gering

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungge-ring (computergeneriert)
Wortbildung mit ›gering‹ als Erstglied: ↗Geringqualifizierte · ↗Geringverdiener · ↗geringachten · ↗geringgradig · ↗geringhaltig · ↗geringschätzen · ↗geringwertig
 ·  mit ›gering‹ als Letztglied: ↗allergeringst  ·  formal verwandt mit: ↗geringfügig
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
klein, nicht sehr groß
Beispiele:
geringe Mengen, Abweichungen
geringe Kräfte
ich befinde mich in nicht geringer (= in sehr großer) Verlegenheit
ich habe alles bis auf die geringste Kleinigkeit bedacht
das geht zum geringsten Teil auf sein Konto
den Weg des geringsten Widerstandes gehen
bei der geringsten Schwierigkeit aufgeben
das ist mein geringster Kummer, meine geringste Sorge
nicht die geringste Lustgar keine Lust
Beispiele:
ich finde nicht den geringsten Unterschied
er hat nicht die geringste Bildung
nicht die geringste Notiz von etw. nehmen
nicht das Geringstegar nichts
Beispiele:
nicht das Geringste an einer Sache auszusetzen haben
nicht das Geringste hat sich verändert
er verdient nicht das Geringste
nicht im Geringstengar nicht, nicht im mindesten
Beispiele:
er schämte sich nicht im Geringsten
er kümmert sich nicht im Geringsten um sie
wenig
Beispiele:
etw. für geringes Geld kaufen
es sind nur geringe Niederschläge zu erwarten
geringe Neigung zu etw. haben, verspüren
geringen Wert auf etw. legen
das macht mir geringe Mühe
geringe Anforderungen an jmdn. stellen
das Gewicht um ein Geringes (= ein wenig) erhöhen
das Geringste (= Mindeste), was du tun könntest, wäre ...
unbedeutend
Beispiele:
es handelt sich dabei um nichts Geringes
der Streit geht um nichts Geringeres, als um die Frage, ob ...
das hat kein Geringerer als Schiller gesagt
auch im Geringsten genau, treu sein
er achtete auf das Geringste (= auf jede Kleinigkeit)
ihm entgeht, er übersieht nicht das Geringste
2.
niedrig
Beispiele:
geringe Preise, Einkünfte
etw. um ein Geringes (= für einen niedrigen Preis) erwerben
ein geringes Gewicht haben
gering geschätzt, gerechnet, wird das hundert Euro kosten
3.
minderwertig, von schlechter Qualität
Beispiele:
eine geringe Sorte, Qualität
geringe Stoffe
sie trug ein geringes Sommerkleid von Kattun [HeyseI 1,7]
4.
niedrigstehend, wenig geachtet
Beispiele:
auch der Geringste hat darauf Anspruch
von geringer Herkunft sein
jmdn. gering einschätzen
gering (= schlecht) von jmdm. denken
Und ich verließ meine Klasse und gesellte mich / Zu den geringen Leuten [BrechtGedichte290]
vornehm und gering strömte vom Morgen bis in die Nacht hinzu [E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,411]
5.
Jägersprache
Beispiel:
ein geringer (= kleiner, junger) Hirsch
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gering · geringfügig · Geringfügigkeit · geringschätzig · Geringschätzung · geringschätzen
gering Adj. ‘klein, unbedeutend, niedrig, minderwertig, wenig geachtet’, ahd. ringi Adj. ‘leicht’, giringo Adv. ‘auf leicht faßliche Weise’ (9. Jh.; vgl. ahd. ungiringi Adj. ‘gewichtig, inhaltsschwer’, 9. Jh.), mhd. ring(e), geringe ‘leicht, schnell bereit, behende, klein, wenig, unbedeutend’ (die unpräfigierte Form hält sich noch bis ins 17. Jh.), mnd. (ge)ringe Adj. Adv. ‘leicht, klein, wenig, unbedeutend, wertlos’ (adverbiell auch ‘behende, schnell, sofort’), mnl. gheringhe Adj. Adv. ‘leicht, schnell, rasch’, nl. gering Adj. ‘gering, niedrig, unbedeutend’, afries. ring Adv. ‘schnell, schleunig’. Für die nur dem Kontinentalwestgerm. angehörende Bildung *rengja- (schwed. ringa, dän. ringe ‘gering, geringfügig, wenig’ sind aus dem Mnd. entlehnt) fehlt eine sichere etymologische Herleitung. Da als älteste Bedeutungen ‘leicht an Gewicht’ und ‘behende, schnell’ bezeugt sind, während sich die modernen Verwendungen erst seit dem Hochmittelalter entwickeln, wird Verwandtschaft mit griech. rhímpha (ῥίμφα) ‘leicht, geschwind, schnell’, rhimphaléos (ῥιμφαλέος) ‘schnell, geschwind’ vermutet. Ein Zusammenhang mit ↗wringen (s. d.) ist unwahrscheinlich; vgl. de Vries Nl. 198 und Walde/Pokorny 2, 373. geringfügig Adj. ‘klein, unbedeutend’ (Ende 16. Jh.), weitergebildet vom gleichbed. Adjektiv frühnhd. geringfüge (16. Jh.), dessen zweites Glied auf mhd. vüege ‘angemessen, passend’ zurückgeht (s. ↗fügen); dazu Geringfügigkeit f. ‘Kleinheit, Unbedeutendheit’ (17. Jh.), dann auch (häufig im Plur.) ‘Kleinigkeit, unbedeutende Sache’ (18. Jh.). geringschätzig Adj. ‘verächtlich’ (Anfang 16. Jh.), zuvor bereits ‘wenig geschätzt, unbedeutend, von geringem Wert’ (15. bis 18. Jh.), Geringschätzung f. ‘Verachtung’ (Ende 15. Jh.), beide im Anschluß an die Fügung frühnhd. (ge)ring schätzen, die in jüngerer Zeit meist als Zusammenrückung geringschätzen Vb. ‘wenig schätzen’ erscheint (so schon ringschetzen, 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
bescheiden (Summe, Lohn) · gering · ↗kaum · ↗klein · ↗marginal · ↗unbedeutend · von geringem Umfang · ↗wenig · ↗winzig  ●  ↗dünn  ugs. · ↗mickerig  ugs. · ↗mickrig  ugs. · ↗überschaubar  ugs., ironisch
Oberbegriffe
Assoziationen
Antonyme
  • gering
Synonymgruppe
fast nichts · gering · ↗karg · kaum etwas · ↗minimal · ↗rar · sehr wenig  ●  minim  schweiz.
Synonymgruppe
gering · ↗kümmerlich · ↗schwach · ↗wenig
Synonymgruppe
gering · ↗infinitesimal · ↗klein · ↗klitzeklein · ↗mikro... · ↗mikroskopisch · ↗nano... · sehr klein · unendlich klein · ↗winzig
Assoziationen
  • Miniatur... · im Kleinformat · im Westentaschenformat · ↗kurz · ↗mini · mini... (Mini...) · miniklein  ●  ↗klein  Hauptform · ↗lütt  ugs., norddeutsch
  • (körperlich) klein · ↗klein gewachsen · ↗kleinwüchsig · von kleinem Wuchs · ↗zwergenhaft  ●  (zu) kurz geraten  abwertend · unterdimensioniert  technisch · klein und gemein (sarkastisch)  ugs. · vertikal herausgefordert  ugs., scherzhaft
Synonymgruppe
armselig · gering · ↗jammervoll · ↗jämmerlich · ↗kümmerlich · ↗minderwertig  ●  grenzlastig  ugs. · ↗grenzwertig  ugs. · ↗inferior  geh. · ↗lausig  ugs. · ↗lumpig  ugs. · ↗mickrig  ugs. · piselig  ugs., rheinisch · ↗popelig  ugs. · pupsig  ugs. · ↗windig  ugs.
Assoziationen
  • (nur) Centbeträge  ●  das bisschen Geld  ugs. · die paar Euro  ugs. · so'n bisschen Geld  ugs. · so'n paar Euro  ugs.
Synonymgruppe
gering (Lohn) · ↗karg · ↗klein (Rente) · ↗schmal (Rente, Pension) · ↗wenig (an) (Einkünften)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abstand Anteil Anzahl Aufwand Bedeutung Chance Einkommen Gewicht Interesse Kosten Menge Nachfrage Risiko Rolle Teil Umfang Umsatz Wahlbeteiligung Wahrscheinlichkeit Zahl Zweifel ausfallen eher einschätzen möglichst nur relativ sehr vergleichsweise äußerst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gering‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir hatten nicht die geringste Absicht, die amerikanische Führung in eine schwierige Lage zu bringen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1985]
Keineswegs gering schlage ich die Übung in lateinischen Versen an.
Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Erinnerungen 1848-1914. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 7560
Bei meiner Frau war das Vertrauen dafür sehr viel geringer.
Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464
Aber eine Verbesserung, die auf diese Art erreicht werden könnte, wäre nur von geringer Dauer.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 14.03.1924
Ohnehin war die Auswahl von brauchbaren Journalisten damals sehr gering.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 4970
Zitationshilfe
„gering“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gering>, abgerufen am 19.04.2019.

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