geraten

GrammatikVerb · gerät, geriet, ist geraten
Aussprache
Worttrennungge-ra-ten (computergeneriert)
Wortbildung mit ›geraten‹ als Erstglied: ↗Geratewohl  ·  mit ›geraten‹ als Letztglied: ↗abgeraten · ↗aneinandergeraten · ↗auseinandergeraten · ↗danebengeraten · ↗dazwischengeraten · ↗durcheinandergeraten · ↗hineingeraten · ↗hingeraten · ↗nachgeraten · ↗wohlgeraten · ↗zusammengeraten
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gelingen
Beispiele:
der Braten, Kuchen ist (mir) heute nicht geraten
nach diesem Rezept gerät der Kuchen immer
das ist mir ausgezeichnet, gut, nach Wunsch, schlecht geraten
umgangssprachlich, scherzhaft das Kleid, der Rock ist zu kurz geraten (= zu kurz gemacht worden)
sich entwickeln
Beispiele:
seine Kinder geraten gut
alles gerät (ihm) zum Guten, zum besten
gedeihen
Beispiel:
das Korn, der Wein ist dieses Jahr gut geraten
2.
nach jmdm. geratenjmdm. ähnlich werden
Beispiel:
das Kind gerät nach dem Vater, der Mutter
3.
unbeabsichtigt irgendwohin gelangen, kommen
a)
Beispiele:
in ein abgelegenes Dorf, in eine unwegsame Gegend geraten
wohin sind wir geraten?
das Schiff ist auf Grund geraten
in einen Schneesturm geraten
bildlich
Beispiele:
er ist auf Abwege, auf die schiefe Bahn, in schlechte Gesellschaft geraten
umgangssprachlich etw. gerät jmdm. in die Finger, Hände
in unrechte Hände geraten
salopp an die falsche, unrechte Adresse geraten
salopp wie bist du denn an den geraten?
umgangssprachlich an den Unrechten geraten
umgangssprachlich Du kannst froh sein, Lutz, daß du an mich geraten bist [DürrenmattRichter64]
b)
übertragen in eine unangenehme Lage kommen
Beispiele:
in eine gefährliche Situation, in Gefahr geraten
in Not, Bedrängnis, Schwierigkeiten, Schulden geraten
umgangssprachlich in ein schönes Dilemma, in die Klemme geraten
salopp in (des) Teufels Küche geraten
in einen Zwiespalt geraten
umgangssprachlich zwischen zwei Feuer, Stühle geraten
umgangssprachlich er ist ins Hintertreffen, unters Fußvolk geraten
in Misskredit, Verruf, Verdacht geraten
der Vorschlag ist in Vergessenheit geraten
in Versuchung geraten, etw. zu tun
verhüllend mit dem Gesetz in Konflikt geraten (= gegen das Gesetz verstoßen)
papierdeutsch in Verzug geraten (= Rückstände haben)
papierdeutsch in Verlust geraten (= verlorengehen)
c)
in eine andere Stimmung kommen
Beispiele:
in Erregung, Ärger, Wut, Zorn, Empörung, Aufregung, Verwirrung, Angst, Eifer, Ekstase geraten
umgangssprachlich in Harnisch geraten
er ist ganz aus seinem (inneren) Gleichgewicht geraten
aus der, außer Fassung, außer sich, außer Rand und Band geraten
umgangssprachlich aus dem Häuschen geraten
d)
drückt einen Beginn aus; in abgeschwächter Bedeutung
Beispiele:
die Ordnung gerät aus den Fugen
das Volk geriet in Aufruhr
sie sind in Streit geraten
umgangssprachlich sie sind sich in die Haare geraten
die Dinge geraten in Fluss, Bewegung
die Verhandlungen sind ins Stocken geraten
das Haus ist in Brand geraten
sein Entschluss geriet ins Wanken
ich bin in Zweifel geraten, ob das stimmt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

geraten · Geratewohl · entraten
geraten Vb. ‘gelingen, gedeihen, sich entwickeln’ und ‘(an einen Ort) gelangen, (in eine Situation, einen bestimmten Zustand) kommen’, ahd. girātan ‘beraten, beschließen’ (um 800), mhd. gerāten ‘raten, anordnen, gelingen, gedeihen, wohin gelangen, anfangen, entbehren’, asächs. girādan ‘verschaffen, ausführen, bewirken’, mnd. gerāden ‘zu etw. kommen, wohin geraten, anraten, gedeihen’, got. garēdan ‘Vorsorge treffen’. Die Präfixbildung, zunächst nur nachdrücklichere Variante des unter ↗raten (s. d.) behandelten Verbs, zeigt seit dem Mhd. und Mnd. die heutigen Verwendungsweisen, die sich vielleicht an die für mhd. gerāten vereinzelt bezeugte Bedeutung ‘treffen’ (vgl. mhd. rāten ‘erraten, das Richtige treffen’) anschließen lassen. Im Sinne von ‘entbehren’ (mhd. und frühnhd. geläufig, nach mhd. rāt ‘Entbehrung, Verzicht’, s. ↗Rat) tritt geraten im 17. Jh. literatursprachlich hinter (jetzt ebenfalls unüblichem) entraten zurück. Substantivierung einer imperativischen Wunschformel (vgl. mhd. wol gerāten ‘gut gedeihen’) ist Geratewohl n. (älter auch m.), nur noch lebendig in der Wendung aufs Geratewohl ‘auf gut Glück’ (16. Jh., daneben auf ein Geratewohl bis ins 18. Jh., auf Geratewohl bis ins 19. Jh.). entraten Vb. ‘entbehren, ohne etw. auskommen’, mhd. entrāten.

Thesaurus

Synonymgruppe
(dringend) zu empfehlen · am Platz · ↗angebracht · ↗angezeigt · empfiehlt sich · geraten · ↗ratsam · sehr zu empfehlen · zu raten  ●  ↗tunlich  veraltend
Assoziationen
Synonymgruppe
(irgendwohin) befördert werden · (irgendwohin) geraten · (irgendwohin) gesteckt werden · (irgendwohin) geworfen werden · ↗(irgendwohin) kommen · (irgendwohin) sortiert werden  ●  ↗(irgendwo) landen  ugs. · ↗(irgendwohin) wandern  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) ähneln (in) · (nach jemandem) geraten · ↗(nach jemandem) schlagen  ●  (etwas) von jemandem haben  ugs. · ↗(jemandem) nacharten  geh. · ↗(jemandem) nachgeraten  geh. · ↗(jemandem) nachschlagen  geh. · ↗(nach jemandem) arten  geh. · Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum.  ugs., ironisch · Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.  ugs., Sprichwort · Wie der Vater, so der Sohn.  ugs., Sprichwort · ganz der Vater sein  ugs. · ganz die Mutter sein  ugs. · nach jemandem kommen  ugs. · viel von jemandem haben  ugs.
Assoziationen
  • fortfahren · ↗fortführen · ↗fortsetzen · in jemandes Fußstapfen treten · ↗kontinuieren · ↗weiterführen · ↗weitermachen
  • (jemandem) sehr ähnlich sehen · (jemandem) täuschend ähnlich sehen · (jemandem) wie aus dem Gesicht geschnitten sein · (praktisch jemandes) Doppelgänger (sein) · (sich) gleichen wie ein Ei dem anderen · ↗(sich) sehr (stark) ähneln · (sich) täuschend ähnlich sehen · (sich) zum Verwechseln ähneln · (sich) zum Verwechseln ähnlich sehen · (sich) ähneln wie ein Ei dem anderen · (sich) ähneln wie eineiige Zwillinge · kaum zu unterscheiden sein · sehr ähneln · sehr ähnlich sein
  • Menschenschlag · Schlag (von) Menschen · Sorte Mensch · ↗Typ  ●  aus ... Holz geschnitzt  variabel, Redensart, fig. · ↗Schlag  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

AG Aufholprozeß Bankgesellschaft Baukonzern Berufsstand Fluggesellschaft Frachter Friedensgespräch Friedensprozeß Geldhaus Immobilienfonds Kaufring Lebensversicherer Mannheimer Metallgesellschaft Mitbürger Mitmensch Nahost-Friedensprozeß Oberhausener Reformprozeß Rückpass Schuldner Sektkellerei Staatsfinanzen Technologiewert Telekom-Chef Tempodrom Waldbrand außer Rand und Band durcheinander

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›geraten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aus Versehen sei das Schreiben dann mit weiteren Briefen doch in die Post geraten.
Die Zeit, 14.09.2013 (online)
Wenn er vorher gefragt worden wäre, hätte er es ihr sogar geraten.
Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 83
Ziemlich schnell geriet ich in den Bann der deutschen Literatur, der deutschen Musik.
Reich-Ranicki, Marcel: Mein Leben, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1999, S. 25
In der Welt gerate Polen wieder in den Ruf, die erkämpfte Freiheit nicht nutzen zu können.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1992]
Hier geriet ich ins Stocken, aber er hatte ohnehin schon Luft geholt, um mich zu unterbrechen.
Brussig, Thomas: Wasserfarben, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1991], S. 0
Zitationshilfe
„geraten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/geraten>, abgerufen am 22.02.2019.

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