Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

gewähren

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ge-wäh-ren
Wortbildung  mit ›gewähren‹ als Erstglied: Gewährung · gewährbar
eWDG

Bedeutungen

1.
jmdm. etw. bewilligen, zubilligen, zugestehen
Beispiele:
jmdm. Kredit, Vorschuss, Stundung, Aufschub, eine Anleihe gewähren
jmdm. Einblick, eine Vergünstigung gewähren
jmdm. Obdach, Gastrecht, Asyl, Unterkunft, Zuflucht, Schutz gewähren
jmdm. ein Interview gewähren
aber die Besitzlosen / Lesen den Steckbrief und / Gewähren mir Unterschlupf [ BrechtGedichte291]
gehoben jmdm. etw. bieten, geben
Beispiele:
jmdm. Trost, Beistand, Freude, ein Vergnügen gewähren
diese Einrichtung gewährt manchen Vorteil, große Sicherheit
2.
gehoben jmdm. etw. erfüllen
Beispiele:
jmdm. einen Wunsch, sein Gesuch, ein Anliegen gewähren
Ich sei, gewährt mir die Bitte, / In eurem Bunde der Dritte [ SchillerBürgschaft]
3.
jmdn. gewähren lassenjmdn. in seinem Tun nicht hindern
Beispiele:
sie ließ die Kinder (lächelnd) gewähren
vielmehr war er zufrieden, wenn man ihn nur gewähren und im stillen seine Arbeit verrichten ließ [ G. KellerKleider machen Leute6,293]
4.
veraltet jmdm. Gewähr für jmdn., etw. bieten
Beispiel:
Sagt! Welches Pfand gewährte mir für Euch, / Wenn ich großmütig Eure Bande löste [ SchillerStuartIII 4]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gewähren · Gewähr · gewährleisten · Gewährsmann · Gewährschaft · Währschaft · währschaft
gewähren Vb. ‘zugestehen, zukommen lassen’, ahd. giwerēn ‘zugestehen, Gewähr leisten’ (9. Jh.), mhd. gewern ‘zugestehen, bezahlen, es durch Leistung zu etw. bringen’, mnd. gewēren. Das ohne Entsprechungen in den übrigen germ. Sprachen bezeugte Verb wird zu der meist dehnstufig auftretenden Wurzel ie. *u̯er- (oder *u̯erə-?) ‘Freundlichkeit (erweisen)’ gestellt, so daß sich Verwandtschaft mit griech. heortḗ (ἑορτή) ‘Fest, Feier(tag)’, lat. sevērus ‘streng’ (eigentlich ‘ohne Freundlichkeit’), kymr. cywir ‘recht, treu, aufrichtig’ und weiter mit den unter wahr (s. d.) genannten Formen ergibt. Gewähr f. ‘Zusicherung, Garantie’, mhd. gewer ist ein altes Rechtswort; häufig in der Wendung Gewähr leisten (18. Jh.), seit dem 19. Jh. zusammengerückt zu gewährleisten Vb. ‘Sicherheit bieten, garantieren’. Gewährsmann m. ‘Garant’ (16. Jh.), ursprünglich Rechtswort, mhd. gewereman (13. Jh.), werman (14. Jh.), noch bei Lessing Wehrmann, Gewährmann (18. Jh.); erst seit dem 18. Jh. außerhalb terminologischen Rechtsgebrauchs üblich. Gewährschaft f. ‘was man gewährt, Gabe, Sicherstellung, Bürgschaft’, mhd. gewerschaft. Ohne Präfix Währschaft f. mhd. werschaft. währschaft Adj. ‘tüchtig, solid, kräftig’ (14. Jh.).

gewahr · gewahren · Gewahrsam
gewahr Adj. ‘aufmerksam, bemerkend’, ahd. giwar ‘achtsam, vorsorgend’ (9. Jh.; vgl. ungiwar, 8. Jh.), mhd. gewar ‘beachtend, aufmerksam, bemerkend, vorsichtig’, asächs. giwar, mnd. gewār, mnl. ghewar, aengl. gewær (vgl. engl. aware, to become aware of ‘gewahr werden’) stehen neben anord. varr ‘aufmerksam, vorsichtig’ und got. wars ‘behutsam’. Germ. *(ga-)wara- gehört etymologisch zu wahren (s. d.). Heute begegnet gewahr nur noch prädikativ in der Wendung gewahr werden, ahd. giwar werdan (10. Jh.), mhd. gewar werden; vgl. nl. gewaarworden. gewahren Vb. ‘bemerken, erblicken’, mhd. gewarn ist wohl zum Adjektiv gewahr (und nicht zum Verb wahren, mhd. warn) gebildet. Gewahrsam m. ‘Schutz, Obhut, Haft’ verbreitet sich in dieser apokopierten Form seit dem 16. Jh. Voraus geht mhd. gewarsame f. ‘Aufsicht, Sicherheit, sicherer Ort’ (bis ins 18. Jh. belegt), eine Substantivierung des noch im 18. Jh. gebräuchlichen Adjektivs gewahrsam, mhd. gewarsam ‘sorgsam, vorsichtig’. Gewahrsam ‘sicherer Ort, Gefängnis’ erscheint bereits seit dem 15. Jh. als Neutrum, während Gewahrsam ‘Schutz, Obhut, Haft’ im 18. Jh. vom fem. zum mask. Genus überwechselt.

Thesaurus

Synonymgruppe
(eine) Möglichkeit schaffen · autorisieren · bewilligen · erlauben · ermöglichen · gestatten · gewähren · lassen · lizenzieren · möglich machen · zulassen  ●  den Weg frei machen  fig. · den Weg freimachen  fig. · legalisieren  juristisch · sanktionieren  fachspr.

Typische Verbindungen zu ›gewähren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gewähren‹.

Verwendungsbeispiele für ›gewähren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Frau, die seit dem Morgen stumm in der Küche gesessen hatte, schien er gar nicht zu gewahren. [Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 205]
Als er sie fast erreicht hatte, gewahrte er aus den Augenwinkeln eine Bewegung. [Hohlbein, Wolfgang: Das Druidentor, Stuttgart: Weitbrecht 1993, S. 136]
Die Arbeiter sahen aus wie immer, nur ein wissendes Auge gewahrte kaum bemerkbare Veränderungen an ihnen, ihrer Kleidung, ihren Gesten, ihrer Haltung. [Hermlin, Stephan: Abendlicht, Leipzig: Reclam 1981 [1979], S. 85]
Da gewahrten wir durch den dichten, schwarzen Nebel einen seltsamen, hellen Schein. [Christ, Lena: Mathias Bichler. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1914], S. 17195]
Und als Jettchen Kößling schon lange nicht mehr sehen konnte, glaubte sie immer noch, ihn im Dunkel zu gewahren und seine Schritte zu hören. [Hermann, Georg [d.i. Borchardt, Georg Hermann]: Jettchen Gebert, Berlin: Fleischel 1919 [1906], S. 230]
Zitationshilfe
„gewähren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gew%C3%A4hren>.

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