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gerissen

Grammatik partizipiales Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ge-ris-sen
Wortbildung  mit ›gerissen‹ als Grundform: Gerissenheit
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend nicht zu überlisten, durchtrieben, gerieben
Beispiele:
ein gerissener Bursche, Anwalt, Geschäftsmann
ein gerissener Betrüger, Dieb
sie ist ziemlich gerissen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gerissen · Gerissenheit
gerissen Part.adj. ‘schlau, durchtrieben, den eigenen Vorteil geschickt wahrnehmend’ wird in der 1. Hälfte des 19. Jhs. als Verstärkung von gerieben (s. d.) gebräuchlich. Es entspricht seiner Form nach dem Part. Prät. von reißen (s. d.), läßt sich aber an keine der Bedeutungen dieses Verbs sicher anschließen. Die Annahme einer (durch Semantik und Lautgestalt des Verbalstamms begünstigten) affektischen Analogiebildung zu synonymen Ausdrücken wie abgebrüht, abgefeimt, ausgekocht, gerieben, gewichst, gewieft, verschmitzt oder (öst.) gehaut liegt daher nahe. – Gerissenheit f. ‘Schlauheit, Geschäftstüchtigkeit’ (2. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) ist einiges (Unerfreuliche) zuzutrauen · abgebrüht · gerissen (oft abwertend) · gewieft · schlitzohrig  ●  (es) faustdick hinter den Ohren haben  fig. · mit allen Hunden gehetzt  fig., selten · mit allen Wassern gewaschen  fig. · verschlagen  negativ · (auch) kein Waisenknabe (sein)  ugs., fig. · (dem) machst du nichts vor  ugs., variabel · abgefeimt  geh., veraltend · abgewichst  derb, abwertend · abgezockt  ugs. · ausgebufft  ugs. · ausgekocht  ugs. · kein Engel  ugs., verhüllend
Assoziationen
Antonyme
  • (sehr) einfach gestrickt  verhüllend
Synonymgruppe
gerissen · gewieft · listig  ●  clever (Person)  Hauptform · gefinkelt  österr. · gefitzt  schweiz. · plietsch  norddeutsch · ausgefuchst  ugs. · gerieben  ugs.

Typische Verbindungen zu ›gerissen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gerissen‹.

Verwendungsbeispiele für ›gerissen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die sind zu gerissen, die finden immer was «, sagte ein Ober zu uns. [Beckenbauer, Franz: Einer wie ich, München: Wilhelm Heyne Verlag 1977, S. 148]
Was dieses Volk heute besitzt, hat es sich auf Kosten des nicht so gerissenen deutschen Volkes durch die übelsten Manipulationen erworben. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1939]]
Die gerissene Fock habe eigentlich nichts mit dem Sturm zu tun. [Die Zeit, 02.09.2012, Nr. 35]
Den Berlinern hat der gerissene Minister trotzdem nicht weh getan. [Die Welt, 13.12.2004]
Ich habe mich nicht darum gerissen, zu regieren, und ich freue mich auch nicht darauf. [Die Welt, 28.06.2004]
Zitationshilfe
„gerissen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gerissen>.

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