gesellschaftlich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ge-sell-schaft-lich
Wortzerlegung Gesellschaft -lich
Wortbildung  mit ›gesellschaftlich‹ als Letztglied: gesamtgesellschaftlich · innergesellschaftlich
eWDG

Bedeutungen

1.
die sozialen und ökonomischen Verhältnisse betreffend
Beispiele:
die gesellschaftliche Neuordnung, Entwicklung, Umwälzung, Umgestaltung
ein gesellschaftlicher Fortschritt
die Erkenntnis der gesellschaftlichen Zusammenhänge
Marxismusdas gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln
Wirtschaftdas gesellschaftliche Gesamtprodukt (= Gesamtmasse aller in einem bestimmten Zeitabschnitt in der Gesellschaft produzierten materiellen Güter)
DDRdie gesellschaftliche Arbeit, Tätigkeit (= unbezahlte, ehrenamtliche Arbeit, Tätigkeit zum Nutzen der Gesellschaft)
DDR gesellschaftliche Bauten (= kulturelle Einrichtungen, Verwaltungs-, Volksbildungs- und Versorgungseinrichtungen)
DDRsich gesellschaftlich betätigen
DDR gesellschaftlich aktiv sein
2.
veraltet in der sogenannten guten Gesellschaft, der Oberschicht
Beispiele:
er machte sich, er ist gesellschaftlich unmöglich
dank der gesellschaftlichen Stellung seiner Eltern
mit jmdm. gesellschaftlich verkehren
daß sein Besitz [des Vermögens] allein Dir eine gesellschaftliche Position sichern könnte [ MusilMann79]
von der sogenannten guten Gesellschaft, der Oberschicht gefordert, erwartet
Beispiele:
er hat viele gesellschaftliche Verpflichtungen
seine gesellschaftliche Gewandtheit, gesellschaftlichen Formen
ohne jeden gesellschaftlichen Zwang
Dann erinnerte sie sich ihrer gesellschaftlichen Schulung und schüttelte dem Gutbekannten die Hand [ A. ZweigGrischa135]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geselle · gesellen · gesellig · Geselligkeit · Gesellschaft · gesellschaftlich · Gesellschafter · Gesellschaftsordnung
Geselle m. ‘Facharbeiter, Handwerksbursche, Kamerad’, ahd. gisello ‘Wohn-, Hausgenosse, Freund’ (9. Jh.), mhd. geselle, auch ‘Geliebte(r), Standesgenosse, Handwerksgeselle, junger Mann’, mnd. geselle, mnl. gheselle, nl. gezel ist eine Präfixableitung (westgerm. *ga-salja-) zu dem unter Saal (s. d.) behandelten Substantiv. Es bezeichnet eigentlich den, ‘der den Saal (die Unterkunft) mit (einem) anderen teilt’ (zur Bildung s. Bauer3 und Gefährte). Geselle wird als Bezeichnung für den gelernten, abhängigen Handwerker (seit dem Mhd.) heute durch Facharbeiter (s. Fach) ersetzt; vgl. E. Adelberg in: Zur Ausbildung d. Norm d. dt. Literaturspr. 2 (1976) 165. gesellen Vb. reflexiv ‘sich zusammenfinden’, mhd. gesellen ‘zum Gesellen machen, geben’, (reflexiv) ‘sich freundschaftlich verbinden’. gesellig Adj. ‘Gesellschaft, zwanglose Gemeinschaft liebend’, mhd. gesellec ‘zugesellt, verbunden’; Geselligkeit f. ‘freundschaftliches Zusammensein, unterhaltsame Veranstaltung’, mhd. gesellecheit ‘freundschaftliches Verhältnis, Beisammensein’. Gesellschaft f. ‘Gruppe von Menschen, zweckgebundene Vereinigung von mehreren Personen, geselliger Kreis’, ahd. gisellascaft, giselliscaft (9. Jh.), mhd. geselleschaft ‘fürstliches Gefolge, Vereinigung mehrerer, Genossenschaft, freundschaftliches Beisammen- oder Verbundensein, Liebe’. Seit dem 15. Jh. auch die in Gruppen gegliederte menschliche Gemeinschaft, z. B. bürgerliche Gesellschaft ‘Gemeinschaft der Bürger’ (15. Jh.); die (gute) Gesellschaft ‘durch Stand, (adlige) Geburt oder Bildung verbundene Bevölkerungsschichten’ (18. Jh.); zeitweilig nahezu synonym mit Staat, im 18. Jh. von frz. société beeinflußt (Rousseau). Für die deutsche bürgerliche politische Ökonomie des 19. Jhs. ist Gesellschaft bereits die in Klassen gespaltene, in (naturgegebenen) Produktionsverhältnissen lebende Gesamtheit der Menschen. gesellschaftlich Adj. ‘gemeinschaftlich, die Gesellschaft betreffend’ (18. Jh.). Gesellschafter m. ‘Mitglied einer Gesellschaft, Vereinigung’, auch ‘Begleiter, Unterhalter’ (16. Jh.). Gesellschaftsordnung f. ‘Struktur und Gliederung der in gleichartigen ökonomischen, sozialen und politischen Verhältnissen lebenden Menschen auf einer bestimmten historischen Entwicklungsstufe’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
gesellschaftlich · sozial · zwischenmenschlich
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›gesellschaftlich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gesellschaftlich‹.

Verwendungsbeispiele für ›gesellschaftlich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und das gilt auch für alle anderen Fragen einer zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklung. [Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 128]
Aber um gewisse gesellschaftliche Verpflichtungen kommen sie nun einmal nicht herum. [Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 397]
Literatur war uns eine gesellschaftliche Form von Kunst, Industrie eine gesellschaftliche Form von Technik. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 121]
Diese Fähigkeiten sind praktisch nur gemeinsam mit Einstellungen, ihre gesellschaftlich nützliche Anwendung betreffend, entwickelbar. [Hacker, Winfried: Handlung. In: Asanger, Roland u. Wenninger, Gerd (Hgg.) Handwörterbuch Psychologie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1980], S. 6424]
Aber rechtfertigt das allein, die anscheinend nicht vorhandene gesellschaftliche Verantwortung dem eigenen Nutzen unterzuordnen? [Die Zeit, 16.12.1999, Nr. 51]
Zitationshilfe
„gesellschaftlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gesellschaftlich>.

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