Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

geradeaus

Grammatik Adverb
Nebenform umgangssprachlich gradeaus
Aussprache 
Worttrennung ge-ra-de-aus ● gra-de-aus
Wortzerlegung gerade1 aus2
Wortbildung  mit ›geradeaus‹ als Erstglied: Geradeausempfänger · Geradeausfahrt
eWDG

Bedeutung

immer in der gleichen Richtung, gerade nach vorn
Beispiele:
geradeaus sehen, starren, gehen
immer geradeaus, dann rechts abbiegen
übertragen aufrecht, offen
Beispiele:
er ist sehr geradeaus in seiner Art
er war viel zu geradeaus, viel zu verbissen rechtlich denkend [ LeipBergung92]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gerade2 · grade2 · Gerade · geradeaus · geradezu
gerade2, auch grade2 Adj. ‘ohne Krümmung immer in der gleichen Richtung verlaufend’, übertragen ‘von aufrichtiger Gesinnung, offen’ (seit dem 16. Jh.) sowie in vielfacher adverbieller Verwendung, besonders ‘soeben, eben noch, genau, ausgerechnet’; ahd. (h)rad, gi(h)radi (8. Jh.), (h)redi (9. Jh.) Adj. ‘rasch, schnell’, (h)rado Adv. ‘schnell, gewandt’ (8. Jh.), gi(h)rado Adv. ‘plötzlich’ (9. Jh.), mhd. (ge)rat Adj., gerade Adj. Adv. ‘schnell bei der Hand, rasch, gewandt’, dann auch (md.) ‘frisch aufgewachsen und lang’, mnd. (ge)rā̌t Adj., (ge)rāde Adj. Adv. ‘schnell, gewandt, sogleich’, mnl. gherat Adj., gherāde Adj. Adv. ‘schnell, tüchtig, sogleich, richtig’, nl. rad Adj. Adv., aengl. (h)ræd, hræþ Adj., (h)rade, (h)raþe, ræþe Adj. Adv., anord. hraðr Adj. ‘schnell’. Auf Grund des durch die ahd., aengl. und anord. Formen gesicherten h-Anlauts ist von ie. *kret- ‘schütteln, sich rasch bewegen’ auszugehen, das auch lit. kretė́ti ‘zittern, schlottern’, mir. crothaim ‘ich schüttle’ zugrunde liegt und als Erweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’ aufgefaßt werden kann (s. Ring, Rücken, Schrank, schreiten). Der heute im Dt. vorherrschende Gebrauch des Adjektivs als Gegenwort von krumm (s. d.) beruht auf der zuerst für das 14. Jh. bezeugten Bedeutung ‘lang aufgewachsen’, die sich vor allem im Frühnhd. reich entfaltet, wo gerade häufig Personen nicht nur hinsichtlich ihres Auftretens (im alten Sinne ‘gewandt’), sondern auch in bezug auf ihr Äußeres (‘hochgewachsen, schlank, wohlgestaltet’) charakterisiert. – Gerade f. ‘ungekrümmte und beiderseits nicht begrenzte Linie’, terminologisch seit Anfang des 18. Jhs. in der Geometrie übliche Substantivierung von gerade2 (s. oben), die aus der Verbindung gerade Linie (15. Jh.) durch Kürzung hervorgeht, vgl. gleichbed. ital. retta statt linea retta schon bei Galilei (1638). Im Sport steht Gerade jetzt für ‘gerades Teilstück einer Rennstrecke’ (Anfang 20. Jh.). Davon zu unterscheiden ist die ältere Abstraktbildung ahd. (h)radī ‘Beweglichkeit’ (8. Jh.), spätmhd. gerede ‘Länge, Geradheit’, frühnhd. Geräde, Gerade ‘Schlankheit, Geradheit, Schnelligkeit, Gewandtheit’ (vereinzelt bei Kepler 1616 Geräde ‘gerade Linie’). geradeaus, grad(e)aus Adv. ‘in gerader Richtung vorwärts’, übertragen ‘aufrichtig, ehrenhaft’ (18. Jh.); geradezu, gradezu Adv. ‘rückhaltlos offen’, häufig nur verstärkend ‘direkt, ausgesprochen’, ursprünglich wie geradeaus auch Richtungsangabe (18. Jh.); beide Zusammenrückungen gehen auf bedeutungsgleiche Fügungen aus den Adverbien gerade2 und aus bzw. zu (s. d.) zurück.

Thesaurus

Synonymgruppe
direkt · frontal · geradeaus · geradlinig · ohne Umweg · ohne Umwege

Typische Verbindungen zu ›geradeaus‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›geradeaus‹ und ›gradeaus‹.

Zitationshilfe
„geradeaus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/geradeaus>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
gerade stellen
gerade stehen
gerade sitzen
gerade richten
gerade machen
geradebiegen
geradegehen
geradeheraus
geradehin
geradeklopfen