gesellen

GrammatikVerb · reflexiv
Aussprache
Worttrennungge-sel-len (computergeneriert)
Wortbildung mit ›gesellen‹ als Letztglied: ↗beigesellen · ↗dazugesellen · ↗hinzugesellen
eWDG, 1967

Bedeutung

sich (zu) jmdm., (zu) einer Sache gesellensich jmdm., einer Sache anschließen
Beispiele:
ein neuer Gast gesellte sich zu ihnen
er gesellte sich auf dem Spaziergang zu uns
Und ich verließ meine Klasse und gesellte mich / Zu den geringen Leuten [BrechtGedichte290]
Zu einem reichen Geist, einer tollen Phantasie gesellte sich eine fast Sucht zu nennende Uneigennützigkeit [KolbSchaukel87]
Diesen grauen Schwestern gesellt sich ein altes Kind, ein Kanzleischreiber [HardenKöpfe287]
Neigten sich die sechs Gestalten / Und gesellten sich dem Zug / Der die alten Tafeln trug [BrechtGedichte104]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geselle · gesellen · gesellig · Geselligkeit · Gesellschaft · gesellschaftlich · Gesellschafter · Gesellschaftsordnung
Geselle m. ‘Facharbeiter, Handwerksbursche, Kamerad’, ahd. gisello ‘Wohn-, Hausgenosse, Freund’ (9. Jh.), mhd. geselle, auch ‘Geliebte(r), Standesgenosse, Handwerksgeselle, junger Mann’, mnd. geselle, mnl. gheselle, nl. gezel ist eine Präfixableitung (westgerm. *ga-salja-) zu dem unter ↗Saal (s. d.) behandelten Substantiv. Es bezeichnet eigentlich den, ‘der den Saal (die Unterkunft) mit (einem) anderen teilt’ (zur Bildung s. ↗Bauer und ↗Gefährte). Geselle wird als Bezeichnung für den gelernten, abhängigen Handwerker (seit dem Mhd.) heute durch Facharbeiter (s. ↗Fach) ersetzt; vgl. E. Adelberg in: Zur Ausbildung d. Norm d. dt. Literaturspr. 2 (1976) 165. gesellen Vb. reflexiv ‘sich zusammenfinden’, mhd. gesellen ‘zum Gesellen machen, geben’, (reflexiv) ‘sich freundschaftlich verbinden’. gesellig Adj. ‘Gesellschaft, zwanglose Gemeinschaft liebend’, mhd. gesellec ‘zugesellt, verbunden’; Geselligkeit f. ‘freundschaftliches Zusammensein, unterhaltsame Veranstaltung’, mhd. gesellecheit ‘freundschaftliches Verhältnis, Beisammensein’. Gesellschaft f. ‘Gruppe von Menschen, zweckgebundene Vereinigung von mehreren Personen, geselliger Kreis’, ahd. gisellascaft, giselliscaft (9. Jh.), mhd. geselleschaft ‘fürstliches Gefolge, Vereinigung mehrerer, Genossenschaft, freundschaftliches Beisammen- oder Verbundensein, Liebe’. Seit dem 15. Jh. auch die in Gruppen gegliederte menschliche Gemeinschaft, z. B. bürgerliche Gesellschaft ‘Gemeinschaft der Bürger’ (15. Jh.); die (gute) Gesellschaft ‘durch Stand, (adlige) Geburt oder Bildung verbundene Bevölkerungsschichten’ (18. Jh.); zeitweilig nahezu synonym mit Staat, im 18. Jh. von frz. société beeinflußt (Rousseau). Für die deutsche bürgerliche politische Ökonomie des 19. Jhs. ist Gesellschaft bereits die in Klassen gespaltene, in (naturgegebenen) Produktionsverhältnissen lebende Gesamtheit der Menschen. gesellschaftlich Adj. ‘gemeinschaftlich, die Gesellschaft betreffend’ (18. Jh.). Gesellschafter m. ‘Mitglied einer Gesellschaft, Vereinigung’, auch ‘Begleiter, Unterhalter’ (16. Jh.). Gesellschaftsordnung f. ‘Struktur und Gliederung der in gleichartigen ökonomischen, sozialen und politischen Verhältnissen lebenden Menschen auf einer bestimmten historischen Entwicklungsstufe’ (19. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Artgenosse Erschrecken Frust Furcht Gruppenbild Mißton PS Pech Peinlichkeit Prominenz Schar Trauer Trio Unbehagen Unfähigkeit Unvermögen Unwägbarkeit Wut alsbald bald beigesellen dazugesellen gern hinzu hinzugesellen neuerdings sogleich zueinander zugesellen Ärger

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gesellen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zur Einheit der Handlung gesellt sich die nur geringfügig abgewandelte Einheit des Ortes.
Süddeutsche Zeitung, 04.06.2003
Zum Wissen über das Datum gesellt sich sogleich die Imagination.
Schlögel, Karl: Petersburg, München Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 410
Sex wird raffinierter dargeboten, Glamour aus den vierziger Jahren gesellt sich dazu.
Die Zeit, 02.08.1968, Nr. 31
Dort gesellte sich zu den Damen der zwanzigjährige Student Karl Hau.
Friedländer, Hugo: Die Ermordung der Medizinalrätin Molitor auf der Promenade in Baden-Baden. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1910], S. 373
Wenn er sich dazu gesellte, fand er leicht die passenden Worte.
Wellershoff, Dieter: Die Sirene, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1980, S. 147
Zitationshilfe
„gesellen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gesellen>, abgerufen am 18.10.2019.

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