Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

gewahr

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ge-wahr

Bedeutungsübersicht+

  1. [gehoben] ⟨jmdn., etw., jmds., einer Sache gewahr werden⟩ jmdn., etw. erblicken
    1. etw. wahrnehmen
    2. etw. erkennen, feststellen
eWDG

Bedeutung

gehoben jmdn., etw., jmds., einer Sache gewahr werdenjmdn., etw. erblicken
Beispiele:
als er meiner, mich gewahr wurde, kam er mir entgegen
Marie wurde zu ihrem Erstaunen gewahr, daß die Türen … offen standen [ E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,302]
etw. wahrnehmen
Beispiel:
wenig vom Lärm der Straßen gewahr werden
etw. erkennen, feststellen
Beispiele:
eines Fehlers, Irrtums gewahr werden
du wirst es schon noch gewahr werden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gewahr · gewahren · Gewahrsam
gewahr Adj. ‘aufmerksam, bemerkend’, ahd. giwar ‘achtsam, vorsorgend’ (9. Jh.; vgl. ungiwar, 8. Jh.), mhd. gewar ‘beachtend, aufmerksam, bemerkend, vorsichtig’, asächs. giwar, mnd. gewār, mnl. ghewar, aengl. gewær (vgl. engl. aware, to become aware of ‘gewahr werden’) stehen neben anord. varr ‘aufmerksam, vorsichtig’ und got. wars ‘behutsam’. Germ. *(ga-)wara- gehört etymologisch zu wahren (s. d.). Heute begegnet gewahr nur noch prädikativ in der Wendung gewahr werden, ahd. giwar werdan (10. Jh.), mhd. gewar werden; vgl. nl. gewaarworden. – gewahren Vb. ‘bemerken, erblicken’, mhd. gewarn ist wohl zum Adjektiv gewahr (und nicht zum Verb wahren, mhd. warn) gebildet. Gewahrsam m. ‘Schutz, Obhut, Haft’ verbreitet sich in dieser apokopierten Form seit dem 16. Jh. Voraus geht mhd. gewarsame f. ‘Aufsicht, Sicherheit, sicherer Ort’ (bis ins 18. Jh. belegt), eine Substantivierung des noch im 18. Jh. gebräuchlichen Adjektivs gewahrsam, mhd. gewarsam ‘sorgsam, vorsichtig’. Gewahrsam ‘sicherer Ort, Gefängnis’ erscheint bereits seit dem 15. Jh. als Neutrum, während Gewahrsam ‘Schutz, Obhut, Haft’ im 18. Jh. vom fem. zum mask. Genus überwechselt.

gewähren · Gewähr · gewährleisten · Gewährsmann · Gewährschaft · Währschaft · währschaft
gewähren Vb. ‘zugestehen, zukommen lassen’, ahd. giwerēn ‘zugestehen, Gewähr leisten’ (9. Jh.), mhd. gewern ‘zugestehen, bezahlen, es durch Leistung zu etw. bringen’, mnd. gewēren. Das ohne Entsprechungen in den übrigen germ. Sprachen bezeugte Verb wird zu der meist dehnstufig auftretenden Wurzel ie. *u̯er- (oder *u̯erə-?) ‘Freundlichkeit (erweisen)’ gestellt, so daß sich Verwandtschaft mit griech. heortḗ (ἑορτή) ‘Fest, Feier(tag)’, lat. sevērus ‘streng’ (eigentlich ‘ohne Freundlichkeit’), kymr. cywir ‘recht, treu, aufrichtig’ und weiter mit den unter wahr (s. d.) genannten Formen ergibt. – Gewähr f. ‘Zusicherung, Garantie’, mhd. gewer ist ein altes Rechtswort; häufig in der Wendung Gewähr leisten (18. Jh.), seit dem 19. Jh. zusammengerückt zu gewährleisten Vb. ‘Sicherheit bieten, garantieren’. Gewährsmann m. ‘Garant’ (16. Jh.), ursprünglich Rechtswort, mhd. gewereman (13. Jh.), werman (14. Jh.), noch bei Lessing Wehrmann, Gewährmann (18. Jh.); erst seit dem 18. Jh. außerhalb terminologischen Rechtsgebrauchs üblich. Gewährschaft f. ‘was man gewährt, Gabe, Sicherstellung, Bürgschaft’, mhd. gewerschaft. Ohne Präfix Währschaft f. mhd. werschaft. währschaft Adj. ‘tüchtig, solid, kräftig’ (14. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(für jemanden) klar · (jemandem) bewusst · (jemandem) gegenwärtig · (sich darüber) im Klaren sein, dass · (sich über etwas) im Klaren sein · (sich) (dessen) bewusst sein, dass  ●  (einer Sache) gewahr  veraltet · (jemandem) klar  ugs.
Assoziationen
  • (etwas) im Kopf haben · (etwas) präsent haben · (etwas) vor Augen haben · (jemandem) bewusst sein · (sich) im Klaren sein (über)  ●  (etwas) (schon) eingepreist haben geh. · (etwas) auf dem Schirm haben ugs. · (etwas) mitdenken müssen geh. · (etwas) nicht vergessen haben ugs. · (jemandem) gewärtig sein geh. · (jemandem) präsent sein geh. · an etwas denken ugs.

Typische Verbindungen zu ›gewahr‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gewahr‹.

Verwendungsbeispiele für ›gewahr‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber man muss doch erst einmal der unglaublichen Veränderungen gewahr werden, die dieser Mann vollbracht hat. [Die Zeit, 11.10.2010, Nr. 41]
Daß auf der ruhigen, ernsten Frau ein Kummer lastete, der sich in tiefer Resignation ausprägte, wurde man gewahr. [Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054]
Als die Gruppe seiner zerschrammten Stirn und Nase gewahr wurde und in sterbensmüde Augen und einen zahnlosen, halb geöffneten Mund sah, verstummten die Reden. [Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 55]
Man bedenke nur, daß er fast gar nichts sah und daß er, um irgend etwas gewahr zu werden, es direkt vor die Augen halten mußte. [Süddeutsche Zeitung, 14.04.1994]
Spektakulär ging es hier allerdings nicht zu, und um des Problems gewahr zu werden, bedurfte es eines tiefer dringenden Blickes. [Heuß, Alfred: Das Zeitalter der Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 8988]
Zitationshilfe
„gewahr“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/gewahr>.

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