. ghemēne, ghemeen, ghemein(e), nl. gemeen, auch ‘niedrig, niederträchtig’, afries. (ge)mēne ‘gemeinschaftlich’, aengl. gemǣne ‘allgemein, gemeinsam, gewöhnlich, niedrig’, engl. mean ‘gemein, gering, niedrig, schlecht’, got. gamains ‘gemeinsam, unheilig’ (germ. *ga-maini-) gehört wie lat. commūnis ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich’ (s. ↗Kommune, ↗Kommunismus) als Präfixbildung zu den unter ↗Meineid (s. d.) aufgeführten Substantiven mit n-Suffix und einer Grundbedeutung ‘Wechsel, Tausch’. gemein bedeutet danach ursprünglich ‘mehreren abwechselnd zukommend’, dann ‘mehreren in gleicher Art gehörig’, woraus sich ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein’ entwickelt. Was mehreren oder vielen ‘gemeinsam’ ist, kann nicht ‘wertvoll’ oder ‘edel’ sein; gemein wird daher vom 15. Jh. an ‘einfach, gewöhnlich’ (der gemeine Mann, das gemeine Volk, der gemeine Soldat), im 19. Jh. auch verächtlich ‘niederträchtig, unanständig’ (gemeiner Schuft, Kerl). Gemeine f. ‘Gemeinschaft, Gemeinde’, ahd. gimeinī (9. Jh.), mhd. gemeine, mnd. gemeine, gemēne, got. gamainei ‘Gemeinschaft’, abgeleitet von dem oben dargestellten Adjektiv. Im 19. Jh. weitgehend von Gemeinde abgelöst. Gemeinde f. ‘untere staatliche oder kirchliche Verwaltungseinheit und deren Bewohner bzw. Mitglieder, durch gleiche geistige oder religiöse Interessen verbundene Gemeinschaft, Gruppe von Menschen’, ahd. gimeinida ‘Gemeinde, Gemeinschaft’ (8. Jh.), mhd. gemeinde ‘Anteil, Gemeinschaft, gemeinschaftlicher Besitz, Menschen, mit denen man gemeinsam lebt, versammelte Menge’, asächs. gimēniða, mnd. gemēnde, mnl. ghemeente, ghemeinte, nl. gemeente, Ableitung mit dem Abstraktsuffix germ. -iþō, -iðō vom oben genannten Adjektiv. Gemeinheit f. ‘Niedertracht, Schlechtigkeit’ (Anfang 19. Jh.), mhd. gemeinheit ‘Gemeinschaft, der Gemeinde gehörender Grund und Boden’ (14. Jh.), im Sinne von ‘Gemeindegrund’ noch im 19. Jh., von ‘Gemeinschaft’ noch Anfang 20. Jh. Zum Ableitungssuffix s. ↗-heit. gemeinsam Adj. ‘mehreren zugleich gehörend, für mehrere in gleicher Weise geltend, gemeinschaftlich, zusammen, miteinander’, ahd. gimeinsam (9. Jh.), mhd. gemeinsam; zum Ableitungssuffix s. ↗-sam. Gemeinsamkeit f. ‘zusammengehörende Gruppe, Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit’ (15. Jh.). Voraus gehen ahd. gimeinsamī ‘Gemeinschaft’ (um 800), mhd. gemeinsame, gemeinsamede. Gemeinschaft f. ‘sich durch etw. Gemeinsames verbunden fühlende Gruppe von Menschen, Zusammensein, Verbindung’, ahd. gimeinscaf (8. Jh.), mhd. gemeinschaft. gemeinschaftlich Adj. ‘eine Gemeinschaft betreffend, zu einer Gemeinschaft gehörig, gemeinsam, zusammen, miteinander’ (17. Jh.). gemeinnützig Adj. ‘dem Nutzen aller, der Allgemeinheit dienend’ (16. Jh.), ausgehend von mhd. der gemein nutz (14. Jh.). Gemeinplatz m. ‘allgemein bekannte, nichtssagende Redensart, Binsenweisheit’, von Wieland (1770) offensichtlich unter Einfluß von engl. commonplace gebildet und sich gegenüber Gemeinort, Gemeinsatz, Gemeinspruch durchsetzend als Übersetzung von lat. locus commūnis. Gemeinsprache f. ‘von einem Volk gemeinsam gesprochene, ihm gemeinsam zukommende Sprache’ (Campe 1807); vgl. gemeine teutsche Sprache (Luther). Gemeinwohl n. ‘Wohl aller, Nutzen für die Allgemeinheit’ (Ende 18. Jh.), wohl nach engl. commonweal für den älteren im Dt. üblichen Ausdruck das gemeine Gut; vgl. Gemeinwert (Herder 1780) für engl. commonwealth (ursprünglich gleichbed. mit commonweal).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gemein... · ↗en bloc · ↗gemeinsam · gemeinschaftlich · ↗geschlossen · ↗kompakt · verbunden · ↗zusammen
Assoziationen
  • büschelweise · in Büscheln · in ganzen Büscheln
  • gemeinsam · ↗geschlossen · in geschlossener Formation  ●  alle Mann hoch  ugs. · alle zusammen  ugs. · mit der ganzen Korona  ugs.
Synonymgruppe
gemeinschaftlich · ↗gruppenweise · ↗kollektiv · ↗zusammen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adoption Agrarpolitik Besitzstand Betrug Diebstahl Ehegattentestament Eigentum Erpressung Freiheitsberaubung Geiselnahme Haftung Handeln Jagdbezirk Körperverletzung Menschenraub Mord Mordversuch Musizieren Nötigung Raub Rechtsvorschrift Sachbeschädigung Testament Totschlag Untreue Wohnen begangen einzelstaatlich genutzt versucht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gemeinschaftlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es gibt jedoch vielerorts bereits Farmen mit gemeinschaftlicher Nutzung der Technik.
Neues Deutschland, 01.09.1981
Aber eine gemeinschaftlich getragene Entscheidung entzieht sie der nachträglichen parteipolitischen Ausbeutung.
Die Zeit, 23.09.1977, Nr. 39
Er verhält sich sexuell ungeniert, direkt und oft mit anderen Männern gemeinschaftlich.
Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 137
Wir hoben nun gemeinschaftlich das Mädchen auf und schleppten es weiter.
Friedländer, Hugo: Massenmörder Hugo Schenk und Genossen vor einem Wiener Ausnahmegerichtshof. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 3407
Sie kann nicht auf die gemeinschaftliche Durchführung einheitlicher Betriebspläne erstreckt werden.
o. A.: Gesetz zur Erhaltung des Waldes und zur Förderung der Forstwirtschaft (BwaldG). In: BGBl I, 02.05.1975, S. 2304
Zitationshilfe
„gemeinschaftlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gemeinschaftlich>, abgerufen am 17.11.2019.

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