geruhen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungge-ru-hen
Grundformruhen
Wortbildung mit ›geruhen‹ als Erstglied: ↗geruhsam
eWDG, 1967

Bedeutung

spöttisch etw. aus Gnade tun, sich gnädig zu etw. herbeilassen
Beispiele:
willst du nicht geruhen, mir zu antworten?
wann geruht er denn zu erscheinen?
er geruhte, davon zu essen
daß Seine Majestät geruht habe, ihn zum Major zu befördern [ZuchardtSpießrutenlauf12]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

geruhen Vb. ‘sich (gnädig) herbeilassen, belieben, etw. zu tun’, mhd. geruochen ‘seinen Sinn auf etw. richten, Rücksicht nehmen auf, belieben, gewähren, wünschen, begehren’, mnd. gerōken sind durch Präfix verstärkte Bildungen zu dem in ahd. ruohhen ‘Rücksicht nehmen, besorgt, bedacht sein’ (um 800), mhd. ruochen, asächs. rōkian, mnd. rōken, mnl. roeken, aengl. rēcan, engl. to reck ‘sich kümmern um, beachten’, anord. rœkja belegten Simplex, das zu Substantivbildungen wie ahd. ruohha f. ‘Fürsorge, Bemühung’ (8. Jh.), ruoh ‘Bedenken, Beachtung’ (9. Jh.), mhd. ruoche f., ruoch m. ‘Acht, Bedacht, Sorge’, mnd. rōke gehört. Sie folgen mit verwandtem griech. arōgḗ (ἀρωγή) ‘Hilfe, Schutz’ der ō-Stufe der unter ↗recht (s. d.) angeführten Wurzel ie. *reg̑- ‘gerade, geraderichten, lenken, recken, strecken, aufrichten’ bei einer Bedeutungsentwicklung von ‘aufrichten’ zu ‘helfen’. Zur gleichen Wurzel gehören auch ↗recken, ↗reich, ↗richten (s. d.). Im Frühnhd. gerät mhd. (ge)ruochen unter den lautlichen Einfluß von ruhen, woraus sich die heutige Form erklärt. Der alte Lautstand ist erhalten in ↗ruchlos und ↗verrucht (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(die) Güte haben (und / zu) · ↗(sich) bereitfinden · (sich) erbarmen (und / zu) · ↗(sich) herablassen · ↗(sich) herbeilassen · die Freundlichkeit besitzen (und / zu) · so freundlich sein (und / zu) · so freundlich sein (zu) · so gnädig sein (zu) · so lieb sein (und)  ●  geruhen  veraltet · (sich) bemüßigt fühlen  geh. · (sich) bemüßigt sehen  geh. · belieben zu  geh., veraltet
Assoziationen
  • (sich) gefallen (in seiner Rolle) als (...) · (sich) gefallen in · kokettieren mit
  • (etwas) für gut befinden · (ganz) begeistert sein von · ↗(jemandem) belieben · (sich) begeistern für · eine Vorliebe haben für · gerne mögen · ↗mögen  ●  ↗(sich) loben  geh. · abfahren auf  ugs. · ich lobe mir  geh. · ↗liken  ugs., engl. · stehen auf  ugs.
  • (sich) aufmachen (und) · ↗(sich) aufraffen · (sich) bemühen (um) · (sich) durchringen (zu) · ↗(sich) überwinden  ●  (den) inneren Schweinehund überwinden (und)  ugs. · ↗(sich) aufrappeln  ugs. · ↗(sich) bequemen  ugs. · ↗(sich) hochrappeln  ugs. · den Arsch hochkriegen  derb, fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Feiertag Handel Herr Hoffnung Kaiser König Majestät Schulter Verjährung Weile rasten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›geruhen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vor 5000 Jahren dürften sie maximal einen Meter tief geruht haben.
Der Tagesspiegel, 13.11.2003
Hast du wohl gut geruht und den Tag gut angefangen?
Die Welt, 01.08.2002
Sie hatten geruht, sich gütlich getan und brauchten nicht ans Weiterkommen zu denken.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1917], S. 108
Er wollte zum Ende kommen und ging, ohne geruht zu haben, zurück.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Das dritte Reich des Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1925], S. 1066
Oder soll ich ihn denken zu Orange, an das ländliche Triumphtor geruht?
Rilke, Rainer Maria: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Prosa 1906 bis 1926, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1966 [1910], S. 869
Zitationshilfe
„geruhen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/geruhen>, abgerufen am 15.11.2019.

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