Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

genießen

Grammatik Verb · genießt, genoss, hat genossen
Aussprache  [gəˈniːsn̩]
Worttrennung ge-nie-ßen
Wortbildung  mit ›genießen‹ als Erstglied: Genießer · genießbar
eWDG

Bedeutungen

1.
Speise und Trank zu sich nehmen
Beispiele:
den Tee mit Rum, warme Suppe, ein Glas Wein genießen
ich habe heute noch nichts genossen
er will noch eine Kleinigkeit genießen
der Fisch ist nicht mehr zu genießen (= essen)
2.
Freude, Genuss, Befriedigung an etw. haben, sich an etw. freuen
Beispiele:
er genoss den Feierabend, Urlaub, die Bequemlichkeit, Ruhe, Überraschung, das Leben in vollen Zügen
den herrlichen Ausblick, Duft der Blumen, den Frühling, die Schönheit der Natur, den Sonnenaufgang genießen
sie hatte die Größe des Naturschauspiels genossen
sich an ein genossenes Vergnügen erinnern
Nachdem Domitian so lange an sich gehalten, genoß er jetzt in vollen Zügen seine Rache [ Feuchtw.Tag223]
Niemals hatte er sie [Cayetana] mit solcher Verzückung genossen wie jetzt [ Feuchtw.Goya558]
veraltet jmds., einer Sache genießen
Beispiel:
Dann solltest du erst deines ganzen Siegs / Genießen! [ SchillerStuartII 9]
3.
etw. erhalten, bekommen
Beispiele:
eine gute Ausbildung, Erziehung genießen
den Lohn, die Früchte seines Fleißes genießen
etw. haben
Beispiele:
die Achtung, Sympathie, Verehrung der Kollegen genießen
er genießt bei Fachgenossen einen guten Ruf
sie genießen die Protektion eines Mäzens, den Schutz des Staates
das Heimatrecht genießen
Als jahrelanger Gesandter Argentiniens in China genieße er das Vertrauen der fremden Macht [ DürrenmattRichter71]
einer Sache genießen
Beispiel:
veraltetBeamte, Diplomaten und Militärs, sie alle genießen seit jeher der Immunität [ Lernet-HoleniaGraf53]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

genießen · Nießbrauch · Nießnutz · genießbar · Genießer · genießerisch
genießen Vb. ‘Freude, Wohlbehagen bei etw. finden, etw. erhalten, zur Verfügung haben, Speisen und Getränke zu sich nehmen’, ahd. nioʒan (8. Jh.), ginioʒan (9. Jh.), mhd. (ge)nieʒen, asächs. niotan, mnd. genēten, nl. genieten, aengl. nēotan, anord. njōta, schwed. njuta ‘benutzen, genießen’ sowie got. niutan ‘erreichen, erlangen’, ganiutan ‘ergreifen, fangen’ (vgl. got. nuta ‘Fischer’, eigentlich ‘Fänger’) führen auf germ. *neutan, zu ie. *neud- ‘Erstrebtes ergreifen, in Nutzung nehmen’ (wozu auch Genosse, Nutzen, s. d.). Nießbrauch m. ‘Recht auf Nutzung fremden Eigentums’ (17. Jh.), mit mhd. nieʒ, frühnhd. Nieß ‘Benutzung, Nutznießung, Genuß’ (Deverbativum zu mhd. nieʒen, s. oben; daneben Genieß, s. Genuß) gebildete Übersetzung des Rechtsterminus lat. ūsus frūctus; jünger in gleichem Sinne Nießnutz m. (19. Jh.). genießbar Adj. ‘eßbar, bekömmlich’ (17. Jh.; anfangs auch ‘nützlich, vorteilhaft’ wie das ältere genießlich, 16. Jh., s. genüßlich). Genießer m. ‘wer zu genießen versteht’, mhd. genieʒer; dazu genießerisch Adj. ‘nach Art eines Genießers, mit Genuß’ (30er Jahre 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(etwas) auskosten · Gefallen finden an · Gefallen haben an · genießen  ●  (sich) sonnen (in)  fig. · (sich) suhlen in  negativ, fig. · (sich) erfreuen (an)  geh. · baden in  ugs.
Assoziationen
  • Freude · Genuss · Lust · Spaß · Vergnügen · Wohlgefallen  ●  Bock  ugs. · Fez  ugs. · Fun  ugs., engl., Jargon · Gaudi  ugs.
  • (eine) böse Freude haben (an) · (jemandem) eine Genugtuung sein · (sich) weiden an · insgeheim frohlocken  ●  (sich) (die) Hände reiben  fig. · (sich) ins Fäustchen lachen  fig. · schadenfroh sein  Hauptform · (jemandem) ein innerer Reichsparteitag sein  fachspr., veraltet, NS-Jargon, fig. · (jemandem) geht einer ab (bei)  derb · (sich) (an etwas) aufgeilen  derb · (sich) (an etwas) hochziehen  ugs., fig.
Synonymgruppe
(es sich) schmecken lassen · genießen · schlemmen · schwelgen  ●  (genüsslich) essen  ugs. · (sich etwas) auf der Zunge zergehen lassen  ugs. · schmausen  geh., veraltend, scherzhaft
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›genießen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›genießen‹.

Verwendungsbeispiele für ›genießen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Würde er sich dafür jemals revanchieren können, würde es ihm gelingen, die im Übermaß genossene Solidarität zumindest in kleiner Münze zurückzuzahlen? [Der Tagesspiegel, 13.10.2000]
Oft genießt er nun, Stunde für Stunde, über dem Papier. [Schröter, Heinz: Ich, der Rentnerkönig, Genf: Ariston 1985, S. 132]
Nun hat sie allerdings ihr Leben keineswegs »in Ruhe genießen« können. [Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind – Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 395]
So genossen die Christen wieder etwa dreißig Jahre lang ungestörte Ruhe. [Schneider, Carl: Das Christentum. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 20983]
Dort aber genoß er, wie die große Zahl seiner Aufträge beweist, bedeutendes Ansehen. [Dürr, Walther: Sabadino. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1963], S. 44928]
Zitationshilfe
„genießen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/genie%C3%9Fen>.

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