gerecht

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungge-recht
Grundformrecht2
Wortbildung mit ›gerecht‹ als Erstglied: ↗Gerechtigkeit · ↗gerechterweise  ·  mit ›gerecht‹ als Letztglied: ↗ungerecht  ·  mit ›gerecht‹ als Grundform: ↗-gerecht
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
nach dem Recht oder Rechtsempfinden urteilend, handelnd
Beispiele:
ein gerechter Richter, Mensch
gerecht gegen jmdn. sein
umgangssprachlich gerechter Gott, Himmel! (= Ausruf, der Überraschung, Ungeduld, Ärger ausdrückt)
umgangssprachlich gerechter Strohsack! (= Ausruf, der Überraschung, Ungeduld, Ärger ausdrückt)
umgangssprachlich den Schlaf des Gerechten schlafen (= tief und fest schlafen)
daß derselbe [Gott] gerecht sei und uns zu gleicher Zeit lehre, keinen Haß und keine Rache in uns zu tragen [G. KellerGr. Heinrich4,31]
veraltet Doch jetzo sagt mir, wer die Freunde sind / Und die gerechten (= rechtschaffenen) Männer, die Euch folgten [SchillerTellII 2]
dem Recht oder Rechtsempfinden entsprechend, angemessen
Beispiele:
ein gerechtes Urteil
seiner gerechten Strafe nicht entgehen
sein gerechter Lohn
gerecht urteilen
etw. gerecht verteilen
jmdn. gerecht bestrafen, richten
jmdn. streng, aber gerecht behandeln
2.
a)
jmdm., einer Sache gerecht werden (= jmdn., eine Sache angemessen beurteilen)
Beispiele:
du musst versuchen, ihm gerecht zu werden
der Kritiker ist dem Dichter, Buch nicht gerecht geworden
b)
jmdm., einer Sache gerecht werden (= einer Sache genügen)
Beispiele:
seiner Aufgabe gerecht werden (= sie gut bewältigen)
er ist den Anforderungen nicht gerecht geworden (= war ihnen nicht gewachsen)
ich weiß nicht, ob ich deinem Wunsch gerecht werden kann (= ihn erfüllen kann)
c)
umgangssprachlich
Beispiel:
jmd. ist in allen Sätteln gerecht (= versteht, kann alles)
3.
berechtigt, begründet, zu Recht bestehend
Beispiele:
eine gerechte Forderung stellen
seine Ansprüche sind gerecht
für eine gerechte Sache kämpfen
ein gerechter Zorn, Hass
seine gerechte Empörung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gerecht · Gerechtigkeit · Gerechtsame
gerecht Adj. ‘den geltenden Rechtsnormen entsprechend, rechtlich, rechtmäßig’, ahd. gireht Adj. ‘gerade, aufrecht, richtig, rein’ (um 900, zuvor schon ungireht ‘unrecht, böse’, 8. Jh.), girehto Adv. Konj. Interjektion ‘gewiß, fürwahr, nämlich’ (9. Jh.), anfrk. gerehto Adv. ‘in rechter Weise’, mhd. gereht Adj. ‘gerade, auf der rechten Seite befindlich, geschickt, passend, mit dem Rechte übereinstimmend’, gerehte Adv. ‘in rechter Weise, rechts’, mnd. gerecht Adj. ‘gerade, richtig, passend, rechtlich’, mnl. gherecht, nl. gerecht Adj. ‘gerade, richtig, rechtlich, rechtmäßig’, aengl. geriht, got. garaíhts Adj., garaíhtaba Adv. ‘gerecht’ sind Präfixbildungen zu dem unter ↗recht (s. d.) dargestellten Adjektiv. Im Dt. bleibt die ursprüngliche Bedeutung ‘gerade’ noch bis ins 18. Jh. erhalten. Daneben entwickelt sich der heute vorherrschende Gebrauch im Sinne von ‘den Rechtsnormen entsprechend’, der schon für das Got. bezeugt ist, erst allmählich im Mhd. und Mnd.; vgl. hierzu die Fügung jmdm., einer Sache gerecht werden ‘jmdm., einer Sache Genüge tun, voll entsprechen’ (eigentlich ‘jmdm. sein Recht verschaffen’, 15. Jh.). Die Verwendung ‘passend, gemäß’, die in jmd. ist in allen Sätteln (älter auch in, auf alle Sättel) gerecht ‘jmd. kennt sich in allem aus’ (16. Jh.) fortlebt, begegnet noch in Zusammensetzungen wie jagd-, kunst-, maß-, mundgerecht, deren zweites Glied -gerecht in der Gegenwart die Funktion eines produktiven Kompositionssuffixes übernimmt. Gerechtigkeit f. ‘den geltenden Rechtsnormen entsprechendes Handeln und Urteilen, Rechtsprechung, mit der Rechtspflege beauftragte Institution’, mhd. grehtikheit (1. Hälfte 12. Jh.), dann gerehtecheit, gerehtikeit ‘Rechtschaffenheit, den sittlichen Normen gemäßes Verhalten’ und (vor allem spätmhd.) ‘Rechtspflege, rechtlich begründete Befugnis, Rechtsanspruch’. Gerechtigkeit ‘rechtlich begründete Befugnis, verliehenes Recht, Privileg’ (auch im Plur. Gerechtigkeiten) als Terminus des Feudalrechts ist noch im 19. Jh. lebendig (vgl. Brau-, Fischerei-, Jagd-, Münzgerechtigkeit). In gleichem Sinne daneben Gerechtsame f. (15. bis 19. Jh.); vgl. zu dieser Substantivbildung vereinzelt belegtes ahd. girehtsamōn ‘rechtfertigen’ (um 800) sowie nhd. gerechtsam ‘rechtmäßig, gerecht’ (17. bis 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
billig · ↗fair · gerecht · ↗gerechtfertigt · recht · recht und billig
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufteilung Ausgleich Besteuerung Friede Frieden Krieg Lastenverteilung Lohn Lösung Ordnung Sache Steuersystem Strafe Urteil Verteilung Weltordnung Weltwirtschaftsordnung Zorn dauerhaft einigermaßen fair friedlich solidarisch sozial umfassend ungerecht vernünftig verteilen werdend zugehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gerecht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dass das ungerecht ist, versteht sich von selbst, aber was heißt schon »gerecht«?
Die Zeit, 07.01.2013, Nr. 01
Nur so können wir Deutsche unserer Verantwortung auch für andere Teile der Welt gerecht werden.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1999]
Die gerechte Liste liegt zwischen den harten Deckeln eines übergroßen Buches.
Strittmatter, Erwin: Der Laden, Berlin: Aufbau-Verl. 1983, S. 45
Und wie schwer fiel es dem Lehrer, gerecht zu sein?
Guter Rat, 1975, Nr. 3
In der freien Wirtschaft ist für den gerechten Preis kein Raum, so wenig wie für den angemessenen Gewinn.
Rieger, Wilhelm: Einführung in die Privatwirtschaftslehre, Erlangen: Palm & Enke 1964 [1928], S. 45
Zitationshilfe
„gerecht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gerecht>, abgerufen am 24.04.2019.

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