geruhen

Grammatik Verb
Aussprache  [gəˈʀuːən]
Worttrennung ge-ru-hen
Grundform ruhen
Wortbildung  mit ›geruhen‹ als Erstglied: ↗geruhsam
eWDG

Bedeutung

spöttisch etw. aus Gnade tun, sich gnädig zu etw. herbeilassen
Beispiele:
willst du nicht geruhen, mir zu antworten?
wann geruht er denn zu erscheinen?
er geruhte, davon zu essen
daß Seine Majestät geruht habe, ihn zum Major zu befördern [ ZuchardtSpießrutenlauf12]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

geruhen Vb. ‘sich (gnädig) herbeilassen, belieben, etw. zu tun’, mhd. geruochen ‘seinen Sinn auf etw. richten, Rücksicht nehmen auf, belieben, gewähren, wünschen, begehren’, mnd. gerōken sind durch Präfix verstärkte Bildungen zu dem in ahd. ruohhen ‘Rücksicht nehmen, besorgt, bedacht sein’ (um 800), mhd. ruochen, asächs. rōkian, mnd. rōken, mnl. roeken, aengl. rēcan, engl. to reck ‘sich kümmern um, beachten’, anord. rœkja belegten Simplex, das zu Substantivbildungen wie ahd. ruohha f. ‘Fürsorge, Bemühung’ (8. Jh.), ruoh ‘Bedenken, Beachtung’ (9. Jh.), mhd. ruoche f., ruoch m. ‘Acht, Bedacht, Sorge’, mnd. rōke gehört. Sie folgen mit verwandtem griech. arōgḗ (ἀρωγή) ‘Hilfe, Schutz’ der ō-Stufe der unter ↗recht (s. d.) angeführten Wurzel ie. *reg̑- ‘gerade, geraderichten, lenken, recken, strecken, aufrichten’ bei einer Bedeutungsentwicklung von ‘aufrichten’ zu ‘helfen’. Zur gleichen Wurzel gehören auch ↗recken, ↗reich, ↗richten (s. d.). Im Frühnhd. gerät mhd. (ge)ruochen unter den lautlichen Einfluß von ruhen, woraus sich die heutige Form erklärt. Der alte Lautstand ist erhalten in ↗ruchlos und ↗verrucht (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(die) Güte haben (und / zu) · ↗(sich) bereitfinden · (sich) erbarmen (und / zu) · ↗(sich) herablassen · ↗(sich) herbeilassen · die Freundlichkeit besitzen (und / zu) · ↗freundlicherweise (tun) · ↗netterweise (tun) · so freundlich sein (und / zu) · so freundlich sein (zu) · so gnädig sein (zu) · so lieb sein (und) · so nett sein (zu)  ●  geruhen  veraltet · (sich) bemüßigt fühlen  geh. · (sich) bemüßigt sehen  geh. · belieben zu  geh., veraltet
Assoziationen
  • (sich) gefallen (in seiner Rolle) als (...) · (sich) gefallen in · kokettieren mit
  • (etwas) für gut befinden · (ganz) begeistert sein von · ↗(jemandem) belieben · (sich) begeistern für · eine Vorliebe haben für · gerne mögen · ↗mögen  ●  (eine) Schwäche haben (für)  ugs., fig. · ↗(sich) loben  geh. · abfahren auf  ugs. · ich lobe mir  geh. · ↗liken  ugs., engl. · stehen auf  ugs.
  • (sich) aufmachen (und) · ↗(sich) aufraffen · (sich) bemühen (um) · (sich) durchringen (zu) · ↗(sich) überwinden  ●  (den) inneren Schweinehund überwinden (und)  ugs. · ↗(sich) aufrappeln  ugs. · ↗(sich) bequemen  ugs. · ↗(sich) hochrappeln  ugs. · ↗den Arsch hochkriegen  derb, fig.

Typische Verbindungen zu ›geruhen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›geruhen‹.

Verwendungsbeispiele für ›geruhen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur weil es im Moment so schauerlich pladdert, geruht er ein Nickerchen bei mir zu machen.
Noll, Ingrid: Ladylike, Zürich: Diogenes 2006, S. 206
Bonaparte hat geruht, Würde und Titel eines Imperators zu akzeptieren.
Seidel, Ina: Das Wunschkind, Frankfurt a. M. u. a.: Ullstein 1987 [1930], S. 909
Das Schweigen wurde vom Bürgermeister mit der Frage unterbrochen, ob Exzellenz nicht geruhen wolle, das Mittagessen in seinem Haus zu nehmen.
Wassermann, Jakob: Caspar Hauser, Berlin: Aufbau-Verl. 1987 [1908], S. 29
Draußen prallte er auf Robert, den Diener, der wartete, bis man geruhen würde, ihm und der Zofe zu rufen.
Niebelschütz, Wolf von: Der blaue Kammerherr, Stuttgart u. a.: Dt. Bücherbund [1991] [1949], S. 314
Wir warten nicht mehr, bis jemand geruht, uns gnädig zu bedienen.
Süddeutsche Zeitung, 02.09.2000
Zitationshilfe
„geruhen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/geruhen>, abgerufen am 26.01.2021.

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