Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

gerade

Grammatik Adjektiv
Nebenform umgangssprachlich grade
Aussprache 
Worttrennung ge-ra-de ● gra-de

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ohne Krümmung
    1. [bildlich] ...
    2. [übertragen] aufrecht
  2. 2. direkt
    1. [übertragen] ...
eWDG

Bedeutungen

1.
ohne Krümmung
Beispiele:
ein gerader Stock, Weg
eine gerade Strecke
die gerade Linie ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten
eine gerade Haltung annehmen
gerade gewachsen sein
umgangssprachlich(noch) seine geraden Glieder haben (= gesund sein)
salopp(noch) seine geraden Knochen haben (= gesund sein)
eine gerade Jacke, ein gerader Jumper (= eine Jacke, ein Jumper ohne Taillierung)
bildlich
Beispiele:
in gerader Linie von jmdm. abstammen
er kann mir nicht gerade in die Augen sehen (= hat ein schlechtes Gewissen)
sprichwörtlichder gerade Weg ist der beste
übertragen aufrecht
Beispiele:
ein gerader, anständiger Mensch
ein gerader Charakter
er ist offen und gerade
Aber diese Inken ist ein so gerader und schlichter Mensch [ G. Hauptm.SonnenuntergangIII]
2.
direkt
Beispiel:
er wohnt gerade gegenüber
übertragen
Beispiele:
das steht dazu in geradem Widerspruch
das gerade Gegenteil ist der Fall
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gerade2 · grade2 · Gerade · geradeaus · geradezu
gerade2, auch grade2 Adj. ‘ohne Krümmung immer in der gleichen Richtung verlaufend’, übertragen ‘von aufrichtiger Gesinnung, offen’ (seit dem 16. Jh.) sowie in vielfacher adverbieller Verwendung, besonders ‘soeben, eben noch, genau, ausgerechnet’; ahd. (h)rad, gi(h)radi (8. Jh.), (h)redi (9. Jh.) Adj. ‘rasch, schnell’, (h)rado Adv. ‘schnell, gewandt’ (8. Jh.), gi(h)rado Adv. ‘plötzlich’ (9. Jh.), mhd. (ge)rat Adj., gerade Adj. Adv. ‘schnell bei der Hand, rasch, gewandt’, dann auch (md.) ‘frisch aufgewachsen und lang’, mnd. (ge)rā̌t Adj., (ge)rāde Adj. Adv. ‘schnell, gewandt, sogleich’, mnl. gherat Adj., gherāde Adj. Adv. ‘schnell, tüchtig, sogleich, richtig’, nl. rad Adj. Adv., aengl. (h)ræd, hræþ Adj., (h)rade, (h)raþe, ræþe Adj. Adv., anord. hraðr Adj. ‘schnell’. Auf Grund des durch die ahd., aengl. und anord. Formen gesicherten h-Anlauts ist von ie. *kret- ‘schütteln, sich rasch bewegen’ auszugehen, das auch lit. kretė́ti ‘zittern, schlottern’, mir. crothaim ‘ich schüttle’ zugrunde liegt und als Erweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’ aufgefaßt werden kann (s. Ring, Rücken, Schrank, schreiten). Der heute im Dt. vorherrschende Gebrauch des Adjektivs als Gegenwort von krumm (s. d.) beruht auf der zuerst für das 14. Jh. bezeugten Bedeutung ‘lang aufgewachsen’, die sich vor allem im Frühnhd. reich entfaltet, wo gerade häufig Personen nicht nur hinsichtlich ihres Auftretens (im alten Sinne ‘gewandt’), sondern auch in bezug auf ihr Äußeres (‘hochgewachsen, schlank, wohlgestaltet’) charakterisiert. Gerade f. ‘ungekrümmte und beiderseits nicht begrenzte Linie’, terminologisch seit Anfang des 18. Jhs. in der Geometrie übliche Substantivierung von gerade2 (s. oben), die aus der Verbindung gerade Linie (15. Jh.) durch Kürzung hervorgeht, vgl. gleichbed. ital. retta statt linea retta schon bei Galilei (1638). Im Sport steht Gerade jetzt für ‘gerades Teilstück einer Rennstrecke’ (Anfang 20. Jh.). Davon zu unterscheiden ist die ältere Abstraktbildung ahd. (h)radī ‘Beweglichkeit’ (8. Jh.), spätmhd. gerede ‘Länge, Geradheit’, frühnhd. Geräde, Gerade ‘Schlankheit, Geradheit, Schnelligkeit, Gewandtheit’ (vereinzelt bei Kepler 1616 Geräde ‘gerade Linie’). geradeaus, grad(e)aus Adv. ‘in gerader Richtung vorwärts’, übertragen ‘aufrichtig, ehrenhaft’ (18. Jh.); geradezu, gradezu Adv. ‘rückhaltlos offen’, häufig nur verstärkend ‘direkt, ausgesprochen’, ursprünglich wie geradeaus auch Richtungsangabe (18. Jh.); beide Zusammenrückungen gehen auf bedeutungsgleiche Fügungen aus den Adverbien gerade2 und aus bzw. zu (s. d.) zurück.

Typische Verbindungen zu ›gerade‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›gerade‹ und ›grade‹.

Verwendungsbeispiele für ›gerade‹, ›grade‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Genügen dort immer nur zwei davon, um durch Addition alle geraden Zahlen zu bilden? [Kracke, Helmut: Aus eins mach zehn und zehn ist keins, Tübingen: Wunderlich Verl. Leins 1968, S. 280]
Licht breitet sich in Luft stets in gerader Linie aus. [Opfermann, Hans Carl: Die neue Schmalfilm-Schule, Harzburg: Heering 1940, S. 75]
Sonst täte man sich mit geraden Linien bisweilen etwas schwer. [C't, 1990, Nr. 1]
Wie aber sähe, andererseits, ein gerader Weg durch dieses Jahrhundert aus? [konkret, 1994]
Das scheint mir alles nicht auf dem geraden Wege zu gehen. [Friedländer, Hugo: Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z.D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der »Zukunft« Maximilian Harden. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1920], S. 4167]
Zitationshilfe
„gerade“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gerade#1>.

Weitere Informationen …

gerade

Grammatik Adverb
Nebenform umgangssprachlich grade
Aussprache 
Worttrennung ge-ra-de ● gra-de
Wortbildung  mit ›gerade‹ als Letztglied: nachgerade
eWDG

Bedeutungen

1.
Grammatik: betont
a)
drückt Gleichzeitigkeit aus   in diesem Augenblick; eben, soeben
Beispiele:
er ist gerade (erst) gekommen, fortgegangen
er ist gerade nicht zu Hause
ich kam gerade dazu, als …
er stand gerade am Fenster
ein Mann, der gerade vorüberging
es hat gerade 10 (Uhr) geschlagen
gerade ist es 5 (Uhr)
Er nimmt den ersten besten, der ihm gerade in den Weg kommt [ St. ZweigBalzac388]
b)
drückt Knappheit, Beschränkung aus   mit Mühe und Not, eben noch
Beispiele:
wir haben es gerade noch geschafft
ihm blieb gerade noch Zeit, um …
sie kann gerade noch ihre Einkäufe selbst besorgen
wir in der Bäckerei hatten auch nicht viel zu tun, nur gerade die Bestellungen, die aus dem Hause gingen [ TravenBaumwollpflücker129]
c)
betont die Exaktheit einer Angabe   genau
Beispiele:
ich habe gerade 3 Meter Stoff gekauft
ich habe gerade 100 Euro gespart
das geht gerade auf
heute ist es gerade 10 Jahre her
gerade das Gegenteil ist der Fall, ist wahr
das Haus steht gerade in der Mitte
d)
umgangssprachlich bezeichnet eine Hervorhebung, Steigerung   erst recht
Beispiele:
nun gerade (nicht)!
nun tue ich es gerade!
nun aber gerade!
2.
ohne eigentliche Bedeutung
Grammatik: partikelhaft, unbetont
a)
dient als Verstärkung
Beispiele:
das ist es gerade!
gerade er wird gesucht
gerade darum
das Beste ist für ihn gerade gut genug
gerade so ist es gut geworden
umgangssprachlich, spöttisch
Beispiele:
du siehst gerade danach aus
das könnte ihm gerade so passen
b)
umgangssprachlich drückt Ärger, Ungeduld, Bedauern aus   ausgerechnet
Beispiele:
warum gerade ich?
gerade jetzt muss er kommen
gerade heute muss es regnen
er hat gerade den schlechtesten Wein gekauft
c)
umgangssprachlich nicht gerade (= drückt eine gemilderte Verneinung aus)
Beispiele:
es ist ihm nicht gerade leicht gefallen
ein nicht gerade vorbildlicher Stil
das ist mir nicht gerade angenehm
das ist ja nicht gerade schön, erfreulich, viel
das klingt nicht gerade vertrauenerweckend
das kann man nicht gerade behaupten
er ist mir nicht gerade freundlich gesinnt
spöttischer ist nicht gerade gescheit
spöttischdu hast dich nicht gerade mit Ruhm bedeckt
es muss nicht gerade heute sein
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gerade2 · grade2 · Gerade · geradeaus · geradezu
gerade2, auch grade2 Adj. ‘ohne Krümmung immer in der gleichen Richtung verlaufend’, übertragen ‘von aufrichtiger Gesinnung, offen’ (seit dem 16. Jh.) sowie in vielfacher adverbieller Verwendung, besonders ‘soeben, eben noch, genau, ausgerechnet’; ahd. (h)rad, gi(h)radi (8. Jh.), (h)redi (9. Jh.) Adj. ‘rasch, schnell’, (h)rado Adv. ‘schnell, gewandt’ (8. Jh.), gi(h)rado Adv. ‘plötzlich’ (9. Jh.), mhd. (ge)rat Adj., gerade Adj. Adv. ‘schnell bei der Hand, rasch, gewandt’, dann auch (md.) ‘frisch aufgewachsen und lang’, mnd. (ge)rā̌t Adj., (ge)rāde Adj. Adv. ‘schnell, gewandt, sogleich’, mnl. gherat Adj., gherāde Adj. Adv. ‘schnell, tüchtig, sogleich, richtig’, nl. rad Adj. Adv., aengl. (h)ræd, hræþ Adj., (h)rade, (h)raþe, ræþe Adj. Adv., anord. hraðr Adj. ‘schnell’. Auf Grund des durch die ahd., aengl. und anord. Formen gesicherten h-Anlauts ist von ie. *kret- ‘schütteln, sich rasch bewegen’ auszugehen, das auch lit. kretė́ti ‘zittern, schlottern’, mir. crothaim ‘ich schüttle’ zugrunde liegt und als Erweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’ aufgefaßt werden kann (s. Ring, Rücken, Schrank, schreiten). Der heute im Dt. vorherrschende Gebrauch des Adjektivs als Gegenwort von krumm (s. d.) beruht auf der zuerst für das 14. Jh. bezeugten Bedeutung ‘lang aufgewachsen’, die sich vor allem im Frühnhd. reich entfaltet, wo gerade häufig Personen nicht nur hinsichtlich ihres Auftretens (im alten Sinne ‘gewandt’), sondern auch in bezug auf ihr Äußeres (‘hochgewachsen, schlank, wohlgestaltet’) charakterisiert. Gerade f. ‘ungekrümmte und beiderseits nicht begrenzte Linie’, terminologisch seit Anfang des 18. Jhs. in der Geometrie übliche Substantivierung von gerade2 (s. oben), die aus der Verbindung gerade Linie (15. Jh.) durch Kürzung hervorgeht, vgl. gleichbed. ital. retta statt linea retta schon bei Galilei (1638). Im Sport steht Gerade jetzt für ‘gerades Teilstück einer Rennstrecke’ (Anfang 20. Jh.). Davon zu unterscheiden ist die ältere Abstraktbildung ahd. (h)radī ‘Beweglichkeit’ (8. Jh.), spätmhd. gerede ‘Länge, Geradheit’, frühnhd. Geräde, Gerade ‘Schlankheit, Geradheit, Schnelligkeit, Gewandtheit’ (vereinzelt bei Kepler 1616 Geräde ‘gerade Linie’). geradeaus, grad(e)aus Adv. ‘in gerader Richtung vorwärts’, übertragen ‘aufrichtig, ehrenhaft’ (18. Jh.); geradezu, gradezu Adv. ‘rückhaltlos offen’, häufig nur verstärkend ‘direkt, ausgesprochen’, ursprünglich wie geradeaus auch Richtungsangabe (18. Jh.); beide Zusammenrückungen gehen auf bedeutungsgleiche Fügungen aus den Adverbien gerade2 und aus bzw. zu (s. d.) zurück.

Typische Verbindungen zu ›gerade‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›gerade‹ und ›grade‹.

Verwendungsbeispiele für ›gerade‹, ›grade‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Genügen dort immer nur zwei davon, um durch Addition alle geraden Zahlen zu bilden? [Kracke, Helmut: Aus eins mach zehn und zehn ist keins, Tübingen: Wunderlich Verl. Leins 1968, S. 280]
Licht breitet sich in Luft stets in gerader Linie aus. [Opfermann, Hans Carl: Die neue Schmalfilm-Schule, Harzburg: Heering 1940, S. 75]
Sonst täte man sich mit geraden Linien bisweilen etwas schwer. [C't, 1990, Nr. 1]
Wie aber sähe, andererseits, ein gerader Weg durch dieses Jahrhundert aus? [konkret, 1994]
Das scheint mir alles nicht auf dem geraden Wege zu gehen. [Friedländer, Hugo: Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z.D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der »Zukunft« Maximilian Harden. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1920], S. 4167]
Zitationshilfe
„gerade“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gerade#2>.

Weitere Informationen …

gerade

Grammatik Adjektiv
Nebenform umgangssprachlich grade
Aussprache 
Worttrennung ge-ra-de ● gra-de
eWDG

Bedeutung

Mathematik eine gerade Zahl (= eine Zahl, die durch 2 ohne Rest teilbar ist)
Beispiel:
4, 6, 8 sind gerade Zahlen
bildlich
Beispiel:
saloppfünfe grade sein lassen (= es nicht so genau nehmen, großzügig sein)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gerade1 · grade1 · ungerade
gerade1, auch grade1 Adj. ‘ohne Rest durch zwei teilbar’ (von Zahlen), ahd. gi(h)rad (um 1000), mhd. gerat, gerade steht seit Beginn der Überlieferung für lat. pār ‘gleichkommend, gleich’. Es gehört wie got. raþjō ‘Zahl’, garaþjan ‘zählen’ zur Wortgruppe von Rede (s. d.) und verbindet sich erst sekundär im Sprachbewußtsein mit gerade2 (s. d.). Ende des 15. Jhs. kommt es als mathematischer Terminus in Gebrauch und lebt außerdem fort in der Wendung fünfe gerade sein lassen ‘es nicht so genau nehmen’ (16. Jh.). ungerade Adj. ‘nicht ohne Rest durch zwei teilbar’, ahd. ungi(h)rad (um 1000), mhd. ungerat, ungerade für lat. impār ‘ungleich’.

Typische Verbindungen zu ›gerade‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›gerade‹ und ›grade‹.

Verwendungsbeispiele für ›gerade‹, ›grade‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Genügen dort immer nur zwei davon, um durch Addition alle geraden Zahlen zu bilden? [Kracke, Helmut: Aus eins mach zehn und zehn ist keins, Tübingen: Wunderlich Verl. Leins 1968, S. 280]
Licht breitet sich in Luft stets in gerader Linie aus. [Opfermann, Hans Carl: Die neue Schmalfilm-Schule, Harzburg: Heering 1940, S. 75]
Sonst täte man sich mit geraden Linien bisweilen etwas schwer. [C't, 1990, Nr. 1]
Wie aber sähe, andererseits, ein gerader Weg durch dieses Jahrhundert aus? [konkret, 1994]
Das scheint mir alles nicht auf dem geraden Wege zu gehen. [Friedländer, Hugo: Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z.D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der »Zukunft« Maximilian Harden. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1920], S. 4167]
Zitationshilfe
„gerade“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gerade#3>.

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