geneigt

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungge-neigt (computergeneriert)
Grundformneigen
Wortbildung mit ›geneigt‹ als Letztglied: ↗abgeneigt · ↗ungeneigt · ↗wohlgeneigt
 ·  mit ›geneigt‹ als Grundform: ↗Geneigtheit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
zu etw. Neigung habend, willig
Beispiele:
ich bin nicht geneigt, das zu tun
zur Versöhnung geneigt sein
Erst als der Kurfürst ausdrücklich versprach, keine außergewöhnlichen Zölle zu erheben, zeigte man sich geneigter [Urania1962]
2.
günstig, gewogen, wohlwollend
Beispiele:
jmdm. geneigt sein
veraltend der geneigte Leser
gehoben jmdm. ein geneigtes Ohr leihen, schenken (= jmds. Anliegen wohlwollend anhören)
Sie waren auf die Macht ihnen geneigter Fürsten angewiesen [TralowKepler111]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

neigen · geneigt · abgeneigt · Neigung · Abneigung · Neige · verneigen · Verneigung · zuneigen · Zuneigung
neigen Vb. ‘beugen, schräg stellen, senken’, reflexiv ‘zu Ende gehen’. Das schwache Verb ahd. (h)neigen ‘neigen, senken, biegen, abwenden, beugen, unterwerfen’ (8. Jh.), mhd. neigen, asächs. gihnēgian, mnl. neighen, nl. neigen, aengl. hnǣgan, anord. hneigja, got. hnaiwjan ‘erniedrigen’ (germ. *hnaigwjan) kann entweder als Kausativum zum starken Verb (im Dt. bis 15. Jh. belegt) ahd. (h)nīgan ‘sich neigen (vor), sich niederbücken’ (8. Jh.), mhd. nīgen, asächs. aengl. hnīgan, mnd. nīgen, mnl. nīghen, nl. nijgen, anord. hnīga ‘sich neigen, sinken, fallen’, schwed. niga ‘knicksen’, got. hneiwan ‘sich neigen’ (germ. *hneigwan) oder als denominative jan-Ableitung zu dem in aengl. hnāg, hnāh ‘gebeugt, demütig’, got. hnaiws ‘niedrig, demütig’ vorliegenden Adjektiv angesehen werden. Außergerm. vergleichbar ist lediglich die Wortgruppe lat. nītī (nīs(s)us, (g)nīxus sum) ‘sich stemmen, stützen, sich in der Schwebe halten, steigen, klettern’, nictāre ‘zwinkern’, cōnīvēre ‘die Augen zudrücken, blinzeln’, so daß von ie. *kneigu̯h- ‘neigen, sich biegen’ ausgegangen werden kann. Dazu stellt sich mit Labialerweiterung ie. *kneib-, wozu anord. hnipinn ‘mißmutig, biegsam’, hnīpa ‘den Kopf hängen lassen, mißmutig sein’ und wohl auch lit. knìbti ‘zusammenknicken, zusammensinken’, kneĩbtis, kneĩptis ‘sich beugen, sich versenken, sich vertiefen’. geneigt Part.adj. ‘gewogen, zugetan’, in der Fügung geneigt sein, mhd. geneiget sīn; abgeneigt Part.adj. ‘nicht willens, frei von jeder Neigung, übel gesinnt’ (17. Jh.). Neigung f. ‘Zuneigung, freundschaftliche Gesinnung’, mhd. neigunge; dann auch ‘geneigte Haltung, Lage’ (2. Häfte 16. Jh.). Abneigung f. ‘ablehnende Haltung, Widerwille’ (17. Jh.), vgl. mhd. abeneigunge ‘Gefälle’. Neige f. ‘letzter Inhalt eines Gefäßes’ (Ende 15. Jh.), vor allem in der Wendung bis zur Neige ‘völlig, restlos’ und zur Neige gehen ‘dem Ende zugehen’ (Anfang 17. Jh.); vgl. mhd. neige ‘Biegung, Senkung, Tiefe, Ende’. verneigen Vb. reflexiv ‘sich verbeugen’ (17. Jh.); vgl. mhd. verneigen ‘herabbeugen, unterdrücken’; Verneigung f. ‘Verbeugung’ (Anfang 19. Jh.). zuneigen Vb. ‘hinwenden, eine Vorliebe haben’, reflexiv ‘Sympathie empfinden, sich hingezogen fühlen’, mhd. zuoneigen ‘hinwenden’; Zuneigung f. ‘das Hingewendetsein, Liebe’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) gewogen · ↗angetan (von) · auf jemandes Seite sein · ↗eingenommen (von) · geneigt (Publikum/Leser) · nicht abgeneigt · zugeneigt · ↗zugetan  ●  ↗(jemandem / einer Sache) hold  geh., veraltet
Assoziationen
  • (gut) leiden können · gernhaben · leiden mögen · lieb gewonnen haben · ↗lieb haben · liebgewonnen haben · ↗liebhaben · ↗mögen · sympathisch finden  ●  ans Herz gewachsen (sein)  ugs., fig. · für (jemanden) etwas übrig haben  ugs., fig. · gewogen sein  geh. · gut ausstehen können  ugs. · in sein Herz geschlossen haben  ugs. · ins Herz schließen  ugs. · mit jemandem gut können  ugs. · mit jemandem können  ugs.
  • (voll) entflammt (für jemanden) · Feuer und Flamme (für) · heillos verliebt · hingerissen · in Liebe entbrannt · ↗liebeskrank · ↗liebestoll · ↗liebestrunken · rettungslos verliebt · schrecklich verliebt · unsterblich verliebt · vernarrt (in) · ↗verrückt (nach)  ●  in Flammen stehen  fig. · in hellen Flammen stehen  fig. · ↗verliebt  Hauptform · von Amors Pfeil getroffen  fig. · Flugzeuge im Bauch (haben)  ugs., fig. · Frühlingsgefühle haben  ugs., fig. · Schmetterlinge im Bauch (haben)  ugs., fig. · auf Wolke sieben  ugs. · betört  geh. · bis über beide Ohren verliebt  ugs. · hin und weg  ugs. · im siebten Himmel  ugs. · schwer verliebt  ugs. · ↗verknallt  ugs. · verschossen  ugs. · weiche Knie (haben)  ugs.
  • (...) eingestellt · ↗(...) gesinnt · aufgeschlossen für · mit Sympathien für · sympathisierend (mit ...)
  • aufgeschlossen · ↗empfänglich · geneigt · ↗interessiert · nicht abgeneigt · zu haben (für) · ↗zugänglich
Synonymgruppe
(stark) abfallend · (stark) geneigt · ↗abschüssig · ↗steil
Synonymgruppe
aufgeschlossen · ↗empfänglich · geneigt · ↗interessiert · nicht abgeneigt · zu haben (für) · ↗zugänglich
Assoziationen
Synonymgruppe
gutgesinnt · ↗gütig · ↗verständnisvoll · ↗wohlgesinnt · ↗wohlwollend  ●  wohlsinnig  schweiz. · affektioniert  geh., franz., lat. · geneigt  geh. · ↗gewogen  geh. · ↗hold  geh., veraltend · wohlgesonnen  ugs. · ↗wohlmeinend  geh. · ↗zugetan  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Betrachter Dachfläche Frauenkopf Frontscheibe Hang Haupt Hörer Kundschaft Leser Leserin Leserschaft Ohr Publikum Pultdach Satteldach Sitzfläche Sitzhaltung Skihang Walmdach Windschutzscheibe abwärts flach hinten sanft schräg seitlich seitwärts vorn vorne vornüber

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›geneigt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie war eine Spur mehr nach links geneigt als früher, und er drückte fester auf.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 273
Spätestens da fehlen auch dem geneigtesten Kritiker endlich die Worte.
Der Tagesspiegel, 06.04.2004
Wir waren immer geneigt, Terroristen unabhängig von internationaler Politik zu betrachten.
Die Welt, 09.11.2001
Man zeigte sich nicht geneigt, zusammenzurücken, niemand bot ihm Platz an.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 56
Es ist sehr gefährlich, eine Kamera »verkantet« zu halten, nach links geneigt oder nach rechts.
Spoerl, Alexander: Mit der Kamera auf du, München: Piper 1957, S. 134
Zitationshilfe
„geneigt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/geneigt>, abgerufen am 18.08.2019.

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