genießen

GrammatikVerb · genoss, hat genossen
Aussprache
Worttrennungge-nie-ßen
Wortbildung mit ›genießen‹ als Erstglied: ↗genießbar
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Speise und Trank zu sich nehmen
Beispiele:
den Tee mit Rum, warme Suppe, ein Glas Wein genießen
ich habe heute noch nichts genossen
er will noch eine Kleinigkeit genießen
der Fisch ist nicht mehr zu genießen (= essen)
2.
Freude, Genuss, Befriedigung an etw. haben, sich an etw. freuen
Beispiele:
er genoss den Feierabend, Urlaub, die Bequemlichkeit, Ruhe, Überraschung, das Leben in vollen Zügen
den herrlichen Ausblick, Duft der Blumen, den Frühling, die Schönheit der Natur, den Sonnenaufgang genießen
sie hatte die Größe des Naturschauspiels genossen
sich an ein genossenes Vergnügen erinnern
Nachdem Domitian so lange an sich gehalten, genoß er jetzt in vollen Zügen seine Rache [Feuchtw.Tag223]
Niemals hatte er sie [Cayetana] mit solcher Verzückung genossen wie jetzt [Feuchtw.Goya558]
veraltet jmds., einer Sache genießen
Beispiel:
Dann solltest du erst deines ganzen Siegs / Genießen! [SchillerStuartII 9]
3.
etw. erhalten, bekommen
Beispiele:
eine gute Ausbildung, Erziehung genießen
den Lohn, die Früchte seines Fleißes genießen
etw. haben
Beispiele:
die Achtung, Sympathie, Verehrung der Kollegen genießen
er genießt bei Fachgenossen einen guten Ruf
sie genießen die Protektion eines Mäzens, den Schutz des Staates
das Heimatrecht genießen
Als jahrelanger Gesandter Argentiniens in China genieße er das Vertrauen der fremden Macht [DürrenmattRichter71]
einer Sache genießen
Beispiel:
veraltet Beamte, Diplomaten und Militärs, sie alle genießen seit jeher der Immunität [Lernet-HoleniaGraf53]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

genießen · Nießbrauch · Nießnutz · genießbar · Genießer · genießerisch
genießen Vb. ‘Freude, Wohlbehagen bei etw. finden, etw. erhalten, zur Verfügung haben, Speisen und Getränke zu sich nehmen’, ahd. nioʒan (8. Jh.), ginioʒan (9. Jh.), mhd. (ge)nieʒen, asächs. niotan, mnd. genēten, nl. genieten, aengl. nēotan, anord. njōta, schwed. njuta ‘benutzen, genießen’ sowie got. niutan ‘erreichen, erlangen’, ganiutan ‘ergreifen, fangen’ (vgl. got. nuta ‘Fischer’, eigentlich ‘Fänger’) führen auf germ. *neutan, zu ie. *neud- ‘Erstrebtes ergreifen, in Nutzung nehmen’ (wozu auch ↗Genosse, ↗Nutzen, s. d.). Nießbrauch m. ‘Recht auf Nutzung fremden Eigentums’ (17. Jh.), mit mhd. nieʒ, frühnhd. Nieß ‘Benutzung, Nutznießung, Genuß’ (Deverbativum zu mhd. nieʒen, s. oben; daneben Genieß, s. ↗Genuß) gebildete Übersetzung des Rechtsterminus lat. ūsus frūctus; jünger in gleichem Sinne Nießnutz m. (19. Jh.). genießbar Adj. ‘eßbar, bekömmlich’ (17. Jh.; anfangs auch ‘nützlich, vorteilhaft’ wie das ältere genießlich, 16. Jh., s. ↗genüßlich). Genießer m. ‘wer zu genießen versteht’, mhd. genieʒer; dazu genießerisch Adj. ‘nach Art eines Genießers, mit Genuß’ (30er Jahre 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gefallen finden an · Gefallen haben an · ↗auskosten · genießen  ●  (sich) sonnen (in)  fig. · (sich) suhlen in  negativ, fig. · (sich) erfreuen (an)  geh. · baden in  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anerkennung Ansehen Aufmerksamkeit Ausblick Aussicht Blick Freiheit Immunität Kultstatus Leben Popularität Priorität Privileg Privilegium Respekt Ruf Ruhe Schutz Sonne Sympathie Triumph Unterstützung Vertrauen Vorrang Vorsicht Vorteil Vorzug Wertschätzung in vollen Zügen sichtlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›genießen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Einen guten Ruf genossen vor allem diejenigen, die besonders vielen anderen geholfen hatten.
Die Zeit, 07.06.2013, Nr. 19
Würde er sich dafür jemals revanchieren können, würde es ihm gelingen, die im Übermaß genossene Solidarität zumindest in kleiner Münze zurückzuzahlen?
Der Tagesspiegel, 13.10.2000
So genossen die Christen wieder etwa dreißig Jahre lang ungestörte Ruhe.
Schneider, Carl: Das Christentum. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 20983
Er genoß diese Stunden wie einer, der fast erstickt war, die neue Luft.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 643
Aber da du nun einmal hier bist, will ich dich genießen.
Kafka, Franz: Amerika. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1914], S. 8641
Zitationshilfe
„genießen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/genießen>, abgerufen am 23.07.2019.

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