genug

Aussprache
Worttrennungge-nug (computergeneriert)
Wortbildung mit ›genug‹ als Erstglied: ↗genugsam · ↗genugtun  ·  mit ›genug‹ als Letztglied: ↗übergenug
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
ausreichend, genügend
a)
bezeichnet ein bestimmtes Maß
Beispiele:
genug Geld, Geld genug
genug Sorgen, Sorgen genug
genug Arbeit, Freizeit, Urlaub
Arbeit, Freizeit, Urlaub genug
du bist doch Manns genug, um dich selbst zu wehren
veraltend des Guten genug, genug des Guten
wir sind genug Mitarbeiter
das ist genug Material für die Reparatur
das ist genug Fett für den Kuchen
das ist mehr als genug
wir haben genug zu essen, zu trinken, zu tun
zum Leben genug haben (= ein hinreichendes Auskommen haben)
wir haben in deiner Sache genug getan
er hat mit sich selber genug zu tun
du verdienst genug
umgangssprachlich sie bekommen, kriegen nie genug (= sind ohne Maß, unersättlich)
Er ... war im übrigen auch Manns genug, diesen Spott zu bekämpfen [FontaneWuthenowI 1,458]
Und damit soll es für heute genug sein [BobrowskiBoehlendorff125]
Georg Lauffer ... beschwor ihn, er möge es genug sein lassen (= damit aufhören) [JahnnHolzschiff238]
b)
adverbiell
bezeichnet einen bestimmten Grad
Beispiele:
sie ist alt, klug genug, um sich richtig zu verhalten
er ist töricht genug, sich so behandeln zu lassen
die Angelegenheit ist heikel genug
du bist für diese Aufgabe nicht wendig genug
das Wasser ist nicht warm genug zum Baden
das ist alles schlimm genug
die Burschen in den Lokalen sind ihr nicht mehr gut genug [M. WalserHalbzeit149]
ich bin ihnen nicht fein genug [I. SeidelTor189]
2.
die Grenzen eines bestimmten Maßes erreichend oder überschreitend
Beispiele:
genug der Worte, es muss gehandelt werden
jetzt hat er aber genug getrunken
umgangssprachlich sie haben jetzt endgültig genug (= sind erledigt)
nach Hause will ich zu Marfa Iwanowna ... ich habe genug von den letzten Jahren (= sie ekeln mich an) [A. ZweigGrischa47]
Er hat genug für immer von dieser Existenz [St. ZweigBalzac31]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

genug · Genüge · genügen · genügend · ungenügend · begnügen · genugsam · genügsam · Genügsamkeit · genugtun · Genugtuung
genug ‘ausreichend, in notwendiger Menge, zufriedenstellendem Maße vorhanden’ (in der Funktion eines Substantivs ‘ausreichende Menge’), ironisch untertreibend auch ‘bis an die Grenze des Erträglichen gehend’ (vgl. die bereits für das Ahd. öfter zu belegende Bedeutung ‘reichlich, im Überfluß’). Die einem Indefinitpronomen oder Adverb ähnelnde, im Nhd. (wie in den anderen modernen germ. Sprachen) stets flexionslose Quantitätsangabe geht (als erstarrte endungslose Form des Neutrums) auf ein altes Adjektiv zurück, das in den frühen germ. Sprachstufen (einschließlich des Mhd.) noch in vielfacher (attributiver, prädikativer und adverbieller) Verwendung lebendig ist, ahd. ginuog (8. Jh.), ginuogi (9. Jh.), mhd. genuoc (selten genuoge mit regulärer Adverbendung), asächs. ginōg(i), mnd. genōch, (en)nōch, mnl. ghenoech, nl. genoeg, afries. (e)nōch, aengl. genōg, genōh, engl. enough, anord. gnōgr, nōgr, schwed. nog, got. ganōhs (germ. *ga-nōga-). Die Bildungen gehören zu einem nur in Resten nachweisbaren germ. Präteritopräsens ahd. ginah (um 800), aengl. geneah, got. ganah ‘es genügt’ (hierher vielleicht auch anord. ‘nahen, erreichen’ mit Ablaut). Dieser germ. Verbalstamm und seine außergerm. Entsprechungen wie aind. aśnṓti ‘erlangt, erreicht’, nákṣati ‘erreicht, kommt an, erlangt’, griech. (Aorist) enenké͞in (ἐνεγκεῖν) ‘herbeischaffen, davontragen’, ónkos (ὄγκος) ‘Tracht, Last’, lat. nancīscī ‘erlangen, bekommen’, aslaw. nesti, russ. nestí (нести), lit. nèšti ‘tragen’ führen auf ie. *enk̑-, *nek̑- ‘reichen, erreichen, erlangen, tragen’. Auf md. Gebiet findet sich seit dem 14. Jh. eine nasalierte Nebenform spätmhd. genunk, nhd. genung, die aber im 19. Jh. wieder aus der Literatursprache verschwindet. Genüge f. n. (nur im Sing.) ‘ausreichendes Maß, Befriedigung’, Abstraktbildung zum Adjektiv genug (s. oben), jetzt vor allem inder adverbiellen Fügung zur Genüge ‘in ausreichendem Maße’, ahd. ginuogi n. (9. Jh.; daneben auch ginuogī f.?, 8. Jh.), mhd. genüege f. ‘Genüge, Fülle’, asächs. ginōgi f., mnd. genȫge, (g)nȫge f.; im Nhd. seit dem 17. Jh. auch wieder als Neutr., wohl unter Einfluß von gleichbed. Genügen n. (mhd. genüegen n.), dem substantivierten Infinitiv des folgenden Verbs. genügen Vb. ‘ausreichen, befriedigen, erfüllen’, ahd. ginuogen ‘genügen, befriedigen, reichlich vorhanden sein’ (9. Jh.), mhd. genüegen, genuogen, mnd. (ge)nȫgen, mnl. ghenoegen, nl. genoegen ‘befriedigen, erfreuen, ausreichen’, reflexiv ‘Genüge finden’, anord. gnœgja, nœgja ‘genug, reichlich geben’, got. ganōhjan ‘Genüge leisten’, ganōhnan ‘genug sein’; das Part. Präs. des nhd. Verbs verselbständigt sich im 18. Jh., als genügend Part.adj. ‘ausreichend, zufriedenstellend’ ersetzt es genug in adjektivischem, oft auch in adverbiellem Gebrauch; dazu ungenügend Adj. ‘unbefriedigend, nicht ausreichend’ (18. Jh.). Erweiterungen von genügen sind ↗vergnügen (s. d.) und begnügen Vb. ‘sich zufriedengeben’ (reflexiv seit dem 18. Jh.), mhd. begenüegen ‘befriedigen, zufriedenstellen’, kontaminiert aus mhd. genüegen (s. oben) und mhd. benüegen ‘genug haben’, frühnhd. benügen ‘genügen, zufrieden sein, befriedigen’. genugsam Adv. ‘in ausreichendem Maße, vollauf’ (heute auf altertümelnde Ausdrucksweise beschränkt), ahd. ginuogsam (8. Jh.), mhd. genuocsam Adj. ‘Genüge oder Fülle habend, bietend’, nhd. noch bis zur 1. Hälfte des 19. Jhs. in adjektivischer Verwendung (‘ausreichend, zufriedenstellend’), als Adverb seit dem 15. Jh. üblich; daneben in den älteren Sprachstufen häufiger gleichbed. ahd. ginuhtsam (8. Jh.), mhd. genuhtsam Adj., von einem im Frühnhd. untergehenden Substantiv ahd. ginuht ‘Fülle, Überfluß’ (8. Jh.), mhd. genuht ‘Genüge, Fülle, Freude’ (vgl. aengl. genyht, anord. gnōtt ‘Genüge, Überfluß, reichlicher Vorrat’). genügsam Adj. ‘leicht zu befriedigen, anspruchslos’, umgelautete Form von genugsam (s. oben, nhd. vereinzelt bis in jüngere Zeit noch in dessen Sinn vorkommend), nimmt seit dem 16. Jh. durch Anlehnung an das Verb genügen (s. oben) die heutige Bedeutung an; dazu Genügsamkeit f. ‘Anspruchslosigkeit’, frühnhd. meist genuocsamkeit, Genugsamkeit; in dieser Verwendung vom 15. Jh. an zu belegen, aber erst Ende des 17. Jhs. üblich, anfangs häufiger ‘Genüge, Überfluß’. genugtun Vb. ‘Genüge leisten, befriedigen’ (frühnhd. auch ‘bezahlen, Buße tun’), Übersetzung von lat. satisfacere als Ausdruck des Rechtswesens und der Kirche, zunächst dafür Fügungen wie ahd. ginuog, ginuhtsam tuon, mhd. genuoc, genüege tuon (Getrenntschreibung häufig noch nhd. bis ins 19. Jh.), Zusammenrückung seit dem 15. Jh.; dazu Genugtuung f. ‘Befriedigung, Wiedergutmachung, Buße’ (15. Jh.), entsprechend lat. satisfactio.

Thesaurus

Synonymgruppe
(es) reicht · ausreichend · ↗gebührend · genug · ↗genügend · ↗hinlänglich · ↗hinreichend · in Maßen · ↗sattsam · zur Genüge  ●  über Mangel an (etwas) kann sich niemand beklagen  floskelhaft, variabel · (und das) nicht zu knapp  ugs. · ↗reichlich  ugs. · ↗satt (nachgestellt)  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Ende · ↗Punktum · ↗Schluss · genug ist genug! · genug jetzt!  ●  (dann ist bei mir) Feierabend!  ugs. · ↗(und damit) basta  ugs. · Aufhören!  ugs. · Aus die Maus.  ugs. · Das reicht!  ugs. · Ende der Durchsage!  ugs. · Ende im Gelände!  ugs. · Ende und aus!  ugs. · Ende, aus, Mickymaus.  ugs. · Ende, aus, Nikolaus.  ugs. · Es langt!  ugs., regional · Halt ein!  geh., veraltet · Jetzt ist (bei mir) Sense!  ugs. · Jetzt reicht's!  ugs. · Kein Kommentar!  ugs. · Klappe zu, Affe tot.  ugs. · Mehr habe ich dem nicht hinzuzufügen.  geh. · Punkt. Aus. Ende.  ugs. · Rien ne va plus.  geh., franz. · Schluss mit lustig!  ugs. · Schluss, aus, Ende!  ugs. · Stopp!  ugs. · Thema durch.  ugs. · aus!  ugs. · es reicht (jetzt langsam)!  ugs. · es reicht (jetzt)  ugs., Hauptform · genug damit  ugs. · genug davon  ugs. · genug!  geh. · und damit hat sich's  ugs.
Assoziationen
  • (Es) ist ausgestanden. · Das ist (längst) Geschichte. · Der Fall ist abgeschlossen. · Der Fall ist ad acta gelegt. · Die Angelegenheit ist abgeschlossen. · Die Geschichte ist (schon) lange vorbei. · Die Sache ist erledigt.  ●  Vorbei ist vorbei.  Redensart · Was gewesen ist, ist gewesen.  sprichwörtlich · Das Ding ist gelaufen.  ugs. · Der Drops ist gelutscht.  ugs., fig., Spruch · Der Fisch ist gegessen.  ugs., Redensart, sprichwörtlich, fig. · Der Käse ist gegessen.  ugs., fig., Spruch · Die Sache ist gegessen.  ugs., fig. · Die Suppe ist gegessen.  ugs., fig. · das war's (denn wohl)  ugs.
  • (ist) abgelehnt · kommt nicht in Frage · ↗negativ · ↗nein  ●  (es) hat sich ausge...  ugs.
  • Arbeitsende · ↗Büroschluss · ↗Dienstschluss · ↗Feierabend · ↗Geschäftsschluss  ●  Finito  ugs. · ↗Schicht  ugs. · Schicht im Schacht  ugs. · ↗Zapfenstreich  ugs., fig.
  • das ist alles · das war alles · das war's (soweit) · das wär's · das wäre alles  ●  (für den Moment) war's das  ugs., variabel · damit ham'wers  ugs.
  • Es ist alles gesagt. · Unser Gespräch ist beendet.  ●  Es gibt nichts mehr zu sagen.  variabel · Ende der Durchsage.  ugs.
  • bis hierher und nicht weiter · halt! · keinen Schritt weiter! · stehenbleiben! · stopp!  ●  halt stopp!  ugs.
  • Feierabend machen · Schluss machen · ↗aufhören  ●  (den) Griffel fallen lassen  fig. · für heute war's das  Spruch · (es ist) Schicht im Schacht  ugs., Spruch
  • (und) das wär's · Punkt. · und damit hat sich's  ●  und dann bin ich durch mit der Nummer  ugs. · und fertig ist die Laube!  ugs. · und fertig!  ugs. · und gut ist!  ugs.
  • (so) beruhigen Sie sich (doch)!  ●  (jetzt) beruhige dich (erst mal)!  ugs. · (jetzt) mach (aber) mal einen Punkt!  ugs. · (jetzt) mach (aber) mal halblang!  ugs. · (jetzt) mach (hier) nicht so'n Wind!  ugs. · es reicht (allmählich)  ugs. · hör auf damit!  ugs. · hör auf jetzt!  ugs. · ist gut jetzt!  ugs. · jetzt bleib (aber) mal auf dem Teppich!  ugs. · jetzt hör schon auf!  ugs. · lass (es) gut sein!  ugs. · lassen Sie es gut sein  ugs. · nun lass (aber) mal die Kirche im Dorf!  ugs., variabel · schon gut! (abwehrend)  ugs.
  • (jemandem) wird es zu bunt · (sich etwas) nicht länger bieten lassen  ●  Genug ist genug.  Redensart
  • Das Maß ist (gestrichen) voll. · Es reicht jetzt endgültig. · Ich bin mit meiner Geduld am Ende. · Meine Geduld ist am Ende.
  • für mich reicht das · ich hab(e) genug gesehen
  • Das Maß ist (jetzt) langsam voll. · Genug ist genug! · allmählich reicht es  ●  (so) langsam hab ich die Faxen dicke  ugs. · (so) langsam reicht es  ugs. · (so) langsam reicht's (mir)!  ugs. · allmählich hab ich die Schnauze voll!  ugs. · das ist (jetzt) allmählich nicht mehr feierlich  ugs. · jetzt hört's aber auf!  ugs. · mir langt's allmählich (mit)  ugs.
  • das bedeutet das Aus  ●  das Spiel ist aus  fig. · da ist nichts mehr zu machen  ugs. · das ist das Aus  ugs. · das war's dann  ugs. · das war's dann wohl (für)  ugs. · die Sache ist gelaufen  ugs. · wir sind geliefert  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

abwerfen aufbringen bekommen besitzen bieten bleiben einschätzen einzuschätzend entfernt erscheinen erweisen essen fühlen geben gehen hergeben kennen kriegen loben rühmen scheinen schienen tun unternehmen verdienen vorangehen vorankommen vorgehen vorhanden wiederholen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›genug‹.

Zitationshilfe
„genug“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/genug>, abgerufen am 19.06.2019.

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